Nachtabsenkung bei einer Heizung aktivieren

Die Nachtabsenkung ist eine Methode, die Heizleistung zu einem bestimmten Zeitpunkt zu reduzieren. Im Fachjargon wird sie deshalb auch reduzierter Betrieb genannt. Denn realisieren lässt sich die Nachtabsenkung auch tagsüber, was dann korrekterweise Tagabsenkung heißen würde. Einzustellen ist die Nachtabsenkung direkt an der Heizungsregelung, in der Regel unter dem Punkt “Zeitprogramm”. Wer hierzu keinen Zugang hat, kann die Heizleistung des Wärmeerzeugers entweder händisch oder über programmierbare Thermostate steuern - allerdings nur indirekt. Denn mit der Änderung des Thermostats wird lediglich die Durchflussmenge des Heizwassers gesteuert, nicht jedoch die eigentliche Heizleistung des Wärmeerzeugers.


Die Nachtabsenkung im Detail

Mit der Aktivierung der Nachtabsenkung nehmen Anlagenbesitzer direkten Einfluss auf die Heizkurve, auch Heizkennlinie genannt. Hierbei verschieben sie die Raum-Solltemperaturen nach unten, sodass der Wärmeerzeuger weniger heizt. Konkret bedeutet das, dass in der ausgewählten Zeit des reduzierten Betriebs weniger geheizt wird als zum Rest des Tages. Wie die Heizkennlinie funktioniert, lesen Sie im Ratgebertext zum Thema “Heizkurve einstellen

Aufteilung in mehrere Zeitphasen

Damit die Nachtabsenkung funktioniert, muss der Heizbetrieb in mehrere Abschnitte, sogenannte Zeitphasen aufgeteilt werden. Je nach Heizsystem lassen sich bis zu acht Zeitphasen auswählen. Neben der Raumbeheizung lassen sich auch (sofern vorhanden) für die Warmwasserbereitung sowie für die Trinkwasserzirkulationspumpe Zeitprogramme einstellen.

Ein Beispiel mit vier Zeitphasen:

● Zeitphase 1: 06:45 bis 12:15 Uhr mit normaler Raumtemperatur (circa 20 Grad Celsius)
● Zeitphase 2: 13: 00 bis 18: 00 Uhr mit reduzierter Raumtemperatur (circa 16 Grad Celsius)
● Zeitphase 3: 18:15 bis 22:15 Uhr mit normaler Raumtemperatur
● Zeitphase 4: 22:15 bis 06:30 Uhr mit reduzierter Raumtemperatur

Wichtig: Zwischen den Zeitphasen erfolgt die Raumbeheizung in der Regel mit reduzierter Temperatur. Bei Wärmepumpen kann es hier allerdings zu Abweichungen kommen. Wie sich Ihr Heizsystem zwischen den Zeitphasen verhält, entnehmen Sie bitte der mitgelieferten Bedienungsanleitung.


Vor- und Nachteile einer Nachtabsenkung

Mit der temporären Reduzierung der Heizleistung können Anlagenbesitzer theoretisch Heizkosten sparen. Allerdings nur theoretisch. Denn in der Praxis hängt die mögliche Ersparnis von vielen Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem der energetische Zustand des betreffenden Gebäudes sowie die Art des Heizkörpers und des Heizsystems.

Gebäude reagieren unterschiedlich auf Nachtabsenkung

Ein energetisch gut gedämmtes Haus reagiert aufgrund seiner thermischen Speichermasse sehr träge, indem es nur langsam Wärme verliert. Wird die Nachtabsenkung beispielsweise um 21 Uhr aktiviert, ist die Wirkung in der Regel erst einige Stunden später spürbar. In einigen Fällen sogar am folgenden Morgen. Unsanierte Bauten kühlen im Vergleich dazu viel schneller aus, wodurch das theoretische Einsparpotenzial einer Nachtabsenkung sinkt. Gleichzeitig müssen die Räume am folgenden Tag wieder aufgeheizt werden. Im Optimalfall ist die durch die Nachtabsenkung eingesparte Energiemenge größer als jene, die zum Aufheizen der Räume benötigt wird. Das Gegenteil kann aber genauso auftreten.

Grundsätzlich gilt: Gebäude haben unterschiedliche Speichermassen und somit unterschiedliche Zeitintervalle. Bei der Aktivierung der Nachtabsenkung darf dieser Faktor nicht außer Acht gelassen werden.

Nicht jede Systemkombination eignet sich für die Nachtabsenkung

Ein weiterer Einflussfaktor bei der Nachtabsenkung ist das verwendete Heizsystem mit den dazugehörigen Heizkörpern. Öl- und Gaskessel können Räume innerhalb kurzer Zeit auf die Wunschtemperatur aufheizen. Allerdings benötigen sie dafür hohe Vorlauftemperaturen und somit viel Energie. Wärmepumpen kommen zwar mit niedrigen Vorlauftemperaturen aus. Sie sind im Vergleich zu Gas- und Ölheizungen aber träge und brauchen lange Vorlaufzeit. Das gilt auch für die Fußbodenheizung, die eigentlich keine Heizung ist, sondern ein großflächiger Heizkörper. Sie nimmt Wärme nur langsam auf und gibt diese auch dann an die Räume ab, wenn die Nachtabsenkung bereits aktiviert ist. Ob Anlagenbesitzer mit einer Nachtabsenkung wirklich Energie sparen, lässt sich nur individuell beantworten.

Mindesttemperatur darf nicht unterschritten werden

Für den Fall, dass die Nachtabsenkung den gewünschten Erfolg bringt: Übertreiben sollten Anlagenbesitzer es trotzdem nicht. Denn auf keinen Fall darf die Temperatur für eine längere Zeit die Grenze von 15 bis 16 Grad Celsius unterschreiten. Denn dann steigt die Gefahr, dass sich die Luftfeuchtigkeit an den kalten Wänden niederschlägt. Kritische Stellen wie Raumecken können schnell feucht werden und bieten dadurch den optimalen Nährboden für Schimmel.


So aktivieren Sie die Nachtabsenkung

Wer sich über die Vor- und Nachteile einer Absenkung bewusst ist, kann mit der Aktivierung der Nachtabsenkung der Heizung starten. Die Funktion ist bei fast allen Heizsystemen von Viessmann vorinstalliert.

Das Bild zeigt das Menü "Zeitprogramm Heizung" am Beispiel einer Vitotronic Regelung

Der Weg vom Hauptmenü zum Punkt “Zeitprogramm” kann je nach Regelung unterschiedlich aussehen. In der Regel gelangen Sie zum Zeitprogramm über “Menü” → “Heizung” → “Heizkreis” → “Zeitprogramm”. Die korrekte Vorgehensweise entnehmen Sie bitte der mitgelieferten Bedienungsanleitung.

> Bedienungsanleitung zum Download

Heizungsfachmann hilft bei der Einstellung

Wenn Sie bei der Einstellung der Nachtabsenkung unsicher sind, können Sie einen Heizungsbauer konsultieren. Mit unserer Fachpartner-vor-Ort-Suche finden Sie mit nur ein paar Klicks einen passenden Heizungsbauer in Ihrer Umgebung. Alternativ können Sie Ihre Frage in der Viessmann Community stellen.