Airbus – Büro- und Engineering Gebäude



Daten und Fakten

Standort: Am Flugplatz, 88471 Laupheim
Bauherr: Airbus Aircabin GmbH, Am Flugplatz, 88471 Laupheim
Architekt: Nething Generalplaner ulm/Neu-Ulm GmbH, Architekten und Ingenieure, Neu-Ulm
Baujahr/Zeitraum: 2000 - 2002
Planung: November 2000
Baubeginn: Juni 2001
Fertigstellung: Juli 2002

Vergabe: Realisierungswettbewerb

Weitere Informationen
BGF: 8.400 m²
NFL: 1.400 m²
BRI: 30.240 m³
Bauwerkskosten: 7,6 Mio. €

Süderweiterung
Baujahr
Produktionshalle und Energiezentrale: 2002-2003
Materialwirtschaftszentrum (Firma Schmid): 2004 - 2005

Vergabe
Realisierungswettbewerb

Baujahr/Zeitraum
Beauftragung: 01. Oktober 2002
Baubeginn: November 2002
Fertigstellung Produktionshalle und Energiezentrale: Oktober 2003

Weitere Informationen
BGF. ca. 25.000 m²
NFL: ca. 23.000 m²
BRI ca. 195.000 m³

Architekten

Professor Wolfgang Kergaßner
Freier Architekt Diplom Ingenieur BDA
Herzog - Carl - Straße 2
73760 Ostfildern - Scharnhauser Park

Entwurf
Dipl. Ing. FH Markus Christ
Dipl. Ing. FH Joachim Schwegler

Projektleiter/Planung
Dipl. Ing. Wolfgang Kergaßner

Ausschreibung/Objektüberwachung
Dipl. Ing. Wolfgang Kergaßner
Dipl. Ing. FH Markus Christ

Mitarbeiter
Dipl. Ing. FH Markus Christ
Dipl. Ing. FH Matthias Frey
Dipl. Ing. FH Constanze Gräter
Dipl. Ing. FH Julia Petershans
Dipl. Ing. FH Tanja Sattler
Dipl. Ing. FH Joachim Schwegler

Tätigkeitsbereiche
Hochbau, Städtebau, Innenraumgestaltung, Außenanlagen, Messe

Planungsschwerpunkte
Leistungsphasen 1 - 8

Architekten - Süderweiterung

Nething Generalplaner ulm/Neu-Ulm GmbH
Architekten und Ingenieure
Wegenerstraße 7/1
89231 Neu-Ulm
Tel.: 07 31 / 8 00 08 -0
Fax: 07 31 / 8 00 08 -10
www.nething-group.de

Entwurf/Planung/Projektbetreuung
Nething Generalplaner

Projektleiter
Dipl.-Ing. Roland Hüll

Tätigkeitsbereiche
Architektur, Industrieplanung, Innenarchitektur, Stadtplanung, Tragwerksplanung, Haustechnik, Landschaftsplanung, Logistikplanung, Projektentwicklung, Projektsteuerung, Umweltmanagement, Verwertungsplanung

Planungsschwerpunkte
Von der Projektentwicklung über die Projektsteuerung bis hin zur Realisierung und Abrechnung kommen alle Leistungen aus einer Hand.

Bürophilosophie:
Durch interdisziplinäre Teamarbeit und das frühzeitige Einbinden von Fachplanern und Ingenieuren wird ein ganzheitlicher Planungsanatz erarbeitet, der Funktionalität , Wirtschaftlichkeit sowie Nachhaltigkeit und architektonischen Anspruch verbindet. Hohe Qualitätsstandards in der Ausführung werden gleichrangig zum vorgegebenen Termin- und Kostenrahmen behandelt

Fachplaner

Statik
Pfefferkorn Ingenieure
Dipl. Ing. Heinz Steinhilber
Dipl. Ing. Siegfried Aeckerle
Bauernwaldstraße 22
70195 Stuttgart - Botnang

Haustechnik
Schreiber Ingenieure
Gebäudetechnik GmbH
Dipl. Ing. FH Franz Scheible
Königstr. 38
89077 Ulm

Klimakonzept
Transsolar Energietechnik GmbH
Dipl. Ing. Volkmar Bleicher
Goethestr. 28
80336 München

Fachplaner - Süderweiterung

Projektsteuerung/Terminplanung
Nething Generalplaner Ulm/Neu-Ulm GmbH
Architekten und Ingenieure
Wegenerstraße 7/1
89231 Neu-Ulm

Statik
Generalunternehmer Firma Matthäus Schmid, Baltringen mit Nething
Generalplaner Ulm/Neu-Ulm GmbH

Ausführung
Generalunternehmer Firma Matthäus Schmid, Baltringen

Haustechnik
Ingenieurbüro Spleis Heizung Klima Sanitär
Dipl.-Ing. Walter Spleis
Bühler Straße 32
88471 Laupheim

Entwurfsaufgabe

Aircabin ist selbstständige Tochter von EADS Airbus Deutschland und stellt die gesamte Innenausstattung und –verkleidung sowie Belüftungsleitungen für den A 330, A 380 und AX her. In den Jahren 2000 bis 2002 entstanden in der Folge eines gewonnenen Realisierungswettbewerbs nach dem Entwurf von Professor Wolfgang Kergaßner drei neue, sorgfältig durchgeplante Gebäude: ein Bürohaus, eine Pforte und dem Engineering Gebäude, einem Multifunktionsbau, die das Betriebsgelände neu ordnen und von Westen her neu erschließen.

Das Engineering Gebäude musste eine große, stützenfrei überspannte Werkhalle, Empfangs- und Foyerbereich, ein Mitarbeitercasino für 160 Personen und zwei Geschosse Büroflächen mit einem hohen Anteil an Computer-Arbeitsplätzen mit Tageslicht sowie videokonferenztaugliche Besprechungsräume in sich vereinen. Diese unterschiedlichen Anforderungen der Räume führten zu einem raffinierten Tragwerk, das durch seine elegante Optik allerdings die enthaltene Ingenieurs- und Entwurfsleistung in den Hintergrund stellt. Nicht nur hier, sondern im gesamten Bau sind dem Flugzeugdesign verwandte Ideen und Gestaltungsprinzipien eingesetzt. Sonnenschutz und Energieverwaltung sind zeitgemäß und in ihrer Ausführung ebenfalls individuell den jeweiligen Räumen angepasst. Ab 2002 wurde das Gelände um etwa die gleiche Fläche nach Süden erweitert. Auch hier wurde zunächst ein Wettbewerb ausgeschrieben, diesmal unter Generalunternehmern mit einem Architekten ihrer Wahl. Ein Produktionsgebäude und die neue Energiezentrale stehen bereits, ein Materialwirtschaftszentrum befindet sich seit 2004 im Bau.



Projektbeschreibung

Das Betriebsgelände von Aircabin liegt im Südosten von Laupheim, im Industriegebiet am Flugplatz. Rund 20 Gebäude unterschiedlichsten Alters umfasst der Bereich. Im Westen erschließt die neue Pforte das Gelände, unmittelbar nördlich davon sind auf einer Anhöhe das horizontal gelagerte Engineering Gebäude und das vertikal stehende Bürohaus angesiedelt. Während das Bürohaus als reines Bürogebäude mit Kombibüros und offener Gestaltung umgesetzt werden konnte, mussten im Engineering Gebäude diverse Funktionen untergebracht werden, in erster Linie der 500 m² große Mock-up-Bereich, der 1:1-Modelle der Kabinenausstattungen enthält. Statt ihn stützenfrei in einer separaten Halle unterzubringen, hat der Architekt das Volumen ins Hanggeschoss auf Ebene –1 gelegt. Diese Ebene dient zugleich als Eingangsgeschoss und Verbindung zum Bürohaus. Hier liegt auch das Mitarbeitercasino mit Küche und Nebenräumen sowie geschütztem Freibereich unter Bäumen. Durch die Rundumverglasung scheinen die über der Mock-up-Halle liegenden Geschosse zu schweben – zwei Bürogeschosse mit guter Tageslichtversorgung aller Arbeitsplätze in dem 20 m tiefen Gebäude durch große Lichtschütten im Dach sowie Ganzglasfassaden.

Durch den Innenhof ist der Blick bis zu den in der Halle aufgebauten Modellen möglich. Licht und Schatten sowie offene und geschlossene Flächen definieren die Räume in diesem Gebäude. Die Pforte liegt dem Parkplatz gegenüber und begrüßt den Besucher mit einem auskragenden, dynamisch geformten Flugdach von 40 m Länge. Das Dach wurde als Faltwerk und in weißem Stahlbeton ausgeführt. Pförtnerloge und Besucherzugang sind verglast. Hinter der Stützwand für die Böschung befinden sich die Nebenräume der Pforte. Das Gelände wird von einer Erschließungsstraße in west-östlicher Richtung durchzogen. Nachdem die Bebauung auf der Fläche nördlich davon mit dem neuen Eingangsensemble abgeschlossen war, wurde 2002 die Süderweiterung mit einem weiteren Produktionsgebäude für die Innenausstattung des Airbus 380 begonnen. Neben der Produktionsfläche enthält das Gebäude drei Bürogeschosse für 420 Mitarbeiter der Entwicklungsabteilung. Durch die transparente Glastrennwand zwischen Büros und Produktionsstätte ist für direkten Bezug gesorgt. Auch bei diesem Bau ist eine natürliche Belichtung durch zusätzliche Lichtsheds überall gegeben. Mit der Produktionshalle und ihrer großzügigen Erschließung, der neuen Energiezentrale und dem im Bau befindlichen Materialwirtschaftszentrum am Ostrand ist die neue Fläche bereits zu zwei Dritteln ausgelastet.


Baukonstruktion

Tragwerk

Die Kombination aus stützenfrei zu überspannender Halle, darüber liegenden Bürogeschossen und ebenfalls stützenfreier Fassade führte zu einem anspruchsvollen Tragwerk, das die Architekten des Büros Wolfgang Kergassner in Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Ingenieurbüro Pfefferkorn + Partner entwickelten. Die visuelle Wahrnehmung sollte sich auf die Wechselwirkungen zwischen Licht und Schatten, Strukturen und Raum konzentrieren statt auf die Konstruktion. Umgesetzt wurden diese Anforderungen durch zwei zweigeschossige „Lochwandträger“ in der Mittelzone der Bürogeschosse, die auf drei mächtigen und zwei kleineren Stützen durch Eingangs- und Erdgeschoss aufliegen. Diese Stützen stehen auf dicken Fundamentplatten und enthalten auf der Südseite die Spindeltreppe aufs Flachdach, auf der Nordseite und in Gebäudemitte dagegen Stauraum und Leitungsschächte. Ihre aerodynamische Form lässt die Branche des Bauherrn anklingen und die starken Stützen eher entmaterialisiert wirken. Zwei 60 m langen und bis zu 30 m frei spannende „Lochwandträger“ sind das Rückgrat der statischen Konstruktion und kragen auf den Schmalseiten um jeweils 6 Meter über das Sockelgeschoss aus. Die 9,00 m hohen Mehrfeldträger haben Überzüge auf dem Flachdach („Dachdecke“). Je sieben Löcher mit einem Durchmesser von 6,50 Metern mindern das Gewicht der 40 cm starken Wände erheblich. Die Lasten aus Tragkonstruktion und Eigengewicht werden in die Stützen des Eingangsgeschosses geleitet. Gleichzeitig erlauben die Öffnungen die Erschließung der Büroflächen und strukturieren die Räume durch das Wechselspiel von offenen und geschlossenen Wandteilen. Dadurch sind Blickbeziehungen durch das ganze Gebäude möglich. Die Wandträger und die 25 cm starken Decken bilden zusammen ein großräumiges biegesteifes Tragsystem, das durch einen minimalen Verbrauch an Stahl und Beton gekennzeichnet ist. Für eine nahezu rissfreie Oberfläche des Sichtbetons wurden Spannglieder eingelegt, die dem Verlauf der Zugtrajektoren um die Löcher herum folgen. Zwischen den Öffnungen müssen die schmalen Stege hohe Schubkräfte aufnehmen. Stahleinbauteile verstärken die Bewehrung. Durch die große Menge an eingelegtem Stahl und sich kreuzenden Vorspannkabeln war der Einsatz von selbstverdichtendem Beton notwendig. Dieser auch „leiser Beton“ genannte Werkstoff ist durch Zusätze und ein besondere Mischung außerordentlich fließfähig, so dass er nicht mehr gerüttelt werden muss, sich nicht entmischt und keine Kiesnester bildet. Das nahezu quadratische Produktionsgebäude mit 16.000 qm Grundfläche besteht aus 3 „Schiffen“, die mit frei tragenden Stahl-Fachwerksträgern von jeweils 40 m überspannt werden. Dadurch und durch die Platzierung mit ausreichend Abstand zu den Grundstückgrenzen und nächsten Gebäuden ist das Gebäude nach zwei Seiten hin erweiterbar.

Fassade

Seine schwebende Wirkung bezieht der horizontale Baukörper durch die Auskragungen der Obergeschosse und die großflächige Komplettverglasung des Sockelgeschosses, die nur durch die beiden dicken Stützen unterbrochen ist, auf denen der Lochwandträger ruht. Auch in den oberen beiden Geschossen ist die Fassade fast gänzlich verglast, mit einer kleineren Aufteilung der Scheiben. Nur im Süden fasst eine Betonklammer die beiden Bürogeschosse, hinter der Sondernutzungen untergebracht sind. Obwohl Öffnungsflügel wünschenswert gewesen wären, wurde entschieden, aufgrund eines benachbarten Schweinemastbetriebes lediglich Fluchtöffnungen in der Fassade einzuplanen und den Luftaustausch kontrolliert stattfinden zu lassen. Damit kombiniert wurden zum Teil innen liegende, zum Teil im Scheibenzwischenraum angeordnete Verschattungselemente sowie unterschiedliche Sonnenschutzgläser Sonnenschutz und Lüftung sind im Engineering Gebäude Teil eines integrierten, auf Langfristigkeit angelegten Konzeptes für wirtschaftliches, Energie und Kosten sparendes Gebäudemanagement. Aufgrund der Windbelastung auf dem Gelände kam ein außen angebrachter Sonnenschutz nicht in Frage. Daher wurde auf der West-, Nord- und Ostseite ein innen liegender Sonnenschutz eingesetzt, kombiniert mit Sonnenschutzgläsern 66/33 in neutraler Färbung. Diese lassen zwar 66 % des Tageslichts ins Gebäudeinnere, aber nur 33 % der Gesamtenergie. Innen liegen vertikale, drehbare Lamellen aus Aluminium. Die linsenartig geformten Elemente sind im Kern wärmegedämmt, damit die Wärme von der der Fassade zugewandten Seite nicht ins Gebäudeinnere dringt. Gleichzeitig wird der Zwischenraum zwischen Lamellen und Fassade durch die allgemeine Raumabluft hinterlüftet und die aufgeheizte Luft durch Abluftöffnungen darüber abtransportiert. Auf der Raumseite sind die Lamellen mit einer akustisch wirksamen Lochung versehen. Dies führte dazu, dass die Betondecken frei von Akustikelementen bleiben und so in die Raumklimatisierung einbezogen werden konnten. Die Fenster in der Südfassade des Engineering Gebäudes bieten einen schönen Ausblick auf die Alpen und bekamen daher einen verfahrbaren Sonnenschutz im Scheibenzwischenraum. Softcoatingschichten auf der Innenscheibe sorgen in Kombination mit 80 % der Energie reflektierenden Lamellen für Gesamt-g- Werte wie bei konventionellen Fenstern mit außen liegendem Sonnenschutz. Damit die Vertikaljalousien nicht die Beschichtung zerkratzen, wurde ein schmaler Abstandshalter dazwischen gesetzt, außerdem steht der Scheibenzwischenraum unter leichtem Überdruck. Die Fassade der neuen Produktionshalle in der Süderweiterung enthält ebenfalls große Glasflächen. Hier wurde blaues Sonnenschutzglas in einer Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Aluminium gewählt. Außerdem ist ein Großteil der Verglasung wegen des benachbarten Militärflughafens in radarabschirmendem Spezialglas ausgeführt. Die Glasfassade fasst auf der Westseite drei Betonrahmen für die Zufahrtstore, die auf der Ostseite ihre Entsprechung finden. In dieser bis auf ein verhältnismäßig schmales, durchgehendes Fensterband geschlossenen Fassade sind einige Fenster als Senkklappfenster ausgeführt.


Interview

mit Prof. Dipl.-Ing. Wolfgang Kergaßner


Das Engineering Gebäude sieht unspektakulär aus, obwohl so viele
Neues und viel Entwicklungsarbeit darin stecken. Warum wollten Sie diese nicht in den Vordergrund stellen?
Es war nie die Absicht des Auftraggebers, ein spektakuläres Gebäude zu entwerfen. Das Gebäudeensemble aus einem liegenden und einem stehenden Körper fügt sich in die logische Struktur des Firmenareals ein. Es war immer Ziel, ein angemessenes, klar strukturiertes Gebäude zu entwerfen. Der „schwebende“ Eindruck wird u.a. durch die sehr großen, unterzugslosen Auskragungen erzeugt. Der Obergeschoßkörper ruht auf wenigen Punkten. Die Mühe, die hinter diesem Eindruck steckt wird nicht sichtbar, drängt sich nicht auf. Die innenliegenden Sonnenschutzlamellen disziplinieren und unterstützen den angestrebten ganzheitlichen Eindruck.

Sie betonen das kostengünstige, Material sparende Bauen. Warum haben Sie sich dann auf die aufwendige Entwicklung des Lochwandträgers eingelassen?
Diese Entwicklung fand im Bereich der Optimierung des Tragsystems statt. Die Höhenvorgaben der großen Mock-up-Halle und die Höhenbegrenzung durch die Lage des Gebäudes in der Einflugschneise des Militärflugplatzes Laupheim bestimmte die maximal zur Verfügung stehenden Höhe des Tragwerks. Beim Konstruieren mit Stahlbeton werden diese Anforderungen üblicherweise mit einem Vierendeelträger mit sehr technisch wirkenden achteckigen Aussparungen gelöst. Es liegt nahe, das Achteck weiter zu transformieren, und so kommen Sie leicht zum Kreis. Es war sozusagen die Ästhetisierung eines technischen Zwangs. Zudem stecken große Gebäudeteile in der Erde, was sich kostengünstig auswirkt.

War bei der Gestaltung der Gebäude das Einbinden von optischen und konstruktiven Parallelen zum Flugzeugbau vom Bauherrn gewünscht?
Das interpretieren einige Leute beim Begehen des Hauses. Das war aber nie so beabsichtigt und wir sehen das auch nicht so. Wir wollten lediglich unsere Aufgabe erfüllen und Arbeitsplätze mit einer Anmutungsqualität und einer eigenen Identität erzeugen. Das ist uns auch gelungen.

Was bedeutet der Niedrigenergiehausstandard für ein Industriegebäude?
Das Gleiche wie für ein Wohnhaus: Der Energieverbrauch pro Quadratmeter wird maximal begrenzt. Um das zu erreichen, müssen Sie das Gebäude sehr warm einpacken und eine entsprechende Verglasung auswählen. Wir nutzen die Abwärme von Personen und Geräten und aktivieren vor allem die Betonmasse des Baukörpers, um Temperaturspitzen oder -senken zu puffern. Unterstützt wird das gesamte Konzept durch einen bauseitig vorhandenen Erdkanal, den wir im System integriert und aktiviert haben.

Was gefällt Ihnen selbst an dem Engineering Gebäude am besten?
Dass es von den Mitarbeitern so gut und selbstverständlich angenommen worden ist. Die Tageslichtqualität an den Arbeitsplätzen, die positive Lichtstimmung durch Oberlichter und verbindende Lufträume erzeugen eine sehr qualitätvolle Arbeitsplatzatmosphäre. Das Ziel, gute Arbeitsplätze zu bauen, das geforderte Programm innerhalb der Kostenvorgabe abzuarbeiten, wurde erreicht.


Sonnenschutz

Sonnenschutz und Lüftung sind im Engineering Gebäude Teil eines integrierten, auf Langfristigkeit angelegten Konzeptes, das für wirtschaftliches, Energie und Kosten sparendes Gebäudemanagement sorgt. Aufgrund der Windbelastung auf dem Gelände musste von einem außen liegenden Sonnenschutz abgesehen werden. Daher wurde auf der West-, Nord- und Ostseite ein innen liegender Sonnenschutz eingesetzt, kombiniert mit Sonnenschutzgläsern 66/33 in neutraler Färbung. Diese lassen zwar 66 % des Tageslichts ins Gebäudeinnere, aber nur 33 % der Gesamtenergie. Innen liegen vertikale, drehbare Lamellen aus Aluminium. Die linsenartig geformten Lamellen sind im Kern wärmegedämmt, damit die Wärme von der der Fassade zugewandten Seite nicht ins Gebäudeinnere dringt. Gleichzeitig wird der Zwischenraum zwischen Lamellen und Fassade durch die allgemeine Raumabluft hinterlüftet. Damit wird die aufgeheizte Luft über das Abluftsystem abtransportiert. Auf der Raumseite sind die Lamellen mit einer akustisch wirksamen Lochung versehen. Dies führte dazu, dass die Decken frei von Akustikelementen bleiben und so in die Raumklimatisierung einbezogen werden konnten.

Die Fenster in der Südfassade des Engineering Gebäudes bieten einen schönen Ausblick auf die Alpen und bekamen daher einen verfahrbaren Sonnenschutz im Scheibenzwischenraum. Softcoatingschichten auf der Innenscheibe sorgen in Kombination mit 80 % der Energie reflektierenden Lamellen für Gesamt-g-Werte wie bei konventionellen Fenstern mit außen liegendem Sonnenschutz. Damit die Vertikaljalousien nicht die Beschichtung zerkratzen, wurde ein Abstandshalter dazwischen gesetzt, außerdem steht der Scheibenzwischenraum unter leichtem Überdruck.  Die Fassade der neuen Produktionshalle in der Süderweiterung enthält ebenfalls große Glasflächen. Hier wurde blaues Sonnenschutzglas in einer Pfosten Riegel-Konstruktion aus Aluminium gewählt. Außerdem ist ein Großteil der Verglasung wegen des benachbarten Militärflughafens in radarabschirmendem Spezialglas ausgeführt. Die Glasfassade fasst auf der Westseite drei Betonrahmen für die Zufahrtstore, die auf der Ostseite ihre Entsprechung finden. In dieser bis auf ein verhältnismäßig schmales, durchgehendes Fensterband geschlossenen Fassade sind einige Fenster als Senkklappfenster ausgeführt.

Heizung/Klima

Hauptansätze für das im Jahr 2000 geplante Energiekonzept waren die Einhaltung des Niedrigenergiehaus-Standards und die Erfüllung der EnEV. Umgesetzt wurden diese Vorgaben unter anderem durch Betonkernaktivierung zur Heizung und Kühlung, den Einsatz von Erdwärmetauschern zur jahreszeitlich unabhängigen Temperierung der Zuluft auf 8 bis 10 Grad.

Die Raumklimatisierung des Engineering Gebäudes erfolgt über angesaugte Luft durch bereits vor Errichtung des neuen Baus vorhandene, nur teilweise genutzte Röhren von 2 m Durchmesser. Über 150 m Länge haben die Betonrohre mit ihrem großen Umfang auf einer großen Fläche Erdkontakt und können Küche und Büroräume mit etwa 30.000 m³/h vorgewärmter bzw. vorgekühlter Luft versorgen.

In den Büroräumen wird die Frischluft über druckbelüftete Hohlraumböden verteilt. Die Modellhalle wird ebenfalls aus dem Erdkanal mit Frischluft gespeist, ein einfacher Luftwechsel ist ausreichend. Als Heizung sind kurzfristig regulierbare Deckenstrahlplatten eingebaut. Durch die direkte Wärmestrahlung der Platten kann die allgemeine Raumtemperatur niedriger gehalten werden, entsprechend reduzieren sich die Energiekosten.

Die Decken des Engineering Gebäudes sind massiv in Beton ausgeführt und für die Bauteiltemperierung ausgestattet. Angeschlossen sind die Rohre an ein Rückkühlwerk, das in erster Linie nachts im Sommer den Decken die tagsüber aufgenommene Wärme entzieht. Dadurch ist es möglich, auf mechanische Klimatisierung zu verzichten. Im Winter wird die Betonkernaktivierung als Flächenheizung eingesetzt, allerdings aufgrund ihrer Trägheit nur als Grunderwärmung. Für die Regelung der einzelnen Räume sind zusätzliche Heizkörper eingebaut. In den Konferenzräumen und den Bereichen auf der Südseite, die einen sehr hohen Anspruch an den Luftkomfort haben, wurde eine mechanische Klimatisierung ergänzt.

Die Klimatisierung der Produktionshalle in der Süderweiterung war ein wichtiger Aspekt in der Haustechnikplanung für diesen Bereich. Der verarbeitete Kunststoff mit seiner Prozess- und Fertigungstechnik erfordert eine stete Raumtemperatur von 23°C +/- 2K und 50 % relative Feuchte sowie einen Außenluftanteil von 100 %. Daher wurde ein Kreislaufverbundsystem mit 73 % Rückgewinnung von Wärme und Kälte eingesetzt. Es wärmt im Winter die Außenluft vor und kühlt sie im Sommer über einen Wärmetauscher, der die durch den Verdunstungseffekt erzeugte Kälte in der Fortluft nutzt. Ergänzend zu den eingesetzten vier Zu- und Abluftgeräten, die die Halle mit 340.000 m³/h Luft versorgen, sind Ventilatoren eingesetzt, die entsprechend dem tatsächlichen Bedarf geregelt werden können. Dadurch ergibt sich eine Energieeinsparung von 500.000 kWh pro Jahr, etwa 20 % gegenüber Standardlösungen. Sämtliche Lüftungseinrichtungen der großen Halle sind in einem Aufbau auf dem Dach installiert. Die Lage der Büroräume nach Norden beruht einerseits auf der besseren Anbindung der hier Beschäftigten zum Zentrum der Anlage, andererseits kann damit der Aufwand für die Raumklimatisierung gesenkt werden. Diese findet in den innen liegenden Bereichen konventionell über ein von der Hallenlüftung unabhängiges Gerät statt. Auf vorgekühlte Luft wurde verzichtet. Die Heizung erfolgt über Radiavektoren, die an die Versorgung durch die Energiezentrale angeschlossen sind.

Die Raumlufttechnik des Materialwirtschaftszentrum gestaltet sich reduziert: Da sich hier lediglich das Lager befindet, kann auf Klimatisierung verzichtet werden. Geheizt wird wie in der Mock-up-Halle des Engineering Gebäudes mit wirtschaftlichen Deckenstrahlplatten. Die neue Energiezentrale ist im Zuge der Süderweiterung entstanden und wird in Zukunft das Gelände komplett mit Warmwasser zur Gebäudeheizung versorgen. Deshalb ist sie erst zur Hälfte ausgelastet: mit zwei Niedertemperaturkesseln Viesmann Vitomax 200 M mit je 2.250 kW Nennleistung.

Für eine Energie sparende und effektive Versorgung der Gebäude in der Süderweiterung wurden die Gas-Dreizugkessel Viesmann Vitomax 200 M 241 ausgewählt, die sich durch niedrige Abgastemperaturen und schadstoffarme Verbrennung auszeichnen. Ein Mindest-Heizwasservolumenstrom ist bei diesem Kesseltyp nicht erforderlich. Zusätzlich sorgt die volumenstromabhängige Regelung durch die Viessmann Vitotronic 100 GG1 über drehzahlvariable Pumpen für hohe Normwirkungsgrade. Dadurch ergeben sich ein niedrigerer Gasverbrauch und reduzierte Brennerstarts, was wiederum zu Energieeinsparung und geringeren Emissionen führt. Dieses preisgünstige Regelungsgerät ist an einen Speichertemperatursensor angeschlossen und begrenzt die Wassertemperatur auf 75 bzw. 87 °C. Die Speichertemperaturregelung ist mit Vorrangschaltung versehen. Ein Diagnosesystem in der Vitotronic stellt eine reibungslose, sparsame Versorgung sicher.

> Produktinfos Vitomax Niederdruck-Heißwassererzeuger