Einfamilienhaus in Kleinsachsenheim



Daten und Fakten

Standort: 74343 Kleinsachsenheim, Landkreis Ludwigsburg
Architekt: INEXarchitektur, Mühlacker
Projektarchitekt: Dipl.-Ing. (FH) Christian Fuchs

Planungsbeginn: 11/2006
Baubeginn: 04/2007
Baufertigstellung: 04/2008

Baukosten: 235.000 Euro

Grundstücksfläche: 335,50 m²
Bauvolumen: 939 m³
BGF:
229,50 m²
Bebaute Fläche: 
127 m²

Architekten

INEXarchitektur
Industriestraße 47 WEST
75417 Mühlacker
Tel. 07041-8141880
Fax 07041-81418899
officeM@inex-architektur.de
www.inexarchitektur.de

Büroschwerpunkte
Hochbau, Städtebau, Innenarchitektur, Wettbewerbe, Wertermittlungsgutachten, BAFA-Vor-Ort-Energieberatungen

Bürophilosophie
Für uns folgt die Form des Gebäudes immer der Funktion – „form follows function“, einer der Leitsprüche, der die moderne Architektur des 20. Jahrhunderts prägte. So stehen schlussfolgernd immer die Anforderungen des Bauherrn im Mittelpunkt. Gebäude entstehen nicht aus bloßem Selbstzweck. Hierbei versuchen wir eine zeitgemäße Sprache für unsere Gebäude zu finden. Neben der wirtschaftlichen Konstruktion sind uns eine gewisse Flexibilität und niedrige Unterhaltskosten im Sinne von energiesparenden Gebäuden wichtig. Kosten- und Termintreue halten wir für eine Standarddienstleistung.

Fachplaner

Tragwerksplanung
einfachStark ingenieure
Hörnleshalde 7
71640 Ludwigsburg
Tel. 07141-4880450
Fax 07141-4880459
info@stark-ingenieure.de
www.stark-ingenieure.de

Haustechnik
Scheerle GmbH
Uhlandstraße 92
75417 Mühlacker
Tel. 07041-6832
Fax 07041-7397
info@scheerlegmbh.de
www.scheerlegmbh.de


Entwurfsaufgabe

Kleinsachsenheim ist einer von sechs Ortsteilen der Stadt Sachsenheim, die unweit von Ludwigsburg und Bietigheim am Rande des Großraumes Stuttgart eingebettet liegt in einer Landschaft aus Wein und Wald. Erstmals erwähnt wurde Kleinsachsenheim im Mittelalter – ausgedehnt hat sich das Örtchen mit dem historischen Kern aber vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg. Und in eben einer dieser Ortserweiterungen befindet sich der Bauplatz des Einfamilienhauses, dessen Planung und Ausführung vom Architekturbüro INEXarchitektur realisiert wurde. Das Gebäude entstand im Spannungsfeld eines sehr heterogen Umfeldes, bestehend aus einem im Bau befindlichen Altersheim, Mehrfamilienhäusern und kleinen, eingeschossigen Siedlungshäuschen aus den 50er Jahren.

Der dreiköpfigen Familie war die Nähe zum Elternhaus des Bauherrn wichtig, so dass das Angebot für den elterlichen Bauplatz sehr gelegen kam. Die Familie zögerte nicht lange und griff zu. Ideen, Wünsche und Vorstellungen waren schnell formuliert: aus beruflichen Gründen sind zwei Arbeitszimmer nötig, so dass Wohnen und Arbeiten unter einem Dach möglich wird. Großzügige, helle Wohnräume mit offener Küche wurden ebenso diskutiert wie die Anzahl der Kinder- und Gästezimmer, der Wunsch einer Sauna, Hobby- und Werkraum und die Vorstellung einer rollstuhlgerechten Ausführung des Erdgeschosses. Trotz der vielen Ideen, die es zu realisieren galt, sollten die Baukosten den vorgegebenen Kostenrahmen nicht überschreiten und ein Partner beim Bau gefunden werden, der all diese Vorstellungen mit einem zeitgemäßen Entwurf umzusetzen vermag. Das Architekturbüro INEXarchitektur erwies sich schließlich als zuverlässiger Partner bei der Planung und Baukostenoptimierung, so dass trotz der begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten ein modernes, in der Erscheinung reduziertes und monolithisches Gebäude mit umfangreichem Raumprogramm realisiert werden konnte.



Projektbeschreibung

Kommt man die Torstraße entlang, fällt das Einfamilienhaus sofort auf. Die direkten Nachbargebäude des neu bebauten Grundstückes stammen noch aus der Zeit der Ortserweiterung in den 50er Jahren. Der damalige Bebauungsplan des ursprünglich reinen Wohngebietes von 1958 sah für den westlichen Ortsrand von Kleinsachsenheim eine eingeschossige Bebauung mit 48 Grad Dachneigung, einen maximalen Kniestock von 70 Zentimetern und eine Traufhöhe von 4,50 Meter vor. Ganz anders präsentiert sich der Neubau: allein der höhere Kniestock und die flachere Dachneigung lassen die Kubatur großzügiger wirken. Die schmalen Fensterformate sowie der fehlende Dachüberstand mit der innenliegenden Dachrinne verleihen dem gesamten Haus einen zeitgemäßen und monolithischen Ausdruck. Möglich wurden diese Abweichungen durch die Argumentation der Architekten mit dem insgesamt sehr inhomogenen Gebiet um die Torstraße und dem Alter des geltenden Bebauungsplanes.

Die Erschließung des Gebäudes erfolgt von der Torstraße im Norden. Aufgrund des relativ beengten Grundstücks und den Vorgaben aus dem Bebauungsplan musste das Gebäude mit wenig Abstand zur Straße gebaut werden. So fehlt der sonst übliche Vorgarten im Zugangsbereich, und die Eingangstreppe aus Ortbeton mit seitlicher Rampe für den rollstuhlgerechten Zugang beginnt bereits direkt an der gehwegfreien Straße. Die Wandscheiben der Eingangstreppe und die Stützmauer der Rampe nehmen zudem die Mülltonnen und eine Gerätebox sowie den Briefkasten auf. Auf eine Einzäunung des Grundstückes wurde bewusst verzichtet, der Garten wird von der Straße allein durch eine Bepflanzung abgetrennt. Das Grundstück fällt im weiteren Verlauf Richtung Süden hin ab, wodurch im Untergeschoss der Austritt durch zwei große doppelflügelige Terrassentüren auf ein Holzdeck möglich wird.

Das eigentliche Erdgeschoss sitzt nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen etwas erhöht. Hier befinden sich neben den allgemeinen Wohnräumen und der offenen Küche der Familie ein Arbeitszimmer in Richtung Süden sowie ein Gästezimmer mit eigenem Bad. Die Wohnebene ist sehr offen gestaltet, so dass viele Blickbezüge durch die zahlreichen Fenster nach außen sowie innerhalb der Räume möglich sind. Ausschließlich der Gäste- und Arbeitsbereich im Osten des Gebäudes ist mit Zimmertüren ausgestattet. Das gesamte Stockwerk mit Gästebad ist rollstuhlgerecht ausgeführt und ebenso wie das Untergeschoss mit Fliesenbelägen in Schieferoptik ausgelegt. Im Eingangsbereich fällt die eingebaute Garderobe mit Sitzbank ins Auge. Sie wird umfangen von der Schachttreppe, die ins Obergeschoss führt. Durch die Ausführung des Erdgeschosses als Hochparterre wurde speziell am Übereck-Küchenfenster eine Höhe erreicht, die einen Einbruchschutz gewährleistet. Da das hohe Sicherheitsbedürfnis der Bauherren ein wichtiges Thema war, ist auch zu allen anderen Fenstern und Türen ein entsprechender Sicherheitsabstand vorhanden. Die raumhohen Fenstertüren verfügen über ein Edelstahlgeländer und sind mit elektrischen Aluminium-Panzer-Rollläden ausgestattet.

Im Obergeschoss sind Richtung Süden die beiden Kinderzimmer, Richtung Osten das Elternschlafzimmer und gen Westen das Familienbad untergebracht. Alle Räume besitzen große, bodengleiche Fenstertüren mit Edelstahlgeländern als Absturzsicherung. Der nachträgliche Einbau einer Sauna im Badezimmer ist vorgesehen. Der großzügige Raum verfügt ebenso wie das Gästebad im Erdgeschoss über eine bodengleiche Dusche, hat zusätzlich eine große Badewanne und einen gemauerten Waschtisch mit zwei aufgesetzten Waschbecken und eingelassenem Spiegel. Der Waschtischbereich funktioniert als Raumteiler zur Toilette. Das gesamte Stockwerk ist mit Buchenparkett ausgelegt und wirkt hell und freundlich.

Durch die Idee, die Haustechnik im Dachgeschoss unterzubringen, entstand im Untergeschoss neben Lagerkeller und Waschküche noch ein zusätzlicher Werkraum. Ein weiteres Arbeitszimmer sowie ein großer Hobbyraum öffnen sich mit großen Fenstertüren zum angrenzenden Garten und zum vorgelagerten Holzdeck.

Auf einen Dachüberstand sollte aus gestalterischen Überlegungen bewusst verzichtet werden. Da heutige Putzfassaden, unterstützt durch Faser- und Gitterbewehrung, ein sehr leistungsfähiges Baumaterial darstellen, war diese Überlegung auch aus bautechnischer Sicht kein Problem. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung unterstrich dieses Vorhaben. Mit einer Ortgangverblechung im Gegensatz zu einem Ortgangziegel wurden weitere finanzielle Mittel eingespart. Diese und andere Maßnahmen ließen dem Bauherrn Spielraum für zusätzliche Investitionen im Ausbau und bei der Haustechnik. So konnte beispielsweise ein eingebauter Heizkamin im Wohngeschoss realisiert werden, der im Anfangsbudget nicht vorgesehen war. Im Ortsteil Kleinsachsenheim sorgte die ungewohnt monolithische Form des Gebäudes allerdings für Gesprächsstoff und Polarisierung.


Baukonstruktion

Tragwerk

Das Einfamilienhaus entstand im Spannungsfeld zwischen engem Kostenrahmen und maximalem Wohnraum. Daher wurden in Zusammenarbeit mit dem Tragwerksplaner verschiedene Optimierungskonzepte ausgearbeitet. Mit dieser Maßnahme konnten bereits im Rohbau und bei den Zimmererarbeiten gegenüber einer herkömmlichen Ausführung einige tausend Euro eingespart werden. Durch die intensive Planungsabstimmung mit dem jungen Tragwerksplaner, die eine 3D-Simulation des Tragwerks einschloss, war eine sehr wirtschaftliche Auslegung der Geschossdecken und des Dachstuhls möglich. Die Entscheidung fiel zugunsten eines Sparrendaches mit Kehlbalken, eine Konstruktion die sich grundsätzlich positiv auf den Querschnitt der Sparren auswirkt. Darüber hinaus wurden die Sparren in großem Abstand gesetzt, was für niedrigere Erstellungskosten und verbesserte Dämmwerte für die Dachfläche sorgte. Mit einem Einblasdämmstoff aus Zellulose in der Sparrenebene wurde das Dach fugenfrei verdichtet und gedämmt. Zellulose ist ein natürlicher Baustoff, der hauptsächlich aus Papier gewonnen wird. Er ist setzungssicher und diffusionsoffen. Zudem sorgt die günstigere Phasenverschiebung des Materials für einen besseren sommerlichen Wärmeschutz, da die Zellulose eine sehr hohe Rohdichte mitbringt. Eine Holzfaserdämmplatte, Lattung und Konterlattung schließen den Dachaufbau ab. Die Eindeckung besteht aus Flachziegeln aus grauem Ton. Die verwendete Holzfaserdämmplatte ersetzt den Windrispenverband, übernimmt also die Aussteifung des Daches. Zudem ist keine Unterspannbahn notwendig, da das Dach durch die Holzfaserdämmplatte bereits regendicht ist.

Das Untergeschoss ist betoniert und gegen die erdberührenden Teile mit extrudierten Polystyrolplatten gedämmt. Die Gründung erfolgte als Flachgründung mit Streifenfundamenten, die individuell optimiert wurden und sich in der Höhe aufgrund der durch die Hanglage bedingten unterschiedlichen Frosttiefen abtreppen. Die Breite der Fundamente liegt bei 50 Zentimetern, die Tiefe bei 40 bis 64 Zentimetern ab Unterkante Bodenplatte.

Der Massivbau aus 30 Zentimeter dicken Porenbetonsteinen kommt ohne zusätzliche Außendämmung aus und unterschreitet die Anforderungen der EnEV um etwa 20 Prozent. Die tragenden Innenwände sind ebenfalls aus Porenbeton gemauert, die nicht tragenden wurden in Trockenbauweise erstellt. Dies sorgt für maximale Flexibilität in der Raumaufteilung. Die Stahlbetondecken wurden geschossweise eingebracht. In einer Vergleichsrechnung konnte der Bauherrschaft dargelegt werden, dass es zum damaligen Zeitpunkt bei einem sehr hohen Stahlpreis günstiger war, die Decke mit 20 Zentimetern Stärke zu dimensionieren und dadurch Bewehrung einzusparen.


Interview

mit Dipl.-Ing. (FH) Christian Fuchs, Partner von INEXarchitektur


Welche architektonischen Entwurfskonzepte und -prinzipien verfolgen Sie bei INEXarchitektur?
Für uns folgt die Form des Gebäudes immer der Funktion. So stehen also immer die Anforderungen des Bauherrn im Mittelpunkt. Gebäude entstehen nicht aus bloßem Selbstzweck. Hierbei versuchen wir eine zeitgemäße Sprache für unsere Bauten zu finden. Neben der wirtschaftlichen Konstruktion – Stichwort ressourcensparendes Bauen – sind uns eine gewisse Flexibilität und niedrige Unterhaltskosten im Sinne von energiesparenden Häusern wichtig.

Inwieweit konnten Sie diese Konzepte auf das Wohnhaus in Kleinsachsenheim übertragen?
Aufgrund des engen Kostenrahmens konnten nicht alle Überlegungen zur effizienten und energiesparenden Haustechnik im ersten Schritt umgesetzt werden. Inzwischen sind jedoch die Kollektoren zur Heizungsunterstützung installiert. Gerne hätten wir noch einen Wasseraufsatz für den Heizkamin im Erdgeschoss vorgesehen, dies war jedoch innerhalb der Budgetvorgaben nicht möglich und kann nun auch nur noch unter großem Aufwand nachgerüstet werden.

Was war das besondere an der Entwurfsaufgabe?
Das Arbeiten im Spannungsfeld zwischen geringem Budget und großem Raumprogramm.

Heutzutage werden beim Bauen ökologische Aspekte, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit zu immer wichtigeren Themen. Waren dies auch Diskussionspunkte beim Bau des Wohnhauses?
Heute sprechen viele von „Green Building“ – zusammen mit unseren Planungspartnern erstellen wir dahingehende innovative Lösungskonzepte. In dem Einfamilienhaus wurde durch den Einsatz langlebiger Materialien (zum Beispiel Edelstahlgeländer) und die Qualität der nicht nachrüstbaren Parameter (zum Beispiel Zellulose-Dämmung zwischen den Sparren) ressourcenschonend und ökologisch gebaut. Durch die Wärmedämmung und das Wärmespeichervermögen des einschaligen Mauerwerks, der zusätzlichen Wärmespeichermassen von Decken- und Treppenhauswänden, sowie den Einsatz von Kollektoren und Photovoltaik entstand ein energieeffizientes Haus, das die Werte der EnEV um circa 20 Prozent unterschreitet.


Heizung und Warmwasserbereitung

Unter dem Dach wurde die Viessmann-Haustechnik, ein Gas-Brennwertkessel für die im ganzen Haus verlegte Fußbodenheizung und ein bivalenter Wasserspeicher zur solaren Heizungsunterstützung, untergebracht. Die ergänzenden Solarkollektoren sowie Photovoltaikelemente wurden zunächst zurückgestellt, konnten inzwischen jedoch auf der nach Süden ausgerichteten und um 36 Grad geneigten Dachfläche nachgerüstet werden.

Die Bauherrschaft entschied sich bei ihrem Neubau, der einen Heizwärmebedarf von 65 kWh/(qma) hat, für das Gas-Brennwert-Wandgerät Vitodens 300-W mit einer Nennwärmeleistung von 19 kW und der Regelung Vitotronic 200. Das Gerät mit einem Wirkungsgrad von 98 Prozent wandelt die eingesetzte Energie praktisch verlustfrei und effizient in Wärme um. Dabei wird selbst den Abgasen der darin enthaltene Wasserdampf durch Kondensation entzogen und die noch verbleibende Restwärme dem Heizkreislauf zugeführt. Die lange Nutzungsdauer des GasBrennwertkessels wird durch die selbstreinigende Inox-Radial-Heizfläche aus Edelstahl Rostfrei garantiert.

Gegenüber konventionellen Pumpen reduziert die drehzahlgeregelte HocheffizienzGleichstrompumpe im Vitodens 300-W den Stromverbrauch um mehr als 50 Prozent. Dank der eingesetzten Verbrennungsregelung Lambda Pro Control ist das Gerät bereits für künftige Standards ausgelegt, da es mit unterschiedlichen Gasarten und zugemischtem Bio-Gas befeuert werden kann. Das Diagnosesystem SMART (Self Monitoring And Reporting Technology) erfasst frühzeitig Abweichungen, macht Wartung und Service planbar und vermeidet Ausfälle sowie unnötige Reparaturkosten.

Autorin: Mirjam Marbach

> Produktinfos Gas-Brennwert-Wandgerät Vitodens 300-W