Nord LB in Hannover



Daten und Fakten

Standort: Friedrichswall 10, 30159 Hannover
Bauherr: Norddeutsche Landesbank, Hannover
Architekt: Behnisch, Behnisch & Partner
Günter Behnisch, Stefan Behnisch, Günther Schaller
Bauzeit: 1996-2001; Fertigstellung: 2001, Eröffnung Juni 2002

Grundstücksgröße: 14.100 m²
BGF: 76.350 m²
Betoneinbau: 60.000 m³
Bewehrung und Stahleinbau: 20.000 t
Glasfassadenfläche: 40.000 m²
Bürotrennwände: 15.000 lfdm.
Arbeitsplatzflächen: 37.300 m²
Arbeitsplätze: 1.500
Gebäudelänge: 145 m
Gebäudehöhe Blockrand: max. 23 m
Gebäudehöhe Turm: 80 m mit Aufbauten
Parkplätze im UG: 500

Auszeichnungen:
1996 Wettbewerb 1. Preis
 

Architekten

Behnisch, Behnisch & Partner
Rotebühlstraße 163A
70197 Stuttgart
Tel.: 0711 / 607720
Fax: 0711 / 6077299
E-mail: buero@behnisch.com
www.behnisch.de

Projektarchitekten
Martin Haas, Jörn Genkel

Projekt-Mitarbeiter
Alexandra Burkard, Martin Gremmel, Dominik Heni, Bettina Maier, Klaus Schwägerl, Jörg Usinger

Tätigkeitsbereiche
Generalplanung, Gutachten, Innenraumplanung, Kunst am Bau, Messebau, ökologisches Bauen, Stadt- und Regionalplanung, Wettbewerbe

Planungsschwerpunkte
Dienstleistungsbauten, Gesundheitswesen/Sozialeinrichtungen, Hotels, Kulturbauten, Sakralbauten, Schulen/Kindergärten, Sport/Freizeitanlagen, Staatliche/Kommunale Bauten, Verkehrs- Bauten/Planung, Wissenschaft/Forschung, Wohnbauten

Bürophilosophie:
Wir folgen in unserer Arbeit keinen bestimmten, klar definierten Regeln, ganz im Gegenteil. Wir versuchen, diese so zu organisieren, dass die Ergebnisse nicht vorbestimmt sind, weder im Formalen, noch im Materiellen. Gemeinsam -auch mit den Bauherren - und anderen an der Planung Beteiligten gehen wir auf Entdeckungsreise. So sollen Lösungen entstehen, die der individuellen Aufgabe in der jeweiligen Situation gerecht werden. Und jede Lösung sollte Neues, Besonderes und Überraschendes bieten. Die Art und Weise, wie bei uns gearbeitet wird, soll Entwicklungen fördern, die zu besonderen, eigenständigen, oder sogar eigenwilligen Lösungen führen können.

Neue Ansätze erscheinen oft zuerst in der Arbeit an Wettbewerben, verschwinden, kommen im Laufe der Jahre plötzlich wieder zum Vorschein, bis letztendlich, oft unerwartet, eine Umsetzung in einem Projekt möglich wird.

Für uns sind solche Vorgänge ebenso spannend wie erstaunlich. Eine klare Kontinuität ist dabei nicht immer erkennbar. Solche Strömungen können eher praktische, ideologische, oder auch architektonisch formale Themen beinhalten.

Seit den frühen achtziger Jahren gab es im Büro Behnisch Entwicklungen, die, von der Kritik oft weniger beachtet, zu Projekten führten, die unter den ideologischen Aspekten des Dekonstruktivismus oder der Fraktalen diskutiert wurden.

Aus den Erfahrungen der systematisierten Bauten der sechziger und siebziger Jahre heraus entwickelte sich bei uns die Vorstellung, das man sich abkehren sollte von einer Architektur, deren Erscheinungsbild auch im Formalen immer stärker durch produktionsbedingte Prozesse bestimmt wurde. Etwas Neues sollte gefunden werden, das diesen technisch/industriell geprägten Theorien etwas ebenso Starkes, jedoch Offeneres und Freieres entgegensetzen sollte. Eine architektonische Sprache entwickelte sich, die dem Einzelnen als Teil des Ganzen eine eigene Identität und das Recht auf eine eigenständige Entwicklung zuspricht. So sind schon im Grundriss der Hauptschule Lorch (1982) Elemente erkennbar, die sich einer anderen, neuen Ordnung fügen.

Neue Architektur bringt aber auch Überschreitungen mit sich. Insbesondere die Verletzung akzeptierter ästhetischer Normen. Das bietet jedoch die Chance, bislang nicht wahrgenommene oder nicht formulierbare Ideen zu ergründen. Diese Freiheit in der Architektur kann äußerst anregend sein. Deshalb versuchen wir, unsere Arbeit so lange wie möglich für Ideen und Diskussionen offen zu halten und sie mit dem Bewusstsein zu präsentieren, dass man Manches noch nicht weiß und auch nicht wissen kann. Diese Offenheit auch Neuem und Unbekanntem gegenüber ist ein wesentliches Element unserer Arbeit und ein Merkmal, das viele unserer Projekte prägt.

In den neunziger Jahren entwickelte sich bei uns ein Hochhaustypus, der, so meinten wir, weitgehend unabhängig von technischen Einschränkungen andere Aspekte der Architektur zum Ausdruck bringen sollte. Konventionelle Hochhäuser sind weitestgehend geprägt durch technische und organisatorische Anforderungen. Statik, vertikale Erschließung, Brandschutz und Gebäudetechnik lassen scheinbar wenig Raum für eine Grundrissentwicklung unter architektonisch-räumlichen Gesichtspunkten. Die Stapelung immer gleicher Grundrisse über alle Geschosse mit einem eher geringen tagesbelichteten Flächenangebot an der Fassade sind die Regel. Die architektonischen Elemente beschränken sich meist auf das rein Dekorative.

Die technischen Möglichkeiten haben sich weit entwickelt. Diese anzuwenden stellt keine besondere Leistung mehr dar. Warum sollten diese dann prägend sein für die Gestalt der Häuser? Andere Aspekte, so meinten wir, sollten im Vordergrund stehen.

Vielfältige Grundrissstrukturen, tagesbelichtet, wenn möglich natürlich be- und entlüftet, waren in Hochhäusern bisher kaum zu finden. Unser Hochhauskonzept nun sah die vertikale Stapelung unterschiedlicher, gut nutzbarer Grundrisse, architektonisch gegliedert nach funktionalen, aber auch nach Gesichtspunkten des Formalen oder nach städtebaulichen Aspekten, dem Bild der vertikalen Stadt folgend, vor.

Aus diesem Gedanken heraus wurden bei uns über Jahre Ansätze entwickelt, die nun im Neubau für die Norddeutsche Landesbank in Hannover realisiert werden können.

Wir versuchen, einen Weg zu gehen, bei dem diejenigen, die an den Projekten arbeiten, auch für die Architektur zuständig sind - von Partnern betreut.

Dabei handelt es sich um einen Prozess, in dessen Verlauf die Wünsche des Bauherrn, die Besonderheiten des Projekts und unsere praktische Erfahrung immer wieder aufeinanderprallen. Diese Art zu arbeiten bietet allen Parteien viel Freiheit, auch im Zusammenwirken.

Allerdings macht sie die Abstimmung weit komplexer und stellt alle vor eine schwierige und anspruchsvolle Aufgabe. Aber: die Freiheiten motivieren wiederum, sich für ein Projekt als Ganzes verantwortlich zu fühlen, eine Haltung, die bei von oben bestimmter Arbeit wohl eher fehlen würde.

Es ist nichts Neues zu sagen, dass ein Entwurf das Ergebnis spezifischer Anforderungen, Konfrontationen, Reaktionen und Situationen ist, vor dessen Hintergrund er seine Form annimmt. Die Zusammenarbeit vieler unterschiedlicher Personen über Jahre bringt oft neue Bilder hervor, die manchmal zwar zunächst wenig scharf sind - wir erkennen sie kaum -, aber mit der Zeit oft an Schärfe gewinnen. Manchmal sind wir selbst erstaunt, wenn wir oft erst im Nachhinein feststellen, wie ein Bau im Rahmen einer speziellen Aufgabe und besonderen Situation zustande gekommen ist.

So erklärt sich, warum die fertigen Bauten aus unserem Büro keine einheitliche Handschrift tragen, auch nicht tragen sollen.

Die Ergebnisse unserer Arbeit entwickeln sich durch die Vielfalt der Erfahrung all’ derjenigen, die an einem Projekt mitwirken. Im Rahmen unserer Arbeit werden alte Vorstellungen in Frage und neuen Ideen gegenübergestellt. Nur so kann Neues entstehen.

Im Zweifelsfall sind wir für das Besondere und weniger für das Allgemeine. Wir versuchen, in der Architektur tendenziell Menschen und Dinge frei zu sehen. Wir meinen, dass von daher eine gewisse Leichtigkeit und Gelöstheit in der Architektur sein könnte. Nicht als Selbstzweck, eher im Ergebnis.

Fachplaner

Objektüberwachung
BKSP/Behnisch, Herbert Weber mit Behnisch, Behnisch & Partner

Terminplanung
Behnisch, Behnisch & Partner

Landschaft
Behnisch, Behnisch & Partner mit Nagel & Schonhoff

Projektsteuerung
NILEG, Hannover
Bernhard Lampe
Projektbüro Nord/LB
30169 Hannover

Energiekonzept
Transsolar Energietechnik GmbH
Curiestraße 2
D - 70563 Stuttgart
Tel.: 07 11 / 67 97 60
Fax: 07 11 / 67 97 611
E-mail: transsolar@transsolar.com

Tragwerk
ARGE Tragwerk
Pfefferkorn & Partner, Stuttgart
70195 Stuttgart - Botnang, Bauernwaldstraße 22
Tel.: 07 11 / 69 78 2 -0
Fax: 07 11 / 69 69 51
E-mail: buero.stuttgart@pfefferkorn-ingenieure.de
und
Wetzel & v. Seht, Hamburg
Friesenweg 5 E
22763 Hamburg
Tel.: 0 40 / 8 89 16 70
Fax: 0 40 / 8 89 16 767

Haustechnik
Federführung: Ingenieurbüro Gierke, Braunschweig
Ingenieurbüro Gierke Planungsgesellschaft mbH
Am Alten Bahnhof 4b
38122 Braunschweig
Tel.: 05 31 / 23 82 10
Fax: 05 31 / 23 82 122
E-Mail: info@igp-bs.de
http://www.igp-bs.de

Bauphysik
Ing.-Büro für Bauphysik Horstmann + Berger, Altensteig
Dipl.-Phys. Jürgen Horstmann
Dipl.-Ing. (FH) Andreas Berger
Welkerstraße 36
72213 Altensteig
Tel.: 0 74 53 / 94 99-0
Fax: 0 74 53 / 94 99-33
horstmann.berger@t-online.de

Fassadenplanung
Planungsbüro Erich Mosbacher, Friedrichshafen
Büro Deutschland:
Meersburger Straße 25
88048 Friedrichshafen
Tel.: 0 75 41 / 46 66
Fax: 0 75 41 / 4 14 12
fassade@mosbacher-plan.com

Lichttechnik/Tageslichttechnik
Bartenbach Lichtlabor
Aldrans/Innsbruck

Baukonstruktion Rohbau
ARGE Rohbau - Strabag AG,
Karl Munte GmbH & Co KG,
Fritz Schuppert GmbH

Entwurfsaufgabe

Ziel des Neubaus der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB) in Hannover war die Zusammenlegung der bis dahin über das Stadtgebiet verteilten Niederlassungen an einem Ort. Aus einem Wettbewerb gingen 1996 die Stuttgarter Architekten Behnisch, Behnisch & Partner als Sieger hervor.

In unmittelbarer Nähe des alten Hauptverwaltungsgebäudes der Nord/LB gestalteten sie treu nach ihren Entwurfsprinzipien ein Bauwerk mit frei aufgelösten Grundstrukturen und hoher Transparenz, die der Gebäudemasse Leichtigkeit verleiht. Ein über achtzig Meter hoher Turm im Zentrum der Anlage, dessen Geschosse in unterschiedliche Richtungen verdreht wurden, nimmt als Landmarke städtebauliche Bezüge auf.

Da das Gebäude einen ganzen Straßenblock besetzt, durfte es kein rein monofunktionaler Verwaltungsbau bleiben. Stattdessen soll der Bürokomplex für 1500 Mitarbeiter durch die Integration von Restaurants, Läden, Ausstellungsflächen und einer großzügigen Außenterrasse sein städtisches Umfeld aufwerten. Es galt, den Hof für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ebenso das Erdgeschoss.



Projektbeschreibung

Das Grundstück am Aegidientorplatz, in unmittelbarer Nähe des alten Hauptverwaltungsgebäudes der Nord/LB, bildet den Übergang der nördlich gelegenen Innenstadt zur Wohnbebauung der Südstadt Hannovers. Gesäumt wird der Verkehrsknotenpunkt von Bauwerken aus den fünfziger Jahren. Nicht zuletzt die Demontage einer stählernen Hochstraße im Jahre 1998, eine Bedingung der Bank an die Stadt, verleiht dem Standort wieder den Charakter eines Platzes.

Das neue Verwaltungsgebäude folgt in seiner Blockrandbebauung mit bis zu sieben Stockwerken den Straßenfluchten. Eine Glashaut – teilweise zwecks Immissionsschutz als Doppelfassade ausgeführt – umspannt das Geviert von 110 mal 145 Metern. Da die einzelnen Gebäudeteile unterschiedliche Tiefen aufweisen, konnten alle gängigen Bürotypen (Großraum-, Zellen-, Kombi- oder Gruppenbüros) realisiert werden. Terrassen, die von den Mitarbeitern während der Pausen genutzt werden, sind den Teeküchen, Aufenthalts- oder Arbeitsräumen vorgelagert. Sie strukturieren das Gebäude und dienen als vielfältige Aussichtspunkte über die Stadt. An den Ecken entlang des Friedrichswalls bricht das Bauwerk über drei Geschosse treppenartig auf und markiert Zugänge, die in das Blockinnere führen. Der Kerngedanke eines „fließenden“ Erdgeschosses wird hierbei deutlich. Der Innenhof ist für die Allgemeinheit größtenteils zugänglich und erweckt den Eindruck einer artifiziellen Landschaft. Wasserflächen, begrünte Dächer und öffentliche Verbindungswege schaffen Bezüge zur Umgebung, beleben das Umfeld und werten die Lage am Innenstadtring auf. Geschäfte, gastronomische Angebote und Ausstellungsräume im Erdgeschoss des Gebäudes unterstützen diese Leitidee.

Stellte sich die Bebauung des Blockrandes nach außen ruhig und streng diszipliniert dar, erwartet den Passanten im Innenhof das glatte Gegenteil: eine freie Komposition voller Dynamik. Hier zeigt sich die bekannte Architektursprache des Büros Behnisch in vollem Umfang. Eine schräg gestellte Glasscheibe leitet den Besucher, der vom Aegidientorplatz kommt, zum Hauptzugang. Abgeschirmt vom Straßenlärm führt eine schiefe, leicht ansteigende Bodenplatte aus Travertin zum Eingang mit zentralem Foyer. Eine geneigte Glasfläche, die bis zum fünften Geschoss hinaufreicht, überdacht diese „Verteilerplattform“, von der es über eine repräsentative Freitreppe ins erste Obergeschoss geht, wo die bankinternen Bereiche beginnen. Glasbrücken, die diagonal über das Wasserbecken des Innenhofs führen, verkürzen als Querverbindungen die Fußwege in den oberen Stockwerken; im Sommer lassen sie sich cabrioartig öffnen und zu einfachen Stegen verwandeln.

Über die Blockrandbebauung hinaus ragt ein weithin sichtbares Hochhaus in den Himmel, das ursprünglich gar nicht vorgesehen war. Als das Wettbewerbsergebnis feststand, entschloss sich die Geschäftsführung der Bank, auch die Hauptverwaltung in den Neubau zu integrieren. Das Raumprogramm musste um 5000 Quadratmeter erweitert werden, doch die städtebauliche Situation ließ eine Aufstockung um ein weiteres Geschoss nicht zu. Daher entschied man sich für eine turmartige Ergänzung. Einzelne Stockwerke wurden gegeneinander verdreht und in Längsrichtung verschoben, so dass der 17-geschossige Turm wie eine Komposition aus spielerisch übereinander gestapelten, teilweise abenteuerlich weit auskragenden Bauklötzen wirkt.

Die Architekten hatten auch vorhandene Bausubstanz in ihre Planung einzubeziehen. Im Südwesten des Areals befindet sich das ehemalige Siemens-Gebäude mit Walmdach, das sich beim Blick gen Süden in der Glasfassade der Bank spiegelt. Das in den 20er Jahren errichtete Haus mit seiner denkmalgeschützten Fassade wurde vollständig entkernt und dient der Nord/LB als Ausbildungs- und Fortbildungszentrum. In seinem Walmdach fanden Teile der Haustechnik für den gesamten Block Platz. An der südöstlichen Ecke befindet sich ein Umspannwerk aus Waschbeton, das aus der Grundstücksfläche ausgespart wurde. Da sich in unmittelbarer Nachbarschaft Wohngebäude befinden, nahmen die Architekten den Block an dieser Stelle um ein Geschoss zurück. Die gesamte Anlage wurde im Juni 2002 fertiggestellt und im gleichen Jahr mit dem Niedersächsischen Staatspreis für Architektur ausgezeichnet.


Baukonstruktion

Fassade

Aus wirtschaftlichen Gründen wurde für die Fassade des Blockrandes eine vorelementierte Pfosten-Riegel-Konstruktion gewählt, die eine Verglasung und Ausfachung von außen ermöglichte. Im Bereich der Doppelfassaden ordneten die Architekten zu Reinigungszwecken im Zwischenraum begehbare Gitterroste in jedem Geschoss an. Eine Edelstahlkonstruktion trägt die äußere Glashaut.

Auch die Glasfronten des Hochhauses wurden durch vorgehängte geschosshohe Elemente von außen verkleidet. Das Einsetzen der Scheiben durch Einhängeleisten ermöglichte eine filigrane Profilausbildung. Ein tageslichttechnisch optimierter Lamellenraffstore dient an der Südseite als Sonnenschutz. Die teilweise doppelschalig ausgeführte Fassade reduziert die  Windbeanspruchung. Um die Spannungen der äußeren ESGWeißglasscheiben zu verringern, wurde ein Lagerungssystem entwickelt, das die Glasdurchbiegung zwängungsfrei aufnehmen kann. Durch die Vorfertigung der Elemente war eine rationalisierte und zeitsparende Montage vor Ort möglich.

Der Rahmenanteil der gläsernen Röhren, die als Brücke über den Innenhof führen, sollte so minimal wie möglich gehalten werden. Ringspanten mit einem Durchmesser von 3,25 Meter wurden im Abstand von je drei Metern befestigt. Die Röhre ist in vier Segmente aufgeteilt. Dabei lässt sich ein seitliches Teilstück unter den oberen Abschnitt schieben, so dass ein permanenter Witterungsschutz auch dann gegeben ist, wenn die Röhre auf gesamter Länge geöffnet wird. Nur eine der beiden Glasröhren ist wärmegedämmt und mit Beheizung ausgeführt.

Sonnenschutz

Die transparente Fassade erforderte besonderte Sorgfalt bei der Planung des Sonnenschutzes. Teils verhindern Wärmeschutzgläser, dass sich das Gebäude im Sommer zu sehr aufheizt, teils übernehmen außen liegender Lamellenstores diese Aufgabe. Dabei sind die obersten Lamellen anders einjustiert als der restliche Behang. Sie lenken das Licht an die Decke, von wo es blendfrei in den Raum reflektiert wird. Auf diese Weise muss selbst bei starker Sonneneinstrahlung das Tageslicht nicht komplett ausgesperrt werden, sondern kann im oberen Bereich des Sonnenschutzes in den Raum eindringen.

Der Lamellenbehang wird automatisch gesteuert – abhängig von Außentemperatur, Beleuchtungsstärke, Windgeschwindigkeit und -richtung. Hierfür entwickelte das Büro Transsolar Steuerschemata, welche die unterschiedliche Lage der Räume im Gebäude und die Verschattung durch Nachbargebäude berücksichtigen. Mitarbeiter, die selbst über die Lichtverhältnisse in ihrem Raum bestimmen möchten, können den Sonnenschutz über Taster manuell regeln. Die gewünschte Stellung bleibt dann durch Deaktivierung der Automatik für zwei Stunden erhalten, danach fahren die Lamellen wieder in die von der Automatik errechnete Position.

Aussteifung

Der gesamte Bau wurde von der Gründung bis zum Dach fugenlos ausgebildet, so dass die Zahl der aussteifenden Schächte und Wände minimiert werden konnte. Es handelt sich gewissermaßen um ein monolithisches Gebäude, das aus einem Guss errichtet und im Untergeschoss als wasserundurchlässige Weiße Wanne ausgeführt ist. Auf Dehnfugen in Böden und Fassaden konnte verzichtet werden, da sich der Verbundbaustoff Stahlbeton seine Fugen durch gesteuerte Rissbildung dort, wo punktuell die größte Beanspruchung auftritt, selbst schafft. Ein weiterer Vorteil des fugenlos konstruierten Blockrandes ist die Aussteifung des Hochhauses. Die Hochhausschächte sind unterhalb des sechsten Geschosses in das starre System der Blockrandbebauung integriert, so dass sich beide Teile zu einem ausgesteiften Komplex ergänzen.

Tragwerk

Um den Eindruck der verspielten Leichtigkeit, den der Turm erweckt, zu ermöglichen, mussten sich die Tragwerksplaner einiges einfallen lassen. Die Vertikallast des Hochhauses wird durch zwei außenliegende Stützen mit jeweils einem Meter Durchmesser und zwei Treppen- und Aufzugshäuser abgetragen. Oberhalb des neunten Obergeschosses dienen diagonal versetzte, massive Wände als aussteifende Elemente. Dieses V-förmige Stahlbetonscheibensystem ist in die Flurwände integriert und verbindet Schächte und Stützen miteinander. Es bildet das Rückgrat des Turms; teils stützen sich die Decken darauf, teils sind sie daran angehängt. Großflächige Kragstrukturen mit minimalen Materialeinsatz wurden durch diese Konstruktion möglich – alle Tragglieder wirken am Kräftespiel des komplexen räumlichen Systems mit. Ein Problem stellte die thermisch bedingte Längenausdehnung der Bauteile dar: Da sich die beiden außenliegenden Hauptstützen und die innenliegenden Schächte nicht unterschiedlich stark dehnen dürfen – dies hätte eine Schrägstellung des Hochhauses zur Folge – wurden die Stützen in steifer Stahlverbundbauweise hergestellt und lassen sich im Winter beheizen.

Fundament

Das 17-geschossige Hochhaus, die sechsgeschossigen Blockrandbebauung sowie die beiden Untergeschosse stehen auf einer gemeinsamen Bodenplatte, die 110 mal 150 Meter misst. Diese Bodenplatte weist eine Regeldicke von einem Meter auf, nur unter dem Hochhaus ist sie zwei Meter dick. Die unterschiedlichen Belastungen der Bauteile – Randbelastungen aus dem Blockrand, Punktlasten aus dem Hochhaus, geringe Lasten unter dem Innenhof – hätten unterschiedliche unakzeptable Setzungen auf den Tonschichten zur Folge gehabt. Mit 20 Meter langen Großbohrpfählen und halb so langen Rüttelstopfsäulen unter der Bodenplatte wurden daher die größten Setzungen gedrosselt. Die Pfahlelemente führen die Lasten in steifere, tieferliegende Tonschichten ab, so dass die Setzungen verringert werden. Eine optimierte Anordnung der Pfähle ermöglicht, dass die Sohlplatte trotz ungleichmäßiger Belastung nahezu eben blieb.



Interview

mit Martin Haas, Projektleiter für Behnisch, Behnisch & Partner beim Bau der Nord LB


Wie stark sind andere Firmen an den technischen Konzepten des Gebäudes beteiligt gewesen?
Architekten sind natürlich keine Spezialisten für Fachdisziplinen wie Gebäude- oder Umwelttechnik. Wir arbeiten schon seit Jahren mit dem Büro Transsolar zusammen, das aus dem Bereich der Haustechnik umweltverträgliche und nachhaltige Energiekonzepte weiterentwickelt hat. Die Kooperation beider Ideengeber bereits im Entwurfstadium ist äußerst wichtig. Unsere Entwurfsvorschläge werden auf umwelttechnische Aspekte – etwa Fassadenausrichtung, Anwendung von Sonnenschutz, die Wahl der Materialien – „abgeklopft“. Insbesondere bei der Gestaltung des Hochhauses wurden Optimierungsmöglichkeiten hinsichtlich der Aerodynamik untersucht. In einem Diskussionsprozess nähert man sich dann einem Ergebnis.

Wie viel Überzeugungsarbeit beim Bauherrn war zur Verwirklichung Ihrer Konzepte nötig?
Die Entwurfsphase dauerte rund ein bis zwei Jahre, gefolgt von der Gebäudefertigstellung in nochmals drei bis vier Jahren. Diese Zeit würde ich als einen gegenseitigen Lernprozess zwischen Architekt und Bauherrn beschreiben. „Überzeugungsarbeit“ ist dabei keine glückliche Wortwahl, denn das klingt so, als würde von einer Seite etwas versucht und von der anderen das Ergebnis akzeptiert werden. Vielmehr war es so, dass der Bauherr durchaus willens war, mit der Architektur – sowohl formal als auch technisch – ein besonderes Gebäude zu erstellen. Wir hatten das Glück, dass bei der Nord/LB an den entscheidenden Positionen die richtigen Leute saßen, die unsere Vorstellung von Architektur verstanden und auch mitgetragen haben. Sie waren bereit, über das Normalmaß von Funktionen und Räumlichkeiten, die ein solches Bankgebäude braucht, eine Landmarke für sich und für die Stadt zu setzen.

Worin bestehen Gemeinsamkeiten zwischen dem Gebäude der Nord/LB in Hannover und Ihrem älteren Entwurf für die Landesbank Baden- Württemberg in Stuttgart?
Zunächst einmal natürlich in der Bauaufgabe: Beides sind Verwaltungsgebäude einer Bank mit dem hauptsächlichen Augenmerk auf Büros und Arbeitsplätzen. Die zweite Gemeinsamkeit liegt darin begründet, wie unser Büro mit einer solchen Aufgabe umgeht, also in unserer Philosophie. Die Gestaltung eines möglichst offenen und transparenten Bauwerks ist sowohl im eigenen Sinne, wie auch in der Außenwirkung zu verstehen. Die Mitarbeiter dort sollen also nicht in dunklen Räumen sitzen, und gerade für eine Bank ist Offenheit und Transparenz auch von außen sehr wichtig. Ein weiterer Punkt ist, dass sich ein Architekturbüro natürlich auch immer mit seinen Aufgaben entwickelt. Bei der Bank in Stuttgart wurden Ideen angedacht, die bei der Nord/LB in Hannover noch konsequenter umgesetzt wurden. Als Beispiel sei die Gestaltung des Innenhofs genannt. Bei einem Gebäude, das ein so großes Quartier besetzt wie die Nord/LB, wurde sowohl vom Bauherrn als auch von uns versucht, dem Stadtraum eine Fläche zurückzugeben, die durch ihre Gestaltung zur Belebung des Areals beiträgt. Bei der Landesbank in Stuttgart  wurde diese Idee bereits konzipiert, doch der Innenhof ist dort nur als optisches Panorama zu erleben. In Hannover kann die Bevölkerung am Innenhof partizipieren. Es befinden sich dort Restaurants, in denen man sitzen kann, oder auch einfach nur öffentliche Wege zur Nutzung. Unser Büro verfolgt Entwicklungslinien, die wir in der Architektur für wichtig erachten, ständig weiter. Dies führt dann zwangsläufig zu Parallelen und eine Verwandtschaft zwischen den Gebäuden.

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Ökologie bei Ihren Projekten?
Eine ganz entscheidende. Man baut ein Gebäude für – sagen wir einmal – gut 50 Jahre, und deshalb darf es natürlich nicht sein, dass es dabei nur um Funktion, Schönheit oder Repräsentation geht. Wir als Architekten sind davon überzeugt, dass wir einen Beitrag zum Umweltschutz leisten können, indem wir bestimmten Techniken, die vielleicht noch am Anfang stehen, eine Chance geben zu zeigen, dass sie funktionieren. Bei der Nord/LB war für uns ganz wichtig, dass die Bank diese nachhaltigen und umweltschutztechnischen Aspekte nicht als Aushängeschild bekommt. Man soll dem Gebäude also nicht unbedingt ansehen, dass es sich um ein ökologisches Bauwerk handelt, obwohl es eben diesen technischen Hintergrund hat. Es ist also nicht ein Haus im „Norwegerpulli“, vielmehr geht es uns darum, die ökologische Architektur ein wenig aus der Nische herauszuholen.


Energiekonzept

Ziel der Architekten war eine möglichst hohe Ausnutzung der natürlichen Ressourcen (Sonne, Wind, Außenluft, Erdreich) zur Belichtung und Belüftung des Gebäudes bei geringstem technischen Aufwand. Die große Wasserfläche im Innenhof und die intensiv begrünten Dachterrassen schaffen in der Anlage ein angenehmes Mikroklima. Weil das Klimatisierungskonzept des Gebäudes bereits in den ersten Entwurfsphasen mitgeplant wurde, konnte es zu einem integralen Bestandteil der Architektur werden. Dabei waren für die Energiebilanz des Gebäudes vor allem Kühlung und Lüftung entscheidend, denn bei Verwaltungsbauten fallen durch die EDV hohe interne Wärmelasten an.

Heizung/Kühlung

Bei den Bürodecken wurde größtenteils auf eine Abhängung verzichtet, in den Rohbeton sind Kunststoffrohre aus Polyethylen eingelassen. Im Sommer führen sie Wasser, das im Erdreich auf 18°C gekühlt wird, indem es über die Bohrpfähle unter dem Hochhausfundament in 30 Meter Tiefe geleitet wird. Auf diese Weise konnte den Pfählen neben ihrer baukonstruktiven gleichzeitig eine klimatechnische Funktion zugewiesen werden. Die so genannte Bauteilkühlung in den Bürodecken entzieht dem Raum Wärme, er kühlt ab. Diese Maßnahme erhöht zusätzlich die Speicherkapazität der 30 Zentimeter dicken Betondecken (und unterstützt die Kühlung durch Nachtlüftung). So genügt es im Sommer normalerweise, dass die massiven Decken die in der Nacht eingebrachte Kälte am Tage langsam an den Raum abgeben. Nur an besonders heißen Tagen müssen die Decken auch tagsüber mit Kühlwasser durchströmt werden. Im Winter funktioniert das System unter Nutzung geothermischer Energie genau umgekehrt: Die im Sommer ins Erdreich eingebrachte Wärme wird nun genutzt, um das aufzuheizende Wasser vorzutemperieren. Durch die Erdwärmetauscher fließt Wasser mit einer Temperatur von rund 6 °C. Mit Hilfe einer Wärmpumpe wird das Wasser im Heizkreis auf eine Temperatur von ca. 30°C gebracht und nun zu Heizzwecken verwendet.

Solare Gewinne

Thermische Solarkollektoren Vitosol 200 von Viessmann sind auf dem Flachdach des Blockrandes installiert, um die Küche des Betriebsrestaurants auf nachhaltige Weise mit Warmwasser zu versorgen. Die Hochleistungskollektoren bestehen aus einzelnen Vakuum-Röhren, die sich radial drehen und daher optimal zur Sonne ausrichten lassen. Sie werden von einem Wärmeträgermedium direkt durchströmt, so dass dieses durch das Wärmetauscherrohr die Wärme vom Absorber aufnehmen kann.

Das System Vitosol arbeitet mit sogenannten Sol-Titan-Absorbern, die aufgrund ihres Materials und selektiver Beschichtung eine maximale Absorption von Sonnenlicht bei geringer Reflexion und minimierten Transmissionsverlusten gewährleisten. Die eintreffende kurzwellige UV-Strahlung wird in Wärme umgewandelt und in dieser Form direkt ans umgebende Wasser abgegeben. Innerhalb der Glasröhren herrscht Vakuum, damit Wärmeverluste des heißen Absorbers nach außen minimiert werden. So kann die Sonnenenergie optimal für die Wassererwärmung genutzt werden. Die transparenten Kollektoren aus Bor-Silikatglas sind radial drehbar, so dass die Absorberfläche immer im optimalen Winkel zur Sonne steht. Vitosol wird in vorgefertigten Modulen geliefert und ist durch eine Steckverbindung leicht zu montieren. Dieses Kollektorsystem gilt als sehr wartungsfreundlich, da die Röhren einzeln austauschbar sind. Bei Beschädigung oder Fehlfunktionen einzelner Röhren ist ein gezielter Eingriff möglich, ohne das komplette Element entfernen zu müssen.

> Produktinfos Vakuum-Röhrenkollektoren Vitosol

Lüftung

Die Büroräume kommen trotz der vollverglasten Fassade ohne eine konventionelle Klimaanlage aus. Neben Drehkippflügeln sind es vor allem Dauerluftklappen im unteren Bereich der Fassade, die eine effiziente Lüftung im Sommer zulassen und es auch ermöglichen, nachts die Räume auskühlen zu lassen, ohne dass die Gefahr von Schlagregen gegeben ist. Damit die natürliche Belüftung der Büroräume auch auf denjenigen Seiten des Gebäudes gewährt werden kann, die ein erhöhtes Verkehrsaufkommen aufweisen, wurden diese mit einer Doppelfassade versehen. Die Frischluftzufuhr in den Zwischenbereich erfolgt über Kanäle, die angesaugte Luft aus dem Innenhof führen, so dass keine verunreinigte Straßenluft in das Gebäude eindringt. Schallabsorber aus mikroperforiertem Acrylglas hemmen den Straßenlärm. Die verbrauchte Luft aus den Büros kann im Bereich der Flurtrennwände über kippbare Oberlichtflügel oder durch einen abgehängten Teil der Decke abgesaugt werden. Mit Hilfe des Kamineffekts wird die Abluft durch Schächte über Dach geführt. Bei ungünstiger Witterung unterstützen Ventilatoren diesenProzess.

Autor: Hartmut Möller, Christian Schönwetter