Leica Firmenzentrale in Wetzlar



Daten und Fakten

Standort: Am Leitz-Park 5, 35578 Wetzlar
Bauherr: Leitz-Park GmbH, Wetzlar
Nutzer: Leica Camera AG, Wetzlar

Generalplaner: Gruber + Kleine-Kraneburg Architekten, Frankfurt am Main

Generalunternehmer: ARGE Neubau Leica Camera Wetzlar

Internationaler Wettbewerb: 2007
Bauzeit: 2012-2014
Fertigstellung: 3/2014

Flächen:
BGF: 35.580 m²
BRI: 155.000 m³

Energiekennzahlen:
Energiestandard: Niedrigenergiehaus
Jahresprimärenergiebedarf: 40 kWh/ m² a
Endenergiebedarf: 13,5 kWh/ m² a

Energiedaten:
Jahresnutzenergie: 79,1 kWh/m² a
Jahresendenergie: 18,4 kwh/m² a
Jahresprimärenergie: 107 kwh/m² a

Energiestandard: 54% Übererfüllung der EnEV 2009
Nutzenergien: Gas, Strom, Erdwärme

Auszeichnungen:
Greenbuilding-Zertifikat der Europäischen Union

Investitionsvolumen:
60 Mio. Euro

Architekten

Gruber + Kleine-Kraneburg Architekten
Niddastraße 84
60329 Frankfurt am Main
Tel.: 069/170072-0
Fax: 069/170072-19
buero@gruber-kleinekraneburg.de
www.gruber-kleinekraneburg.de

Geschäftsleitung:
Martin Gruber
Helmut Kleine-Kraneburg

Bürophilosophie:
Die Schaffung von hochwertigen, ästhetischen Innen- und Außenräumen steht als die ureigenste Aufgabe der Architektur an der obersten Stelle jeglicher Gestaltungsaufgabe in unserem Büro. Hierzu bildet die Durcharbeitung des architektonischen Sujets als beständiges und dauerhaftes Gebilde die Brücke zwischen Vision und Wirklichkeit. Zur Umsetzung dieses Anspruches werden durch unser Büro alle Leistungsphasen der HOAI bis hin zu Möblierungsentwürfen und Designkonzepten durchgeführt.

Fachplaner

TGA-Planung
HPI Himmen Ingenieurgesellschaft
Zülpicher Straße 58 e
50674 Köln
Tel.: 0221/2508088-0
Fax: 0221/2508088-20
info-k@hpi-himmen.de
www.hpi-himmen.de

Tragwerksplanung/ Brandschutz
Reichmann + Partner Ingenieurgesellschaft mbH + Co. KG
Eichenweg 1
35630 Ehringshausen
Tel.: 06443/8240-0
Fax: 06443/8240-50
ehr@reichmann-partner.de
www.reichmann-partner.de

Tragwerksplanung (bis LPH 4)
Grontmij BGS Ingenieurgesellschaft mbH
Hanauer Landstraße 135-137
60314 Frankfurt am Main
info@grontmij.de
www.grontmij.de

Bauphysik/ Akustik
Graner + Partner Ingenieure
Lichtenweg 15
51465 Bergisch Gladbach
Tel.: 02202/93630-0
Fax: 02202/93630-30
info@graner-ingenieure.de
www.graner-ingenieure.de

Fassade
Christian Bonik Fassadenberatung GmbH
Rodensteinstraße 109
64625 Bensheim
Tel.: 06251/58696-12
Fax: 06251/58696-18
info@cbfassadenberatung.de
www.cbfassadenberatung.de

Landschaftsarchitektur
Wewer Landschaftsarchitektur
Gutzkowstraße 9
69594 Frankfurt am Main
Tel.: 069/663680-22
Fax: 069/663680-26
office@wewer-la.de
www.wewer-la.de

Vermessung
Vermessungsbüro Jörg Mathes
Braunfelser Straße 2
35619 Braunfels
Tel.: 06442/9545-0
Fax: 06442/9545-10
info@joerg-mathes.de
www.joerg-mathes.de

Ausstellungsplanung
Designbuereau KM 7
Klaus Mai
Gutzkowstraße 9
69594 Frankfurt am Main
Tel.: 069/96244559
mai@km7.de
www.km7.de

Lichtplanung
Lichtvision Design & Engineering GmbH
Antonienstrasse 3
80802 München
Tel.: 089/18954109
Fax: 089/18954242
studio.muenchen@lichtvision.com
www.lichtvision.com

Küchenplanung
PROFIL Gastronomie Planung + Innovation GmbH
Gutenbergstraße 8
65830 Kriftel
Tel.: 06192/9941-0
Fax: 06192/9941-25
info@profil-planung.de
www.profil-gastronomieplanung.de

Projektsteuerer
Projektsteuerung
DAL Bautec Baumanagement und Beratung GmbH
Wilhelm-Theodor-Römheld-Str. 30
55130 Mainz
Tel.: 06131/804245
Fax: 06131/804133
bautec@dal.de
www.dal-bautec.de

Generalunternehmer
ARGE Neubau Leica Camera Wetzlar
bestehend aus
Adolf Lupp GmbH + Co KG
Alois-Thums-Straße 1-3
D-63667 Nidda
Tel.: 06043/807-0
Fax: 06043/807-171
info@lupp.de
www.lupp.de

Dreßler Bau GmbH
Müllerstraße 26
63741 Aschaffenburg
Tel.: 06021/4030
Fax: 06021/403216
ab-hv@dressler-bau.de
www.dressler-bau.de

Imtech Deutschland GmbH & Co KG
De-Saint-Exupéry-Straße 10
60549 Frankfurt am Main
Tel.: 069/50002-0
Fax: 069/50002-222
mitte@imtech.de
www.imtech.de

Entwurfsaufgabe

Unter Enthusiasten der Fotografie genießt die Marke Leica einen ausgezeichneten Ruf. Qualität, Präzision und Perfektion bis ins Detail zeichnen die Produkte des Traditionsunternehmens aus. Nach einer wirtschaftlichen Talsohle zu Beginn des neuen Jahrtausends führt das Unternehmen seine Erfolgsgeschichte, die mit der Ur-Leica vor über 100 Jahren in Wetzlar begann, fort und kehrt mit einer neuen Firmenzentrale und Fertigung zu seinen Wurzeln zurück.

Das Frankfurter Architekturbüro Gruber + Kleine-Kraneburg Architekten entwarf ein Gebäude, das sowohl das neue Selbstbewusstsein der Marke Leica als auch die Werte des Traditionsunternehmen widerspiegelt. Mit einer klaren Formensprache, die an die legendären Objektive der Marke erinnert, schufen die Architekten eine Firmenzentrale, die wie die handgefertigten Leica-Produkte bis ins Detail präzise konzipiert, geplant und ausgeführt wurde.

Mit einem ausgeklügelten Energiesystem aus Blockheizkraftwerken in Verbindung mit einer geothermischen Anlage auf Basis einer Groß-Wärmepumpe und einer Absorptionskältemaschine gelingt es, die Anforderungen der EnEV 2009 hinsichtlich des Energieverbrauchs um mehr als 54 Prozent zu unterschreiten.
 



Projektbeschreibung

Mitten in Deutschland, etwa 60 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main, liegt die Stadt Wetzlar in Mittelhessen. In Wetzlar im Lahn-Dill-Kreis leben knapp 50.000 Einwohner. Beruhte die regionale Wirtschaft im 19. Jahrhundert noch auf der Verarbeitung von Eisenerz aus den Stollen des umliegenden Lahn-Dill-Gebiets, entwickelte sich die einstige Erzbergwerkstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland, wenn nicht sogar weltweit, zum führenden Standort der optischen und feinmechanischen Industrie. Namhafte international tätige Unternehmen wie Leica, Zeiss und Minox unterstreichen den Weltruf von Wetzlar als Hochtechnologiestandort.

Bereits 1869 gründete Ernst Leitz das Unternehmen als Nachfolgeunternehmen des in Wetzlar gegründeten Optischen Instituts, das sich in den Folgejahren zum führenden Hersteller von Mikroskopen entwickelte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts umfasste die Produktpalette des Unternehmens auch andere optische Geräte wie Ferngläser und Episkope sowie professionelle Filmkameras für das neue Medium Kino. Basierend auf dem 35-Millimeter- Film der Filmkameras konstruierte der Leitz-Mitarbeiter Oskar Barnack im Jahre 1914 die sogenannte Ur-Leica zunächst als Schnappschusskamera für seinen privaten Gebrauch. Bedingt durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und die wirtschaftlich schwierigen Nachkriegsjahre wurde die barnacksche Kleinbildkamera unter dem Namen Leica erst 1924 in Großserie aufgelegt. Der Name Leica setzt sich aus den Anfangssilben von Leitzsche Camera zusammen. Diese erste, später als Leica I bezeichnete Kleinbildkamera wurde ein großer Erfolg für das Wetzlarer Unternehmen, da die einfach zu bedienende Kamera jedermann den Zugang zur privaten Fotografie ermöglichte.

Nachdem das Unternehmen den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hatte, spaltete sich die Firma 1986 in die drei eigenständigen Unternehmen Leica Camera AG, Leica Microsystems GmbH und Leica Geosystems AG auf.

Nachdem die Leica Camera AG 1986 ihren Standort von Wetzlar in die benachbarte Kleinstadt Solms verlegt hatte, kehrt das Traditionsunternehmen mit dem Neubau der Firmenzentrale nun zu seinen regionalen Wurzeln zurück.

Bereits 2007 lud die Leica Camera AG international renommierte Architekturbüros zu einem Ideenwettbewerb ein. Die Aufgabenstellung lautete, einen Campus aus mehreren Firmengebäuden am Rande des östlich von Wetzlar gelegenen Gewerbeparks Spilburg zu entwerfen. Im Zentrum des Ensembles sollte die neu zu planende Unternehmenszentrale der Leica Camera AG mit angeschlossener Fertigung, Entwicklung, Montage und Laboren stehen. Der neue Komplex sollte dabei die Werte der Marke Leica ebenso widerspiegeln wie auch Besuchern und Kunden aus aller Welt Einblicke in das Unternehmen vermitteln. Aus dem Wettbewerb ging das Frankfurter Architekturbüro Gruber + Kleine-Kraneburg Architekten als Sieger hervor.

Der nach dem Unternehmensgründer Ernst Leitz benannte Leitz-Park liegt östlich des Stadtzentrums von Wetzlar. Auf der Landstraße von Osten kommend bildet der Leitz-Park den Auftakt zur Optik-Stadt Wetzlar. Eine zentrale Plaza fungiert als verbindendes Element zwischen den Neubauten des Leitz-Park. Im ersten Bauabschnitt entstanden an der Plaza bereits 2009 ebenfalls nach Plänen von Gruber + Kleine-Kraneburg Architekten die neuen Niederlassungen der Schwesterunternehmen Weller Feintechnik GmbH sowie ViaOptic GmbH. Ein pavillonartiges Kaffeehaus schließt die Plaza nach Süd- Westen ab und dient als zentrale Anlaufstelle für Besucher und Mitarbeiter. Der Neubau der neuen Firmenzentrale und Fertigung komplettiert das Ensemble des Leitz-Park. Der Spatenstich erfolgte im April 2012, die Einweihung konnte 100 Jahre nach der Entwicklung der Ur-Leica am 23. Mai 2014 gefeiert werden.

Die Formensprache des Neubaus erinnert auf den ersten Blick an Linsen, Objektive oder Messsucher. Das ist kein Zufall, vielmehr griffen die Architekten bewusst Formen auf, die die legendären Objektive der Marke ins Gedächtnis rufen. Vom Entwurf bis zur Umsetzung war es außerdem wichtig, dass die Architektur des neuen Hauptsitzes die Werte des Traditionsunternehmens wie Qualität, Perfektion und Präzision widerspiegelt. Vom Entwurf bis zur Umsetzung ist der konvex-konkave geschwungene Baukörper so präzise konzipiert, geplant und bis ins Detail ausgeführt wie eines der handgefertigten Meisterstücke des Unternehmens.

Die Haupteingänge aller Bauten im Leitz-Park sind zur Plaza orientiert. Kreise und Kreissegmente setzten die Architekten bereits bei der Gestaltung der Leitz-Park-Plaza ein und diese finden sich auch in der Architektur der Leica Firmenzentrale wieder. Die Architekten entwickelten den Baukörper als ein dominantes Entree und einen rückwärtigen Trakt. Während im vorderen Teil die Büroräume der Hauptverwaltung zu finden sind, beherbergt der hintere Teil die Fertigung. Die dem Platz zugewandten Kopfbauten sind als konkav-konvexer Komplex gestaltet, bei dem der Baukörper im Grundriss an eine Acht erinnert. Der Haupteingang liegt zwischen diesen beiden markanten Volumina und führt in ein mit Glas überdachtes Foyer. Diese Formensprache führen die Architekten auch in den Innenräumen fort, so dass Kreissegmente und Rundungen allgegenwärtig sind.

Ein Wunsch des Bauherren war Transparenz, um Besuchern und Kunden die Möglichkeit zu geben, die Leica Welt hautnah zu erleben. Im Foyer befindet sich daher außer dem Empfang ein Museum, in dem neben der Ur-Leica weitere historische Kameras, Objektive und Sportoptikprodukte besichtigt werden können. Wechselnde Foto-Ausstellungen sind in der Galerie zu sehen. Im Flagshipstore können Leica-Produkte erworben werden. Vor dem Erwerb können die Interessenten die Produkte auf der Aussichtsplattform testen.

Durch das Foyer oder vom Store aus gelangt man zum Customer Care, einem Servicezentrum, dessen Grundriss wiederum einem Kreissegment entspricht, das mit der offenen Seite direkt an den Produktionstrakt anschließt. Ein Blickfang ist die große Wendeltreppe mit zwei Metern Laufbreite, die sich vom Bereich Customer Care bis nach oben in die Entwicklungsabteilung wie ein Korkenzieher schraubt. Interessenten sind am Leica Hauptsitz jederzeit willkommen und können die Leica Welt auf eigene Faust erkunden. Ein Rundgang mit zahlreichen Stationen ermöglicht es den Besuchern, sich umfassend zu informieren. Der Übergang zwischen öffentlichem Kundenforum und den Produktionsbereichen wird im Inneren durch Einschnitte und Durchblicke immer wieder akzentuiert.

Der eigentliche Produktionsbereich gliedert sich räumlich in die Bereiche Objektivfertigung, Objektivmontage und Kameramontage. Besucher haben vom Museum aus freie Sicht auf die Produktion. Der Wunsch nach Transparenz stellte die Architekten im Bereich der Fertigung vor eine Herausforderung, da manche Produktionsbereiche keinen Lichteinfall vertragen und sogar luftpartikelrein sein müssen. Die Architekten lösten dieses Dilemma mit einer zweischaligen Fassade: hinter den komplett verglasten Außenfassaden ordneten sie einen breiten Gang an, von dahinterliegenden Fensteröffnungen kann man in die Fertigung blicken. So konnten besonders sensible Produktionsbereiche trotzdem als geschlossene Räume gestaltet werden.

Die Prämisse mit der Außenwirkung der neuen Firmenzentrale das Selbstbewusstsein der Marke Leica zu transportieren, sollte auch für die Identifikation der Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz gelten. In dem achtförmigen Kopfbau zur Plaza befindet sich die Kantine für die 700 Mitarbeiter. Die Büros sind als Open Space Arbeitsplätze konzipiert, die eine offene Kommunikation zulassen und gleichzeitig Raum für Konzentration bieten.
 



Baukonstruktion

Bauweise

Der Neubau der Firmenzentrale der Leica Camera AG im Leitz-Park in Wetzlar wurde vom Architekturbüro Gruber + Kleine- Kraneburg Architekten als Generalplaner erstellt. Die Umsetzung des teilunterkellerten Stahlbetonbaus erfolgte durch die ARGE Lupp / Dreßler / Imtech und wurde im Februar 2014 schlüsselfertig übergeben. Die massive Betonbodenplatte wurde mit Stahlfasern bewehrt. Die Tragkonstruktion des Gebäudes sowie das Dachtragwerk sind in Stahlbeton erstellt. Teilbereiche der Dachkonstruktion des Produktionsgebäudes wurden mit Trapezblech ausgeführt. Das Gebäude ist als Sonderbau eingestuft, wobei brandschutztechnisch die Industriebaurichtlinie und Versammlungsstättenverordnung anzusetzen sind.

Fassade

Die Fassade des konvex-konkav geschwungenen Baukörpers ist im Erdgeschoss fast umlaufend geschosshoch verglast, einzig der hintere Produktionsbereich ist geschlossen ausgeführt. Die fast 250 Meter lange Verglasung spult sich wie ein Filmband entlang der Fassade ab und erinnert so wiederum an den 35-Millimeter-Film der von Leica entwickelten Kleinbildkameras. Aufgrund ihrer Dimension und Wölbung mussten die aneinander gereihten, geschosshohen Scheiben einzeln angefertigt werden. Die darüberliegende Fassade der oberen Geschosse ist in Anlehnung an die anderen Neubauten im Leitz-Park als Lochfassade gestaltet. Die grau durchgefärbten Betonfertigteile für die Lochfassaden fertigte die Dreßler Bau GmbH in ihrem Fertigteilwerk in Stockstadt. Insgesamt wurden 1.064 Fertigteile montiert, die zusammen eine Fassadenfläche von 7.425 Quadratmetern ergeben.


Interview

mit Rolf Disch, Architekt des Heliotrops


Welche Wünsche des Bauherrn an die neue Firmenzentrale galt es umzusetzen?
Der Bauherr wünschte sich eine Firmenzentrale, die das neue Selbstbewusstsein der Marke Leica* repräsentiert. Das bedeutete für unseren Entwurfsansatz, dass zum einen diese neue Haltung zum Ausdruck kommen und dass sich gleichzeitig die traditionellen Werte des Unternehmens in der Architektur des Neubaus widerspiegeln sollten. Des Weiteren sollte die neue Firmenzentrale möglichst transparent sein und viele Einblicke in das Unternehmen ermöglichen.

Das bedeutete für uns als Planer jedoch eine besondere Herausforderung, da insbesondere in weiten Teilen der Fertigung der feinmechanischen optischen Komponenten Lichteinfall nicht erwünscht ist. Mit der zweischichtigen Fassade ist es uns aber gelungen, dieses Dilemma aus Transparenz und geschlossenen Fertigungsbereichen aufzulösen. Ein weiterer Wunsch war eine hochgelegene Besucherplattform, wo die Kunden die Präzisionsferngläser und Kameras direkt vor Ort selbst ausprobieren können.

Inwiefern spiegelt die Architektur das Traditionsunternehmen Leica wider?
Die Marke Leica steht für höchste Qualität und Präzision. In der Corporate Architecture der neuen Firmenzentrale haben wir großen Wert darauf gelegt, dass der Entwurf diese Werte und den Anspruch von Perfektion bis ins Detail widerspiegelt. Das gilt für die umgesetzte Architektursprache mit den runden Formen, die gestalterisch an Produkte von Leica erinnern, aber vor allem auch für Materialitäten und Oberflächen, die wie alle Leica-Produkte, eine hohe Wertigkeit aufweisen und auf Dauerhaftigkeit angelegt sind. Dazu kommt der hohe Anspruch, diese Werte stets mit „State-of-the-Art- Technik" zu verbinden. Die neue Firmenzentrale ist somit nachhaltig in Form und Funktion und steht für pure Präzision, so dass sie die Unternehmensphilosophie der Marke unverkennbar repräsentiert.

Wie ist der Neubau in das Ensemble Leitz-Park eingebunden?
Die neue Firmenzentrale ist Teil einer städtebaulichen Planung aus dem Jahre 2007, die unser Büro damals im Rahmen eines Wettbewerbs erarbeitet hat. Gemeinsam mit den zwei Neubauten der letzten Jahre bildet die Leica-Firmenzentrale eine Art Campus um einen zentralen Platz. Alle Gebäude orientieren sich mit ihren Haupteingängen und Schau-fronten zu diesem Platz, der dadurch eine Belebung erfährt. Innerhalb dieses Ensembles nimmt der Leica-Bau aber unangefochten eine besondere Stellung ein. Im größeren städtebaulichen Kontext bildet der Leitz-Park, nähert man sich Wetzlar von Osten, ein Portal zur Stadt. Der Leitz-Park mit der prägnanten Leica-Firmenzentrale unterstreicht die Bedeutung Wetzlars als bedeutender Standort der optischen Industrie.

Welche energetischen Überlegungen hatten Einfluss auf die architektonische Gestaltung des Neubaus?
Die Architektur geht Hand in Hand mit der Technik, dabei dient die Technik aber immer dem Raum. Bei der Konzeption von Energie-, Wärme- und Kältekonzepten haben wir immer den Anspruch, den wir bei diesem Projekt mit einem sehr guten Haustechnik-Planer umsetzen konnten, dass möglichst viele Gebäudeflächen wie Wände, Decken und Böden zum Kühlen und Heizen in das Energiekonzept einbezogen werden. Über Fußbodenheizung, Betonteilaktivierung und eingezogene Kühldecken ist der Baukörper umfassend in das Konzept eingebunden. In der Fertigung mussten wir dabei besonders auf die Einhaltung einer konstanten Raumtemperatur und Luftfeuchte achten, so dass hier ein ausgeklügeltes Technik-System zum Einsatz kommt, bei dem wir beispielsweise mit dem offenen Sprinklertank, der die anfallende Abwärme der Fertigung nutzt, alle Register gezogen haben.

Worauf kam es Ihnen bei der Konzeption der Energieversorgung an?
Wir haben als Generalplaner sehr eng mit dem Haustechnik-Planer, der das Energiekonzept entwickelt hat, zusammengearbeitet. Die Energieversorgung sollte nachhaltig, aber auch wirtschaftlich sein. Dazu liefern die Blockheizkraftwerke (BHKW) Strom und Wärme, gemeinsam mit den Wärmetauschern tragen sie auch zum Kühlen bei, und das bei effizientem Gasverbrauch. Gefordert war die wirtschaftlichste Lösung auf lange Sicht: die aktuellsten Verbrauchsdaten zeigen sogar, dass obwohl das neue Gebäude um ein Vielfaches größer ist als die vorherige Fertigung in Solms, der Energieverbrauch dank des Energiekonzepts deutlich geringer ausfällt.


Energiekonzept

Qualität, Perfektion und Präzision sind die Werte der Traditionsmarke Leica. Dieser Anspruch gilt nicht nur bei den Produkte aus dem Hause Leica, sondern sollte ebenfalls auf die neue Firmenzentrale zutreffen. Während im Erdgeschoss in den Produktionsbereichen Wert auf höchste Präzision in der Fertigung der feinmechanischen und optischen Komponenten gelegt wird, übernimmt im Keller ein effizientes und innovatives Energiesystem von Viessmann die Wärme- und Kälteversorgung des Gebäudes. Dabei gewährleistet die intelligente Viessmann Systemregelung Vitocontrol 300-M, dass jeweils die effizienteste Kombination der Wärmeerzeuger und Kältemaschinen zum Einsatz kommt. Das Ziel war, eine lange Laufzeit der BHKW zu erreichen, ohne die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme ungenutzt zu lassen. Durch die Kombination aller Aggregate ist das System besonders effizient und somit ökonomisch im Betrieb. So unterschreitet der Energieverbrauch die Anforderungen der EnEV 2009 um mehr als 54 Prozent. Dafür erhielt die Leica Firmenzentrale das Greenbuilding-Zertifikat der Europäischen Union.

Strom-, Wärme- und Kälteversorgung

Der Neubau beherbergt zwar als Firmenzentrale den neuen Hauptsitz der Verwaltung, ist aber zugleich auch Produktionsstätte. Den Grundbedarf an elektrischer Energie sowohl für die administrativen Bereiche als auch der Fertigung decken zwei BHKW Vitobloc 200 von Viessmann mit je 238 und 140 Kilowatt elektrischer Leistung. Sollte es zu einem Ausfall der Netzspannung des örtlichen Energieversorgers kommen, stellen sie die Stromversorgung und somit den reibungslosen Produktionsbetrieb sicher.

Als gasbetriebene kompakte Energieerzeugungseinheiten liefern die BHKW über die Kraft-Wärme-Kopplung sowohl Wärme als auch Strom mit einem Gesamtwirkungsgrad von bis zu 95 Prozent. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Energieversorgung mit Strom aus dem öffentlichen Netz und einem separaten Wärmeerzeuger, sparen die BHKW bis zu 30 Prozent Primärenergie ein. Der im BHKW integrierte Verbrennungsmotor wird mit Erdgas betrieben. Dieses wird im Motor in mechanische Energie umgewandelt. Ein Synchrongenerator erzeugt Drehstrom mit 400 Volt und 50 Hertz. Die dabei anfallende Abwärme wird im inneren Kühlkreislauf aufgenommen und dem Heizsystem mit bis zu 90 Grad Celsius Vorlauftemperatur zur Verfügung gestellt.

Je nach Erfordernis nutzt das Energiesystem der Leica Firmenzentrale diese Wärme zur Deckung des Grundbedarfs im Gebäude oder zum Antrieb der Absorptionskältemaschine. Abwärme, die aktuell nicht genutzt werden kann, wird in einem Pufferspeicher für eine spätere Nutzung zwischengespeichert. Die BHKW werden vornehmlich zur Deckung der Wärmegrundlast eingesetzt und durch Spitzenlastkessel ergänzt. So auch in Wetzlar: Im Falle von besonderen Wärmebedarfsspitzen schaltet sich automatisch ein Gas-Brennwertkessel Vitocrossal 200 von Viessmann mit einer Leistung von 460 Kilowatt zu.

Zusätzlich wurde eine Viessmann Sole/Wasser-Großwärmepumpe für die Gebäudeheizung und Kühlung mit einer Wärmeleistung von 510 kW installiert. Großwärmepumpen fertigt der Hersteller speziell nach den Anforderungen von Gewerbe- und Industriebetrieben, bis zu einer Gesamtleistung von bis zu 2000 kW an. Die Energie bezieht die Großwärmepumpe aus einem Feld mit 80 Erdwärmesonden, die unter dem Parkplatz der Firmenzentrale bis in 120 Meter Tiefe reichen. Bei erhöhtem Kühlbedarf ergänzt die Anlage die Absorptionskältemaschine um eine Kälteleistung von 482 kW. Das von der Wärmepumpe erzeugte Kaltwasser wird in einem offenen Sprinklertank für die Kühlung der Produktionsanlagen gespeichert. Die Großwärmepumpe und Absorptionskältemaschine werden bei besonders hohen Kühllasten von zwei zusätzlichen luftgeführten Kältemaschinen als Spitzenlastkälteerzeuger ergänzt.

Für die Wärme- und Kälteverteilung haben die Architekten großflächig Decken, Wände und Böden mit eingebunden. Die träge Speichermasse des Stahlbetons wird zur Betonteilaktivierung genutzt.

> Produktinfos Blockheizkraftwerk Vitobloc 200-EM
> Produktinfos Gas-Brennwertkessel Vitocrossal 200
> Produktinfos Sole/Wasser-Großwärmepumpe Vitocal

Autor: Katharina Ricklefs