Wohnhaus in Diessen am Ammersee



Daten und Fakten

Standort: 86911 Dießen am Ammersee
Bauherr: privat
Architekt: Balda Architekten, Fürstenfeldbruck
Bauzeit: 2009 - 2010

Grundstücksfläche: 625 m²

BGF: 304 m²
BRI: 994 m³
GRZ: 0,24
GFZ: 0,49

Feldstudie „Initiative Gas-Wärmepumpe (IGWP)“ (ESB): 2010-2012

Jahresheizwärmebedarf: 39,75 kWh/m²a
Jahresheizlast: 10 kW
Energiestandard: KfW-Effizienzhaus 70

Baukosten: 350.000 Euro
 

Architekten

Balda Architekten
Kurt-Huber-Ring 9
82256 Fürstenfeldbruck
Tel.: 0814/ 347400
Fax: 08141/ 3474024
info@balda-architekten.de
www.balda-architekten.de

Geschäftsleitung:
Franz Balda

Bürophilosophie:
Häuser bauen verstehen wir als ganzheitliche Aufgabe, die der Architekt als Generalist von der ersten Skizze bis zur Übergabe des Bauwerks begleitet. Ausgewogene, auf das jeweilige Projekt zugeschnittene Lösungen stehen im Vordergrund, der Mensch als Nutzer der Objekte im Mittelpunkt unseres Handelns. Mit klarer Formensprache und zurückhaltender zeitloser Architektur sehen wir uns als Verfechter des Bauens jenseits aufsehenerregender Eventarchitektur.

Fachplaner

Statik
ChAP Ingenieurbüro für Baustatik
Dipl.-Ing. Univ. Christian A. Prenzel
Aumillerstr. 2a
82256 Fürstenfeldbruck
Tel.: 08141 - 22 89 239
Fax: 08141 - 22 89 240
christian.prenzel@t-online.de
www.chap-baustatik.com

Entwurfsaufgabe

Im idyllischen Dießen am Ammersee plante das Architekturbüro Balda Architekten ein Wohnhaus für eine vierköpfige Familie, dessen Grundriss so flexibel sein sollte, dass sich das Haus über die Jahre immer wieder an die Bedürfnisse der Familie anpassen lässt. Zudem sollten die Architekten in dem Wohnhaus eine moderne und reduzierte Architektursprache mit einer hellen gemütlichen Atmosphäre verknüpfen.

Modern und zukunftsweisend sollte auch die Haustechnik sein. Bei der Konzeption der Heizung und Warmwasserversorgung ermöglichte die erfolgreiche Bewerbung um die Teilnahme an der Feldstudie „Initiative Gaswärmepumpe (IGWP)" die Installation eines der derzeit innovativsten Heizsysteme: eines Gas-Adsprptions-Heizgeräts von Viessmann. Zur Heizungsunterstützung und Trinkwassererwärmung wurde das System zudem mit einer thermischen Solaranlage auf dem Wohnhaus kombiniert.
 



Projektbeschreibung

Etwa 40 Kilometer südwestlich der Landeshauptstadt München liegt die Kleinstadt Dießen am südwestlichen Ende des Ammersees im bayerischen Voralpenland. In der zum oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech gehörenden Gemeinde leben knapp über 10.000 Einwohner. Der Ort ist aufgrund der idyllischen Lage am Ammersee, welcher nach dem Chiemsee und dem Starnberger See der drittgrößte See in Bayern ist, und der Nähe zu den Alpen als Wohn- sowie als Urlaubsort beliebt. Weithin sichtbar überragt der hohe Turm des auf einer Anhöhe westlich des Ortskerns gelegenen Marienmünsters die Silhouette der Kleinstadt. Das Marienmünster wurde als Stiftskirche des Augustiner-Chorherrenstiftes in den Jahren 1732 bis 1739 nach Plänen von Johann Michael Fischer errichtet und dient heute als Pfarrkirche des Marktes Dießen.

Im einem westlich von Dießen gelegenen Ortsteil errichtete das Architekturbüro Balda Architekten ein Wohnhaus für eine vierköpfige Familie. Die Bauherren wünschten sich einen offenen und flexiblen Grundriss, so dass sich das Haus an die sich über die Jahre verändernde Lebenssituation der Familie vom anfänglichen Alltag mit kleinen Kindern über die zunehmende Selbstständigkeit der jugendlichen Heranwachsenden bis hin zum Leben im Alter anpassen lässt.

Das Baugrundstück der Familie, eine bis dato unbebaute langgestreckte Parzelle mit einer Fläche von 625 Quadratmetern, liegt in unmittelbarer Nähe zum Ortskern und weist ein leichtes Gefälle nach Süden auf. Die in Ost-West-Richtung langgestreckte Parzelle wird von der östlich verlaufenden Straße erschlossen, im Westen schließt sich eine Streuobstwiese an. Die im Norden und Süden liegende Bebauung besteht aus vornehmlich ein- bis zweigeschossigen Wohngebäuden, wovon vor allem die südlichen Nachbargebäude relativ hoch sind und nah an der Grundstücksgrenze stehen.

Nach einer Analyse der örtlichen Gegebenheiten platzierte das Architekturbüro den nicht unterkellerten Baukörper als langen, zweigeschossigen Baukörper parallel zu den Grenzen des Grundstücks. Aufgrund der leichten Hanglage ist das Erdgeschoss nach Norden in den Hang eingeschoben. Bei der Grundrissgestaltung achteten die Architekten wie von den Bauherren gewünscht auf eine größtmögliche Flexibilität in der Nutzung der Räume. In den nächsten Jahren befinden sich nun zunächst alle Schlafräume der Familie im Erdgeschoss, im Obergeschoss befindet sich der Wohnraum mit offener Küche und ein Arbeits-/ Gästezimmer sowie ein Gäste-WC. Ein kleiner Innenhof dient zur Belichtung des Arbeitszimmers.

Wenn die Kinder heranwachsen und selbständig werden, ziehen die Eltern ins Obergeschoss und nutzen das ehemalige Arbeits-/Gästezimmer dann als Schlafzimmer mit eigenem Bad zu dem introvertierten Innenhof. Das Erdgeschoss wird dann zum Refugium der jungen Erwachsenen. Mit geringen Umbaumaßnahmen kann später das Wohnhaus sogar in zwei unabhängig voneinander zu nutzende Wohneinheiten im Erd- und Obergeschoss getrennt werden.

Solange das Wohnhaus als eine Einheit genutzt wird, liegt der Eingang im Erdgeschoss, eine einläufige Treppe führt ins Obergeschoss. Wird das Obergeschoss später separat genutzt, erhält es einen eigenen Zugang von Norden im Bereich der überdachten Terrasse. Während im Erdgeschoss die Räume nach Süden ausgerichtet sind, entschieden sich die Architekten bei der Anordnung des Wohnraums gegen eine klassische Nord-Süd-Ausrichtung der Räumlichkeiten. Zwar verfügt der Wohnraum mit der offenen Küche im Obergeschoss auch über großflächige Verglasungen nach Süden, der Raum ist mit der überdachten Terrasse jedoch nach Westen zur angrenzenden weitläufigen Streuobstwiese ausgerichtet.

Bei der Innenraumgestaltung legten die Bauherren Wert auf eine gemütliche Atmosphäre durch wenige ausgewählte Materialien. Die Wände und Decken beließen die Architekten in Sichtbeton. Die im ganzen Wohnhaus verlegten, weiß gelaugten Lärchenholzdielen verleihen den Räumen eine helle, lichte Atmosphäre.
 


Baukonstruktion

Gründung

Eine vorab durchgeführte Bodenuntersuchung auf dem Grundstück ergab, dass der Baugrund sehr lehmig und für die Gründung des Baukörpers daher eine zusätzliche Bodenstabilisierung notwendig war. Aus diesem Grund wurde eine Bodenstabilisierung nach dem CSV-Verfahren, einem Säulengründungsverfahren, durchgeführt. Dabei wurde mittels eines Schneckengestänges in engem Abstand eine Zement-Sand-Mischung als Trockengranulat in den Boden eingebracht. Das Gemisch entzieht dem umliegenden Erdreich Wasser und härtet zu einer Betonsäule aus. Durch den Feuchtigkeitsentzug wird der Baugrund zusätzlich verbessert. Insgesamt wurden für die Gründung des Wohnhauses in Dießen 140 Säulen mit einem Durchmesser von 14 Zentimetern gebohrt. Als Fundamentplatte wurde eine 35 Zentimeter starke Bodenplatte aus Stahlbeton gegossen, eine darüberliegende 11 Zentimeter starke Wärmedämmung gewährleistet den Wärmeschutz.

Bauweise

Der kompakte, kubische Gebäuderiegel misst 7,60 auf 20 Meter. Alle Wände sind aus Stahlbeton erstellt. Das Wohnhaus ist zwar nicht unterkellert, allerdings ist das Erdgeschoss des zweigeschossigen Baukörpers in den nördlichen Hang eingeschoben. Die erdberührenden Außenwände aus 30 Zentimeter Stahlbeton wurden mit einer Bauwerksabdichtung gegen eindringende Feuchte abgedichtet und mit 12 Zentimeter Perimeterdämmung sowie Noppenfolie versehen. Die Stahlbeton-Außenwände des Obergeschosses messen nur 20 Zentimeter, mit einer 22 Zentimeter starken Wärmedämmung stellen die Architekten den Wärmeschutz sicher. Die Windsperre gewährleistet die Luftdichtheit der Konstruktion. Als Witterungsschutz und Fassadenverkleidung dient eine Lärchenholzschalung.

Fassade

Das Wohnhaus erhielt als Fassadenverkleidung eine vertikale Lärchenholzschalung. Auf einer horizontal verlegten Grundlattung wurden die vier Zentimeter starken Lärchenhölzer befestigt. Das naturbelassene Lärchenholz wurde vorab mit einer farblosen Lignin- und Lichtschutzimprägnierung mit hohem UV-Schutzfaktor behandelt, um die durch Lichtstrahlung ausgelösten Abbaumechanismen der Holzsubstanz zu vermindern. Anschließend wurde die Lärchenholzschalung nochmals mit einer wetterfesten, wasserabweisenden Imprägnierung als zusätzlicher Holzschutz nachbehandelt. Die Bauherren entschieden sich für Holz-Aluminium-Fenster mit einer Drei-Scheiben-Isolierverglasung. Die innenliegenden Holzrahmen sind passend zu dem Holzfußboden ebenfalls in weiß gelaugtem Lärchenholz ausgeführt, die Aluminium- Schale ist schwarz-eloxiert ausgeführt.


Interview

mit Rolf Disch, Architekt des Heliotrops


Mit welchen Wünschen der Bauherren sind Sie in die Planung gestartet?
Es sollte ein Gebäude mit offenem und flexiblem Grundriss für eine vierköpfige Familie entstehen, das durch Umnutzung der verschiedenen Räume ein Maximum an Flexibilität zulässt und so auf die sich jeweils ändernde Lebenssituation der Bewohner reagieren kann. Anfangs befinden sich alle Schlafräume im Erdgeschoss, später können sich die Eltern in eine introvertierte Zone mit Innenhof und eigenem Bad im Obergeschoss zurückziehen, während die Kinder ihren eigenen Bereich im Erdgeschoss haben. „Im Alter" lässt sich das Haus mit geringen Umbaumaßnahmen in Erd- und Obergeschoss unterteilen und mit zwei getrennten Wohneinheiten nutzen.

Wie haben Sie die Anforderungen umgesetzt?
Da energieeffizientes Bauen mit dem Einsatz von komplexen technischen Anlagen durchaus hohe Investitionskosten mit sich bringt, entschied sich der Bauherr gegen die anfänglich ins Auge gefasste Grundwasserwärmepumpe. Zum Einsatz kommen sollte ein konventioneller Gasbrennwertkessel mit solarer Brauchwassererwärmung. Durch die erfolgreiche Bewerbung auf eine Anzeige der ESB (Energie Südbayern) für die Feldstudie „Gaswärmepumpe" konnte dem Wunsch des Bauherrn nach einer energieeffizienten, zukunftsweisenden Technologie doch noch entsprochen werden.

Welche Erkenntnisse haben Sie im Laufe der Feldstudie sammeln können?
Von Anfang an lief die vorher bereits auf dem Prüfstand erprobte Anlage stabil. Im Laufe der letzten Jahre wurde die Anlage weiter verbessert und auf den Stand der aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse gebracht. Der Bauherr zeigt sich mehr als zufrieden, da die Einsparung noch einmal um etwa 25 Prozent höher liegt als beispielsweise bei einem bereits hocheffizienten Gas-Brennwertgerät, was auch für die CO2-Ersparnis gilt.

Wie wichtig schätzen Sie als Planerin, die Nutzung von regenerativen Energiequellen ein?
Nicht nur der Klima- und Umweltschutz sondern auch die Tatsache, dass die fossilen Brennstoffvorkommen langsam aber sicher schwinden und deren Gewinnung zugleich immer schwieriger und kostenintensiver wird, fordert einen Wechsel von fossilen Energiequellen zu erneuerbaren Energieträgern. Wir als Architekten sind immer aufgeschlossen für innovative und energiesparende Technologien. Doch gerade bei privaten Bauvorhaben überschreiten die Kosten für die technischen Anlagen häufig das Budget. Der Energiestandard definiert sich jedoch nicht allein über die Haustechnik, sondern geht bereits bei der Wahl der richtigen Materialien, der Wand- und der Dämmstoffstärken los. Von Anfang an werden bei unseren Bauvorhaben die entsprechenden Fachplaner mit einbezogen, um am Ende eine möglichst energieeffiziente, auf das Gebäude und den Bauherrn zugeschnittene Lösung zu erhalten.
 


Energiekonzept

Die Architekten minimieren bei dem Wohnhaus in Dießen durch die solaren Erträge der nach Süden und Westen ausgerichteten großen Glasflächen den Heizenergiebedarf im Winter und nutzen für den sommerlichen Wärmeschutz die großen speicherfähigen Massen der Decken und Wände aus Stahlbeton. So liegt der Jahresheizwärmebedarf bei 39,75 kWh/m²a und entspricht dem Energiestandard eines KfW-Effizienzhaus 70. Von Anfang an wünschte sich der Bauherr eine energieeffiziente, zukunftsweisende Technologie eines KfW-Effizienzhauses 70. Eine zunächst favorisierte Grundwasserwärmepumpe schied aber aufgrund zu hoher Investitionskosten aus, so sollte stattdessen ein konventioneller Gas-Brennwertkessel mit solarer Brauchwassererwärmung zum Einsatz kommen. Mit der erfolgreichen Bewerbung auf die Anzeige des örtlichen Energieversorgers Energie Südbayern (ESB) für die Feldstudie „Initiative Gaswärmepumpe" konnte dem Wunsch der Bauherren mit der Installation eines Gas-Adsorptions-Heizgeräts nach einer innovativen Technologie entsprochen werden.

Bereits Anfang 2008 hatten führende deutsche Gasgerätehersteller und Energieversorgungsunternehmen die „Initiative Gaswärmepumpe (IGWP)" gegründet, um die Entwicklung, Positionierung und Markteinführung von Gaswärmepumpen insbesondere für Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland voranzutreiben. Als regionaler Energieversorger beteiligt sich auch die ESB an dem bundesweiten Feldtests der IGWP. In ihrem Erdgasversorgungsgebiet wählte die ESB acht Standorte mit Einfamilienhäusern aus und installierte dort Zeolith-Gaswärmepumpen. In der Feldstudie sollte vor allem die Betriebssicherheit, das wirtschaftliche Betriebsverhalten sowie Möglichkeiten zur Optimierung der Bedienfreundlichkeit für den Endkunden untersucht werden. Durch die Kombination wirtschaftlicher, ausgereifter Brennwerttechnik mit nutzbarer Umweltenergie aus thermischen Solaranlagen oder Erdwärme eröffnet die Zeolith-Technologie speziell Besitzern von Einfamilienhäusern neue Perspektiven für eine effiziente Wärmeversorgung. Das Wohnhaus in Dießen lieferte in der Testphase über zwei Heizperioden wertvolle Erkenntnisse über die Vitosorp 200-F von Viessmann.

> Produktinfos Gas-Hybridgeräte Vitocaldens
> Produktinfos Wärmepumpen Vitocal

Heizung und Warmwasserversorgung

Die Beheizung des Wohnhauses in Dießen erfolgt über über das Gas-Adsorptions-Heizgerät Vitosorp 200-F von Viessmann. Die Heizlast beträgt 10 kW, die Heiznetztemperaturpaarung 40/30 Grad Celsius. Die Wärmeverteilung im ganzen Haus erfolgt über eine im Estrich des Bodenaufbaus verlegte Fußbodenheizung. In dem kompakten Gehäuse der Vitosorp 200-F sind ein Wärmepumpenmodul und ein gasbetriebenes Brennwertgerät kombiniert. Bei dem Wärmepumpenmodul des Vitosorp 200-F handelt es sich um ein Zeolith-Adsorptionsmodul, das mit einem Zweistoffsystem aus Zeolith als Sorptionsmittel und Wasser als Kältemittel betrieben wird. In der ersten Phase der Feldstudie nutzt der Wärmeerzeuger als Wärmequelle Erdwärme, die über eine 57 Meter tiefe Erdwärmesonde gewonnen wird.

Im März 2013 wurde die Anlage in Phase 2 des Feldtests auf Sonnenenergie als Wärmequelle umgeschaltet. Über diese kostenfreie regenerative Energiequelle deckt das Wärmepumpenmodul von Vitosorp 200-F die Grundlast der Gebäudebeheizung, während das integrierte Gas-Brennwertgerät den Wärmepumpenprozess antreibt, im Mischbetrieb die Wärmepumpe unterstützt und an besonders kalten Tagen die Bedarfsspitzen deckt. Die Nenn-Wärmeleistung von Vitosorp 200-F liegt bei 10 kW und erreicht eine Boosterleistung bei der Trinkwassererwärmung von 15 kW. Das sorgt für einen hohen Warmwasserkomfort.

Zur Unterstützung der Warmwasserversorgung wurde auf dem Flachdach eine thermische Solaranlage mit drei Flachkollektoren Vitosol 200-F von Viessmann installiert. Die über die solare Einstrahlung gewonnene Wärme wird in einem bivalenten Speicher-Wassererwärmer Vitocell 300-B von Viessmann mit einem Fassungsvermögen von 300 Litern gespeichert.

> Produktinfos Vitocell 300-B

Autor: Katharina Ricklefs