Rathausgebäude der Stadt Goch



Daten und Fakten

Standort: Am Markt 2, 47574 Goch
Bauherr: Stadt Goch
Architekt: Wrede Architekten BDA in Planungsgemeinschaft mit Völling Architekten
Projektmitarbeiter: Norbert Ströher (Projektleiter), Frank Freihoff, Cornelia Greef, Verena Bick
Bauzeit: 2006
Baukosten: 8.500.000 Euro
 

Architekten

Heinz und Marcus Wrede
www.wrede-architekten.de

Büro Goch:
Klever Straße 63
47574 Goch
Tel. 02823-4025
Fax 02823-3180
goc@wrede-architekten.de

Büro Düsseldorf:
Citadellstraße 11
40213 Düsseldorf
Tel. 0211-2107880
Fax 0211-2107881
dus@wrede-architekten.de

in Planungsgemeinschaft mit:
Dr. Ing. Architekt Klaus Völling
Greversweg 34
47574 Goch
Tel. 02823-97070
Fax 02823-970750

Projektmitarbeiter:
Norbert Ströher (Projektleiter)
Frank Freihoff, Cornelia Greef, Verena Bick

Büroschwerpunkte
Denkmalobjekte, Kirchen, Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Wohnungsbau

Bürophilosophie
Menschen und Orte haben ihre individuelle Geschichte und Bedeutung. Mittels exakt zugeschnittener Konzepte kann Architektur dazu beitragen, das persönliche Lebensumfeld des Einzelnen zu bereichern. Unser Büro legt dabei besonderen Wert auf wirtschaftliche und funktionale Lösungen, technologische Innovationen und hochwertige Gestaltungsqualität bis ins Detail: dies immer auf der Basis von Kosten- und Terminsicherheit. Über 30 Jahre Erfahrung und eine Vielzahl erfolgreich abgeschlossener Projekte dokumentieren das Know-how unseres Büros. Mit Kreativität und Innovation setzen wir gemeinsam mit unseren Kunden Bauvorhaben in anspruchsvolle Architektur um. Dabei sind uns insbesondere auch ökologische und energieeffiziente Aspekte wichtig. Zusammen mit dem Bauherrn entwickeln wir optimale Lösungen hinsichtlich Funktionalität und Gestalt. Großen Wert legt unser Büro auf die ganzheitliche Betreuung der Projekte. Diese erstreckt sich von der Entwurfs- und Genehmigungsplanung über die Ausführungsplanung und Ausschreibung bis hin zur vollständigen Abwicklung des Projekts auf der Baustelle. Mit Hilfe einer Bau begleitenden Kostenplanung und -kontrolle stellen wir im Rahmen der Bauleitung sicher, dass vereinbarte Budgets eingehalten werden. Durch die Zusammenarbeit mit kompetenten Handwerksbetrieben entstehen so wirtschaftliche und qualitativ hochwertige Bauten.

Fachplaner

Tragwerksplanung
Gehlen Partnerschaft Beratender Ingenieure
Dipl.-Ing. Balthasar Gehlen
Friedrich-Ebert-Straße 54
40210 Düsseldorf
Tel. 0211-168010
Fax 0211-1680160
mail@gehlen-ing.de
www.gehlen-ing.de

Energiekonzept
HL-Technik Engineering Partner GmbH
Prof. Dr.-Ing. e.h. Klaus Daniels
Aidenbachstraße 52
81379 München
Tel. 089-7240610
Fax 089-72406129
info@hl-technik.de

www.hl-technik.de

Haustechnikplanung
Ingenieurbüro Gembler TGA
Im Thöniskamp 1
47574 Goch
Tel. 02823-8799777
Fax 02823-8794045
info@ib-gembler.de

Ingenieurbüro Wouters TGA
Feldstraße 152
47574 Goch
Tel. 02823-18003
Fax 02823-5877
info@ip-wouters.de


Entwurfsaufgabe

Fast achtzig Prozent der nordrhein-westfälischen Gemeinde Goch wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Dennoch ließen sich einige bedeutende Bauwerke im historischen Stadtkern vor dem Verschwinden bewahren. Das zur Steinstraße orientierte „Haus zu den fünf Ringen“ mit seiner eindrucksvollen Giebelfassade beispielsweise ist das einzige noch erhaltene Gebäude aus der Zeit um 1550. Zusammen mit der ebenfalls erhaltenen Marktplatzfassade des unmittelbar daran anschließenden historischen Rathauses ergibt sich eine für das Stadtzentrum Gochs sehr prägende Gebäudegruppe aus braunem Backstein.

Da das alte Rathaus jedoch den im Lauf der Zeit gestiegenen räumlichen Anforderungen nicht mehr gerecht werden konnte, plante das ortsansässige Büro Wrede Architekten eine großzügige bauliche Erweiterung auf dem rückwärtigen Grundstück. Dieses erstreckt sich hin zur Parkanlage des „Wassergartens“, einer ehemaligen Insel innerhalb des Flusses Niers, und zum Balfourweg. Der Weg markiert sowohl den Verlauf des früheren Stadtgrabens als auch die geschichtlich bedeutsame Achse zwischen der gotischen Pfarrkirche Maria Magdalena und dem alten Kastell. Auch die ursprüngliche Stadtmauer verlief quer durch das Baugrundstück in Ost-West-Richtung.

Wrede Architekten wollten mit dem Erweiterungsbau – über die behördlichen Dienstleistungen hinaus – eine zentrale Anlaufstelle und einen Kommunikationsort für die Bürger der Stadt Goch schaffen. Das Rathaus sollte nicht nur eine Ansammlung von Büroflächen sein, sondern auch zur Bereicherung des städtischen Lebens beitragen und nicht zuletzt dadurch auch Berührungsängste zwischen Behörde und Bürger abbauen. Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Planung war die Entwicklung einer modular organisierten, flexiblen Gebäudestruktur, die auch künftige Veränderungen in Flächenbedarf und Raumprogramm problemlos ermöglichen sollte.



Projektbeschreibung

Die bauliche Erweiterung besteht aus zwei rechtwinklig zueinander angeordneten viergeschossigen Büroriegeln, in deren Kreuzungspunkt sich das neue quadratische Ratssaalgebäude befindet. Dieser dreigeschossige Kubus im Zentrum der Anlage beherbergt die öffentlichen Hauptfunktionsflächen des Neubaus. Während auf der Erdgeschossebene das Stadtarchiv mit seinen Leseplätzen zur Erkundung der Stadtgeschichte einlädt, ist in dem darüber liegenden, über zwei Etagen reichenden Raum der Ratssaal mit Besuchergalerie untergebracht. Der Saal ist in Kreisform angelegt und besitzt eine abgehängte Lichtdecke mit verschieden langen Leuchtstoffröhren, die sich wie Sonnenstrahlen über den Raum ausbreiten. Sowohl die Decke als auch die Untersicht der Galerie ließen die Architekten mit einem Akustikputz versehen, bewegliche Holzwände mit Rillenstruktur sorgen zusätzlich für eine optimale Klangwirkung.

Im Ostflügel des baulichen Ensembles sind über alle vier Ebenen hinweg beidseitig Büros angeordnet, die sich über einen Mittelgang erschließen lassen. Der Westflügel zeigt sich zumindest in den beiden unteren Etagen als einhüftige Anlage mit vorgelagertem zweigeschossigem Foyer und Ausstellungsbereich. Dieser weitet sich auf einer Länge von etwa drei Büroeinheiten zu einem aus der Fassade springenden Anbau auf, der im Erdgeschoss als Wartezone, im ersten Obergeschoss als abschließbarer Besprechungsraum genutzt werden kann. Sämtliche Räume des ersten Stocks lassen sich nur über Laufstege erschließen, die in den zentralen offenen Treppenturm neben dem Eckkubus münden. An den beiden anderen Enden der Bürotrakte sitzen ebenfalls zwei Treppenhäuser, von denen eines den Übergang zum Bestandsbau herstellt. Dort sind unter anderem das Trauzimmer sowie der Bürgerservice untergebracht, wohingegen sich im Neubau neben den Verwaltungs- und Konferenzbereichen auch das Standesamt befindet.

Die auf dem Gelände noch vorhandenen Reste der alten Stadtmauer ließen Wrede Architekten sanieren. Im Keller des Erweiterungsbaus rekonstruierten sie sogar Teile der Mauer und legten diese weitgehend offen. Auf dem Vorplatz zwischen den beiden Gebäudetrakten zeichnet nun ein Klinkerstreifen innerhalb des Pflasterbelags ihren ehemaligen Verlauf nach.


Baukonstruktion

Tragwerk

Der Erweiterungsbau ist als Stahlbetonskelettkonstruktion mit einem Stützenraster von 4,80 Metern und einem Stützenquerschnitt von 30 auf 30 Zentimetern konzipiert, die Gründung des Gebäudes erfolgte über Pfähle. Die Dächer sind als Flachdächer mit zum Teil extensiver Dachbegrünung, zum Teil mit Kieseindeckung ausgeführt. Die darauf im Gefälle verlegte Dämmung besitzt eine mittlere Dicke von 27 Zentimetern. Neben einigen aussteifenden Sichtbetonwänden finden sich im Gebäudeinneren hauptsächlich Trockenbauwände mit weißem Streichputz, die eine flexible Aufteilung der vorhandenen Flächen ermöglichen. Sämtliche Innentüren sind aus Holz gefertigt. Der Fußbodenaufbau besteht aus 32 Zentimeter starken Stahlbetonplatten, 15 Millimeter Trittschalldämmung, 62 Millimeter Heizestrich auf Trennlage und dem jeweiligen Fußbodenbelag. Letzterer variiert von Bambusparkett im Foyer über Designestrich auf den Laufwegen und im Ratssaal bis hin zu Nadelfilzteppich in den Büros und Besprechungsräumen. Die Untersicht der Betondecken beließ man aus energetischen Gründen unverkleidet. Auch die Treppen sind aus Stahlbeton, sie besitzen einfach gestaltete umlaufende Stahlgeländer und einen Bodenbelag aus Naturstein. Eine Besonderheit des offenen Treppenturms bilden die in die zentrale Stützwand eingelassenen Lichtbänder und -spots.

Fassade

Die elementierten Fassaden der viergeschossigen Büroflügel machen durch ihre regelmäßige Achsteilung und präzise Fügung die modular strukturierte Organisation der Bürogrundrisse von außen ablesbar. Sie sind als Pfosten-Riegelkonstruktionen aus Aluminium mit einer davor gehängten Schicht aus abwechselnd opaken und transluzenten Scheiben mit Streifenmuster ausgebildet. Diese zweite Schale findet sich jedoch nur im Bereich vor den Betonstützen und Öffnungsflügeln. Den schlitzartigen Fenstertüren aus Lärchenholz dient sie daher auch als Absturzsicherung. Im Fassadenzwischenraum liegen die Führungsseile einer Raffstoreanlage, mit deren Hilfe sich diese Fensterflächen zusätzlich verschatten lassen. Alle übrigen Fensterelemente sind als Isolierglaseinheiten mit eingebauten Jalousien ausgeführt. Die Decken- und Dachanschlüsse der Fassade stellen gedämmte silberfarbene Aluminiumpaneele – zum Teil mit integrierten Sonnenschutzkästen – her, den Sockelabschluss bilden Betonfertigteile.

Der aus dem Westflügel heraustretende zweigeschossige Anbau verfügt über eine großflächigere, fest verglaste Pfosten-Riegelfassade, die umlaufend mit Betonfertigteilen eingefasst ist. Auch hier liegen die Jalousien im Scheibenzwischenraum. Das Dach ist begrünt, die Stirnseitenwände sind mit anthrazitfarbenen Faserzementplatten verkleidet. Diese finden sich partiell auch an der Stirnseite des Ostflügels. Sämtliche Zugänge in die Treppenhäuser des Neubaus sind als tunnelartig hervorspringende Stahlkästen ausgebildet, die eigentlichen Eingangstüren jedoch in Holz gefertigt.

Die Hülle des Ratssaalkubus soll die gegensätzlichen Ansprüche der teils öffentlichen, teils introvertierten Raumfunktionen nach außen hin abbilden. Daher versucht die zweischalige Fassade, größtmögliche Transparenz mit gleichzeitiger Geschlossenheit zu verbinden. Die innere Schicht besteht wiederum aus einer Pfosten-Riegelkonstruktion, die äußere Schicht aus einem starren Lamellenrost aus Aluminiumhohlprofilen. Den etwa 80 Zentimeter breiten Zwischenraum überbrücken Laufflächen aus verzinkten Stahlgitterrosten. Im Wechsel der Tages- und Nachtzeiten werden die unterschiedlichen Qualitäten der Hülle deutlich: Der außen liegende, unbewegliche Lamellenvorhang reflektiert das Tageslicht und lässt die großformatige Pfosten-Riegelfassade mit ihren schmalen Öffnungsflügeln in den Hintergrund treten; die dahinter liegenden Raumvolumina sind kaum zu erkennen. Im Dämmerungs- und Nachtzustand kehren sich die Verhältnisse um und die Funktion der oftmals auch in den Abendstunden genutzten Räume tritt nach außen hin für die Bürger deutlich ablesbar in den Vordergrund. Bei Bedarf kann der Ratssaal allerdings durch in Kreisform angeordnete bewegliche Schiebewände von außen uneinsehbar geschlossen werden.


Interview

mit Architekt Marcus Wrede, Wrede Architekten BDA


Sie wollten mit der Rathauserweiterung in Goch einen offenen, kommunikativen und bürgernahen Ort erzeugen. Welche gestalterischen Mittel haben Sie dazu eingesetzt?
Wir haben sämtliche Fassaden transparent gehalten, um die Funktionen innerhalb des Rathauses für die Einwohner von Goch nach außen ablesbar zu machen. Nicht zuletzt wollten wir damit auch eventuelle Barrieren zwischen Behörde und Bürger abbauen helfen. Im Inneren haben wir aus denselben Gründen sehr offene Raumstrukturen umgesetzt, die von einem durchgängigen, schlüssigen Materialkonzept unterstützt werden.

Ist Ihr Konzept aufgegangen? Wie stehen die Gocher Bürger zu ihrem neuen Rathaus? Wird es auch für städtische Veranstaltungen genutzt?
Das Konzept ist in der Tat aufgegangen. Die Bürgerschaft hat sich mit dem Gebäude identifiziert. Die laufenden Ausstellungen und Sonderveranstaltungen, die stets gut besucht sind, belegen dies.

Das Gebäude wird hauptsächlich über eine geothermische Anlage beheizt und gekühlt. Wie wichtig ist Ihnen generell der Einsatz von regenerativen Energiequellen bei Ihren Bauvorhaben?
Der ursprüngliche Planungsansatz lag bei diesem Projekt neben seiner gestalterischen Leitfunktion für den umgebenden Städtebau tatsächlich in erster Linie in der energetischen Optimierung des Gebäudekomplexes. Im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit dieses „Hauses der Bürger“ strebten wir daher eine vorbildliche Lösung unter Einbeziehung von regenerativen Energiequellen an.

Worin lag die besondere Herausforderung bei der Umsetzung dieses Energiekonzepts? Welche Rolle spielte dabei der Bestand?
Die besondere Herausforderung bestand in der Einbindung des Nutzerverhaltens bezüglich Lüftung und Klimatisierung. Schließlich ist der Bau als Low-Tech-Gebäude mit einer weitgehend natürlichen Belüftung ausgestattet. Der Bestand spielte hierbei eine untergeordnete Rolle.


Technischer Ausbau

Regelung, Gebäudeautomation

Die Regelung der Wärmepumpen, der Bauteiltemperierung, der Fußbodenheizung und der Teilklimaanlage erfolgt über ein DDC-System (Direct Digital Control), bei dem die Steuerungseinheiten dezentral und über ein Bussystem durchgängig vernetzt angeordnet sind. Den Wechsel von Winter- auf Sommerbetrieb gewährleisten entsprechende Umschaltventile für die Wassersysteme. Vier nach Gebäudeteilen und Fassadenorientierung getrennte, nachgeschaltete Regelkreise koordinieren die Bauteiltemperierung der Büroräume. Acht Raumtemperatur-Referenzfühler liefern die Ist-Werte zur Regelung. Die Fußbodenheizung lässt sich über eine Einzelraumregelung steuern. Die Umschaltung von Winter- auf Sommerbetrieb erfolgt über eine Wirksinnumkehrung der Raumtemperaturregler. Ein zentraler Eingriff auf die einzelnen Raumbereiche ist nicht möglich. Eine Datenfernübertragung auf die Gebäudeleittechnik per Modem ist ebenso vorgesehen wie eine Erfassung von Wettertrends anhand eines Wetterdatenübermittlungssystems. Da es sich bei der Bauteiltemperierung um ein träges System handelt, besteht hiermit die Möglichkeit, die Regelstrategie der Bauteiltemperierung positiv zu beeinflussen.

Kühlung, Lüftung

Im Neubau des Rathauses kommen unterstützende Kühlsysteme wie Bauteiltemperierung, Fußbodenkühlung und Teilkühlung des Ratssaales über eine Teilklimaanlage zur Anwendung. Es handelt sich dabei um eine direkte, freie Kühlung über die Sondenanlage unter Umgehung der Wärmepumpen. Ausgehend von einer Eintragswärmeleistung der Sonden in das Erdreich von etwa 30 Watt je Meter Sondenlänge steht eine Kühlleistung von rund 58 Kilowatt zur Verfügung. Dies entspricht jedoch lediglich der möglichen Kühlleistung der Bauteiltemperierungsflächen. Die Beladung der Decken mit Kühlpotenzial mittels Vor- und Rücklauftemperaturen von 19/22 Grad Celsius erfolgt daher außerhalb der Nutzungszeit des Gebäudes überwiegend nachts. Im Tagbetrieb kann dann die Kühlleistung der Sonden im Wesentlichen für die Fußbodenkühlung und die Luftkühlung für das Teilklimagerät des Ratssaales verwendet werden. Eine gleichzeitige freie Kühlung in sämtlichen Bereichen ist nicht möglich.

Das Teilklimagerät des Ratssaales verfügt über eine Luftleistung von 4.000 cbm/h und dient der Außenluftversorgung für maximal 100 Personen. Mit dieser Luftmenge kann jedoch nur ein Teil der anfallenden Wärmelast abgeführt werden. Zur Wärme- und Kälterückgewinnung ist das Gerät mit einem Rotationswärmetauscher mit einer Rückwärme-/Rückkühlzahl von 0,82 ausgerüstet. Im Sommerbetrieb lässt sich die etwa 32 Grad warme Außenluft mittels Kälterückgewinnung auf 27 Grad Celsius vorkühlen. Der nachgeschaltete Kühler kühlt die Zuluft über die freie Kühlung mit Hilfe der Erdsonden weiter auf etwa 22 bis 21 Grad Celsius ab. In den Bürgerbüros und Besprechungszonen des ersten Obergeschosses sind dezentrale Lüftungsanlagen mit Minimallüftungsfunktion ohne Kühlung installiert.

Energiekonzept, Heizung, Warmwasser

Bei der Raumkonditionierung des Gebäudeensembles setzte man auf einen möglichst geringen Einsatz an Primärenergie sowie einen verminderten CO2-Ausstoß. Daher ließen die Architekten drei erdgasbetriebene Absorptions-Wärmepumpenmodule mit einer Gesamtheizleistung von 112,8 Kilowatt installieren, welche die Fußboden- und Deckenheizung des Neubaus versorgen. Als Energiequelle dienen 32 Erdwärmesonden, die 60 Meter tief in den Erdboden eingebracht wurden. Die im Altbau vorhandene Heizkesselanlage, einen Vitoplex 300 von Viessmann mit einer Nenn-Wärmeleistung von 225 Kilowatt, banden die Architekten mit in das Heizkonzept ein. Der Niedertemperatur-Gasheizkessel ist für den Betrieb mit gleitender Kesselwassertemperatur ausgelegt. Durch seine mehrschaligen Konvektionsheizflächen gewährleistet der Wärmeerzeuger einen wirtschaftlichen, schadstoffarmen und zuverlässigen Betrieb.

Um die Energiebilanz des Gebäudes zu optimieren, verwendeten die Architekten sämtliche frei zugänglichen Betonstrukturen des Neubaus als Speichermasse. Mit Hilfe einer witterungsabhängigen Betonkerntemperierung ist es möglich, den Baukörper ganzjährig auf einem Temperaturniveau zwischen 20 und 22 Grad Celsius zu halten. Als grundsätzliche Heizflächen dienen die Betondecken in den Bürotrakten, deren Mittelzonen mit entsprechenden Rohrmodulen ausgestattet wurden. Die darin vorhandenen Wassertemperaturen betragen für Vor- und Rück lauf 27/24 Grad Celsius. Die Verlegung der Zuleitungen zu den einzelnen Rohrmodulen erfolgte innerhalb der Betondecken im Tichelmann-Svstem. Dabei werden die Rohre vom Wärmeerzeuger zum -verbraucher und zurück in Ringverlegung so geführt, dass die Summe der Längen von Vorlauf- und Rücklaufleitung bei jeder Heizfläche etwa gleich ist. Heizflächen mit kurzem Vorlauf haben eine lange Rücklaufleitung und umgekehrt. Der Sinn dabei ist, dass alle Heizflächen etwa gleichen Druckverlusten ausgesetzt sind und sich damit gleiche Wärmeströme in ihnen einstellen, auch wenn keine Regelventile verwendet werden. Dies bewirkt ein gleichmäßiges Erwärmen auch von weiter entfernt gelegenen Heizflächen.

Die Bauteiltemperierung deckt die Grundlast des Wärmebedarfs in den Bürotrakten ab, den Restwärmebedarf erbringt eine Fußbodenheizung in der Randzone entlang der Fassade. Sie bietet zugleich die Möglichkeit der individuellen Raumtemperaturregelung. Die Fußbodenheizung wird mit 44/39 Grad Celsius betrieben und versorgt auch das Erdgeschoss des nicht unterkellerten Gebäudeteils, das Stadtarchiv, das Haupttreppenhaus, das Foyer und den Ratssaal. Im Kellergeschoss und dem Nebentreppenhaus sind dagegen Heizkörper installiert, die ihre Wärmeenergie mittels Fernwärmeleitung aus dem Altbau vom Vitoplex 300 beziehen. Dieser arbeitet mit einer Temperaturspreizung von 70/55 Grad Celsius. Gleichzeitig steht hierdurch das entsprechende Temperaturniveau für die Lufterwärmung über ein Teilklimagerät im Ratssaal zur Verfügung.

Da es sich bei den vorhandenen sanitären Einrichtungen lediglich um Toilettenräume für Personal und Besucher handelt, konnte auf eine Warmwasserbereitstellung dort verzichtet werden. In den Teeküchen der Mitarbeiter erfolgt die Warmwassererzeugung dezentral und elektrisch.

Autor: Tanja Feil

> Produktinfos Niedertemperatur-Gas-Heizkessel Vitoplex 300