Baufeld 10 Hafencity Hamburg



Daten und Fakten

Standort: Am Kaiserkai 56, 20457 Hamburg
Bauherr: Baugemeinschaft, vertreten durch die Bürgerstadt AG c/o Patriotische Gesellschaft von 1765
Architekt: LOVE architecture and urbanism ZT GmbH, Graz
Bauzeit: Januar 2007 bis Mai 2008
Investor:
Joachim Wernst Immobilien GmbH

Entstehungszeitraum:
Architekturworkshop:
Oktober 2005
Wettbewerbsentscheidung: November 2005
Planungsphase: Januar bis Juli 2006
Baubeginn: Januar 2007
Fertigstellung: Mai 2008

Weitere Daten:
Grundstücksfläche:
810 qm
Nutzfläche: Wohnen 2.688 qm / Gewerbe 272 qm
BGF: 3.150 qm
BRI: 13.700 cbm
 

Architekten

LOVE architecture and urbanism ZT GmbH
Hans Sachs-Gasse 8/2
A – 8010 GrazTel. +43 316-810106
Fax +43 316-81010620
office@love-home.com
www.love-home.com

Bürophilosophie
Gute Architektur schafft Vertrautheit und verändert die Wirklichkeit. LOVE wurde 1998 mit dem Ziel gegründet, innovative Gebäudesysteme zu entwickeln, zu vermarkten und zu realisieren. 2002 wurde brandfield als Tochter-Unternehmen zur strategischen Markenentwicklung von Immobilien ins Leben gerufen. Beide Unternehmen verfolgen ein Ziel: Architektur zu schaffen, die in dreißig Jahren noch aufregend ist.

Projektmitarbeiter
Arch. DI Herwig Kleinhapl, Arch. SBA DI Bernhard Schönherr, DI Peter Kilian, Mark Jenewein

Architekten Innenausbau
überNormalNull
Billhorner Brückenstraße 40
20539 Hamburg
Tel. 040-73091571
Fax 040-78073059
info@uebernn.de
www.uebernn.de

Bürophilosophie
Eine lebendige, kreative und anziehende Stadt entsteht nur da, wo kulturelle, wirtschaftliche und soziale Entwicklung ineinander greifen. Deshalb verfolgt üNN die Strategie der kulturellen Sukzession. Unter frühzeitiger Einbeziehung der Bevölkerung werden die Gelegenheiten und historischen Bezüge des Ortes aufgegriffen und kulturell durchdrungen. Das beginnt mit der Belebung durch künstlerische Aktionen, setzt sich fort mit der Umnutzung bestehender Gebäude und Freiflächen und mündet schließlich in die sukzessive Entfaltung neuer städtischer Strukturen. Kunst und Kultur stehen am Anfang – nicht am Ende – jeder städtebaulichen Entwicklung.

Projektmitarbeiter
Dipl.-Ing. Architekt/Stadtplaner Rolf Kellner, Dipl.-Ing. Architekt Dennis Lützow
 

Fachplaner

Tragwerk
Wetzel & von Seht
Friesenweg 5e
22763 Hamburg
Tel. 040-8891670
Fax 040-88916767
info@wetzelvonseht.de
www.wetzelvonseht.de

Technische Gebäudeausrüstung, Elektroplanung (Entwurf)
Planungsbüro für ph Haustechnik GmbH & Co. KG
Dipl.-Ing. Gerd Müller – Beratender Ingenieur
Hans-Böckler-Ring 23
22851 Norderstedt
Tel. 040-5298640
Fax 040-52986422
info@ph-norderstedt.de
www.ph-norderstedt.de

Technische Gebäudeausrüstung, Elektroplanung (Ausführung)
„ad fontes“ Solartechnik Hamburg GmbH
Bernstorffstraße 118
22767 Hamburg
Tel. 040-4306041
Fax 040-4398374
hamburg@adfontes.de
www.adfontes.de
 


Entwurfsaufgabe

Südöstlich der Hamburger Innenstadt entsteht zwischen der historischen Speicherstadt und der Elbe ein neuer Stadtteil: die Hafencity. Auf 157 Hektar ehemaligen Hafenflächen entwickelt die HafenCity Hamburg GmbH in zwölf Quartieren eine Mischung aus Wohnen, Dienstleistung, Kultur, Freizeit, Tourismus und Handel.

Gemeinsam bauen, aber individuell wohnen und zwar auf einem Grundstück in der Hafencity – das war der Wunsch einer Baugemeinschaft in Hamburg. Statt mit einem einzigen Auftraggeber sahen sich die ortsansässigen Architekten von überNormalNull mit den Anliegen mehrerer Bauherren gleichzeitig konfrontiert. Indem sie diese Herausforderung als Chance begriffen, entwickelten sie in enger Absprache mit den zukünftigen Nutzern vielfältige Grundrisse.

Die Richtlinien des Masterplans sahen jedoch für jedes Baufeld einen gesonderten Architektenwettbewerb vor. Aufbauend auf den Grundrissen von überNormalNull entwarfen in einem geladenen Wettbewerb sieben Architekturbüros Hüllen für das geplante Gebäude. Eine Jury aus Fachgutachtern unter Beteiligung der Bauherren entschied sich letztlich für den Entwurf des österreichischen Büros LOVE architecture and urbanism ZT GmbH aus Graz. In Form einer Arbeitsgemeinschaft entwickelte das Büro überNormalNull die Grundrisse, während die Architekten von LOVE die äußere Form des Bauwerks ausarbeiteten.

Neben den Wünschen der Bauherren an das Gebäude galt es für die Architekten die städtebaulichen und ökologischen Vorgaben des Masterplans der Hafencity Hamburg GmbH zu berücksichtigen. Klar vorgegebene Kubaturen, reglementierte Bauvolumina und ein übergeordnetes Freiraumkonzept definieren den neuen Stadtteil. Innerhalb dieser äußeren Rahmenbedingungen verfolgten die Architekten das Ziel, „eines in sich fröhlichen, optimistischen, modernen und dabei in seinen Nutzungsmöglichkeiten maximierten Baukörpers.“
 



Projektbeschreibung

Diese Absicht findet der Besucher bestätigt, betritt er die Hafencity von Norden über die Niederbaumbrücke. Am Ende der Straßenflucht sticht das in seiner Kubatur leicht abgeschrägte, weiße Gebäude des Baufelds 10 zwischen den benachbarten Klinkerbauten hervor. Mit den auskragenden Balkonen und den abgerundeten Fensteröffnungen scheint der Baukörper jeden in der neuen Hafencity begrüßen zu wollen.

Das von der Baugemeinschaft ausgewählte Baufeld 10 gehört innerhalb der Hafencity zum Quartier am Dalmannkai. Prägend für dieses ist seine Lage auf einer lang gezogenen, schmalen Landzunge zwischen Sandtor- und Grasbrookhafen. Die einzige Erschließungsstraße „Am Kaiserkai“ teilt das Quartier in eine nördliche und südliche Bebauungsseite. Seinen krönenden Abschluss findet der Dalmannkai am westlichen Ende mit der sich im Bau befindlichen Elbphilharmonie auf dem Kaispeicher A. In unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser liegt das Baufeld 10 auf der nördlichen Kaiseite mit Blick auf den Traditionsschifffahrtshafen am Sandtorkai. Der städtebauliche Masterplan sieht auf diesem Baufeld ein rechteckiges, straßenbegleitendes Bauvolumen vor. Entsprechend orientiert sich das siebengeschossige Gebäude in Ost-West-Ausrichtung längs der Straße und parallel zur Wasserkante. Durch die abgeschrägte Ostfassade verbreitert sich das Bauvolumen nach oben.

Da die Flächen der Hafencity im Überflutungsbereich der Elbe aus Gründen des Hochwasserschutzes angehoben wurden, liegt das Straßenniveau im ganzen Stadtteil siebeneinhalb bis acht Meter über dem Wasserspiegel. Die tiefer gelegenen Kellergeschosse des Gebäudes sind als Flutschutzbauwerk ausgeführt. Sie beherbergen eine zweigeschossige Tiefgarage, die Haustechnik, sowie die Nebenräume der Gastronomie und die Wohnungskellerräume.

Im Verhältnis eins zu zwei unterteilt der Erschließungskern den Baukörper in einen östlichen und westlichen Gebäudetrakt. Gemäß den Vorgaben des Masterplans beträgt die lichte Raumhöhe im Erdgeschoss fast 5,60 Meter. Das thailändische Restaurant im Parterre bespielt die gesamte Grundfläche des östlichen Gebäudeteils. Über einen separaten Eingang von der Straßenseite erschlossen, bereichert ein unverstellter Ausblick über den Sandtorhafen das gastronomische Angebot. Mit einer Terrasse zum sich anschließenden öffentlichen Platz schufen die Architekten einen Übergang zu den im Masterplan vorgegebenen Freibereichen des Quartiers. Im Erdschoss des westlichen Gebäudeteils orientieren sich zwei Ladeneinheiten mit ihren Eingängen und raumhohen Glasfronten zur Straße „Am Kaiserkai“. Die Verkaufsräume sind stützenfrei ausgeführt. Optional bietet der hohe Luftraum die Möglichkeit, eine Galerieebene einzuziehen. Lagerräume und Nasszellen komplettieren die Gewerbeeinheiten.

Für eine Baugemeinschaft zu planen bedeutete, die Wünsche vieler Bauherren, die gleichzeitig auch als Nutzer einziehen würden, zu berücksichtigen. Daher entwickelten die Architekten von überNormalNull sehr spezifische Grundrisslösungen. Entstanden sind 25 individuelle Wohnungen von circa 90 bis zu knapp 225 Quadratmetern, abgestimmt auf die verschiedenen Bedürfnisse, Lebenssituationen und -auffassungen der Bewohner.

Für den östlichen Gebäudeteil entwarfen die Architekten Etagenwohnungen. Vom zweiten bis zum sechsten Obergeschoss finden sich pro Ebene zwei Wohnungen. Im westlichen Gebäudeteil dominieren zwei- bis dreigeschossige Maisonettewohnungen. Vier Wohnungen lassen sich ebenerdig von der Wasserseite her über einen separaten Hauseingang erschließen. Eine Terrasse zum Sandtorhafen ergänzt den Eingangsbereich um eine private Freifläche. Die Wohnungen erstrecken sich vom Erdgeschoss über eine Galerieebene bis in das erste Obergeschoss und verfügen über bis zu fünf Zimmer. Im dritten Stock erschließt ein langer Flur zweigeschossige Maisonetten. Während die Nutzer der südlichen Wohnungen eine Treppe nach unten in ihre Wohnetage zurücklegen, führt sie der Weg in den nördlich zum Sandtorhafen gelegenen Wohnungen eine Treppe nach oben in ihre weiteren Räumlichkeiten. Die jeweils zweite Wohnebene erstreckt sich über die gesamte Gebäudebreite von Norden nach Süden. Eine großzügige Etagenwohnung mit über 200 Quadratmetern und eine weitere Maisonettewohnung teilen sich das fünfte Obergeschoss. Alle Wohnungen verfügen über eine lichte Raumhöhe von 2,85 Meter, getrenntes Bad und WC, großzügige Fensterflächen sowie Holzfußböden. Die barrierefreie Ausführung der Etagenwohnungen ermöglicht einen späteren behindertengerechten Ausbau.

Beim Entwurf der Hülle strebten die Architekten von LOVE eine Ablesbarkeit der individuellen Wohnungsgrundrisse innerhalb der Fassade an. Dadurch dass sie weitgehend versuchten, über die Fensteranordnungen und -laibungszuschnitte die dahinterliegenden Wohnungen zusammenzufassen, spiegelt sich die Individualität der einzelnen Bauherren in der Fassadengestaltung wider. Neben der Form des Baukörpers und den abgerundeten Fensteröffnungen prägen die weit auskragenden Balkone und Erker sowie die eingerückten Loggien die Fassade.

Jede Wohnung verfügt über mindestens einen Balkon, einen Erker, eine Loggia oder eine Terrasse. Hinter den weit auskragenden Balkonen und Erkern steht die Entwurfsabsicht, die Wohnungen möglichst weit in den Freibereich auszudehnen. Statt eines begrenzten Ausblicks aus der Wohnung auf die gegenüberliegende Bebauung erweitert der Schritt aus der Fassade die Aussicht der Bewohner auf ein Maximum von 180 Grad. Auf diese Weise verstärken die Architekten für die Bewohner die Erfahrbarkeit der besonderen Lage am Wasser des Sandtorhafens, die Elbnähe mit dem Hamburger Hafen und der Philharmonie. Auf dem westlichen Gebäudeteil bietet eine Dachterrasse als Gemeinschaftsfläche Platz für die unterschiedlichsten Aktivitäten sämtlicher Hausbewohner. Als „schwebende Schale“ ausgebildet, rundet sie den Baukörper optisch nach oben ab.
 


Baukonstruktion

Tragwerk

Das Gebäude auf dem Baufeld 10 wurde in einer Bauzeit von siebzehn Monaten in Massivbauweise mit Stahlbetonwandscheiben und außen liegendem Wärmedämmverbundsystem errichtet. Dieses Tragwerk zählt zu den günstigsten Wandbausystemen und half dadurch, die Baukosten zu reduzieren. Alle Wandscheiben der Außen- und Trennwände sind tragend. Die um circa einen Meter nach vorn gekippte Ostfassade bildet eine Ausnahme: Sie wird durch die seitlichen Wandscheiben ausgesteift und erfüllt somit keine direkte statische Funktion. Die anspruchsvollen Rundungen der Gebäudeecken im Sockel- und Traufbereich berechneten die Architekten mit Hilfe von CAD-Programmen und ließen sie als Fertigteile herstellen. Die Rundungen der Fensterlaibungen wurden mit Hilfe des Wärmedämmverbundsystems modelliert.

Prägend für das Erscheinungsbild des Gebäudes ist die spannungsreiche Anordnung der weit auskragenden Balkone, Erker und eingerückten Loggien. Die Architekten planten die Balkone und Erker als Fertigteil-Betonschalen mit Isokorb. Der Einbau eines Isokorbes reduziert die Wärmeverluste bei durchgehenden Betonplatten um bis zu vierzig bis fünfzig Prozent. Neben der thermischen Entkopplung dient der Isokorb gleichzeitig als tragendes Verbindungselement zwischen Innen- und Außenbauteilen. Ein fest mit den Stahlteilen verbundener Block aus EPS gewährleistet die erforderliche Dämmung. Das Flachdach über dem östlichen Gebäudeteil ist als bekiestes Foliendach ausgebildet und Standort der thermischen Solaranlage.

Fassade

Die Architekten beschlossen, das Wärmedämmverbundsystem glatt zu verputzen. Die sich daraus ergebende, seidig erscheinende Oberfläche des sogenannten „gewaschenen Putzes“ wirkt wertvoller als konventionelle Verputztechniken. Obwohl während der Wettbewerbsphase noch verschiedene Farbkonzepte mit mehreren Farben existierten, fiel die Entscheidung letztlich auf weiß.

Wie die Gebäudeecken, Balkone und Erker weisen auch die Fensteröffnungen Rundungen auf. Die Laibungen der Fensterelemente sind abgerundet und laufen konisch nach hinten zu, um den visuellen Eindruck weiter zu steigern. Innerhalb der abgeschrägten Ostfassade sind die Fenster vertikal eingebaut. An die gerundeten Fensterlaibungen direkt anschließende Fensterelemente realisierten die Architekten als Festverglasungen. Alle Rundungen erhielten denselben Radius. Bei den zentralen Fensterelementen wählten die Architekten marktübliche Maße.
 


Interview

mit Mark Jenewein von LOVE architecture and urbanism


Inwiefern unterscheidet sich das Planen für eine Baugemeinschaft von der klassischen Arbeit für nur einen Bauherrn?
Intensive Abspracheprozesse sind erforderlich, da ein jeder ein Mitspracherecht hat. Sobald ich die Wand von einer Wohnung ein bißchen verschiebe, hat es sofort Auswirkungen auf einen anderen Bauherrn. Dies erfordert eine sehr genaue Abstimmung unter den einzelnen Personen. Das ist ein viel intensiverer Prozess, als wenn ich mich nur mit einem kurz schließen müsste. Aber der Vorteil liegt in der emotionalen Identifikation der Bauherren gegenüber dem eigenen Haus. Das verhindert oft, dass Kostenargumente zu stark in den Bauprozess einfließen. Wenn einem Investor zwei mögliche Fassadenoberflächen vor der Nase liegen, dann tippt er in der Regel auf die günstigere. Natürlich sind die Kosten immer ein Thema, aber bei der eigenen Wohnung zahlt man auch lieber mal etwas mehr für eine schönere Fassade.

Wie wirkt sich das Konstrukt Baugemeinschaft auf die Baukosten aus?
Ganz grundsätzlich gesagt ist es natürlich günstiger. Einfach aus dem Grund, dass die Margen von zwischengeschalteten Firmen wegfallen. Würde ich ein fertiges Haus kaufen, dann gibt es natürlich einen Immobilienmakler und einen Projektentwickler, die ich bezahlen muss. Ich kann nicht selber Einfluss auf die Baukosten nehmen. Ich muss es dann halt für zum Beispiel 3.500 Euro pro Quadratmeter kaufen. Die Errichtungskosten liegen aber meinetwegen bei nur 2.000 Euro pro Quadratmeter. Die Differenz fließt in alle möglichen anderen Kanäle. Diese entfallen bei einer Baugemeinschaft. Die Ersparnis kann man in mehr Wohnfläche oder einen qualitativ hochwertigeren Ausbau investieren.

Welche Besonderheiten zeichneten die Grundstückslage aus und wie reagierten sie auf diese?
Der besondere Reiz liegt in der ganz speziellen Situation am Wasser und am Hafen. Ein sehr entwurfsbestimmender Gedanke war vom ersten Tag an, wie man diese spezifische Umgebung maximal in das Haus miteinbeziehen kann. Die städtebaulichen Vorgaben sahen ganz klare Baufluchten vor. Die Idee war, an die bestehende Fassadenflucht noch auskragende Erker anzuheften, was die Bauordnung auch erlaubt, um möglichst weit mit der Wohnung über das Wasser zu kommen. Plötzlich kann ich auch Richtung Hafen schauen, ein größeres Sichtspektrum und neue Sichtachsen entlang der Elbe überblicken. Desweiteren ist die Hafencity sehr spannend, da es ein wahnsinnig ambitioniertes und großes städtebauliches Vorhaben darstellt. Neben so klingenden Namen wie Herzog & de Meuron, Rem Koolhaas, Behnisch, usw. daran teilzunehmen und auch mitgestalten zu dürfen, war ein interessanter Aspekt für uns.

Welche Haltung drückt das Gebäude aus?
Dass wir etwas gebaut haben, was da eigentlich gar nicht so richtig hinpasst, war keine Strategie. Als wir damals angefangen haben, stand ja noch nichts. Es gab zwar ein paar Entwürfe, ein paar Renderings, aber wirklich sichtbar war nichts. Wir werden oft gefragt, ob wir uns absichtlich abheben oder einen Kontrapunkt setzen wollten. Absichtlich würde ich nicht sagen, wir haben gemacht was wir immer tun. Wir haben versucht, ein freudvolles, optimistisches, „farbenprächtiges“ Haus zu entwickeln. Wir möchten immer die interessanteste aller möglichen Formen, für in diesem Fall ein Wohngebäude, schaffen. Eines, in das wir selbst gerne einziehen würden.

Welche Rückmeldungen haben Sie bisher von den Bewohnern erhalten?
Der Ansatz ist wichtig, ein Haus zu bauen, bei dem wir das Gefühl haben, dass Leute sich darin wohlfühlen. Wir haben mit einigen Eigentümern vor Ort gesprochen, und das Feedback ist auch wirklich so ausgefallen. Den Bewohnern gefällt ihr Haus, ihnen gefallen ihre Erker und ihre Perspektiven. Sie finden es schön. Sie finden auch schön, dass es sich abhebt von den anderen. Dass es ein sehr spezielles Haus mit eben einer besonderen Art von Optimismus ist, der sich auch in irgendeiner Form in der ganzen baulichen Herangehensweise widerspiegelt.
 


Technischer Ausbau

Warmwassererzeugung

Eine weitere ökologische Vorgabe der HafenCity Hamburg GmbH stellt die Ausstattung von Gebäuden mit überwiegender Wohnnutzung mit solarthermischen Anlagen für die zentrale Brauchwasserbereitung dar. Allein auf den Dächern des Quartiers am Dalmannkai, die Elbphilharmonie ausgenommen, sieht die Planung eine Solarkollektorfläche von insgesamt 1.800 Quadratmetern vor. Ziel dieser Maßnahme ist es, vierzig Prozent des Warmwasserbedarfs durch Sonnenenergie abzudecken. Mit einer solarthermischen Anlage von Viessmann auf dem Flachdach des östlichen Gebäudeteils erfüllen die Architekten diese ökologische Auflage. Der Einsatz von zehn Vakuum-Röhrenkollektoren Vitosol 200-T garantiert eine hohe Ausnutzung der Sonnenenergie, da jede der dreißig Vakuumröhren pro Kollektorfeld drehbar gelagert ist, um den Absorber optimal auf die Hamburger Sonne auszurichten. Die Solaranlage nutzt auch geringe Strahlung wie sie beispielsweise im Frühjahr und Herbst oder bei leichter Bewölkung auftritt. Das Vakuum in den Röhren gewährleistet eine bestmögliche Wärmedämmung und vermeidet auf diese Weise Konvektionsverluste zwischen der Glasröhre und dem Absorber. Dieser ist als Kupferabsorber mit Sol-Titan-Beschichtung in jeder Vakuumröhre integriert. Der Schutz vor Verschmutzungen durch Witterungseinflüsse ge-währleistet eine dauerhaft hohe Energieausnutzung.

Für die Speicherung der solarthermisch gewonnenen Wärmeenergie setzen die Architekten auf zwei Viessmann Brauchwasserspeicher des Typs Vitocell 100-E in der Ausführung SVP mit einem Fassungsvermögen von jeweils 1.000 Litern. Diese fördern einen wirtschaftlichen und ökologisch nachhaltigen Betrieb von thermischen Solarsystemen, da die überschüssige Wärme gepuffert wird. Eine hochwertige Rundum-Dämmung aus FCKW-freiem Polyurethan-Hartschaum schützt effektiv vor Wärmeverlusten. Die Vitosolic 200 Solarregelung von Viessmann sorgt dafür, dass die mit den Vakuum-Röhrenkollektoren gewonnene Wärme so effektiv wie möglich für die Heizungsunterstützung genutzt wird. Der Datenaustausch erfolgt über den KM-BUS mit der witterungsgeführten Vitotronic Regelung.

Heizung

Bereits bei der Planung des neuen Stadtteils setzt die HafenCity Hamburg GmbH auf Energieeinsparungen und Klimaschutz mit einem nachhaltigen ökologischen Maßnahmenkatalog für die entstehenden Bauten. Diese ökologischen Vorgaben galt es beim Entwurf der Haustechnikanlage neben den Anforderungen der Energieeinsparverordnung zu erfüllen. Ein Eckpfeiler des Energiekonzeptes für die Hafencity ist eine flächendeckende Fernwärmeversorgung durch die kombinierte Erzeugung von Wärme und Strom in dezentralen, örtlichen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Mit dem Anschluss an das Hamburger Fernwärmenetz verzichteten die Architekten auf einen hauseigenen Brennstoffkessel.

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