Fordsiedlung in Köln-Niehl



Daten und Fakten

Standort: Amsterdamer Straße, 50735 Köln-Niehl
Bauherr: Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Wohnen NRW GmbH, Düsseldorf
Architekt: ARCHPLAN GbR, Münster

Bauzeit: 2008-2010

Baukosten gesamt: 25,6 Mio. Euro brutto
Baukosten pro Quadratmeter: 1.053 Euro brutto

Grundstücksfläche: 33.827 m²
Wohnfläche:
21.329 m² (Bestand: 14.211 m2)
Anzahl Wohneinheiten: 345 (Bestand: 310)
Primärenergiebedarf: 42 kWh/m²a (nach EnEV 2007, Bestand: 490 kWh/m²a)
Heizwärmebedarf: 25,4 kWh/m²a (nach EnEV 2007, Bestand: 246 kWh/m²a)
spez. Transmissionswärmeverlust: 0,36 W/m²a

Architekten

ARCHPLAN GbR
Architektur Tragwerksplanung Bauphysik
Gildenstraße 2g
48157 Münster
Tel. 0251-141800
Fax 0251-1418018
info@archplan.de
www.archplan.de

Büroprofil:
Drei Personen stehen heute für ARCHPLAN: der Beratende Ingenieur Dipl.-Ing. Bernd Leuters, der Architekt Dipl.-Ing. Joachim Seinecke und der Architekt Dipl.-Ing. Alexander Kors. Gegründet wurde ARCHPLAN 1979 von Architekten und Ingenieuren. Der fachübergreifende Arbeitsansatz schuf von Anfang an die Basis, vielschichtige Aufgaben unserer Kunden zu lösen. Diesen steht heute ein Team von einem Dutzend engagierter MitarbeiterInnen aus den Bereichen Architektur, Tragwerksplanung und Bauphysik zur Verfügung. Unser Equipment ist auf dem neuesten Stand und wird jeweils der aktuellen Entwicklung angepasst. Der interdisziplinäre Planungsansatz bietet für alle Planungsaufgaben unserer Kunden ausgezeichnete Möglichkeiten im Hinblick auf Qualität, Bau- und Planungszeiten sowie Kosten. Diesen Grundqualitäten stand von Anfang an der Gedanke des nachhaltigen Bauens zur Seite. Unter diesem Begriff findet sich heute das schon frühzeitige Engagement von ARCHPLAN für wohngesundes, Energie- und Ressourcensparendes Bauen  wieder. Diese Planungshaltung prägt zahlreiche unserer realisierten Projekte. Ausdruck findet sie in der Mitgliedschaft bei der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), der Interessengemeinschaft Passivhaus (IG Passivhaus) und dem Arbeitskreis Ökologischer Holzbau e.V. (AKÖH). ARCHPLAN kooperiert mit Gerhard Joksch, Planung und Beratung für Kommunen und Mittelstand, Münster.

Bürophilosophie:
Ganzheitlichkeit charakterisiert unsere Architektur. Funktionalität, Wirtschaftlichkeit sowie Nachhaltigkeit sind für uns selbstverständlich und stellen die Essentials unserer Arbeit dar. Es sind wertvolle Komponenten, die sich aus den konstanten Arbeits-, Entwicklungs- und Optimierungsprozessen unseres Büros ergeben. Die Faszination unseres Berufes liegt in dem Brückenschlag zwischen den Anforderungen, die Kunden an uns stellen und den individuellen Lösungen, die wir entwickeln. Jede neue Bauaufgabe verstehen wir als außerordentliche Herausforderung. Unsere Architektur soll Emotionen wecken und zugleich markantes Bauwerk sowie sensibler Bestandteil im urbanen Kontext sein. Mit den Kompetenzen eines erfahrenen Teams aus Architekten, Bauingenieuren und Bauphysikern bieten wir unseren Kunden Lösungen. Für weitere Fachaufgaben verstärken wir unser Team projektbezogen mit Fachingenieuren kooperativer  Büros. Ganzheitlichkeit auch im Team, ist unser Anspruch. Unser Leistungsspektrum reicht von Büro- und Gewerbebauten über öffentliche Gebäude bis zu Wohnbauten und Bauen im Bestand.

Fachplaner

Haustechnik
KaTplan GmbH
Ingenieurbüro für Haustechnik
Scharnhorststraße 48
48151 Münster
Tel. 0251-484370
Fax 0251-4843711
info@katplan.de
www.katplan.de

Messungen/Auswertungen
Heutec Ingenieurdienstleistungen für energiesparendes Bauen
Am Kalkheck 5
58313 Herdecke
Tel. 02330-606616
Fax 02330-606620
info@heutec.de
www.heutec.de

Zentralheizung
U&K Gebäudetechnik GmbH
Lessingstraße 3
09130 Chemnitz
Tel. 0371-4059545
Fax 0371-4059547

Brandschutzkonzept
Dehne, Kruse
Brandschutzingenieure GmbH & Co. KG
Gustav-Schwannecke-Straße 13
38518 Gifhorn
Tel. 05371-6875028
Fax 05371-6875029
www.kd-brandschutz.de

Landschaftsarchitektur
Davids | Terfrüchte + Partner
Im Löwental 76
45239 Essen
Tel. 0201-7473610
Fax 0201-74736110
post@dtp-essen.de
www.dtp-essen.de


Entwurfsaufgabe

Nördlich der Innenstadt zwischen dem äußeren und inneren städtischen Grüngürtel liegt die Fordsiedlung an der Amsterdamer Straße in Köln-Niehl. In den frühen 1950er Jahren ursprünglich für die Arbeiter der Ford-Werke errichtet, wies die Siedlung zu Beginn des neuen Jahrtausends einen hohen Modernisierungsbedarf auf. Die 310 Wohneinheiten mit insgesamt 14.211 Quadratmetern Wohnfläche verteilten sich auf elf Häuserzeilen. Durch die veralteten Grundrisse verfügten die Wohnungen im Durchschnitt nur über eine Wohnfläche von 47 Quadratmetern. Des Weiteren war der Jahresheizwärmebedarf mit 246 kWh/m²a sehr hoch. Aufgrund der günstigen Lage im Kölner Stadtgebiet war dem  Träger der Siedlung, der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Nordrhein-Westfalen, zudem daran gelegen, dass im Rahmen der Sanierung eine Nachverdichtung zur Gewinnung von zusätzlichem Wohnraum erfolgt.

Eine große Qualität der Siedlung sind die weiten Freiflächen zwischen den Häuserzeilen mit altem Baumbestand. Um diese zu erhalten, entwickelten die Architekten von Archplan aus Münster ein Konzept, mit dem rund 45 Prozent zusätzlicher Wohnraum durch die Aufstockung der dreigeschossigen Häuserzeilen um ein komplettes Geschoss gewonnen werden konnte. Auf diese Weise wurden 81 neue Wohneinheiten geschaffen. Bei der Überarbeitung der bestehenden Wohnungsgrundrisse entsprechend zeitgemäßer Anforderungen entstanden 264 familiengerechte Wohneinheiten, so dass nun 345 Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 39 und 130 Quadratmetern zur Verfügung stehen.

Innerhalb der Modernisierung galt es zwei Energiestandards zu erreichen: bei der Sanierung des Bestands sollte der aktuelle Standard für Neubauten nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) um mehr als 30 Prozent unterschritten werden. Die aufgesetzten Stockwerke sollten im KfW-40-Standard bzw. 3-Liter-Haus-Standard erstellt werden. Zur  Reduzierung des hohen Heizbedarfs wurde ein Energiekonzept von der Firma Viessmann in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro KaTplan aus Münster entwickelt. Das Konzept setzt auf die Kombination von Energieeinsparung und  Nutzung erneuerbarer Energien im Wohnungsbau. Dazu zählt vor allem die Installation einer solarthermischen Anlage zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung. Mithilfe der Sanierung konnte so der Jahresheizwärmebedarf der Siedlung auf 25,4 kWh/m²a reduziert werden. Die Fordsiedlung entstand als 32. Solarsiedlung im Rahmen des Projekts „50 Solarsiedlungen in Nordrhein-Westfalen“. Das Projekt wurde von der EnergieAgentur.NRW im Auftrag des  Ministeriums für Klimaschutz und Umwelt koordiniert.



Projektbeschreibung

Die Fordsiedlung entstand in den frühen 1950er Jahren. Eigentümer der Siedlung und zuständig für die Vermietung ist die Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen (LEG NRW). Nördlich der Kölner Innenstadt und in fußläufiger Entfernung zum Rheinufer gelegen ist der Standort der Siedlung gut an den Öffentlichen Nahverkehr sowie an die  Autobahnen angeschlossen. Einzelhandel und Dienstleistungsgewerbe für den täglichen Bedarf sind in der umgebenden gewachsenen Nachbarschaft vorhanden. Schulen und Kindergärten machen das Stadtviertel für Familien mit Kindern attraktiv.

Die Ausgangssituation vor den Modernisierungsmaßnahmen stellte sich folgendermaßen dar: einerseits war hinsichtlich des hohen Jahresheizwärmebedarfs von 246 kWh/m²a eine energetische Sanierung der Bestandsgebäude nötig, andererseits waren die Zuschnitte der Wohnungen nicht mehr zeitgemäß. Zudem war eine Nachverdichtung zur Gewinnung von zusätzlicher Wohnfläche gewünscht.

Die Gebäuderiegel mit teilweise 80 Metern Länge sind in Nord-Süd-Orientierung errichtet worden. Weite Freiflächen und der alte Baumbestand zwischen den Häuserzeilen tragen zur besonderen Freiraumqualität der Fordsiedlung bei. Spielplätze sowie teilweise vorhandene Mietergärten galt es zu erhalten. Aus diesem Grund erfolgte die Nachverdichtung über eine Aufstockung der bestehenden elf Häuserzeilen um ein Geschoss, so dass der Freiraum von der Nachverdichtung ausgenommen werden konnte. Im Bereich der Südgiebel sahen die Architekten von Archplan aus Münster zusätzlich jeweils Maisonette-Wohnungen mit nach Süden orientiertem Pultdach vor. Insgesamt entstanden durch das aufgestockte Geschoss 81 neue Wohneinheiten. Die Aufstockung führte zu einer Erweiterung um circa 6.500 Quadratmetern – das entspricht rund 45 Prozent mehr Wohnfläche.

In den dreigeschossigen Bestandsgebäuden wurden sämtliche Wohnungen grundlegend saniert und erhielten neue Bäder, Küchen und große Balkone. Die Wohnungsgrundrisse wurden entsprechend zeitgemäßer Anforderungen überarbeitet, so dass 264 Wohneinheiten entstanden. Heute gibt es in der Fordsiedlung insgesamt 345 Wohneinheiten mit den unterschiedlichsten Grundriss-Varianten von 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen zwischen 39 und 130 Quadratmeter Wohnfläche für Singles, Paare, Senioren und Familien. Auf diese Weise erzielt die LEG NRW eine heterogene Mischung der Bewohner. 75 Prozent der Mieter sind auch nach der Modernisierung in der Siedlung wohnen geblieben.

Neben der Schaffung von zusätzlichem Wohnraum stand eine umfassende energetische Sanierung zur Reduzierung des hohen Jahresheizwärmebedarfs von 246 kWh/m²a im Vordergrund der Modernisierungsmaßnahmen. Das Konzept setzt auf die Kombination von Energieeinsparung und Nutzung erneuerbarer Energien im Wohnungsbau. Dazu wurden innerhalb der Siedlung zwei Baustandards realisiert: für die energetische Sanierung der Bestandsgebäude wurde der gesetzlich vorgeschriebene Neubaustandard nach EnEV um 30 Prozent unterschritten – das entspricht KfW-60-Standard, die aufgestockten Geschosse wurden im KfW-40-Standard bzw. 3-Liter-Haus-Standard errichtet.

Die Aufstockung wurde in Passivhausbauweise mit Holztafelelementen realisiert. Der Heizbedarf der bestehenden elf Häuserzeilen konnte durch ein Wärmedämmverbundsystem an den Gebäudeaußenhüllen, Dämmung im Keller- und Dachbereich sowie neue Fenster und Türen mit Wärmeschutzverglasung reduziert werden. Dies bedeutete eine Reduktion des klimaschädlichen Kohlendioxids von circa 3.000 Tonnen auf rund 180 Tonnen im Jahr. In der Fassadengestaltung zeichnet sich das aufgestockte Geschoss durch die orange-rote Farbgebung ab.

Neben den baulichen Maßnahmen zur Energieeinsparung umfasst das neue Energiekonzept die Nutzung erneuerbarer Energien. Die Pultdächer der Maisonette-Wohnungen am Südgiebel der Gebäudezeilen wurden so nach Süden ausgerichtet, um vollflächig Solaranlagen aufzunehmen. An die 1.000 Quadratmeter Vakuumröhrenkollektoren sorgen für eine optimale Ausnutzung der Sonnenenergie. Die thermischen Solaranlagen übernehmen circa 60 Prozent der Warmwasserbereitung und werden zusätzlich zur Heizungsunterstützung eingesetzt. Die übrige Wärme- und Warmwasserversorgung erfolgt über drei Nahwärmezentralen mit Gasbrennwerttechnik. Des Weiteren erhielten sämtliche Wohnungen kontrollierte Lüftungsanlagen, im Bereich der Dachaufstockung mit Wärmerückgewinnung. Das Energiekonzept wurde von der Firma Viessmann in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro KaTplan aus Münster entwickelt.

Nach Abschluss der Modernisierungsmaßnahmen steht nun mehr zeitgemäßer Wohnraum zur Verfügung. Zudem konnte der Jahresheizwärmebedarf auf stolze 25,4 kWh/m²a reduziert werden. Die Sanierung der Fordsiedlung ist im  Rahmen des Projekts „50 Solarsiedlungen in Nordrhein-Westfalen“ die 32. Solarsiedlung im Bundesland NordrheinWestfalen. Das Projekt wird von der EnergieAgentur.NRW im Auftrag des Ministeriums für Klimaschutz und Umwelt koordiniert. Dabei werden nicht nur Einzelhäuser, sondern komplette Siedlungen energiesparend gebaut oder saniert. Mittlerweile sind 32 Siedlungen fertiggestellt, davon allein elf in Köln; weitere 19 werden aktuell gebaut.

Mit der Auszeichnung „Besondere Anerkennung“ beim Deutschen Bauherrenpreis 2011 würdigte die Jury die vorbildliche Nachverdichtung und Modernisierung der Fordsiedlung als gelungenes Projekt.


Baukonstruktion

Die bestehenden elf Häuserzeilen mit jeweils drei Geschossen sollten im Rahmen der umfassenden Sanierung und  Modernisierung jeweils um ein komplettes Geschoss aufgestockt werden. Die Bestandsgebäude waren in den frühen 1950er Jahren aus Bimsmauerwerk und mit Holzbalken- sowie Bimshohlkörperdecken errichtet worden. Allerdings konnten die obersten Bestandsdecken keine weiteren Lasten aufnehmen, so dass die bestehende Decke komplett durch eine neue Tragkonstruktion überbrückt wurde. Die dafür eingebrachte Brettsperrholzdecke liegt mit Auflagerpunkten auf den Außenwänden und den Mittelwänden auf. Zum Ausgleich eventueller Maßtoleranzen bei den bis zu 80 Meter langen Häuserzeilen kragt die Brettsperrholzdecke über die Außenwände um bis zu 45 Zentimeter umlaufend aus. Auf diese Weise war es möglich, den Übergang des Wärmedämmverbundsystems im Bestand zur Aufstockung fehlertolerant zu gestalten. Die statisch notwendige Verankerung der Aufstockung erfolgte in die Ringbalken.

Im Rahmen der energetischen Sanierung der Bestandsgebäude auf KfW-60-Standard erhielten die Außenwände eine hochwertige Dämmung mithilfe eines vorgesetzten Wärmedämmverbundsystems. Zudem wurden die Kellergeschossdecken nachträglich umfassend gedämmt und neue Fenster mit Wärmeschutzverglasung eingesetzt. Für den angestrebten KfW-40-Energiestandard wurde das neue Geschoss in Passivhausbauweise mit Holztafelbauelementen errichtet. Sämtliche tragende Wände wurden als Holztafelelemente mit montierten Fenstern und eingebauter Dämmung vorgefertigt und auf der Baustelle montiert. Alle nicht tragenden Wände wurden örtlich in Trockenbauweise erstellt. Zur Minimierung der Wärmebrücken wurden alle Bauteilübergänge im Bereich der Aufstockung gesondert erfasst und berechnet.

Die Dachgeschossdecken über den neu geschaffenen Wohnräumen wurden ebenfalls als vorgefertigte liegende Elemente mit Dämmung konstruiert. Die Zwischendecken in den Maisonette-Wohnungen werden durch eine Brettsperrholzdecke gebildet, das darüberliegende Pultdach wiederum ist aus gedämmten Elementen gefertigt. Die Dachkonstruktion des flachgeneigten Satteldaches besteht aus längs laufenden Bindern, die die selbsttragenden Trapez-Dachelemente konstruktiv unterstützen. Sämtliche konstruktive Bauteile im Bereich der Aufstockung sind entsprechend der Brandschutzrichtlinien in F60-Ab/K30 ausgeführt. Treppenhaus- und Brandersatzwände wurden in der Qualität F90-BA/K60 errichtet.


Interview

mit Architekt Joachim Seinecke, ARCHPLAN


Welche Besonderheit zeichnet diese Bauaufgabe aus?
Die Ford-Siedlung in Köln-Niehl ist eine der Siedlungen aus den 50er Jahren, die in großer Eile errichtet wurden, um möglichst schnell viel Wohnraum in der Nähe der Produktionsstätten, in diesem Fall der Ford-Werke zu realisieren. Entsprechend schlicht ist die Konstruktionsqualität und es war dringend geboten, eine umfassende Sanierung der  Bestandsbauten vorzunehmen. Eine für Köln typische Situation war die Tatsache, dass zu dem Zeitpunkt trotz der schlechten Ausstattung, die Häuser hatten z.T. Kohle-Öfen-Heizung und entsprechende Bäder, eine Vollvermietung  gegeben war, so dass die Sanierung unter den Umständen dieser Vollvermietung durchgeführt werden musste. Aufgrund der örtlichen Situation, nur vier Haltestellen vom Hauptbahnhof entfernt und der großen Freiflächen zwischen den Gebäuden, bot es sich an, durch eine Nachverdichtung, sprich durch Aufstockung aufzuwerten und zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Im Hinblick auf die relativ simple Gebäudestruktur standen aber nur geringe Möglichkeiten für Auflastung zur Verfügung, so dass die zusätzlichen Geschosse möglichst leicht, in diesem Fall in einer Holztafelbauweise zu erstellen waren. Die Gebäude wurden somit von drei auf vier, und in den Kopfbauten auf fünf Geschosse erweitert.

Welche Auffassung zum Thema Wohnungsbau/Wohnen spiegelt sich in dem Entwurf für die Fordsiedlung wider?
Vorrangig bietet sich bei so einem Umstand natürlich die Thematik des gewachsenen und durchgrünten Standortes an, den es gilt aufzuwerten und dem modernen Wohnstandard entsprechend zu verändern. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die zusätzliche Verdichtung innerstädtischen Wohnraums, um einer Abwanderung in die Außenrandbereiche der Städte entgegen zu wirken. Beide Aspekte wurden durch die Sanierung der Bestandsbauten und die Aufstockung umgesetzt. Die schlichte Bauweise der 50er Jahre erhält bei dieser Entwicklung ein neues Gesicht, das sich gegenüber der Umgebungsbebauung deutlich als „neuer Standort“ darstellt.

Welches Feedback auf das Projekt haben Sie entweder direkt von den Bewohnern bzw. über den Bauherrn erhalten?
Das Herausragende ist sicherlich die Anerkennung im Zusammenhang mit dem Deutschen Bauherrenpreis 2011, bei dem die Umsetzung dieser Sanierung und die Erweiterung ausdrücklich gewürdigt wurden. Aber auch das Feedback der Bewohner spielt eine große Rolle. Selbstverständlich haben sie enorme Belastungen während der Sanierung aushalten müssen. Aber wie wir in mehreren Besuchen gehört haben, fühlen sich alle sehr wohl und wissen zu schätzen, was die Sanierung gebracht hat. Das ist z.B. auch dokumentiert in einem Beitrag des Senders WDR 5 NRW in Zusammenhang mit der Sendung „Leonardo“, bei der speziell über dieses Projekt und Holzbauprojekte im Allgemeinen berichtet wurde. Dabei kamen auch die Bewohner zu Wort. Mit dem Bauherrn selbst waren wir bei der gesamten Baumaßnahme in ständigem Kontakt und haben das Projekt positiv abgeschlossen.

Welchen Stellenwert nehmen ökologische und energieeffiziente Überlegungen innerhalb Ihrer Arbeit bzw. Entwürfe ein?
Ökologische und energieeffiziente Überlegungen sind Grundlage unserer Entwürfe. Diese Themen können aus der  modernen Architektur nicht mehr ausgeklammert werden. Was aber nicht heißt, dass Ökologie und Energieeffizienz als Aushängeschild an die Entwürfe angebracht werden. Es ist eine selbstverständliche Grundlage für die gesamte Arbeit unseres Büros.

Welche entwurfsbestimmenden Aspekte kennzeichnen alle Ihre Projekte?
Da unsere Bandbreite von Projekten vom Industriebau bis zum Wohnungsbau reicht, ist es natürlich schwierig, einen einheitlich durchgängigen Aspekt aufzuzeigen. Die Anforderungen durch die unterschiedlichen Aufgabenstellungen sind doch zu mannigfaltig. Eines lässt sich allerdings sicherlich herausheben. Und zwar ist das die Verwendung von Holz und Holzbaumaterialien bei unseren Projekten. Wann immer möglich, sehen wir die Umsetzung von Konstruktionen in Holzbau von großem Vorteil. Das kann sich auf den Hallenbau beziehen, aber auch auf den Wohnungsbau. Die gestalterischen Aspekte unserer Entwürfe würde ich als sachlich schlicht bezeichnen.


Presseschau

Web:

www.50-solarsiedlungen.de, Energieagentur NRW

Print:

- DBZ 5/11, Energie-Spezial: Der Sonne entgegen – Sanierung der Fordsiedlung, Köln-Niehl, S. 92-95
- 50 Solarsiedlungen in Nordrhein-Westfalen, Friedrich Wolters, Energieagentur NRW, 2012

TV:

Leonardo – Wissenschaft und mehr, Schwerpunkt: Holzbau mit Zukunft, WDR5, Sendedatum 13. März 2012

Energiekonzept

Das Energiekonzept für die Fordsiedlung setzte neben baulichen Maßnahmen zur Energieeinsparung vor allem auf die Nutzung erneuerbarer Energien. Vor der Sanierung waren der Jahresheizwärmebedarf mit 246 kWh/m²a und der Primärenergiebedarf mit 490 kWh/m²a sehr hoch. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten liegt der Jahresheizwärmebedarf heute bei 25,4 kWh/m²a, der Primärenergiebedarf konnte auf 42 kWh/m²a gesenkt werden. Insgesamt wurde der  Kohlendioxid-Ausstoß von circa 3.000 Tonnen auf rund 180 Tonnen im Jahr reduziert. Durch die Kohlendioxid-Reduzierung profitiert die Umwelt, die Besitzer erhielten wertstabile Immobilien und für die Mieter entstanden deutlich geringere Nebenkosten. Das Energiekonzept wurde von Viessmann in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro KaTplan aus  Münster entwickelt.

Heizung und Warmwasser

Um die Sonnenenergie optimal nutzen zu können, wurde das Pultdach über den Maisonette-Wohnungen am südlichen Ende der Häuserzeilen nach Süden ausgerichtet und vollflächig mit thermischen Solaranlagen ausgestattet. Auf diese Weise nutzen 225 Vakuumröhrenkollektoren auf einer Gesamtfläche von 1.000 Quadratmetern die Kraft der Sonne. Die Kollektoren des Typs Vitosol 200-T der Firma Viessmann können lageunabhängig installiert werden, da sich zur maximalen Umwandlung der Sonnenenergie in Wärme jede Röhre durch Drehung im Sammler optimal zur Sonne ausrichten lässt und so die Energienutzung maximiert wird. Die hochwirksame Wärmedämmung im Sammlergehäuse minimiert insbesondere in den Übergangsmonaten und in der kalten Jahreszeit die Wärmeverluste. Die solarthermischen Anlagen übernehmen in der Fordsiedlung circa 60 Prozent der Warmwasserbereitung und werden zusätzlich zur Heizungsunterstützung eingesetzt.

Die übrige Wärme- und Warmwasserversorgung erfolgt über drei Nahwärmezentralen mit Gasbrennwerttechnik von Viessmann. Diese bestehen jeweils aus einem Gas-Brennwertkessel des Typs Vitocrossal 200 mit einer Nennleistung von 225 kW im Verbund mit einem Erdspeicher mit je 15.000 Litern. Die bewährte Inox-Crossal-Heizfläche aus Edelstahl Rostfrei des Gas-Brennwertkessels Vitocrossal bietet zusammen mit dem von Viessmann entwickelten Matrix-Zylinderbrenner eine besonders geräuscharme, effiziente und umweltschonende Verbrennung in einem Modulationsbereich von 33 bis 100 Prozent. Dabei sorgen die Inox-Crossal-Heizflächen für eine hochwirksame Wärmeübertragung und hohe Kondensationsrate. Die Wärmeverteilung innerhalb der Fordsiedlung erfolgt über 345 Übergabestationen und 1.800 Heizkörper von Viessmann.

Klima und Lüftung

Die sanierten Wohneinheiten in den Bestandsgebäuden erhielten kontrollierte Lüftungsanlagen. In den im Passivhausstandard errichteten aufgestockten Geschossen wurden Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung installiert. Die eingebauten Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung Vitovent 300 von Viessmann sorgen für frische Luft und ein angenehmes Raumklima, ohne dabei Energie zu verschwenden. Die Vitovent 300 gleicht den Feuchtehaushalt in den Räumen aus und minimiert auf diese Weise die Gefahr von Schimmelpilzwachstum. Die Luft wird kontinuierlich ausgetauscht und so Geruchs- und Schadstoffe entfernt. Über eine Fernbedienung kann die Lüftung komfortabel gesteuert werden. Der integrierte leistungsstarke Wärmetauscher holt über 90 Prozent der in der verbrauchten Luft enthaltenen Wärme zurück und erwärmt so die einströmende Luft. Dank der sehr effizienten Gleichstrommotoren wird pro eingesetzter kWh elektrische Energie das 15-fache an Wärmeenergie zurückgewonnen.

Autorin: Katharina Ricklefs

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