Universitätsbiliothek in Bamberg



Daten und Fakten

Standort: Altstadt Bamberg, Areal Burgershof, Heumarkt 2
Bauherr: Staatliches Hochbauamt Bamberg, Kasernstraße 4, 96049 Bamberg
Architekt: Gerhardt Meyer, Dipl.-Ing. Architekt BDA und Klaus Seebe+, Architekt VFA, Bayreuth
Baujahr/Zeitraum: 2001 - 2004

Fläche: ca. 3100 m²
Rauminhalt: 15.000 m³
Kosten: 18 Mio. EURO

Auszeichnungen:
1. Preis Architektenwettbewerb
 

Architekten

Gerhardt Meyer, Dipl.-Ing. Architekt BDA und Klaus Seebe, Architekt VFA
Mosinger Straße 7
95445 Bayreuth
Tel.: 09 21 / 74 50 – 0
Fax: 09 21 / 74 50 – 50

Projektarchitekten
Frau Bittrich, Dipl.-Ing. Architektin

Projektmitarbeiter
Frau Schmidek, Dipl.-Ing. (FH) Innenarchitektin Frau Lemke, Bauzeichnerin

Tätigkeitsbereiche
Leistungsphasen 1 bis 9, Denkmalpflege, ökologisches Bauen, Wettbewerbe

Planungsschwerpunkte
Dienstleistungsbauten, Gesundheitswesen/Sozialeinrichtungen, Hotels/Gaststätten/Touristik, Industriebau, Kulturbauten, Schulen/Kindergärten, Sport/Freizeitanlagen, Staatliche/Kommunale Bauten, Verkehrsbauten/Planung, Wissenschaft/Forschung, Wohnbauten

Bürophilosophie:
Jeder Aufgabe die ihr eigene Lösung.

Fachplaner

Tragwerksplanung
Ingenieurbüro Adolf u. Manfred Gumtow
Carl-Schüller-Str. 54
95444 Bayreuth

Heizung-/Sanitärtechnik
Ingenieurbüro Karl Müller GmbH
Nürnberger Str. 100
95448 Bayreuth

Elektrotechnik
Ingenieurbüro Josef Burghart
Ottilienstraße 5
90461 Nürnberg

Entwurfsaufgabe

Bereits 1981 wurde ein Architektenwettbewerb für den Neubau des Bibliotheksgebäudes für Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Bamberg durchgeführt. Die Bayreuther Architekten Gerhardt Meyer und Klaus Seebe+ konnten bereits hier den ersten Platz für sich erzielen, berücksichtigten jedoch nicht den Erhalt der denkmalgeschützten Bereiche, die damals noch zur Disposition standen. Nachdem der Neubau nicht realisiert wurde und die Altstadt Bamberg im Jahre 1993 zum Weltkulturerbe erklärt wurde, fand 1996 ein erneuter Wettbewerb mit den ersten fünf platzierten Architekten des damaligen Wettbewerbs statt. Die denkmalgeschützten Bauwerke sollten nun erhalten und integriert werden. Ein Raumprogramm war zwar vorgeschrieben, die Auswahl der Materialien sowie die Architekturgestaltung stand den Architekten jedoch völlig frei.



Projektbeschreibung

Nach fast 23 Jahren Planung eröffnete die Universität Bamberg im Frühjahr 2004 den Neubau des Bibliotheksgebäudes für Sprach- und Literaturwissenschaften im Burgershof in der Bamberger Altstadt.

Inmitten der historischen Umgebung schufen die Bayreuther Architekten Gerhardt Meyer und Klaus Seebe+ einen fast völlig verglasten kompakten Baukörper. Der neue Bibliotheksbau ermöglicht die Freihandaufstellung größerer Buchbestandteile und bietet Raum für Magazinbestände. Die offene und transparente Architektur sorgt für fließende Übergänge zwischen innen und außen. Eine Grenz- / Brandwand aus Stahlbetonbildet das Rückgrat und Integrationselement der Bildungsstätte. Die Funktionsflächen sind an diesem Rückgrat angeschlossen. Der neue Baukörper und die Grenz-/Brandwand sind durch ein schräg liegendes Glasdach miteinander verbunden und definieren eine zweigeschossige Eingangs- und Erschließungszone. Im ersten Bauabschnitt wurde der Baukörper im Süden um zwei Ebenen erweitert: ausgestattet mit großflächigen Freihandbereichen mit Lese- und Arbeitsplätzen.

Eine nach oben offene rund 12 m² große „Glasbox“, der so genannte „Scannerraum“ neben der Ausleihtheke, soll zukünftig dazu dienen, wichtige technische Geräte und Bücher, die nur unter Aufsicht gelesen werden dürfen, unterzubringen. Die Transparenz sorgt auch hier für einen fließenden Übergang. Um auch zwischen den Gebäuden nahtlose Übergänge zu schaffen, wurde der Neubau im ersten Obergeschoss mit dem bestehenden Gebäude am Heumarkt 2 verbunden. Zwei weitere Stege werden zukünftig den geplanten weiteren Bauabschnitt mit dem Neubau im ersten Obergeschoss verbinden. Das Kompaktmagazin und Räume für Technik befinden sich im Untergeschoss des Bibliothekgebäudes. Insgesamt gibt es zirka 480.000 Buchbände, die in der Bibliothek ihren Platz finden. Davon befindet sich nur rund ein Viertel im Freihandbereich.

Die rechts neben dem neuen Baukörper gelegene denkmalgeschützte Remise und das nördlich angrenzende und ebenfalls denkmalgeschützte Gebäude Heumarkt 2 wurde im Rahmen der Neubaumaßnahme ebenfalls von den Architekten umgebaut beziehungsweise saniert. Im Gebäude Heumarkt 2 sind Sonderräume wie Verwaltung, Räume für Zeitschriften und Tageszeitungen sowie eine Garderobe angeordnet. Im ersten Obergeschoss befindet sich ein Mehrzweckraum, der durch flexible Trennwandelemente geteilt werden kann. Die denkmalgeschützte Remise wird weiterhin als Nebengebäude genutzt. Die Freihandbereiche und Leseplätze des geplanten zweiten Bauabschnittes befinden sich auf drei Ebenen in der nördlichen riegelartigen Erweiterung entlang der Stangstraße. Auch hier ist eine Glasdachzäsur zwischen Grenz-/ Brandwand und dem Bauteil des zweiten Bauabschnittes vorgesehen. Durch die fast völlig verglasten Baukörper wird in den Übergangs- und Wintermonaten eine passive Sonneneinstrahlung ermöglicht. Die Verschattungselemente aus Wärmeschutzglas vor der transparenten umlaufenden Glasfassade dienen im Sommer als Sonnenschutz und sorgen im Winter dafür, dass die Wärme im Gebäude gehalten wird.

Ein begrüntes Dach bietet im Sommer zusätzlichen Schutz vor Wärme. Die Beherrschbarkeit der Temperaturen durch Verschattungstechniken sowie die inneren Speichermassen stehen im Einklang mit den Forderungen des Schallschutzes. Nachdem es im Bereich der Freihandbibliothek weniger auf eine gute Verständlichkeit, als vielmehr um eine hohe Schalldämpfung ankommt, wurde als Bodenbelag Schlingenware gewählt. Vertikal hängende Schallabsorptionsflächen sind vor allem in den Verkehrsflächen vorgesehen. Um nicht mit der Farbvielfalt der Bücher zu konkurrieren, wurde ein Farbkonzept mit zurückhaltenden Tönen in Silbergrau, Grau und Silber ausgewählt. Auch die Brand-/Grenzwand zeigt sich in ihrem Mantel aus Stahlbeton in diesem Ton. Doch nicht nur das Gebäude wurde neu konzipiert. Auch die technische Ausstattung sollte verbessert werden. Den Nutzern stehen nun zahlreiche, hauptsächlich an den Außenfassaden angeordnete Arbeitsplätze mit Netzwerkanschluss zur Verfügung; ebenso Stehpulte für kürzere Recherchen. Im angeschlossenem Gebäude Heumarkt 2 befinden sich darüber hinaus noch weitere Gruppen- und Einzelarbeitsräume.


Baukonstruktion

Tragwerk

Der Neubau wurde in den Untergeschossen als Schutz gegen betonschädigendes Wasser in einer „schwarzen Wanne“ errichtet. Als Schutzüberzug wurde hierfür Bitumen verwendet. Die ab Erdgeschoss beginnende rund 35 m lange und im Mittel zirka 12 m hohe Grenz-/Brandwand aus Stahlbeton wurde der oberen Länge nach gezackt und abgestuft gestaltet. Die Wand selbst erhält ihre Stabilität durch die Stege, die zwischen dem Baukörper des ersten Bauabschnittes und der Grenz-/Brandwand gespannt sind. Die Stege sind aus einer Stahlkonstruktion gefertigt, durch Träger in der 22 cm starken Stahlbetongeschossdecke des ersten Obergeschosses verankert und halten somit die Grenz-/Brandwand. Das Gebäude ist in der zweigeschossigen Eingangs- und Erschließungszone durch eine einläufige Treppe als Stahlkonstruktion mit Holzauftritten aus kanadischem Ahorn erschlossen. Das darüber liegende Glasdach verbindet den Baukörper mit der Stahlbetonwand. Das Glasdach wurde in einer Pfosten-Riegel-Konstruktion aus eloxiertem und gebürstetem Stahl mit Wärmeschutzverglasung ausgeführt und gemäß Statik angeschlossen. Stahlstützen, die am Rand des Baukörpers und der Erschließungszone stehen, tragen das 27° geneigte und zur Grenz- /Brandwand ansteigende Glasdach.

Fassade

Die umlaufende Glasfassade ist ebenfalls in der Pfosten-Riegel-Konstruktion wie das Glasdach ausgeführt. Die Glaselemente sind geschosshoch und zwei Meter breit. Die transparente verglaste Fassade bietet nicht nur Ein- und Ausblicke: Außen liegende Verschattungsanlage mit verstellbaren Lamellen aus Sonnenschutzglas im Freihandbereich können so gestellt werden, dass je nach Tageslichteinfall die in Fensternähe befindlichen Arbeits- und Leseplätze nicht direkt belichtet werden, jedoch Diffuslicht an die Decke geworfen wird, so dass auf eine elektrische Beleuchtung tagsüber verzichtet werden kann. Die Freihandbereiche selbst werden durch Nierenröhren, die mit Aluminiumspiralen gegen die Blendwirkung verkleidet sind, beleuchtet. Besonders viel Wert wurde im Neubau des Bibliotheksgebäudes auch auf eine sehr gute Schalldämpfung gelegt: Vertikal hängende Schallabsorptionsflächen sind vor allem in den Verkehrsflächen vorgesehen. Aufgrund des Flächengewichts von 500 kg/m² der Stahlbetonwand und der Stahlbetongeschossdecken konnte aus schalltechnischer Sicht auf einen schwimmenden Estrich und abgehängte Decken verzichtet werden. Das wiederum optimierte aus bauthermischer Sicht das Ankoppeln der Stahlbetondecken.


Interview

mit Dipl.-Ing. Gerhardt Meyer, Architekt BDA, Architekten Meyer & Partner


Welche Herausforderung hat Sie an Ihrem Entwurf besonders
angesprochen?
Das zeitgemäße Bauen in historischer Umgebung.

Welche Idee steckt hinter ihrem Entwurfskonzept? Was hat Sie dazu bewogen, den Bibliotheksneubau mit viel Glas zu gestalten?
Die Idee war, eine offene und transparente Architektur auch für einen „Büchercontainer“ zu schaffen – einen „Büchercontainer“ mit Ausblicken, Einblicken, Durchblicken, Weitblicken und Rückblicken.

In welcher Phase wurde das Energie- und Klimakonzept der Bibliothek entwickelt?
Das vorgeschlagene und realisierte Energie- und Klimakonzept wurde bereits in der Vorentwurfsphase entwickelt und hatte maßgeblichen Einfluss auf das Planungskonzept.

Wie sind Sie mit den denkmalgeschützten Baukörpern umgegangen?
Das Bestandsgebäude am Heumarkt 2 wurde im Wesentlichen soweit als möglich in der Bausubstanz erhalten. Ein Gebäudeteil minderer Qualität, das sich in Richtung Neubau erstreckte, wurde jedoch entfernt. Das zweite denkmalgeschützte Gebäude, die Remise, war immer ein Nebengebäude, wurde auch so von uns behandelt und ist somit auch weiterhin ein Nebengebäude. Deshalb fanden hier keine wesentlichen Eingriffe statt. Es wurde lediglich im Bereich der verbrauchten Bauteile wie befallenes Holz und marode Dacheindeckungen saniert.


Heizung/Lüftung/Klima

Die Nutzung regenerativer Energien gewinnt immer mehr an Bedeutung. Das Umweltbewusstsein steigt und natürliche Ressourcen stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Auch der Neubau des Bibliotheksgebäudes der Universität Bamberg stellt sich dieser verantwortungsvollen Herausforderung: Durch die fast völlig verglasten Baukörper wird in den Übergangs- und Wintermonaten eine passive Sonneneinstrahlung ermöglicht. Dadurch wird eine relativ niedrige Energiekennzahl für die Heizung erreicht. Andererseits verursacht dieses Konzept jedoch in den Sommermonaten eine Aufheizung der Nutzflächen. Dieses Problem wurde durch verschiedene Maßnahmen gelöst: Verstellbare, außen liegende Sonnenschutzanlagen und ein Gründach als sommerlicher Wärmeschutz, Nachtauskühlung durch natürliche Querlüftung sowie die Erhöhung der Speichermasse- und Querflächen. Die Verschattungselemente aus Wärmeschutzglas dienen im Sommer als Sonnenschutz und sorgen im Winter dafür, dass die Wärme im Gebäude gehalten wird. Die Beheizung des Gebäudes erfolgt durch eine Wasserwärmepumpe Vitocal 300 der Firma Viessmann. Diese gewinnt die Wärme aus dem temperaturstabilen Grundwasser und erreicht dadurch konstant hohe Leistungszahlen. Mit Hilfe geringer Mengen an elektrischer Energie wird die gespeicherte Wärme in komfortable Heizwärme umgewandelt und kann ganzjährig für den Heizbetrieb und die Warmwasserversorgung eingesetzt werden.

Hohe Betriebssicherheit, Zuverlässigkeit und Laufruhe zeichnen die Wasserwärmepumpe durch den vollhermetischen Compliant-Scroll-Verdichter mit doppelter Schwingungsdämpfung aus. Die digitale Regelung CD 60 übernimmt neben dem Management der kompletten Heizungsanlage zusätzlich die Regelung einer Solaranlage. Durch „natural cooling“ können im Sommer die niedrigen Temperaturen aus dem Grundwasser komfortabel zur Kühlung des Gebäudes genutzt werden. Die witterungsgeführte Heizkreisregelung mit integrierter Kühl- und Solarfunktion ist bis zu drei Ladegruppen regelbar. Zu einer erheblichen Reduzierung der Abwärme führt auch, dass die in Fensternähe befindlichen Arbeits- und Leseplätzen tagsüber keine elektrische Beleuchtung benötigen. Die Nachtlüftung zur Nachtauskühlung wird durch wind- und regengeschützte Oberlichter in der Fassade als Zuluftöffnungen sowie durch wind- und regengeschützte Spaltöffnungen beim Öffnen der Rauch- und Wärmeabzugsanlage als Abluftöffnungen sichergestellt. Eine mechanische Lüftungsanlage kann bei Bedarf zugeschaltet werden. Über diese Lüftungsanlage können Übertemperaturen in den Sommermonaten abgezogen und zur Erwärmung der Räume im Untergeschoss genutzt werden. Die Stahlbetonbauteile wie Geschossdecken und Grenz-/Brandwand dienen als Speichermassen und Oberflächen als Puffer für die Temperaturbildung im Gebäude. Des Weiteren ist für das Archiv eine elektrisch betriebene Kompaktregelanlage vorgesehen, die abends die Regale gleichmäßig auffahren lässt und für eine bessere Durchlüftung als konservatorische Maßnahme sorgt.

> Produktinfos Sole/Wasser-Wärmepumpen Vitocal