Firmenzentrale der Schnepf Planungsgruppe in Nagold



Daten und Fakten

Standort:
Werner-von-Siemens-Straße 4
72202 Nagold

Bauherr: Schnepf + Partner GbR
Architektur: Schmelzle + Partner Architekten BDA
Bauzeit: 7 Monate
Fertigstellung: 2013

Grundstücksgröße: 3.345 m²
BGF: 2.538 m²
BRI: 9.324 m³

Jahresnutzenergie: 121,4 kWh/m²a
Jahresendenergie: 23,5 kWh/m²a
Jahresprimärenergie: 61,2 kWh/m²a

Energiestandard: Niedrigenergiebürogebäude
Energieträger: Sonne, Luft, Wasser, Erdwärme, Eis

Architekten

Schmelzle + Partner Architekten BDA
Am Sonnenrain 17
72280 Hallwangen
Tel.: 07443-96060
Fax: 07443-960628
architekten@schmelzle.de
www.schmelzle.de

Bürophilosophie:
Gute Architektur ist mehr als ein guter Entwurf.
So entwerfen, konstruieren und bauen wir Gebäude, in denen Hunderte von Menschen leben, arbeiten und produzieren. Immer mit dem Einsatz von wenig Material – luftig transparent, in purer Form oder kühler Ästhetik.

Es ist das Detail, das aus Architektur gute Architektur macht.
Holz lebt, sagt man. Aber auch Beton lebt. Und Glas. Und Stahl. Und Stoffe. Und Leder. Jedes Material fühlt sich anders an, vermittelt Wärme, Kälte, Geborgenheit oder Leichtigkeit. Und wird es in Verbindung miteinander gebracht, entstehen immer wieder neue Stimmungen und Atmosphären. Diese detailliert einzufangen und zu reproduzieren, bis in den kleinsten Winkel, Farben und Materialien aufeinander abzustimmen, sie gegeneinander auszuspielen oder sie miteinander harmonieren zu lassen, ist die Herausforderung bei jedem Projekt.

1.311 Projekte in 18 Jahren. Und das ohne Kostensicherheit? Undenkbar.
Kreativer Entwurf. Exakte Werkplanung. Perfekte Detailplanung. Präzise Ausschreibung. Ständige Termin- und Kostenkontrolle. Architektur bedeutet Verantwortung. Dessen sind wir uns bewusst. Das nehmen wir ernst. Darum kümmern wir uns. Darum, dass am Ende nicht mehr an Kosten herauskommt, als das, was am Anfang geplant war.

Gute Architektur stellt die richtigen Fragen.
Produktionsprozesse, Betriebsabläufe, Logistik – die richtige Fragestellung macht`s. Wir können nur gute Architektur und Lösungen realisieren, wenn wir die richtigen Fragen stellen und den Bauherren verstanden haben. Mit anderen Worten: um eine Produktion zu bauen, muss man den Produktionsablauf verstehen. Deshalb stellen wir Fragen. So lange und so präzise, bis wir in der Lage sind, den Ansprüchen des Bauherrn gerecht zu werden.

Fachplaner

Energietechnik & Elektroplanung
Schnepf Planungsgruppe Energietechnik GmbH & Co. KG
Werner-von-Siemens-Str. 4
72202 Nagold
Tel.: 07452-680980
Fax: 07452-6809898
info@pg-schnepf.de
www.pg-schnepf.de

Tragwerksplanung
Bugenings & Eisenbeis Ingenieure
Ingenieurbetrieb für Tragwerksplanung GmbH & Co. KG
Moosstraße 13
72250 Freudenstadt
Tel.: 07441-5204122
Fax: 07441-5204123
info@ing-buero-eisenbeis.de
www.ing-buero-eisenbeis.de

Prüfstatik
Reck+Gass Ingenieurgesellschaft für Bauwesen mbH + Co. KG
Robert-Bosch-Straße 31
72160 Horb am Neckar
Tel.: 07451-53840
Fax: 07451-538430
info@reck-gass.de
www.reck-gass.de

Bauphysik
Horstmann & Berger
Ingenieurbüro für Bauphysik
Rosenstraße 53
72213 Altensteig
Tel.: 07453-94990
Fax: 07453-9499-33
info@hb-bauphysik.de
http://www.hb-bauphysik.de

Vermessung
Vermessungsbüro Martin Fischer
Neue Straße 6
72202 Nagold
Tel.: 07452-6003675
Fax: 07452-6003676
nagold@vermessung-fischer.de
www.vermessung-fischer.de

Bodengutachten
Ingenieurbüro für Geotechnik Schad
Prof. Dr.-Ing. Hermann Schad
Reinsburgstraße 111b
70197 Stuttgart
Tel.: 0711-6150682
Fax: 0711-78781610
info@ifgs-schad.de
www.ifgs-schad.de


Entwurfsaufgabe

In der neuen Firmenzentrale des Nagolder Unternehmens Schnepf Planungsgruppe Energietechnik sollten endlich die beiden bisher an zwei Standorten ansässigen Unternehmensteile Schnepf Planungsgruppe Energietechnik und Schnepf Planungsgruppe Elektrotechnik unter einem Dach vereint werden. Während die architektonische Gestaltung das Architekturbüro Schmelzle + Partner übernahm, oblag die Planung des Energiekonzepts den Fachplanern von Schnepf.

Der Anspruch einer repräsentativen Firmenzentrale ging bei diesem Bauvorhaben über die Gestaltung weit hinaus: Für das Unternehmen Schnepf war es eine Selbstverständlichkeit, dass das Energiekonzept des neuen Firmensitzes einen Meilenstein in Sachen Energietechnik darstellen sollte. Aus diesem Grund kam ein innovatives Eisspeichersystem zum Einsatz: die Wärme- und Kälteversorgung des Gebäudes erfolgt zu hundert Prozent über regenerative Energiequellen.



Projektbeschreibung

Die baden-württembergische Große Kreisstadt Nagold liegt in der Region Nordschwarzwald. Im südöstlich der Stadt gelegenen Industriepark Wolfsberg, dem größtem Gewerbegebiet der Stadt, ist das Unternehmen Schnepf Planungsgruppe Energietechnik ansässig.

Das von Klaus Schnepf im Jahre 1981 gegründete Unternehmen beschäftigt sich mit technischer Gebäudeausrüstung in allen Facetten. Dazu zählt der anspruchsvolle Wohnungsbau ebenso wie kommunale Gebäude und Krankenhäuser bis hin zum anspruchsvollen Industriebau mit unzähligen komplexen technischen Anforderungen. In seiner über 30-jährigen Firmengeschichte realisierte das Unternehmen bereits zahlreiche Projekte im In- und Ausland. Neben der Planungsgruppe Energietechnik am Firmensitz in Nagold gehört seit Juli 2009 die Schnepf Planungsgruppe Elektrotechnik im 60 Kilometer entfernten Zimmern ob Rottweil zum Unternehmen.

In dem Neubau des Firmensitzes sollten nun endlich die beiden Sparten Energietechnik und Elektrotechnik unter einem Dach zusammengeführt werden. Zudem sollte eine für das Unternehmen repräsentative Firmenzentrale entstehen, die sowohl gestalterisch als auch energetisch dem Anspruch des Unternehmens entspricht, auf dem Gebiet der Energietechnik eine Vorreiterrolle einzunehmen. Mit dem Entwurf des Neubaus wurde das Architekturbüro Schmelzle + Partner Architekten BDA aus Hallwangen betraut. Die Planung der Energie- und Elektrotechnik oblag selbstverständlich dem Bauherrn.

Für die neue Firmenzentrale wählte das Unternehmen ein Baugrundstück im Süden des Industrieparks Wolfsberg an der Werner-von-Siemens-Straße nicht weit entfernt vom bisherigen Firmenstandort. Das knapp 3.400 Quadratmeter große längliche Grundstück ist Nord-Süd-orientiert auf und fällt über die Grundstückslänge in leichter Hanglage nach Süden ab. Die Erschließung erfolgt über die im Norden verlaufene Werner-von-Siemens-Straße, im Osten und Westen begrenzen bestehende Gewerbebetriebe das Grundstück.

Die Architekten positionierten den Baukörper auf dem Grundstück zurückversetzt an der Hangkante. Erd- und Obergeschoss kragen über den Geländeversprung aus, der nördliche Gebäudeteil zeichnet den Hangverlauf nach und mit der um sieben Grad entgegengesetzt geneigten Nordfassade scheint der Baukörper die Balance am Hang zu halten. Die Fassaden der oberen Geschosse sind nach Süden, Westen und Osten als raumhohe Verglasung ausgeführt.

Zur Straße hin wurden Parkplätze für Besucher und Kunden angelegt. Der dreigeschossige Baukörper der neuen Firmenzentrale von Schnepf ist nicht unterkellert. Ein Teil des Unterschosses ist in den Hang eingeschoben und beherbergt neben der Haustechnik das Lager und Archiv. Auf der restlichen Fläche unter den über dem Hang auskragenden und aufgeständerten oberen Geschossen entstanden überdachte offene Stellplätze für die Angestellten. Die Zufahrt zum Parkplatz an der Werner-von-Siemens-Straße erfolgt über eine Rampe entlang der Ostfassade.

Der Eingang in das repräsentative Bürogebäude ist mittig in der Nordfassade positioniert und über mehrere Stufen vom Parkplatz abgesetzt, ein Vordach schützt Angestellte und Besucher bei schlechtem Wetter. Direkt im Eingangsbereich verbinden eine Aufzugsanlage sowie ein zentrales offenes Treppenhaus die drei Geschosse miteinander. Das neue Firmengebäude weist eine Gesamtfläche von mehr als 2.500 Quadratmetern auf, wovon die Schnepf-Gruppe den Großteil als Firmensitz für ihre 50 Mitarbeiter nutzt. Die restlichen Büroflächen werden vermietet.

Aufgrund der gewählten Stahlbetonskelettkonstruktion und der damit einhergehenden geringen Stützenanzahl konnten die Grundrisse flexibel gestaltet werden. Alle Bereiche sind in Einzel- oder Gruppenbüros teilbar oder als Großraumbüro nutzbar. Die Belegungsdichte ist variabel und kann sich jederzeit den Anforderungen der jeweiligen Büroorganisation anpassen. Es sollten helle, offene Räume entstehen, in denen sich die Mitarbeiter wohlfühlen. Durch die ringsum verlaufende raumhohe Verglasung konnte eine helle und freundliche Arbeitsatmosphäre geschaffen werden. Durch die großzügige Verglasung blickt man bis zur schwäbischen Alb.



Baukonstruktion

Bauweise

Die neue Firmenzentrale des Unternehmens Schnepf wurde auf einem Hanggrundstück im Süden des Industrieparks Wolfsberg der Stadt Nagold errichtet. Der dreigeschossige Baukörper ist nicht unterkellert und wurde auf Stahlbetonstreifenfundamenten sowie Stahlbetoneinzelfundamenten gegründet.

Die Architekten von Schmelzle + Partner entschieden sich für eine Stahlbetonskelettbauweise, um dem Grundriss eine größtmögliche Nutzungsflexibilität zu geben. Die tragenden Stahlbetonstützen stehen in einem Stützenraster von 7,50 x 7,50 Meter. Die Decken sind als Stahlbetondecken ausgeführt. Für ganzjährig angenehme Wärme und Kühlung im Gebäude sorgt die integrierte thermische Betonkernaktivierung. In die massiven Betondecken einbetonierte, mit warmem oder kaltem Wasser durchflossene Rohre erwärmen oder kühlen den Beton und sorgen so für die Grundkonditionierung im Heiz- und Kühlfall und für nahe bei der Raumlufttemperatur liegende Oberflächentemperaturen in allen Räumen. Damit wird trotz des hohen Glasanteils eine sehr gute Behaglichkeit erreicht.

Die über der offenen Tiefgarage ausgeführte Decke bildet zugleich eine Außenwand mit einem U-Wert von 0,25 W/m²K. Der Treppenhauskern ist in Stahlbeton ausgeführt und verfügt über die Brandschutzklasse F90. Alle nichttragenden Innenwände sind in Leichtbauweise errichtet.

Fassade

Die Außenwände sind als Stahl-Glas-Konstruktion ausgeführt. Der nördliche Gebäudeteil zum angrenzenden Parkplatz wurde zudem teilweise mit einer Aluminium-Metallplatten-Verkleidung versehen.

Für den angestrebten Niedrigenergiehausstandard wurde bei der Materialauswahl auf einen geringen Wärmedurchgangskoeffizienten, den sogenannten U-Wert, geachtet. Der U-Wert der Glasfassade inklusive Sprossen liegt bei 0,8 W/m²K und damit rund 40 Prozent unter den gesetzlichen Vorgaben, die opaken Außenwände weisen einen U-Wert von nur  0,26 W/m²K auf.

In Anlehnung an das CI des Unternehmens wurden die Fensterklappen an den Fassaden als gestalterisches Stilelement in einem roten Farbton ausgeführt.


Interview

mit Architekt Claus Matt vom Architekturbüro Schmelzle + Partner Architekten BDA, Hallwangen


Welche Wünsche des Bauherrn an die neue Firmenzentrale galt es umzusetzen?
Für den Neubau der Firmenzentrale wünschten sich die Bauherren eine wirtschaftliche und funktionelle Lösung. Zudem galt es, die Anforderungen an einen optimierten Brandschutz zu beachten. Bei der Grundrissgestaltung war Flexibilität für die Nutzung entwurfsbestimmend und innerhalb der Architektursprache sollten stilistische Verweise auf die Corporate Identity umgesetzt werden. Für ein Ingenieurbüro wie Schnepf war der minimale Einsatz an Energieressourcen natürlich eine Selbstverständlichkeit.

Inwiefern ist der Neubau repräsentativ für das Unternehmen?
Das weltweit agierende Ingenieurbüro Schnepf präsentiert sich mit dem neuen Firmensitz als moderne und weltoffene Firma. Der minimalistische Einsatz von Material wie Beton, Glas und Aluminium führte zu einer wirtschaftlichen und funktionellen Lösung, die trotz allem repräsentativ ist. Mit den roten Fensterklappen als Stilelement haben wir zudem die Corporate Identity in die Architektursprache des Neubaus aufgenommen.

Es handelt sich ja um ein Bürogebäude – worauf kam es Ihnen bei der Arbeitsplatzgestaltung an?
Die Arbeitsplätze sollten hell und freundlich gestaltet sein. Durch bodentiefe Verglasung konnten wir dies gewährleisten, außerdem wird durch die Verglasung der weite Blick zur schwäbischen Alb ermöglicht und Außen und Innen verschmelzen miteinander. Die Stockwerke sind frei unterteilbar, da eine minimierte Anzahl von Stützen und die rastermäßige Aufteilung eine hohe Flexibilität zulassen. So können die einzelnen Bereiche im Obergeschoss geteilt und vermietet oder einfach selbst genutzt werden. Alle Bereiche sind flexibel in Einzel- oder Gruppenbüros teilbar, aber auch als Großraumbüro nutzbar. Die Belegungsdichte ist variabel und passt sich so den Anforderungen der Büroorganisation an. Diese Strukturen geben gleichzeitig eine Atmosphäre offener Kommunikation und Interaktion.

Welche energetischen Überlegungen hatten Einfluss auf die architektonische Gestaltung?
Das Gebäude weist eine hohe Transparenz auf. Durch die großzügige Verglasung wird viel Licht und natürliche Wärme in die Gebäudetiefe transportiert. Zur Regulierung war daher zwingend ein außenliegender Sonnenschutz notwendig. Dieser gewährleistet, dass unerwünschte Wärmeeinträge an warmen Sommertagen direkt abgefangen werden und durch die Lochungen im Sonnenschutz trotzdem genügend blendfreies Licht die Arbeitsplätze ausleuchtet. Tagsüber sorgt eine automatisierte Jalousiesteuerung für eine stets optimale Tageslichtnutzung. Fehlendes Licht wird ortsunabhängig durch die tageslichtabhängige  und präsenzgesteuerte LED-Arbeitsplatzbeleuchtung ergänzt. Damit wird der Energiebedarf für die Beleuchtung auf ein Minimum reduziert. Die Konstruktion wurde in Stahlbeton ausgeführt, daher bietet der Baukörper große Massen die thermische Energie speichern und bei Bedarf abgeben können. Dies wird durch die Betonkernaktivierung entsprechend verstärkt.

Worauf kommt es Ihnen bei Ihrer Arbeit an?
In unserem „Kompetenzzentrum für Architektur“, in dem mehr als 45 Architekten und Ingenieuren mit innovativen Ideen in produktiven Projektteams arbeiten, möchten wir für unsere Kunden Lösungen von morgen finden. Unser Tätigkeitsschwerpunkt ist der Industrie- und Gewerbebau. Dementsprechend versuchen wir standardisierte, wirtschaftliche und materialreduzierte Baustoffe zu verwenden. Wir möchten für unsere Kunden kostenbewusst planen und ressourcenschonend umsetzen.


Presseschau

Web

„Firmenzentrale in Nagold – Ein Eisspeicher heizt der Planungsgruppe Schnepf ein!“, Innovations Blog https://community.viessmann.com

Tageszeitung

„Eisspeicher unterm Parkplatz“, Gäubote, 20. August 2013
„Ein ausgefallenes Geburtstagspräsent“, Schwarzwälder Bote, 21. August 2013

Energiekonzept

Die Technische Gebäudeausrüstung für den neuen Firmensitz wurde vom Bauherren selbst geplant. Für das Unternehmen war es eine Selbstverständlichkeit, dass das Energiekonzept ein Meilenstein in Sachen zukunftsweisender Energietechnik ist: Die Wärme- und Kälteversorgung erfolgt zu 100 Prozent über regenerative Energiequellen, ein innovatives Eisspeichersystem mit Wärmepumpe speichert die Heiz- und Kühlenergie effizient über lange Zeiträume und über eine Photovoltaikanlage wird der Strom zum Betrieb der Haustechnikkomponenten erzeugt. Die thermische Betonkernaktivierung der Stahlbetondecken sorgt ganzjährig für angenehme Wärme beziehungsweise Kühlung im Gebäude.

Heizung und Kühlung

Für die Wärme- und Kälteversorgung der neuen Firmenzentrale entschieden sich die Fachplaner von Schnepf für das wirtschaftliche und zugleich umweltschonende Eisspeichersystem von Viessmann. Das Eisspeichersystem funktioniert so, dass verschiedene Energien aus der Umwelt je nach Verfügbarkeit genutzt werden können.

Das System kombiniert auf höchst ökonomische Art und Weise zum Heizen und Kühlen aktiv drei regenerative Energiequellen: Sonne, Luft und Erdwärme. So kann es trotz des saisonal schwankenden natürlichen Energieangebotes sämtliche energetischen Überschüsse nutzen oder bis zum Wiederabrufen in dem patentierten Langzeitspeicher zwischenspeichern. Anfallende sommerliche Wärmeüberschüsse aus der Gebäudekühlung werden so in die Heizperiode hinein verschoben beziehungsweise wird das während der Heizperiode durch Wärmeentzug gebildete Eis zur späteren Nutzung in die Kühlperiode verschoben.

Der Clou ist dabei die Nutzung der Kristallisationsenergie, die dem Wasser bei der Umwandlung zu Eis entzogen wird bzw. bei der Umwandlung von Eis zu Wasser zugeführt werden muss. Diese ist etwa viermal so groß, wie der Energiegehalt der reinen Wasserabkühlung.

Das Eisspeichersystem besteht aus den Komponenten Eisspeicher, Solar-/Luft-Absorbern, Wärmepumpe und den, auf niedrigem Temperaturniveau versorgten, Verbrauchergruppen. Das Herzstück der Anlage ist der im Erdreich unter dem Parkplatz verbaute Eisspeicher mit 9,50 Metern Durchmesser und einer Tiefe von 5,50 Metern. 5.700 Meter Rohrleitung wurden im Eisspeicher verlegt. Das Fassungsvermögen beträgt 300 Kubikmeter Wasser, das entspricht 250 Tonnen Eis.

Zur Wärmeenergiegewinnung aus der Umgebungsluft sind auf dem Flachdach der Firmenzentrale außerdem 42 Solar-/ Luft-Absorber von Viessmann mit einer Fläche von 382 Quadratmetern installiert. Der Energieertrag der Absorber findet zwar bei niedrigem Temperaturniveau statt, ist über das Jahr gesehen aber höher als bei klassischen Solaranlagen, da auch bei Bewölkung oder diffuser Strahlung Wärme aus der Außenluft gewonnen wird.

Sämtliche erforderlichen Temperaturniveaus zum Heizen oder Kühlen werden mit Hilfe der Wärmepumpe Vitocal 300-G von Viessmann erzeugt und über die Betonkernaktivierung im Gebäude verteilt oder der Raumlüftung zugeführt. Der leistungsstarke Compliant-Scroll-Verdichter der Vitocal 350-G Pro überzeugt durch hohe Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit. In Verbindung mit den groß dimensionierten Wärmetauschern und der integrierten Kältemittel-Verteileinrichtung erreicht die Sole/Wasser-Wärmepumpe hohe Leistungszahlen und Vorlauftemperaturen bis 60 Grad Celsius. Die Heizleistung bei der neuen Firmenzentrale liegt bei 73 kW, die Kühlleistung bei 100,8 kW.

Warmwasser

Der Bedarf an Warmwasser in dem Bürogebäude ist gering. Auf die Einbindung eines zentralen Warmwasser-Pufferspeicher in das Eisspeichersystem zur Warmwassererzeugung wurde wie in Bürogebäuden üblich verzichtet. Vielmehr erfolgt die Versorgung mit Warmwasser dezentral über Durchlauferhitzer direkt an den Entnahmestellen in den Sanitärräumen und der Teeküche.

Photovoltaik

Die Energiequelle Sonnenenergie wird bei der neuen Firmenzentrale zweifach genutzt. So ist zusätzlich zur Absorberanlage auf dem Gebäudeflachdach eine 320 Quadratmeter große Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung installiert. Diese besteht aus 196 Photovoltaik-Modulen des Typs Vitovolt 205JB von Viessmann mit einer Leistung von 50 kWp. Der Jahresertrag der Anlage liegt bei 51.000 kWh. Mit dem erzeugten Strom wird unter anderem die Wärmepumpe des Eisspeichersystems betrieben.

Sonnenschutz

Durch die raumhohe Verglasung an drei Seiten der Fassade im Erd- und Obergeschoss gelangt viel Tageslicht und natürliche Wärme tief in den Baukörper. Über einen außenliegenden Sonnenschutz wird der Wärmeeintrag reguliert. Dabei sorgt die Lochung im Sonnenschutz dafür, dass trotzdem genügend blendfreies Licht die Arbeitsplätze ausleuchtet. Eine automatisierte Jalousiesteuerung übernimmt die tageslichtabhängige Steuerung und Dimmung der Beleuchtung.