Hotel Kempinski Hohe Tatra



Daten und Fakten

Standort:
Strbske Pleso 27
05985 Vysoke Tatry
Slowakische Republik

Bauherr: Kupele Strbske Pleso
Nutzer: Kempinski Hotels
Architekt: Cerno + Architekten, München

Baujahr/ Fertigstellung: 2009

Nutzfläche: 19.523 m²
Verkehrsfläche: 3.904 m²
Bruttogrundfläche: 4.993²

Architekten

Cerno + Architekten
Ettalstraße 40
81377 München
Tel. 089-74160792
Fax 089-74160746
info@cerno-architekten.de
www.cerno-architekten.jimdo.com

Bürophilosophie:
Die Gemeinsamkeit der architektonischen Entwürfe liegt in ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit. Die architektonische Gestalt entwickelt sich nicht aus immer wiederkehrenden Themen, sie soll sich vielmehr, stets aufs Neue, unverwechselbar aus der jeweiligen Aufgabenstellung und dem spezifischen Ort entwickeln und so zu konzeptioneller Schlüssigkeit gelangen.


Entwurfsaufgabe

Der Ort Strbske Pleso liegt im westlichen Teil des Gebirges „Hohe Tatra“ in der heutigen Slowakei. Die Hohe Tatra ist für die Bewohner der Slowakei ein „heiliger Ort“ und als Nationalpark und Biosphärenreservat steht sie unter besonderem Schutz der UNESCO. In dieser fantastischen Landschaft am Ufer des Gebirgssees Strbske Pleso befindet sich das Fünf-Sterne-Hotel „Grandhotel Kempinski High Tatra“. Auf einer Höhe von fast 1.350 Metern über dem Meeresspiegel erstreckt sich auf der Nordseite des Hotels das Hochgebirgsrelief der Hohen Tatra, auf der Südseite kann der Blick ungehindert über die Weite des Tales wandern.

Bereits im 19. Jahrhundert wurde diese einmalige Landschaft von der Österreichisch-Ungarischen Monarchie entdeckt und im Jahre 1883 entstanden die ersten Häuser am Ufer des Bergsees. Nach und nach entwickelte sich daraus ein Gebäudeensemble. Begriffe wie „Gesundheit“ und „Kur“ sind wesentliche Themen, mit denen sich der Ort auch heute noch schmücken kann. Die von jeher stark ionisierte Luft führte dazu, dass die Gebäude bereits in den Anfangsjahren zu Kurzwecken genutzt wurden.

Cerno + Architekten aus München entwickelten für den Bauherren Kupele Strbske Pleso ein Konzept zur Sanierung und Erweiterung des bestehenden Gebäudeensembles. Grundlage für den Entwurf war die Rekonstruktion des ursprünglichen Erscheinungsbildes der historischen Gebäude, nicht nur im Fassadenbereich, sondern auch innenräumlich. Um den Ansprüchen an ein Fünf-Sterne-Hotel gerecht zu werden, kam eine Ergänzung der bestehenden Anlage in Form von Apartmenthäusern und einem Wellness-Bereich hinzu. Cerno + Architekten konnten die Bauherren überzeugen, die Apartments nicht in einem zusätzlichen Anbau, sondern in freistehenden Gebäuden unterzubringen. Die dadurch entstandene Solitärstruktur erzeugt eine Durchlässigkeit, die den Blick auf das Bergpanorama nicht verstellt.



Projektbeschreibung

Sechseinhalb Jahre vergingen von der ersten Skizze des Projektes bis zu seiner Fertigstellung. Das Gebäudeensemble, das in einer Zeitspanne von etwa 120 Jahren laufend verändert wurde, musste von Grund auf saniert und zum großen Teil auch rekonstruiert werden. Eine Herausforderung dabei war es, dem Standard eines Fünf-Sterne-Hotels zu genügen, ohne dabei die bestehende Struktur der Anlage zu verwerfen. Die fehlende Infrastruktur für Personal-, Lager- und Kühlräume musste neu geschaffen werden. Cerno + Architekten entwickelten ein Konzept, das sowohl architektonischdenkmalpflegerisch als auch organisatorisch umgesetzt wurde. Im Jahre 2009 wurde das Ergebnis mit zwei Auszeichnungen bedacht – dem Publikumspreis „Public Award“ und dem Jurypreis „Complex Progressive Solution of Architectural Work“ des slowakischen Nationalpreises für Architektur „Bau des Jahres“ 2009.

Die gesamte Hotelanlage erstreckt sich über eine ausgedehnte Nutzfläche von 19.523 Quadratmetern. Das zentrale Element des Ensembles ist der historische Gebäudekomplex mit seinen Anbauten in unterschiedlichen Stilen verschiedener Epochen. So stehen architektonische Elemente aus der Zeit des Jugendstils und Vorläufer der klassischen Moderne nebeneinander. Die neuen, freistehenden Apartmenthäuser spiegeln die Architektursprache des 21. Jahrhunderts wider. Durch großzügige Verglasungen lassen sie Blicke ins Tal und auf die Hohe Tatra zu. Mit geneigten Dächern und Vor- und Rücksprüngen nehmen sie dennoch Bezug auf die bestehenden Gebäude. Im Gesamtbild zeichnet sich die Anlage durch ein gekonntes Nebeneinander von Alt und Neu aus.

Im Zuge des Umbaus musste die Grundriss-Struktur des Hotels neu konzipiert werden, ohne dabei die Historie des Gebäudes zu vernachlässigen. Der Haupteingang und der Zugang für die Anlieferung wurden neu definiert. Um die Versorgung des Hotels sicherzustellen, entwickelten Cerno + Architekten einen gewagte Idee: Die gesamte Anlage wird mit einem 200 Meter langen unterirdischen Gang verbunden, obwohl die geologischen Voraussetzungen dafür schwierig waren, da festes Moränengestein entfernt werden musste. Im Zuge dieser Maßnahme wurde ein Großteil der Bestandsgebäude unterkellert, um so die notwendigen Kapazitäten für Lager-, Personal- und Technikräume zu schaffen. Auch die Apartmenthäuser und der Wellness-Bereich werden durch den neu geschaffenen unterirdischen Verbindungsgang versorgt.


Baukonstruktion

Cerno + Architekten begaben sich mit dem Projekt auf eine Reise voller Überraschungen: Vieles konnte erst vor Ort entschieden werden, da während des Bauprozesses Ungeahntes zu Tage gefördert wurde. Der Spagat zwischen Denkmalschutz und den Anforderungen an ein Fünf-Sterne-Haus ist dennoch gelungen. Doch erforderte dies einen respektvollen Umgang mit dem Vorgefundenen: Die in Zeiten des Sozialismus stark vernachlässigten Außenfassaden sollten in ihrer Materialität und Farbigkeit originalgetreu wiederhergestellt werden. So wurden im Zuge der Rekonstruktion Balkone, Dachtürme, Dachdeckung sowie Putz mit Verzierungen wieder aufgebaut und sichtbar gemacht. Alle Dächer wurden inklusive der tragenden Konstruktion erneuert. Hierbei wurde auf eine nachhaltige und natürliche Dachdeckung geachtet. Kleinrauten ermöglichten einen detailgetreuen Nachbau des Daches mit seinen vielen Spitztürmen und Ausbauten.

Bedeutende historische Räume wie das Restaurant, der Konferenz- und der kleine Ballsaal konnten mit einer aufwendigen Restaurierung erhalten werden, hinzugefügte Einbauten aus den 1960er und 1970er Jahren wurden jedoch entfernt. Zwischenwände fielen dem Umbau zum Opfer, da die Größe der Zimmer angepasst werden musste. Die vorhandenen Zentralbäder im Gebäude wurden entfernt. Um jedes der Zimmer nach dem Standard eines Fünf-Sterne-Hotels mit einem eigenen Bad zu versorgen, musste die komplette Gebäudetechnik neu installiert werden.

Auf Grundlage historischer Fotos wurden der Putz mit seinen Verzierungen und die originale Farbigkeit der Fassade wiederhergestellt, denn die vergangenen fünfzig Jahre hatten ihre Spuren hinterlassen. Für die Außenfassaden der Hotelanlage planten die Architekten eine nächtliche Illumination. Das Lichtkonzept wurde in enger Abstimmung von Architekten und Lichtplanern entworfen. Gemeinsam wurde nach architektonischen, lichtgestalterischen und formal ästhetischen Aspekten eine vertikale Betonung der Fassade entwickelt.


Interview

mit Peter Cerno von Cerno + Architekten


Mit welchen Wünschen traten die Bauherren an Sie heran?
Den Bauherren war ein architektonisches Konzept wichtig, das die Anforderungen des Denkmal- und Naturschutzes gewährleisten konnte. Dabei sollte jedoch ein Fünf-Sterne-Hotel entstehen, das wiederum den hohen Ansprüchen der Gäste genügen muss.

Worin lag die Herausforderung bei dieser Bauaufgabe?
Zweifelsohne war die Auseinandersetzung mit dem historischen Gebäudebestand und die Rekonstruktion und Erhaltung vorhandener Strukturen die größte Herausforderung bei der Planung. Da die Gebäudeanlage in den letzten fünfzig Jahren stark vernachlässigt worden war, mussten wir teilweise sogar mit historischen Fotografien arbeiten, um einen möglichst hohen Grad des Originalzustandes zu erhalten. Eine weitere spannende Aufgabe war es, eine geeignete Formensprache für die neuen Apartmenthäuser zu finden.

Gibt es einen besonderen Ansatz hinsichtlich Konstruktion oder Materialkonzept, der Ihren Entwurf auszeichnet?
Unser Konzept wurde durch die bestehenden konstruktiven Strukturen und die dort vorgefundenen Materialien bestimmt. Allein bei den neu entwickelten Apartmenthäusern konnten wir etwas freier in der Konstruktion und mit den Materialien agieren. Dennoch wurde auch hier die Formensprache in Anlehnung an den Bestand entwickelt. Die tragende Konstruktion ist hier im Gegensatz zum Bestand aus Beton und nicht aus Holz. Die Dächer sind formal an bestehende Dachformen angelehnt, aber auch hier haben wir als Material Beton gewählt. Die Fassaden weisen dieselben Vor- und Rücksprünge wie die Bestandsbauten auf.

Wie wichtig war es, sich mit kritischer Rekonstruktion auseinanderzusetzen?
Uns war von Anfang an klar, dass bei dieser Bauaufgabe der Denkmalschutz eine sehr große Rolle spielen würde. Wir wollten nicht nur dem Gebäude, sondern auch dem Ort seine Identität zurückgeben. Dies konnte nur durch eine sensible Rekonstruktion passieren. Die über hundertjährige Geschichte des Gebäudes spiegelt sich nun in den unterschiedlichen wiederhergestellten Fassaden wider.

Wenn Sie zurückblicken, was ist Ihrer Meinung nach besonders gelungen?
Mit der Ausführung des Projektes ist es uns gelungen, die Komplexität des Ortes und des Gebäudes aufzuzeigen. Die Symbiose von Alt und Neu wirkt harmonisch und verweist auf die städtebauliche Solitärstruktur, die wir in diesem Gebiet finden.


Presseschau

Web:

- www.rheinzink.de, Referenzen Slowakische Republik
- www.trilux.com, Kompetenz/Projekte/Hotel Kempinski: Magisches Licht für exklusive Architektur
- www.graphisoft-muenchen.de, cerno+architekten – Projekte in Kuwait und der Hohen Tatra in der Architekturgalerie München (Ausstellungseröffnung 19.01.2012)

Heizung, Lüftung, Warmwasser

Der gesamte Komplex des Grandhotel „Kempinski Hohe Tatra“ mit einer Nutzfläche von 19.523 Quadratmetern wird von einem zentralen Kesselraum mit Wärme versorgt. Dieser befindet sich unter dem rekonstruierten Dach. Die Viessmann Produkte Vitocrossal 300 mit einer Nennleistung von 1.120 kW sowie zwei Vitoplex 100 Kessel mit einer Nennleistung von 980 kW dienen hier als Wärmequelle. Die Gesamtleistung der Kessel liegt bei 3.800 kW. Der Vitocrossal 300 nutzt mit seiner Konstruktion der senkrecht angeordneten Wärmetauscherflächen die Kondensationswärme seiner Heizgase besonders intensiv aus und zusammen mit einem Vitoplex 100 wird hier das Warmwasser für die Heizung und Bereitung des Brauchwassers für das Hotel und die Küche erzeugt. Der zweite Vitoplex 100 bereitet Heizwasser für die Lüftungseinheiten. Im Falle eines Ausfalls oder in Spitzenlastzeiten sind die beiden Systeme miteinander gekoppelt. Das Hoteldispatching (Steuerungsregelung) sorgt für die anforderungsgerechte Verteilung im System.

Alle Räume des Hotels werden mit Warmwasser-Heizkörpern und Konvektoren beheizt. Die Badezimmer sowie weitere Einzelräume sind mit Fußbodenheizung ausgestattet. Über das Hoteldispatching lässt sich die Temperatur in allen Räumen einzeln regulieren. Im Zuge des Umbaus musste ein komplett neues Heizungssystem installiert werden. Im Wellness-Bereich ist die Fußbodenheizung mit der Lüftungstechnik kombiniert. So bleibt die Sicht auf den See immer frei und zudem ist der Luftaustausch gewährleistet. Analog zur Heiztechnik ist auch die komplette Lüftungstechnik neu. Beim Einbau der neuen Heiz- und Lüftungstechnik wurde stets darauf geachtet, sensibel mit dem historischen Bestand umzugehen und dennoch maximalen Komfort für die Gäste zu erreichen.

Die Heiztechnik für die Apartmenthäuser wurde in eigenen Kesselräumen untergebracht. Die Kesselräume im Osten sind mit sechs Viessmann Vitodens 300-W mit einer Gesamtleistung von 360 kW, die Kesselräume im Westen mit vier Viessmann Vitodens 200-W mit einer Gesamtleistung von 240 kW bestückt. Alle Räume in den Apartmenthäusern sind mit Heizkörpern, Fußbodenheizung und Konvektoren unter den Fenstern ausgestattet. Im Unterschied zum Hotel wird hier nur das Warmwasser für die Apartmenthäuser bereitgestellt, für Lüftung und Kühlung wurden individuelle Systeme gewählt.

Autor: Insa Meyer

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