Badeparadies Schwarzwald in Titisee



Daten und Fakten

Standort: Am Badeparadies 1, 79822 Titisee-Neustadt

Bauherr: Wund GmbH, Friedrichshafen
Nutzer: Badeparadies Schwarzwald
Architekt: Wund GmbH, Friedrichshafen
Projektleitung: ppa Heiko Wollmann, Wund GmbH

Baujahr/ Fertigstellung: 2010

Gesamtfläche: 9.500 m²
 

Architekten

Wund GmbH
Hochstraße 1
88045 Friedrichshafen
Tel. 07541-2060
Fax 07541-20613
planung@wund.de
www.wund.de

Bürophilosophie:
Dem Blickwinkel des Bauherrn und seinen wirtschaftlichen Einbindungen besondere Beachtung bei der Umsetzung der Zielvorstellungen in eine einprägsame Architektur zu schenken, das ist unsere Firmenphilosophie.
 


Entwurfsaufgabe

Die Idee zu einem Erlebnisbad im Hochschwarzwald entwickelte der Architekt und Bauunternehmer Josef Wund bereits im Jahre 2003. Damals waren die Gemeinden in der Region jedoch noch nicht von der Idee eines Erlebnisbades mit Wellness- und Saunalandschaft überzeugt. Gegen Ende des Jahres 2006 unternahm der Architekt, der bereits in Bayern zwei Bäder betreibt, einen erneuten Anlauf, um die Gemeinden für seine Idee zu gewinnen – und war erfolgreich.

Dem Entwurf des Erlebnisbades mit Wellness- und Saunalandschaft liegt kein Architektenwettbewerb zugrunde. Folglich konnte die Form des Gebäudes nach den Vorstellungen des Investors, Architekten und Bauherrn Josef Wund umgesetzt werden. Eine hohe Beteiligung der Öffentlichkeit in Form von Bürgerverfahren ließen Land und Leute dennoch an der Unternehmung „Erlebnisbad“ teilhaben.

Der gesamte Gebäudekomplex setzt sich aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Die Form des Eingangsbereiches ist eine Reminiszenz an die in der Region verbreiteten Schwarzwaldhäuser. Dabei sei das Schwarzwaldhaus, so Josef Wund, nicht vorrangig eine Gestaltungsfrage, sondern habe technische Auswirkungen: Es ermöglicht große Spannweiten. Die beiden Bereiche Spaßbad und Entspannungslandschaft sind räumlich autonom strukturiert, was sich in der Dachlandschaft deutlich ablesen lässt. Die strikte räumliche Trennung der Bereiche war eine unabdingbare Prämisse für den Entwurf. Nur Jugendliche über 16 Jahren haben Zugang zu den Ruhe- und Entspannungszonen, im Spaß- und Actionbad darf demnach der Geräuschpegel hoch sein. Der Architekt selbst ist trotz Kritik aus der Bevölkerung von dieser Trennung überzeugt: Man könne in einer Oper auch keinen Fußball spielen.

Eine weitere wichtige Grundlage des Entwurfes war das Thema Transparenz. Während die Wellness- und Saunalandschaft mit 180 echten Palmen, 35 Grad Celsius Außen- und 33 Grad Celsius Wassertemperatur unter einem tonnenartigen, gläsernen Dach untergebracht ist, hat der Spaßbereich „Galaxy“ mit Rutschen jeglicher Art, Wellenbad und 25-Meter-Sportbecken eine hohe, schräg gestellte Panoramascheibe, die den Badenden den Blick auf den Hochfirst ermöglicht.
 



Projektbeschreibung

Das Badeparadies Schwarzwald befindet sich in der hügeligen Landschaft des Hochschwarzwaldes außerhalb des Ortes Titisee. Die Anwohner sind dadurch weitestgehend vom Zustrom der Besucher unbeeinträchtigt. Unweit des Bahnhofs gelegen, mit direkter Anbindung an die B31 und einem eigens gebauten Kreisel, ist die Erreichbarkeit für jeden gegeben. Da der Hochschwarzwald sowohl aus topographischer als auch aus verkehrstechnischer Sicht kein Standort für Industrieanlagen ist, ist mit dem Bau des Projektes Badeparadies eine ökologische Alternative gefunden worden, die sich mit der Landschaft gütlich einigt. Als Ausgleich für die durch den Bau entstandenen versiegelten Flächen, erhielt das Bad auf der Südseite einen Teich, um die Versickerung zu gewährleisten.

Die dem Architekten so wichtige Transparenz lässt sich deutlich im Gebäude ablesen. Erreicht wird sie durch den Einsatz von viel Glas und den unterschiedlichen Anforderungen an die Bereiche. So ist der Eingangsbereich nur in seiner Frontansicht transparent gestaltet und mit einem gedeckten Satteldach versehen, während sich das Dach des Wellness- und Entspannungsbereiches fast aufzulösen scheint. Die technischen Anforderungen reduzierten im Bereich des Spaßbades aus schallschutztechnischen Gründen den Einsatz von Glas, dennoch wurde auch hier darauf geachtet, den Blick ins Freie zu ermöglichen. So nimmt sich der Bau in der Landschaft des Hochschwarzwaldes zurück und die Grenzen zwischen Innen und Außen werden fließend. Besonders reizvoll ist dies im Winter, wenn eine dicke Schneedecke die Landschaft einhüllt und im Inneren die Gäste unter Palmen ihren Ausblick in die Landschaft genießen können.

Die drei unterschiedlich gestalteten Bereiche bilden im Inneren ab, was das Äußere vermuten lässt: Während der Spaßbereich mit seinen 18 unterschiedlich farbigen Rutschen einem großen dreidimensionalen Labyrinth gleicht und auf spielerische Art und Weise die Phantasie anregt, verfügt die Erholungslandschaft über Weite, durchbrochen nur durch die exotischen Palmen und lädt so zum Verweilen und Träumen ein. Der Eingangsbereich ist sachlich gehalten und steigert die Vorfreude auf das Badevergnügen.
 


Baukonstruktion

Lange Zeit sollte der gesamte Bau die Form eines Schwarzwaldhauses mit tief stehendem Walmdach erhalten. Diese anfängliche Konstruktionsidee hätte aber eine zu große Dunkelheit und Unflexibilität zur Folge gehabt. So entschied sich der Bauherr und Architekt Josef Wund für drei gesonderte Bereiche, die eine komplexe Dachlandschaft bilden. Der Wellness- und Entspannungsbereich wirkt wie ein groß dimensionierter Wintergarten. Mit einer Länge von 115 Metern, einer Breite von 95 und einer Höhe von 17 Metern dient er jedoch nur als Klimahülle. Mittels eines ausgeklügelten Systems lässt sich hier das Dach in Gänze aufschieben. So hat das Bad auch an warmen Sommertagen seinen Reiz für Badegäste.

Die Konstruktion des Spaßbereiches hingegen ist wesentlich massiver. Damit Geräusche nicht zur benachbarten Ruhezone des Wellness- und Entspannungsbereiches hinüber getragen werden, wurde dieser Bereich schalldicht ausgeführt. Aufgrund der auftretenden Lasten der hier abgehängten Rutschen mit einer Länge von 680 Metern wurde eine Leimbinderkonstruktion gewählt, um den statischen Erfordernissen gerecht zu werden. Jeder der zwölf Leimbinder weist ein beachtliches Gewicht von 15 Tonnen bei einer Spannweite von 15 Metern in einer Höhe von 17 Metern auf. Im Eingangsbereich besteht das Dach aus einer sichtbaren Holzkonstruktion und stellt damit einen starken regionalen Bezug zu dem im Hochschwarzwald traditionell verarbeiteten Rohstoff Holz her. Auch die anderen im Bad verwendeten Materialien sind natürlich: Parkett, Natursteinfliesen und Marmor veredeln die einzelnen Bereiche. Selbst im Außenbereich wird auf die im Schwarzwald vorkommenden Rohstoffe zurückgegriffen: So besteht der terrassenartig angelegte Dachgarten der Saunalandschaft aus Holz. Ein Zaun aus ganzen Baumstämmen schützt die Besucher vor neugierigen Blicken von außen. Der Innenausbau der Saunalandschaft spiegelt die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde wieder und bietet Erholung pur.
 


Interview

mit Heiko Wollmann, Wund GmbH


Welche wesentlichen Gedanken liegen dem Entwurf zugrunde?
Mit dem Badeparadies Schwarzwald sollte eine touristische Ganzjahresattraktion im Schwarzwald geschaffen werden. Die Gäste des touristisch geprägten Schwarzwaldes sollten ein witterungsunabhängiges Ausflugsziel ganzjährig nutzen können. Auch sollte für die Einwohner der Zweckverbandsgemeinden sowie des weiteren Umkreises ein Naherholungsziel geschaffen werden.

Worin lag die Herausforderung bei dieser Bauaufgabe?
Eine besondere Herausforderung war sicherlich die technische Umsetzung eines Wellnessbades mit höchsten qualitativen Ansprüchen, wie wir es aus unseren Anlagen in Bad Wörishofen und Erding bereits kennen, und gleichzeitig der Schaffung eines Familienbades mit Rutschen und Wellenbad für die ganze Familie. Ich denke, dass unseren Architekten und Baufachleuten dies mit dem Badeparadies Schwarzwald hervorragend gelungen ist. Mehr als 530.000 Gäste im ersten Betriebsjahr lassen daran keine Zweifel.

Welche spezifischen Merkmale im Hinblick auf Material und Konstruktion kennzeichnen Ihren Entwurf?
Die zwei grundsätzlich unterschiedlichen Bereiche und Gästegruppen in unserem Bad haben auch unterschiedliche Anforderungen an das Gebäude. So findet der Wellnessgast in der Palmenoase ein möglichst leichtes transparentes Gebäude, das nur als Klimahülle dient und selbst gar nicht in Erscheinung tritt. Im Familienbad Galaxy hingegen war es notwendig aus Schallschutzgründen und statischen Erfordernissen eine massivere Konstruktion zu wählen. So wurde hier eine Leimholzbauweise gewählt, die in ihrer Grundgestaltung einem Schwarzwaldhaus gleicht. Eine Seite ist jedoch transparent gestaltet, um möglichst viel Tageslicht und Bezug zur Landschaft herzustellen.

Gibt es Besonderheiten bezüglich des Energiekonzeptes?
Da die Energiekosten einen Hauptbestandteil der Betriebskosten ausmachen, war es für uns sehr wichtig ein energieoptimiertes Konzept zu finden, bei dem wir auch die Möglichkeit gesucht haben, die örtliche Holzindustrie mit einzubinden. Ein weiterer Schwerpunkt bei unseren Anlagen ist die Anlagensicherheit, das heißt alle wichtigen Anlagenteile müssen redundant vorhanden sein. Hier im Badeparadies Schwarzwald haben wir eine Mischung aus einem gasbetriebenen BHKW und einem Holzhackschnitzelkessel für die Grundlastversorgung mit Wärme gewählt. Aus Redundanzgründen steht noch ein Ölkessel zur Verfügung. Für uns ist es wichtig auch bei Ausfall des Gasnetzes für mehrere Tage eine optimale Versorgung gewährleisten zu können. So wäre es möglich, allein mit den bevorrateten Holzhackschnitzeln das Badeparadies circa zehn Tage mit Wärme zu versorgen.

In der Rückschau: Was ist besonders gut gelungen?
Es ist schwierig zu sagen, was einem besonders gut gelungen ist bei einem so großen Gebäude. Aber ich denke, dass das Lob unseren Planern gilt, die es geschafft haben, auf einem doch „begrenzten Raum“ so viele Attraktionen zu schaffen, dass die Gäste sich bei uns einen Tag lang erholen und wohlfühlen können. Ein besonderes Augenmerk richten wir natürlich auf die rund 180 echten Palmen, die bei uns die Hauptattraktion des Bades sind. Wir vermitteln hiermit das Flair einer Südseeinsel im Schwarzwald.

Die Gestalt des Gebäudes gab auch Anlass zur Kritik. Können Sie erläutern, warum diese unbegründet ist?
Über die Gestaltung von Gebäuden kann man sehr unterschiedlicher Ansicht sein. Wir respektieren grundsätzlich die Meinung von anderen und daher auch die Auffassung über verschiedene Gestaltungsmerkmale. Schlussendlich dürfen wir aber nicht vergessen, dass es sich hier um ein privat finanziertes Gebäude handelt, das natürlich geprägt ist durch das Programm, das darin stattfindet. Somit ergeben sich allein aus diesen Anforderungen besondere Eckpunkte für die Gestaltung.
 


Presseschau

Web:

– www.badische-zeitung.de, Badeparadies in Titisee erweitert schon, 02.06.2011
– www.der-sonntag.de, Der Karibik-Test für den Schwarzwald, 21.11.2010
– www.badische-zeitung.de, Richtfest am Badeparadies Titisee: Das Glasdach sitzt, 02.06.2010
– www.badische-zeitung.de, Erster Beton für das Bad, 25.08.2009

Wasseraufbereitung und Raumklimatisierung

Mit 9.500 Quadratmetern Gesamtfläche und einer Gesamtwasserfläche von 1.250 Quadratmetern hat das Badeparadies in Titisee einen enormen Energiebedarf. Eine aufwändige Technik nimmt mindestens noch einmal genauso viel Raum ein wie das Bad selbst. Damit dem Badegast auch Südseefeeling garantiert ist, befinden sich in den Katakomben unter dem Bad unzählige Pump-, Umwälz-, Filter- und Reinigungsanlagen für die Wasseraufbereitung und Raumklimatisierung. 30 Liter Frischwasser müssen pro Tag und Besucher bereitgestellt werden. Für das Badeparadies bedeutet dies, dass jeden Tag circa 120.000 Liter Wasser als Badewasser aufbereitet, im Umlauf gefiltert und als Abwasser vorbehandelt werden müssen. Selbst die Wurzelbelüftung der 180 echten Palmen wird von diesem System aus gesteuert. Zum größten Teil läuft der Prozess vollautomatisch ab, jedoch ist eine ständige Kontrolle durch Techniker notwendig.

Strom- und Wärmeversorgung

Das Bad hat einen Wärmebedarf von 13.000 Megawattstunden pro Jahr. Die ganzjährig erforderliche Grundlast, die also auch im Sommer als Minimum benötigt wird, wird von einem Blockheizkraftwerk (BHKW) Vitobloc 200 von Viessmann bzw. von der Firmengruppe ESS produziert. 8.000 Betriebsstunden pro Jahr sind dabei anvisiert. In erster Linie produziert das BHKW Strom. Die dabei anfallende Wärme wird mitgenutzt, folglich liegt die mit dieser Technologie verbundene Energieausbeute bei nahezu 100 Prozent. Hauptwärmelieferant für das Bad ist eine Holzhackschnitzelanlage Pyrovent von Viessmann bzw. von der Firmengruppe Mawera, die rund 60 Prozent der Wärmeenergie liefert. Aufgrund des geringen Wärmebedarfs im Sommer läuft die Anlage in den Sommermonaten nicht, da die Wirtschaftlichkeit dann nicht mehr gegeben wäre. Dann übernimmt das BHKW die Strom- und Wärmeversorgung alleine. Zur Sicherung eines erhöhten Bedarfs stehen zwei Vitoplex 300 Niedertemperatur-Öl-Heizkessel von Viessmann bereit, die einen eventuellen Spitzenbedarf zu je 1.600 Kilowatt abfangen können.

Schon von Weitem ist der Kamin des Heizwerkes sichtbar, es entweicht jedoch nur Wasserdampf, denn die Abgase werden mit modernen Abgaswäsche- und Entschwadungsanlagen gereinigt. Gesetzlich geforderte Grenzwerte werden so problemlos eingehalten. Die Möglichkeit der Wahl zwischen drei verschiedenen Energieträgern – Holz, Gas, Öl – stellen jederzeit den Energiebedarf sicher, auch wenn ein Energieträger einmal ausfallen sollte. Das Konzept des Badeparadieses überzeugt durch den Einsatz von effizient genutzter Energie und durch die Verwendung von Holz als regenerativ nachwachsendem Rohstoff, der die Wärme CO2-neutral bereitstellt.

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