Schwarzwald-Baar Klinikum in Villingen-Schwenningen



Daten und Fakten

Standort: Klinikstraße 11, 78052 Villingen-Schwenningen
Bauherr: Schwarzwald-Baar Klinikum Villingen-Schwenningen GmbH
Architektur: HDR TMK Planungsgesellschaft mbH, Düsseldorf (heute: HDR GmbH)
Vögele Architekten BDA, Stuttgart

Nutzer: Hochschule Niederrhein und NEW AG

Bauzeit: 2009 - 2013
Fertigstellung: 7/2013

BGF: 105.000 m²
Nutzfläche: 46.000 m²
BRI: 425.000 m³

Bettenanzahl: 750
Patientenzimmer: 446
Operationssäle: 15
Pkw-Stellplätze Mitarbeiter: 620
Pkw-Stellplätze Besucher: 450

Heizleistung: 5.900 kW
Gesamtkosten: 263 Mio. Euro

Architekten

Architekten ARGE aus

HDR GmbH
Josef-Gockeln-Straße 10
40474 Düsseldorf
Tel.: 0211-867040
Fax: 0211-86704100
duesseldorf@hdrinc.com
www.hdrinc.com

Geschäftsführung:
Guido Meßthaler
Johannes Kresimon

Bürophilosophie: Bauen für Gesundheit, Forschung, und Lehre

Krankenhäuser, OP-Säle, Forschungszentren und Labore stellen vielfältige Anforderungen an Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit.

Seit über fünf Jahrzehnten planen und realisieren wir Bauten für Gesundheit, Forschung, Lehre und gehören auf diesem Gebiet zu den führenden Büros in Deutschland. Dabei begleiten wir Projekte von der ersten Idee über Machbarkeitsstudien/Zielplanungen, den Gebäudeentwurf und die Realisierung bis hin zur Inbetriebnahme. Unser Anspruch ist die Entwicklung funktionaler, zukunftssicherer und ökologischer Projekte bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht. Neben Neubauvorhaben beraten wir Bauherrn zur Bestandsoptimierung und erarbeiten gemeinsam mit ihm Konzepte zur optimalen, interdisziplinären und räumlichen Vernetzung, um den Ansprüchen an technischen Fortschritt, Wirtschaftlichkeit, Energie- und Gestaltungsvorgaben gerecht zu werden.

Seit einem halben Jahrhundert schaffen HDR TMK Architekten Orte an denen Menschen genesen, arbeiten und forschen. Architektur ist für uns Kommunikation. Sie vermittelt Werte, schafft Erlebnisse und gibt Orientierung. Unsere Bauten haben sinnstiftenden Charakter, erzeugen Wohlempfinden, Identität und Dynamik. Ein Wesensmerkmal unserer Arbeit ist die ganzheitliche Herangehensweise an Projekte, Konzepte und das gemeinsame Miteinander. Wir entwerfen nicht nur wirtschaftlich effiziente, sondern auch innovative Lösungen mit dem Blick für Details. Seit März 2013 gehört das Büro zur international agierenden Unternehmensgruppe HDR,Inc.


Vögele Architekten BDA

Kniebisstraße 29
70188 Stuttgart
Tel.: 0711-2845713
Fax: 0711-2846329
info@voegele-architekten.de
www.voegele-architekten.de

Geschäftsführung:
Wolfgang Vögele

Bürophilosophie:
Wir beschäftigen uns mit allen Gebieten der Architektur, wobei Kliniken, Krankenhäuser und sonstige Bauten des Gesundheitswesens einen Schwerpunkt unserer Arbeit darstellen. Jede Aufgabe, egal ob Neubau, Umbau oder Sanierung, die an uns herangetragen wird, versuchen wir ganzheitlich zu betrachten und zu lösen. Die umfassende Beratung unserer Bauherren steht dabei am Anfang; zusammen mit ihm und den späteren Nutzern entwickeln wir Ideen und Konzepte. Unter dem Aspekt des Ganzen werden zusätzlich zum Städtebau und der Architektur weitere entscheidende Parameter betrachtet. So spielen bereits in unseren ersten Konzepten für ein Projekt Investitions- und Betriebskosten eine sehr wichtige Rolle. Die Charakteristik des Ortes und die Funktion sind Ausgangspunkt unserer Überlegungen. Während der intensiven Beschäftigung mit der Aufgabe entstehen in der Regel kreative und innovative Lösungen, in deren Mittelpunkt aber immer der Mensch steht. Eine durchdachte Logistik ermöglicht eine schnelle termin- und kostengerechte Ausführung des Projektes. Das Ergebnis sind architektonisch und gestalterisch anspruchsvolle Gebäude, die städtebaulich optimal eingebunden sind. Die funktionalen Zusammenhänge, Wegebeziehungen und Grundrisse sind perfekt organisiert. Dabei sind sie kostengünstig in der Investition und wirtschaftlich im Betrieb. Die von uns geplanten und realisierten Bauten sind attraktiv und elegant, hell und lichtdurchflutet. Sie wirken freundlich und angenehm auf Nutzer und Besucher.

Fachplaner

Projektsteuerung ARGE aus
Drees & Sommer AG
Obere Waldplätze 13
70569 Stuttgart
Tel.: 0711-13170
Fax: 0711-1317101
info.stuttgart@dreso.com
www.dreso.com

HWP Planungsgesellschaft mbH
Rotenbergstraße 8
70190 Stuttgart
Tel.: 0711-16620
Fax: 0711-1662123
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Freiraumplanung
Faktorgruen Landschaftsarchitekten BDLA
Eisenbahnstraße 26
78628 Rottweil
Tel.: 0741-15705
Fax: 0741-15803
rottweil@faktorgruen.de
www.faktorgruen.de

Tragwerksplanung
Horn + Horn Ingenieurbüro für Bauwesen
Beratende Ingenieure VBI
Sauerbruchstraße 39-41
24537 Neumünster
Tel.: 04321-90070
Fax: 04321-900740
info@hornundhorn.de
www.hornundhorn.de

Tragwerksplanung / Strahlenschutz
Erfurth + Mathes Ingenieure GmbH
Emil-Rosenow-Straße 3
09112 Chemnitz
Tel.: 0371-36690
Fax: 0371-3669100
kontakt@ming.de
www.ming.de

Strahlenschutz
DAMP Ingenieurbüro
Dipl.-Ing. Hartmut Sumpf
Oberstraße 6
63589 Linsengericht
Tel.: 06051-969300
Fax: 06051-969301
info@strlsch.de
www.strlsch.de

TGA / Heizung, Sanitär, Lüftung
Planungsgruppe M+M AG
Hanns-Klemm-Straße 1
71034 Böblingen
Tel.: 07031-6460
info@pgmm.com
www.pgmm.com

Bauphysik
Graner + Partner Ingenieure GmbH
Lichtenweg 15
51465 Bergisch Gladbach
Tel.: 02202-936300
Fax: 02202-9363030
info@graner-ingenieure.de
www.graner-ingenieure.de

Elektro-/ Fördertechnik
Planungsbüro Sütterlin + Partner GbR
Christaweg 8
79114 Freiburg
Tel.: 0761-490490
Fax: 0761-4904950
info@suetterlin-partner.de
www.suetterlin-partner.de

Elektro-/ Fördertechnik
Ebert-Ingenieure Nürnberg GbR
Marienbergstraße 84
90411 Nürnberg
Tel.: 0911-95220
Fax: 0911-9522100
office.nuernberg@eb-ing.com
www.eb-ing.com

Planung Medizintechnik
Teamplan GmbH
Heerweg 8
72070 Tübingen
Tel.: 07071-9770
Fax: 07071-977160
info@teamplan.de
www.teamplan.de

Brandschutz
Corall Ingenieure GmbH
Hochstraße 18
40670 Meerbusch
Tel.: 02159-696290
Fax: 02159-6962960
info@corall-ingenieure.de
www.corall-ingenieure.de

Baugrunduntersuchung
Henke und Partner GmbH
Ingenieurbüro für Geotechnik
Emilienstraße 2
70563 Stuttgart
Tel.: 0711-99760730
kontakt@henkegeo.de
www.henkegeo.de

Vermessung
Mandolla + Gilbert
Werner-von-Siemens-Straße 3
78052 Villingen-Schwenningen
Tel.: 07721-73007
Fax: 07721-73009
vermessung@mgverm.de
www.mgverm.de

SiGeKo
Weber Ingenieure GmbH
Bauschlotter Straße 62
75177 Pforzheim
Tel.: 07231-5830
Fax: 07231-583100
info@weber-ing.de
www.weber-ing.de

Entwurfsaufgabe

Als zentraler Baustein der Neuordnung der Krankenhausversorgung im Schwarzwald-Baar-Kreis sollte in Villingen- Schwenningen ein Klinikneubau entstehen, der in Zukunft drei veraltete Kliniken in der Region ersetzt. Für das neue Großklinikum Schwarzwald-Baar entwickelte die im Klinikbau erfahrene HDR TMK Planungsgesellschaft mbH gemeinsam mit dem Stuttgarter Architekturbüro Vögele die Leitidee eines „Klinikums des Lichts". Da der Bauherr von Beginn an Wert auf ein Low-Tech-Gebäude legte, galt es für die Planer eine intelligente Grundrisskonzeption zu entwerfen, die zu geringen Unterhaltskosten führt.

Ausgehend von der Idee eines „Klinikums des Lichts" gelang es den Architekten nicht nur den Anteil an kostenintensivem Kunstlicht zugunsten von Tageslicht auf ein Minimum zu reduzieren, sondern mit lichtdurchfluteten Räumen und dem Blick in die Natur eine der Heilung zuträgliche Atmosphäre zu schaffen.

Effizienz zeichnet auch das Energiesystem aus: Eine moderne Hackschnitzelanlage in Kombination mit gasbefeuerten Hochdruck-Dampfkesseln deckt den Heizbedarf und liefert den im Krankenhaus zur Sterilisation notwendigen Hochdruckdampf.
 



Projektbeschreibung

Im Südwesten Baden-Württembergs liegt die Doppelstadt Villingen-Schwenningen mit 81.000 Einwohnern. Seit der Gemeindereform von 1972 sind die ehemals selbstständigen Städte, Villingen in Baden und Schwenningen im Württembergischen, zu einer Großen Kreisstadt vereint. Die Zentren der Stadtbezirke liegen nur circa acht Kilometer Luftlinie voneinander entfernt, dazwischen verlief die Grenze zwischen den ehemaligen Ländern Baden und Württemberg. Villingen-Schwenningen ist heute die größte Stadt des Schwarzwald-Baar-Kreises und verwaltungstechnisches Oberzentrum der Region.

Als Standort für den Neubau des Schwarzwald-Baar Klinikums wurde eine zentral gelegene Anhöhe zwischen Villingen und Schwenningen direkt an der Landstraße 173 gewählt, die die beiden Stadtteile miteinander verbindet. Der Entschluss für den Klinikneubau ist das Resultat eines umfassenden und tiefgreifenden Reform- und Neuordnungsprozesses für die Krankenhausversorgung im Schwarzwald-Baar-Kreis. Als zentraler Baustein ersetzt der Neubau die auf Dauer nicht zukunftsfähigen Klinikgebäude in Villingen und Schwenningen sowie in der Nachbargemeinde St. Georgen.

Bei dem zur Verfügung stehenden Baugrundstück mit einer Größe von von zehn Hektar handelte es sich um eine freie, unerschlossene Feldfläche auf einer Hügelkuppe. Im Rahmen des Neubauvorhabens wurde das Areal durch die neuangelegten Planstraßen Klinikstraße und Albert-Schweitzer-Straße durch die Gemeinde Villingen-Schwenningen infrastrukturell erschlossen. Im Westen grenzt das Grundstück an eine geriatrische REHA-Klinik, im Norden und Osten stehen vereinzelte Wohnhäuser. Von der Anhöhe geht der unverbaute Rundblick über Wälder und Felder der Region. Im Osten liegt die Schwäbische Alb, westlich erstreckt sich der Schwarzwald und gen Süden reicht der Blick bei günstiger Wetterlage bis zu den Gipfeln der Alpen.

Inspiriert von dem Weitblick von der Hügelkuppe in die Natur entwickelten die Planer für den Klinikneubau die Leit-idee eines „Klinikums des Lichts". Auf die natürliche Belichtung wurde von Beginn an viel Wert gelegt, da Tageslicht den Genesungsprozess der Patienten fördert und die Aufenthalts- und Erholungsqualität des Klinikgebäudes steigert.

Die Architekten entwickelten einen dreigeschossigen Sockelbaukörper, der die öffentlicheren und auch verkehrsintensiveren Nutzungen wie Untersuchungs- und Behandlungsräume, Labore und ein ganzes OP-Geschoss beherbergt. Zusammen mit der Techniketage bildet dieser Baukörper die Basis des Klinikums.

Darüber platzierten die Architekten die Bettenhäuser, die wie aufgesetzte Würfel über dem funktionellen Sockelvolumen zu schweben scheinen. Die dreigeschossigen Bettenkuben bilden die ruhigeren Bereiche des Krankenhauses mit den Pflegestationen. Das Frauen- und Kinderzentrum (FKZ) bildet einen eigenen Baukörper, der dreigeschossig an das Hauptgebäude angebunden ist.

Auf den zentralen Haupteingang der Klinik verweist der weithin sichtbare Träger der Stahlskulptur „Der Linie lang" des Bildhauers Robert Schad auf dem Klinikdach. Zusammen mit der skulpturalen Endlosschleife auf dem Vorplatz sollen die beiden Skulpturen die Wechselwirkungen zwischen Ruhe und turbulenten Emotionen symbolisieren, die Besucher und Patienten beim Betreten eines Krankenhauses begleiten. Die tonnenschweren Cortenstahlskulpturen stehen im Kontrast zur hellen Fassade des Klinikums mit den abwechselnd farbigen sowie transparenten verglasten Fensterfeldern.

Für die Erschließung des Klinikums wählten die Architekten in Absprache mit dem Bauherrn keine klassische Kammstruktur. Stattdessen wurden alle Einheiten im Klinikum horizontal oder vertikal miteinander verknüpft, um möglichst kurze zeitsparende Wege zu gewährleisten. Von der lichtdurchfluteten Eingangshalle mit dem großen Lichtdach bildet die 200 Meter lange markante Hauptmagistrale das horizontale Rückgrat des Klinikums, das die Patienten, Mitarbeiter und Besucher in Ost-West-Richtung verteilt. Ambulanzen und Behandlungsbereiche wie Kardiologie, Herzkathederlabore, Gastroenterologie und Radiologie sind an die Magistrale angeschlossen. Eine Nebenmagistrale führt von der Eingangshalle zudem zum Frauen-Kind-Zentrum.

Für eine entspannte Atmosphäre sind die Wände der Magistralen mit kontrastreichen, abstrakten Malereien gestaltet, die positive Emotionen wecken sollen. Die Wandmalereien sind ein Gemeinschaftswerk der Künstler Michael Jäger, David Harley, Jürgen Palmtag und Volker Saul. Ergänzend zu den farbigen Wandflächen gestaltete die Künstlerin Marielle Mosler mit Neonlampen die „Cosmic Knots". Die Lampeninstallationen stellen Wolken aus farbigen Molekülen dar, die abhängig vom Lichteinfall in unterschiedlicher Intensität leuchten und das kostbarste Gut der Menschen – die Gesundheit – symbolisieren.

Mit elf Innenhöfen gliedern die Architekten den Klinikkomplex und sorgen für Tageslichteinfall in die Tiefe des bis zu siebengeschossigen Gebäudevolumens. Jeder der Innenhöfe ist zugänglich und in Anlehnung an die Landschaften der Region unterschiedlich gestaltet. Mit Namen wie „Wilde Schluchten", „Schwarzwald-Tafelberg" oder „Brigach- Breg-Donau" sollen positive Heimatgefühle aufkommen.

Insgesamt 19 Fahrstühle und 15 Treppenhäuser erschließen die Vertikale und verbinden die Magistrale mit den Pflegestationen. Bei der Konzeption der 446 Patientenzimmer wird die Leitidee des Klinikums wieder besonders deutlich: Große Glasflächen und niedrige Fensterbänke maximieren den Lichteinfall und rahmen den freien Blick in die Landschaft. Auch im Bett liegend kann so jeder Patient die Aussicht genießen. Die Standardzimmerausstattung umfasst Radio, Fernsehen, Internet sowie Tresore in den Schränken und ein eigenes Bad mit Dusche. Bei der Innenraumgestaltung legten die Planer viel Wert auf eine helle und freundliche Atmosphäre und wählten für die Patientenzimmer sandfarbene Böden, helle Ahornmöbel und eine hellblau abgetönte Zimmerdecke.

Bei der Grundrissorganisation achteten die Architekten auf einheitlich aufgebaute Stationen. Das erleichtert es sowohl Mitarbeitern als auch Patienten sich schnell auf fremden Stationen zurecht zu finden. Insgesamt entstanden 18 Normalpflegestationen, zwei Wahlleistungsstationen und eine Komfortstation. Letztere verfügt über 36 Patientenzimmern als Einzelbettzimmer. Diese erhielten in der Gestaltung einen exklusiven, hotelartigen Charakter. So wurde Hochkantlamellenparkett aus gedämpfter Robinie als Bodenbelag verlegt und großformatige Fotowände als Blickfang gewählt. Zum Hotelcharakter trägt auch bei, dass die medizintechnischen Anschlüsse diskret hinter der Wandvertäfelung angebracht sind.

Auf der OP-Etage sind 15 Operationssäle auf einer Geschossebene nebeneinander angeordnet. Um eine bestmögliche Funktionalität zu gewährleisten, gibt es einen zentralen Zugangsbereich für die „Einschleusung" der Patienten und einen direkten Zugang von und zur Intensivstation. Neben den Standard-Operationssälen steht ein Hybrid- Operationssaal zur Verfügung. In diesem können die Ärzte parallel zur chirurgischen Ausstattung auf robotergestützte, bildgebende Verfahren zugreifen, die mit einem Navigationssystem verknüpft sind. Das direkt über der OP-Ebene angeordnete Technikgeschoss garantiert eine kurze Anbindung an die Lüftungszentrale.

Nach knapp vierjähriger Bauzeit wurde das Zentralklinikum Schwarzwald-Baar in Villingen-Schwenningen am 6. Juli 2013 feierlich im Beisein des baden-württembergischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann eingeweiht.
 



Baukonstruktion

Das neue Klinikum mit einer Nutzfläche von 46.000 Quadratmetern wurde in Massivbauweise als Stahlbetonskelettbau erstellt. Da das Baugrundstück in der Erdbebenzone 1 liegt, in dem gemäß der Einschätzung des baden-württembergischen Innenministeriums rechnerisch Erdbeben der Stärke 6,5 bis 7 auf der Richterskala möglich sind, ist das Stahlbetonskelett mit Fugenteilungen ausgeführt. Im Bereich der für die Diagnostik wichtigen Linearbeschleuniger wurde aus Sicherheitsgründen Strahlenschutzbeton der Schwerbetonklasse 3.2 eingebaut.

In der Fassade wechseln sich farbige und transparente Fensterfelder ab, die dem Klinikbau eine helle und freundliche Anmutung verleihen.

Die Energiezentrale mit den drei markanten Schornsteinen wurde abseits vom Klinikgebäude als eigenständiger Baukörper realisiert. Das Gebäude wurde in Leichtbeton ausgeführt.
 


Interview

mit Architekt Dipl.-Ing. (TH) Ralf Landsberg von der HDR TMK Planungsgesellschaft MBH, Düsseldorf


Was ist der Entwurfsgedanke hinter der Architektur?
Als wir 2005 auf das Dach unseres Geländewagens stiegen, waren wir völlig überwältigt von diesem wunderbaren Rundblick über den Schwarzwald. Bis zu den Alpen konnten wir blicken. Es war genau diese Aussicht und Weite, die uns inspiriert haben. Schon früh entstand die Idee, dass es ein „Krankenhaus des Lichts" werden soll. Licht, das durch großzügige Fensterflächen in die Räume fällt; Licht, in das man als Patient oder Mitarbeiter hinausblicken kann – Licht am Himmel, auf den Wiesen, den Bäumen. Denn Tageslicht hat eine besondere Qualität. Die Lichtdurchflutung fördert den Genesungsprozess der Patienten und steigert damit die Aufenthalts- und Erholungsqualität des Klinikgebäudes.

Wie haben Sie die Idee des „Klinikums des Lichts" umgesetzt?
Bei der Umsetzung der Idee haben wir alle 446 Krankenzimmer mit extrem großen Fenstern ausgestattet. Gleichzeitig haben wir elf Innenhöfe geschaffen und sie so dimensioniert, dass selbst bei schlechtem Wetter ausreichend Tageslicht in den unteren Geschossen ankommt. Viele Patienten und Besucher sind beim Betreten eines solch großen Gebäudes von Schwellenängsten geplagt. Um dem entgegenzutreten haben wir die Eingangshalle mit einem großen Lichtdach ausgestattet, über das eine kontrollierte Lichtsteuerung in der Eingangszone möglich ist.

Mit der Idee, viel Licht in das Gebäude zu holen, haben wir es weitestgehend geschafft, den Anteil an rein künstlich belichteten Räumen auf ein Minimum zu reduzieren. Man kann sagen, dass ihr Anteil gut ein Drittel niedriger ist als in einem konventionell gebauten Haus vergleichbarer Größe. Kunstlicht ist eine Ressource, die kostet – im Verbrauch, aber auch im Investment. In den prominenten öffentlichen Bereichen, den beiden Magistralen etwa, haben wir eine tageslichtabhängige Lichtsteuerung installiert. Lässt das Tageslicht nach, setzt automatisch Kunstlicht ein. Das erfordert zunächst höhere Investitionen in die Technik, amortisiert sich aber langfristig durch das Einsparen von Energiekosten.

Was mussten Sie bei der Organisation des Grundrisses beachten und wie haben Sie das gelöst?
Als Krankenhausbauer blicken wir auf einen mehr als 50-jährigen Erfahrungsschatz zurück. Wir haben uns bei der Planung natürlich vom Prinzip der kurzen Wege leiten lassen. Orientierung und Zeiteffizienz sind wichtige Parameter, die in der Entwurfsfrage zu klären sind. Sie hatten neben der Patientenorientierung und dem Design einen großen Einfluss auf die Entwurfsplanung. In enger Abstimmung mit dem Bauherrn haben wir uns entschieden auf die übliche Kamm- Struktur zu verzichten und auf eine vertikale und horizontale Verzahnung der Gebäudeteile zu setzen. Mit der Idee Bettenwürfel, Innenhöfe und Funktionsgeschosse zu kombinieren, überzeugten wir ihn von Anfang an. Teil des organisatorischen Grundgedankens war es, stufenweise von den öffentlichen Bereichen in die privaten Bereiche überzugehen. Daher sind Ambulanzen, OPs, Labore, Untersuchungsbereiche und die Techniketage in einem dreigeschossigen Basisbauwerk untergebracht und stellen die „öffentlichen", verkehrsintensiven Bereiche dar. Die Bettenhäuser symbolisieren den „privaten" Rückzugsbereich. Mit der Idee der gestapelten Bettenhäuser, die als solitäre Kuben auf einem breiten Basisbauwerk liegen, setzten wir diesen Gedanken baulich um.

Welche Wünsche und Vorgaben hatte der Bauherr an das Energiekonzept?
Der Bauherr hatte von Anfang an den Wunsch den Neubau als Low-Tech-Gebäude auszuführen. Das heißt, dass wir den Fokus bei der Planung weniger auf eine mögliche High-Tech-Ausstattung legten, sondern ganzheitlich eine intelligente Grundrisskonzeption favorisierten, die zu geringen Unterhaltskosten führt. Die Vernetzung aller technischen Einrichtungen hatte hierbei höchste Priorität. Beispielhaft sei hier die konsequente Wärmerückgewinnung genannt, die zu einer positiven Energiebilanz führt. In der Konzeption der Gesamtanlage war die Energiezentrale als separates Bauwerk vorgesehen. Eine moderne Hackschnitzelkesselanlage steuert dabei die komplette Wärmeversorgung des Klinikums und wird mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz befeuert. Gelagert wird der regenerative Brennstoff in einem 700 Kubikmeter großen Bunker. Die Rauchgase werden über Elektrofilteranlangen der neuesten Generation gereinigt. In der Energiezentrale sind Trafos, Notstromaggregate und die Kälteerzeugung untergebracht. Zusammen garantieren die Versorgungseinrichtungen eine optimale Energieeffizienz sowie eine hohe Versorgungssicherheit. Die Dachflächen des Klinikums sind für die Aufnahme von Solarzellen vorgerüstet. Auch hier haben wir flexibel und vorausschauend geplant.

Aus welchen Gründen haben Sie sich für Biomasse als regenerative Energiequelle entschieden?
Hierzu muss man wissen, dass der Schwarzwald-Baar-Kreis über einen sehr guten Zugang zur Ressource Holz verfügt. Es lag daher nahe, die Primärenergieversorgung über Holzhackschnitzel abzusichern.
 


Energiekonzept

Nicht nur die Ausstattung in den Behandlungsräumen und Operationssälen des Schwarzwald-Baar Klinikums ist auf dem neuesten Stand; auch bei der Versorgung des Klinikums mit Wärme und Dampf entschieden sich die Planer für ein modernes Energiesystem. Eine hocheffiziente Hackschnitzelanlage mit einer Heizleistung von 5.900 kW versorgt das Klinikum zuverlässig mit Wärme. Als Biomasse-Brennstoff kommt der nachwachsende Rohstoff Holz zum Einsatz, der aus der Region bezogen wird und aufgrund der kurzen Transportwege auch zur Nachhaltigkeit des Projektes beiträgt. Durch den Einsatz der Wärmerückgewinnungsanlagen spart das Energiesystem gegenüber einer Standardwärmerückgewinnung jährlich 2.500 MWh an Wärmeenergie ein. Das Kältekonzept verbraucht zudem etwa 700 MWh weniger im Jahr, so dass das Klinikum unterm Strich seinen jährlichen Emissions-Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid um rund 750 Tonnen reduziert.

Heizung, Warmwasserversorgung und Dampferzeugung

Die Wärmeversorgung gewährleistet eine moderne Hackschnitzelanlage von Viessmann. Die aus der Region bezogenen Holzhackschnitzel werden in einem 700 Kubikmeter fassenden Bunker gelagert. Täglich verbraucht das Klinikum im Volllastbetrieb im Schnitt eine Lkw-Ladung an Holz, der Vorrat im Bunker reicht also für sechs bis acht Tage.

Zwei Biomassekessel Vitoflex 300 von Viessmann erzeugen getrennt voneinander die Wärme für Warmwasser und Heizung (Pumpenwarmwasser) sowie für Lüftung und Sterilisation (Hochdruckdampf). Beide sind mit hydraulisch angetriebenen Flachschubrosten (FSR) ausgerüstet. Die Biomassekessel Vitoflex 300 wandeln bis zu 92 Prozent des Brennstoffs Holz in Wärmeenergie um. Zur hohen Effizienz tragen dabei die geringen Strahlungsverluste bei, da die Kesselanlage komplett gedämmt ist. Die entstehenden Rauchgase werden über Elektrofilteranlagen gereinigt.

Daneben deckt eine gasbetriebene Großkesselanlage bestehend aus zwei Niederdruck-Heißwassererzeugern Vitomax 200-LW und einem Hochdruck-Dampferzeuger Vitomax 200-HS von Viessmann die benötigte Spitzenlast ab. Über Heizwasser-Pufferspeicher sind die Wärmeerzeuger vom Sekundärnetz entkoppelt. Abhängig von der Außentemperatur liegt die Vorlauftemperatur zwischen 75 und 85 Grad Celsius. Das gesamte Energiesystem wird automatisch und lastabhängig über Wärmemengenzähler unter Berücksichtigung des Ladezustands im Heizwasser-Pufferspeicher geregelt. Er ist zur Ausnutzung der Wärmespeicherkapazität bei geringer Wärmeabnahme für Ladetemperaturen bis 90 Grad Celsius ausgelegt. Im Sommer und in der Übergangszeit ist der dampfbeheizte Wärmeübertrager in Betrieb. Für einen besonders effizienten Betrieb ist das Energiesystem aus Biomassekessel und den Vitomax-Kesseln mit einem nachgeschalteten Abgas-Wärmetauscher, dem sogenannten Economiser, ausgestattet. Dieser steigert den Nutzungsgrad, senkt den Energieverbrauch und somit die Energiekosten.

Sterile Geräte und Räumlichkeiten sind in einem Klinikum unabdingbar. Der für die Sterilisatoren, Reinigungsmaschinen, Taktbandwaschanlagen für die Zentralküche sowie die Befeuchtung der Räume notwendige Hochdruckdampf mit zehn Bar wird ebenfalls zuverlässig von dem Energiesystem erzeugt.

Autor: Katharina Ricklefs

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