Deutsche Börse in Eschborn



Daten und Fakten

Standort: Mergenthalerallee 61, 65760 Eschborn
Bauherr: Lang & Groß Projektentwicklung GmbH, Eschborn
Architekt: KSP Jürgen Engel Architekten GmbH, Frankfurt/Main

Eigentümer: Signa Property Funds, Düsseldorf
Nutzer:  Deutsche Börse AG, Frankfurt/Main

Projektleitung: Matthias Koch, Christian Klohk
Projektteam: Thomas Alban, Tobias Brand, Jihad Charif, Johannes Eichelberger, Susanne Ewald, Bianca Glaesner, Sylvia Grüning, Ajda Gülbahar, Franziska Fritsche, Bettina Heidenreich, Eric Hoffmann, Alexander Hörr, Sandra Klett, Rasmus Konken, Begha Kühr, Christoph Lesch, Thomas Lischka, Simone Müller-Scheuring, Pagorn Potiwihok, Anna Rauch, Markus Ritter, Robert Rothe, Martin Schelleis, Silke Techen, My Truong, Stefan Woite, Aylin Yildirim

Planungsbeginn: 04/2008
Baubeginn: 11/2008
Fertigstellung: 07/2010

Grundstücksfläche: 22.250 m²
BGF oberirdisch: 56.000 m²
BGF unterirdisch: ca. 25.000 m²
BRI: 405.000 m³
Gebäudehöhe: 87 m
Geschosszahl oberirdisch: 21 + 2 Technikgeschosse
Geschosszahl unterirdisch: 3

Architekten

KSP Jürgen Engel Architekten GmbH
Hanauer Landstraße 287-289
60314 Frankfurt am Main
Tel. 069-9443940
Fax 069-94439438
info@ksp-architekten.de
www.ksp-architekten.de

Büroschwerpunkte
Büro- und Verwaltungsbauten, Gebäude für Lehre und Forschung, Öffentliche Gebäude (z. B. Bibliotheken), Kulturbau- ten, Bauen im Bestand (Transformation), energieeffizientes und nachhaltiges Bauen

Bürophilosophie
KSP Jürgen Engel Architekten zählt zu den international erfolgreichen und hochqualifizierten Architekturbüros aus Deutschland. 200 Mitarbeiter sorgen an sieben Bürostandorten für die optimale Entwicklung unserer Projekte. Niederlassungen in Berlin, Braunschweig, Frankfurt, Köln, München, Hanoi und Peking gewährleisten die effiziente Vernetzung zwischen Planer und Bauherr. Strategische Partnerschaften erweitern die Arbeitsfelder und ermöglichen den Zugang zu neuen Märkten. Im Dialog mit unseren Auftraggebern gestalten wir Bauwerke von höchster Qualität. Sie verkörpern die Grundwerte zeitgemäßer und zukunftsweisender Architektur – der Architektur von KSP Jürgen Engel Architekten: Flexibilität, Leidenschaft, Kommunikation, Beständigkeit, Intelligenz.

Fachplaner

Tragwerksplanung
Grontmij GmbH
Friedrich-Mißler-Straße 42
28211 Bremen
Tel. 0421-20326
Fax 0421-2032747
info@grontmij.de
www.grontmij.de

Tragwerksplanung/Energiekonzept
Lenz Weber Ingenieure GmbH
Hügelstraße 2
60435 Frankfurt am Main
Tel. 069-9544070
Fax 069-95440720
info@ingweber.de
www.ingweber.de

Fassadenplanung
AMP Albrecht Memmert & Partner GbR
Neukirchener Straße 102
41470 Neuss-Neuenbaum
Tel. 02137-5006
Fax 02137-77436
mail@ib-amp.de
www.ib-amp.de

HLS-Planung
Ebert-Ingenieure GmbH & Co. KG
Hanauer Landstraße 182 A
60314 Frankfurt am Main
Tel. 069-2999050
Fax 069-29990510
office.frankfurt@eb-ing.com
www.eb-ing.com

Elektroplanung
TP-Elektroplan GmbH
Waldstraße 33
76571 Gaggenau
Tel. 07225-9660
Fax 07225-966199
info@tp-elektroplan.de
www.tp-elektroplan.de

Bauphysik
ITA Ingenieurgesellschaft für technische Akustik
Max-Planck-Ring 49
65205 Wiesbaden-Delkenheim
Tel. 06122-95610
Fax 06122-956161
ita-wiesbaden@ita.de
www.ita.de

Landschaftsarchitektur
Heinz H. Eckebrecht Landschaftsarchitektur
Nachtigallenweg 17
65779 Kelkheim/Taunus
Tel. 06195-63424
Fax 06195-63430

Bauleitung
Gassmann + Grossmann Baumanagement GmbH
Kronenstraße 34
70174 Stuttgart
Tel. 0711-22555830
Fax 0711-22555846
info@gagro.de
www.gagro.de

LEED-Zertifizierung
Ebert & Baumann Consulting Engineers Incorporated
734 15th Street, NW Suite 1000
USA – Washington, D.C. 20005
Tel. +1 202-6081334
Fax +1 202-5441434
info@eb-engineers.com
www.eb-engineers.com


Entwurfsaufgabe

Nach knapp zwei Jahren Planungs- und Bauzeit konnte die Gruppe Deutsche Börse ihren Neubau im Gewerbepark Eschborn-Süd im Herbst 2010 beziehen. Er bietet auf rund 56.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche Platz für bis zu 2.400 Mitarbeiter. Der Entwurf für das Bürohochhaus, das nach seinem würfelförmigen äußeren Erscheinungsbild „The Cube“ genannt wird, stammt von KSP Jürgen Engel Architekten aus Frankfurt am Main. Mit seinem offenen Architekturkonzept und dem hohen Verglasungsanteil soll es den Transparenzgedanken widerspiegeln, der das Wirken der Deutschen Börse und die Märkte bestimmt. Interessierten Besuchern steht das Gebäude ebenso offen wie Kunden und Investoren: Die „Art Collection Deutsche Börse“, eine vor zehn Jahren initiierte Sammlung zeitgenössischer Fotokunst, wird im Rahmen von öffentlichen Führungen und Sonderausstellungen zu besichtigen sein.

Der Neubau genügt höchsten Anforderungen an Ökologie, Ökonomie, Energieeffizienz, soziale Qualität sowie Ästhetik und Funktion. Trotz des großen Bauvolumens von 405.000 Kubikmetern gelang es den Architekten, ein Konzept der kurzen Wege innerhalb eines sehr hellen, lichtdurchfluteten Bauwerks zu verwirklichen, das die gültigen gesetzlichen Standards deutlich übertrifft. Dank seiner nachhaltigen Gebäudekonzeption und Nutzerfreundlichkeit wurde die neue Konzernzentrale der Deutschen Börse als erstes Hochhaus in Deutschland mit der LEED-Platin-Zertifizierung ausgezeichnet, der höchsten Kategorie des US Green Building Councils.



Projektbeschreibung

Das 87 Meter hohe Gebäude besteht aus zwei sich gegenüberliegenden, L-förmigen Baukörpern, die über acht Brücken und zehn Stege miteinander verbunden sind. Dazwischen befindet sich die 83 Meter hohe Eingangshalle, ein Atrium mit Glasdach, die als Herzstück und kommunikatives Zentrum des Hochhauses fungiert. Auf einer quadratischen Grundfläche von etwa 63 auf 63 Metern werden die drei Bauteile von einer gemeinsamen Glasfassade umhüllt. Insgesamt verfügt das Gebäude über 21 oberirdische Stockwerke sowie zwei Technikgeschosse auf dem Dach. Drei unterirdische Etagen beherbergen die Tiefgarage des Neubaus. Auf der Westseite des Hochhauses ist ein zusätzliches Parkdeck mit acht Ebenen in Systembauweise angeordnet.

16 in das Atrium gehängte Besprechungsboxen und zahlreiche Geschossverbindungstreppen sowie vier Panoramaaufzüge prägen den weitläufigen Hallenraum. Zusätzlich erfolgt die vertikale Erschließung pro Baukörper über jeweils drei Personenaufzüge, einen Feuerwehraufzug und zwei abgeschlossene Treppenhäuser. Auf jeder Etage finden sich zudem vier Toilettenkerne. Dank dieses flexiblen Raum- und Erschließungskonzepts lassen sich pro Regelgeschoss bei Bedarf bis zu acht eigenständige Mieteinheiten mit Anbindung an das zentrale Atrium einrichten. Darüber hinaus ermöglichen mobile Systemtrennwände eine unkomplizierte Anpassung der Büroeinteilung an veränderte Anforderungen. Die derzeitige Gliederung sieht individuelle Einzel- und Doppelbüros ebenso vor wie offene Teamflächen, Meetingräume und sogenannte „Denkzellen“ für konzentriertes Arbeiten – allesamt mit modernster Technik ausgestattet und klimatisiert.

Das offene Architekturkonzept bietet unzählige Orte für informelle Kommunikation: Die Mitarbeiter treffen sich auf der Freitreppe vor dem Eingang, in der Halle, auf den Stegen und Brücken, in der Cafeteria, im Bistro, in den Teeküchen oder im gemeinsamen Restaurant, das sich im ersten Obergeschoss befindet und über 600 Sitzplätze verfügt. Die zum Atrium hin raumhoch verglasten Büroräume, die Glastrennwände zu den Fluren sowie die Glasbrüstungen der Verbindungswege machen die Aktivitäten der Menschen innerhalb des Gebäudes erlebbar und verknüpfen die einzelnen Abteilungen des Unternehmens somit visuell miteinander. Vielfältige Blickbeziehungen gibt es jedoch nicht nur im Inneren des Hochhauses. Auch die Hülle des Bauwerks mit ihren charakteristischen Kastenfenstern ermöglicht zahlreiche Ein- und Ausblicke. Natürliche Belichtung und Belüftung gewährleisten eine sehr hohe Arbeitsplatzqualität. Haushohe, gläserne Einschnitte in der Nord- und Südfassade markieren die Eingangshalle und machen schon von weitem auf „The Cube“ aufmerksam. Die „Landschaftsfenster“ lassen einerseits das komplexe Innere von außen erahnen, andererseits erlauben sie die Aussicht in den nahen Taunus und auf die unmittelbare Umgebung des Gebäudes.


Baukonstruktion

Tragwerk

Das Hochhaus und die darunter liegende, in den Randbereichen über den Baukörpergrundriss auskragende Tiefgarage sind auf einer durchgehenden Stahlbetonbodenplatte gegründet. Sie ist im Gebäudebereich 220 Zentimeter, sonst 120 Zentimeter dick. In jeder Etage werden die beiden durch die Eingangshalle voneinander getrennten Baukörper des Hochhauses über Stege und Brücken zug- und druckfest miteinander gekoppelt. Die innen liegenden Treppenhaus- und Aufzugskerne sowie die Stahlbetonlochfassade steifen den Neubau aus. Um im Erdgeschoss auf der Nordseite stützenfreie Konferenzräume realisieren zu können, war eine Abfangung der 20 darüber liegenden Stockwerke notwendig. Ebenso trägt ein Unterzug in der Decke über dem Mezzaningeschoss die Lasten aus der östlichen Lochfassade des Hochhauses ab und leitet sie über neue, der Tiefgarage angepasste Stützenstellungen in die Gründung weiter. Das Atrium überspannt ein rund 1.000 Quadratmeter großes Glasdach, das als Pfosten-Riegelkonstruktion in Aluminium mit einer Dreischeiben-Isolierverglasung konstruiert ist und einen U-Wert von 1,10 W/m2K besitzt. Es wird getragen von 107 bis 187,60 Zentimeter hohen Vierendeelträgern mit einer Spannweite von bis zu 36,60 Metern und einer Neigung von zwei Prozent. Die übrigen Dächer sind als normale Flachdächer mit 30 Zentimeter starken Stahlbetondecken, Bitumenvoranstrich und –schweißbahn, 30 Zentimetern expandierter Polystyroldämmung, bituminöser Kaschierung und Abdichtung, Bautenschutzmatte und zehn Zentimetern Rundkies- bzw. Plattenbelag ausgebildet. Sie verfügen über U-Werte von 0,11 W/m2K.

Fassade

Die transparenten Außenwandflächen der Regelgeschosse sind als raumhohe, hinterlüftete Kastenfenster in Aluminiumbauweise konstruiert. Während sie innenseitig eine Dreischeiben-Isolierverglasung besitzen, sind sie nach außen hin mit einer Windprallscheibe aus Verbundsicherheitsglas ausgestattet. Diese schützt den dazwischen liegenden, beweglichen Sonnenschutz aus Lamellenraffstores vor Witterungseinflüssen. Raumseitig sind zusätzliche Blendschutzrolläden angeordnet. Dank der Fassadenkonstruktion lassen sich winters Wärmeverluste minimieren und sommers unerwünschte Wärmeeinträge ins Gebäude reduzieren. Im oberen Drittel verfügen die Fenster zudem über spezielle Lichtlenklamellen, die das Tageslicht tief in den Innenraum leiten und so den Kunstlichtbedarf in den Büros verringern. Zum Hallenraum hin sind sämtliche Funktionsbereiche mit Einfachverglasungen abgetrennt. Die Atriumfassade ließen die Architekten als PfostenRiegelsystem mit Zweischeiben-Isolierverglasung und einem außen liegenden, windsicheren Metallgewebe als Sonnenschutz errichten. Mit 60 Prozent fällt der geschlossene Außenwandanteil nicht gerade gering aus; dennoch tritt er innerhalb der Fassade nur zurückhaltend als Rahmenkonstruktion für die Fensterelemente in Erscheinung. Er besteht aus einem innenseitig verputzten, 28 Zentimeter dicken Stahlbetongerüst mit 18 Zentimetern Mineralfaserdämmung der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 035, drei bis sechs Zentimetern Hinterlüftung und einer Bekleidung aus Aluminiumblech in hellgrauer bzw. anthrazitfarbener Beschichtung. Die farbliche Abstufung und die variierende Tiefe der Außenhaut erzeugen eine hierarchisierte Fassadengliederung. Sie fasst jeweils zwei Geschosse und Fensterachsen gestalterisch zusammen, die hervortretenden Kastenfenster strukturieren das Raster. Die geschlossene Fassadenkonstruktion weist einen U-Wert von 0,20 W/m2K auf, die Fenster erreichen 1,22 W/m2K, die Verglasung 0,70 W/m2K.


Interview

mit Dipl.-Ing. Architekt Matthias Koch


Die neue Zentrale der Deutschen Börse soll die Unternehmenswerte Transparenz, Standfestigkeit, Stärke und Nachhaltigkeit widerspiegeln. Mit welchen architektonischen Mitteln haben Sie diese Vorgaben umgesetzt?

Transparenz vermitteln nicht nur die raumhoch verglasten Innenfassaden der beiden L-förmigen Baukörper zum Atrium hin, sondern auch die filigrane Konstruktion der Eingangsfassade. Ebenso zeigt sie sich in der Eingangshalle selbst; sie ist als offener Kommunikationsraum gestaltet. Für große Transparenz sorgen auch die gläsernen Bürosystemtrennwände im Ausbau und die allgemeine Gebäudekonzeption, die vielfältige Ein- und Ausblicke ermöglicht. Standfestigkeit und Stärke manifestieren sich vor allem in der kompakten Kubatur des Baukörpers, in seinem Natursteinsockel sowie in der klaren Fassadengliederung, die die Tragkonstruktion auch nach außen hin abbildet. Nachhaltigkeit liegt zum einen in der zeitlosen Architektursprache von „The Cube“. Zum anderen zeigt sie sich in seinem innovativen ökologischen Konzept und der ausgefeilten Gebäudetechnik, die letztlich für einen minimalen Energieverbrauch von weniger als 150 kWh/m2a sorgen. Nicht zuletzt ist in diesem Zusammenhang auch der Einsatz von hochwertigen, dauerhaften Materialien wie Stein, Holz, Glas und Aluminium zu nennen.

Das offene Entwurfskonzept, die große lichtdurchflutete Eingangshalle sowie viel Glas und Stahl machen das Gebäude zu einem sehr freundlichen, kommunikativen und einladenden Ort. Wie haben Sie trotz des hohen Verglasungsanteils den winterlichen Wärme- und den sommerlichen Überhitzungsschutz in den Griff bekommen?
Wir haben die beiden Baukörper mit einer dazwischen liegenden Halle gekoppelt und somit ein optimales A/V-Verhältnis für den Neubau erreicht. Dadurch ließen sich die Wärmeverluste während der Heizperiode bereits minimieren. Dank einer gut gedämmten Gebäudehülle und der Verwendung von Dreifachverglasungen mit Argonfüllung konnten weitere Einsparungen erzielt werden. Im Sommer garantieren luftdurchspülte Kastenfenster mit außen liegendem Sonnenschutz sowie Sonnenschutzglas in der Halle geringere Wärmeeinträge. Abwärme aus der Stromerzeugung kühlt das Gebäude mit Hilfe einer Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung. Dadurch können wir quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die Temperierung der Räume gewährleisten dabei Heiz- bzw. Kühldecken.

Als erstes Hochhaus in Deutschland erhielt der Neubau das LEED-Zertifikat in Platin. In welchen Bewertungskriterien konnte das „Green Building“ besonders überzeugen?
Die Konzernzentrale der Deutschen Börse erzielte insgesamt 58 Punkte und übertraf damit den Schwellenwert von 52 notwendigen Punkten für die angestrebte Platin-Auszeichnung deutlich. Die Zertifizierung erfolgte in sechs Hauptkategorien. Insbesondere bei den Themen Raumqualitäten (14 von 15 Punkten), effizienter Umgang mit Energie (16 von 17 Punkten) sowie Innovation und integraler Planungsprozess (5 von 5 Punkten) konnte der Neubau in besonderem Maße überzeugen. Die weiteren Kategorien sind Wassereffizienz, nachhaltiger Standort sowie Materialien und Ressourcen. Zukunftsweisende Lösungen entstehen heute als Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit von Planern unterschiedlicher Fachdisziplinen. Diesen integralen Planungsprozess erfolgreich zu leiten, ist unser Anspruch. Rund 130 Spezialisten von 25 beteiligten Ingenieurbüros und Fachplanern untersuchten jedes Detail und prüften es im Hinblick auf seine Umweltverträglichkeit.

Das Gebäude verfügt über ein zukunftsweisendes, ökologisches Haustechniksystem auf der Basis erneuerbarer Energien. Auch bei den Baustoffen setzten Sie auf Produkte aus der Region sowie mit hohen Recyclinganteilen. Welche speziellen Materialien kamen u. a. zum Einsatz?
Wir verwendeten viele heimische Baustoffe wie beispielsweise Kirchheimer Muschelkalk oder Eichenholz für die Fussböden. 30 Prozent der eingesetzten Materialien sind darüber hinaus recycelt, 50 Prozent der Baustoffe kommen aus der Region, sprich aus Orten, die weniger als 800 Kilometer weit von der Baustelle entfernten liegen. Rund 90 Prozent der verbauten Holzwerkstoffe stammen aus zertifizierter, nachhaltiger Forstwirtschaft. Ebenso stellten wir höchste Anforderungen an die Schadstofffreiheit der Baumaterialien, vor allem bei Lacken oder Teppichböden.


Presseschau

Web

- www.deutsche-boerse.com
- www.detail.de
- www.dbz.de
- www.baunetz.de
- www.bauwelt.de
- www.faz.net
- www.fnp.de
- www.fr-online.de
- www.hr-online.de
- www.spiegel.de
- www.kultur-frankfurt.de
- www.immobilienmanager.de
- www.immobilien-zeitung.de

Print

- Zertifizierungssysteme für Gebäude, Thilo Ebert/Natalie Eßig/Gerd Hauser, Detail Green Books, 2010
- Beitrag „Ökologischer Baukasten“, DBZ DeutscheBauZeitschrift, Ausgabe 01/2011, Green Building
- Beitrag „Platin-Würfel in Eschborn“ in zeno Zeitschrift für Nachhaltiges Bauen, Ausgabe 01/2011
- Beitrag „Hilft viel viel? Oder ist weniger mehr? Baukunst in Zeiten des Klimawandels“ in Bauwelt, Ausgabe 29.2010, Wie baut man einen Europan?
- diverse Beiträge in FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung
- diverse Beiträge in FNP Frankfurter Neue Presse
- diverse Beiträge in Frankfurter Rundschau
- diverse Beiträge in Immobilien Manager
- diverse Beiträge in Immobilien Zeitung

Nachhaltigkeit, Energiekonzept, Gesundheitsschutz

Die hohen Nachhaltigkeitsanforderungen für den Neubau basieren auf dem US-amerikanischen Zertifizierungssystem LEED (Leadership in Energy and Environmental Design). Sie wurden von Anfang an konsequent in den Planungsprozess integriert und bewirkten letztlich die Einordnung des Gebäudes in den Platin-Standard – eine Klassifizierung, die nur rund fünf bis sechs Prozent aller LEED-zertifizierten Bauwerke erreichen. Dazu musste „The Cube“ in den sechs Themenfeldern nachhaltiges Baugelände, effiziente Wassernutzung, Energie und Atmosphäre, Materialien und Ressourcen, Komfort und Innenraumklima sowie Innovation mindestens 52 von insgesamt 69 Punkten erzielen. Mit einem Gesamtergebnis von 58 Punkten übertraf es diesen Wert deutlich.

Dank seines kompakten Baukörpers verfügt das Börsengebäude über ein energetisch nahezu optimales A/V-Verhältnis von unter 0,1/m. Seine hoch wärmegedämmte, adaptive Gebäudehülle reguliert die Energieströme zwischen Außen- und Innenraum und trägt damit wesentlich zu dem niedrigen Jahresprimärenergiebedarf von 149,25 kWh/m2a und dem geringen Jahresheizwärmebedarf von 209 kWh/m2a bei. Zugleich ermöglichen die Glasfassade und das Glasdach des Atriums eine intensive Tageslichtnutzung in der Halle sowie den angrenzenden Büro- und Funktionsbereichen. Zum Nachweis der Energieeffizienz und zur Verbesserung des Gesamtkonzepts wurden das Gebäude und alle energetisch relevanten Systeme in einer Computersimulation erfasst. Eine systematische Inbetriebnahme der Immobilie sowie eine begeleitende Betriebsoptimierung während ihres ersten Nutzungsjahres sollen die errechneten Werte und Qualitäten auch langfristig sicherstellen.

Beim Energie- und Raumklimakonzept standen die Minimierung des Energiebedarfs und die Schaffung eines bestmöglichen Arbeitsumfeldes für die Beschäftigten im Mittelpunkt. Angestrebt wurde ein hoher thermischer, hygienischer, visueller und akustischer Komfort. Eine große Rolle spielte dabei auch die Verwendung von ressourcenschonenden und umweltverträglichen Baustoffen für den gesamten Roh- und Innenausbau, die eine positive ökologische Gesamtbilanz des Bauwerks sicherstellt. Materialien, die mit der Raumluft in direkter Verbindung stehen, sollten aber vor allem gesundheitlich unbedenklich sein. Daher ließen Architekten und Projektentwickler nur emissionsarme Bauprodukte mit entsprechenden Zertifikaten zu. Dies betraf beispielsweise Farben und Beschichtungen, Bodenbeläge, Verbundhölzer, Pflanzenfaserprodukte oder Kleb- und Dichtstoffe.

Strom, Heizung, Warmwasser

Die Energieversorgung übernehmen zum größten Teil zwei Blockheizkraftwerke auf dem Dach des Hochhauses. Sie werden mit Biogas betrieben, das aus nachwachsender Biomasse wie beispielsweise Stroh gewonnen wird. Mit einer elektrischen Leistung von 1.600 Kilowatt decken die Kraftwerke rund 60 Prozent des Strombedarfs des Gebäudes. Die übrigen 1.200 Kilowatt liefert das öffentliche Stromnetz. Darüber hinaus decken die BHKWs mit einer thermischen Leistung von 1.700 Kilowatt die Grundwärmelast des Gebäudes und damit rund 90 Prozent des Wärmebedarfs für die Raumheizung, die raumlufttechnischen Anlagen sowie das Warmwasser. Zusätzliche, schnell regelbare Gasbrennwertkessel mit einer Leistung von 2.100 Kilowatt dienen der Spitzenlastabdeckung und erhöhen damit die Verfügbarkeit der Wärmeerzeugung. Eine 90 Quadratmeter große Solaranlage mit Flachkollektoren des Typs Vitosol 200-F von Viessmann liefert etwa zehn Prozent der benötigten Energie für die Erwärmung des Trinkwassers. Abwärme aus den Blockheizkraftwerken, die nicht sofort genutzt werden kann, wird in einem Wasserschichtenspeicher zwischengespeichert und bei Bedarf in das Heizungssystem eingespeist.

> Produktinfos Flachkollektoren Vitosol 200-FM
 



Kühlung, Lüftung, Beleuchtung

Die Abwärme aus den BHKWs treibt überdies Absorptionskältemaschinen an, die rund 1.000 Kilowatt an Kälteenergie zur Raum- und Prozesskühlung zur Verfügung stellen. Elektrische Kältemaschinen decken mit einer Leistung von 3.100 Kilowatt die Spitzenlasten beim Kältebedarf und gewährleisten zudem die Versorgungssicherheit für das Rechenzentrum. Bei Außenlufttemperaturen unter acht Grad Celsius wird die Kälteenergie für das Rechenzentrum durch einen freien Rückkühlbetrieb der Kühltürme erzeugt.

Sämtliche Arbeitsbereiche werden über eine mechanische Lüftungsanlage mit einer Außenluftmenge von 4,50 m3/hm2 belüftet. Dies entspricht einer mittleren Luftwechselrate von 0,93 pro Stunde. Im Winter sorgt die integrierte Wärmerückgewinnung dafür, dass 80 Prozent des Energiegehalts der Abluft für die Vorerwärmung der kühlen Außenluft genutzt werden. Im Sommer erfolgt eine Vorkühlung nach demselben Prinzip. Zusätzlich haben die Beschäftigten die Möglichkeit, ihre Arbeitsplätze über Öffnungsflügel von außen oder über das Atrium natürlich und individuell zu belüften. Heiz- und Kühlflächen im Deckenbereich sorgen für die Raumkonditionierung. Sie sollen im Winter Temperaturen von 22, im Sommer von maximal 26 Grad Celsius sicherstellen. Auch die Eingangshalle lässt sich über Öffnungsklappen innerhalb der Fassade manuell belüften. Dadurch liegt dort im Sommer die Temperatur sogar ohne mechanische Kühlung um etwa drei bis vier Kelvin niedriger als draußen. Bei sehr starker Hitze garantiert in den Aufenthaltsbereichen im Erdgeschoss eine zusätzliche Fußbodenkühlung ein angenehmes Raumklima mit empfundenen fünf bis sechs Kelvin weniger als im Außenbereich. Im Winter hingegen erwärmen eine Fußbodenheizung sowie beheizte Fassadenprofile den Hallenraum konstant auf über 17 Grad Celsius.

Eine intelligente Gebäudeautomation, die mit Sensoren für Sonne, Regen, Wind und Helligkeit bzw. Bewegungsmeldern ausgestattet ist, stellt dem Gebäude sämtliche Energieströme bedarfsgerecht zur Verfügung. Darüber hinaus regelt sie den sinnvollen Einsatz des Sonnenschutzes und der Beleuchtung. Dank der transparenten Hüllflächen, der Atriumsverglasungen und der speziellen Lichtlenkelemente im Scheibenzwischenraum der Fenster lässt sich das Tageslichtangebot optimal nutzen. Bei dem geringen Restbedarf an Kunstlicht stellen eine präsenz- und tageszeitabhängige Steuerung einen möglichst niedrigen Stromverbrauch sicher.

Autorin: Tanja Feil
Fotos: Jean-Luc Valentin, Frankfurt am Main | Viessmann