Museum im Paulikloster in Brandenburg



Daten und Fakten

Standort: Neustädtische Heidstraße 28, 14776 Brandenburg
Bauherr: Zentrales Gebäude- und Liegenschaftsmanagement der Stadt Brandenburg an der Havel
Architekt: BASD – Büro für Architektur, Städtebau und Denkmalpflege Westphal + Schlotter, Berlin/ Brandenburg an der Havel
Projektmitarbeiter:
Prof. Dr. Karsten Westphal, Dipl.-Ing. Lothar Hoffmann (Oberbauleitung), Dipl.-Ing. Erik Meinertz (Planung)
Bauzeit: 04/2004 bis 06/2007 (Museumseröffnung 09/2008)
Nutzer: Archäologisches Landesmuseum Brandenburg

Baukosten: 14,1 Millionen Euro

Weitere Daten:
Grundstücksfläche: 8.500 qm
Überbaute Fläche: 4.000 qm
Nutzfläche: 3.000 qm
BGF: 5.900 qm
BRI: 45.600 cbm

Architekten

BASD – Büro für Architektur, Städtebau und Denkmalpflege
Westphal + Schlotter Architekten
Prof. Dr. Karsten Westphal, Dipl.-Ing. Gerhard Schlotter
Puschkinallee 1
12435 Berlin
Tel. 030-3088720
Fax 030-2827572
basd@basd-berlin.de
www.basd-berlin.de

Prof. Dr. Karsten Westphal
Hevellerstraße 6
14776 Brandenburg/Havel
Tel. 03381-325661
Fax 03381-524054
karsten.westphal@basd-brandenburg.de

Büroprofil
Der Schwerpunkt des Büros der Architekten Westphal und Schlotter liegt seit fast 30 Jahren in der Denkmalpflege. Zahlreiche Instandsetzungen, Umbauten und Erweiterungen legen davon Zeugnis ab. Das Kunstgewerbemuseum im Schloss Köpenick, die St. Nikolai-Kirche und der Bruno-Taut-Pavillon in Berlin sind nur einige Beispiele. Aus dieser Erfahrung heraus hat sich auch die Arbeitsweise der sogenannten Denkmalpflege-Architekten entwickelt, die Architektur als einen Prozess verstehen. Aus der eigenen denkmalgerechten Erfassung, die auf der Fragestellung aufbaut: „Was war? Was ist? Was ist erforderlich?“ leitet sich die Konzeption ab. Darauf baut dann die Planung auf, die sich einer zurückhaltenden Entwurfssprache bedient. Neue Elemente sind erkennbar, dürfen aber nicht in Konkurrenz mit dem Bestand treten. Diese Herangehensweise geht einher mit einer „epischen Denkmalpflege“, welche die Idee des Ortes transportieren will. Der Bestand, ein unwiederbringlicher Träger von Information, soll bewahrt werden. Das Augenmerk liegt dabei auf der klaren Trennung von Bestand und Neubau mit dem Anspruch, reversibel zu sein. Um die Öffentlichkeit zu erreichen, möchte das Büro Zukunft und Herkunft vermitteln, was durch Baustellenführungen „Baustelle gleich Schaustelle“ umgesetzt wird.

Projektmitarbeiter
Prof. Dr. Karsten Westphal, Dipl.-Ing. Lothar Hoffmann (Oberbauleitung), Dipl.-Ing. Erik Meinertz (Planung)

 

Entwurfsaufgabe

Brandenburg an der Havel liegt 75 Kilometer südwestlich von Berlin im gleichnamigen Bundesland. Dort befindet sich am Rande des alten Stadtkernes das ehemalige Paulikloster des Bettelordens der Dominikaner. Die Grundsteinlegung der Klosteranlage, deren Errichtung sich über mehr als zwei Jahrhunderte hinzog, geht auf das Jahr 1286 zurück. Der gotische Backsteinbau besteht aus einer dreischiffigen Hallenkirche, einem Kreuzgang mit Klausurgebäuden und der 1497 errichteten Marienkapelle. Der markante Gebäudekomplex in zentraler innerstädtischer Lage prägt das Stadtbild durch sein Gebäudevolumen.Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Klosteranlage bei Kampfhandlungen erheblich beschädigt. Die von 1958 bis 1967 vorgenommenen Eingriffe in den restlichen Bestand, wie die Entkernung noch erhaltener Gebäudeteile und der Umbau von Abschnitten der Fassade, taten ihr Übriges. Auch wenn die baugeschichtliche Bedeutung bereits erkannt wurde, fehlte es in dieser Zeit an einem übergreifenden Konzept, an politischer Kontinuität und wohl auch an Geld. Von den ergriffenen Einzelmaßnahmen erwies sich lediglich die Überdachung der Klausur als Schutz für die Klosterruine.

Erst Anfang der Neunzigerjahre rückte die Bedeutung der Klosteranlage wieder in den Fokus. Man begann mit der konstruktiven Sicherung, um sie vor weiterem Zerfall zu schützen. Zur Umsetzung der notwendigen Sanierungsmaßnahmen fehlte aber noch die Finanzierung. Das mit der Bausicherung beauftragte Büro für Architektur, Sanierung und Denkmalpflege (BASD) brachte sich bereits zu diesem Zeitpunkt wesentlich in die Akquise der finanziellen Mittel ein. Die Europäische Union, Bund, Land und die Stadt Brandenburg stellten schließlich ein Budget von 14,1 Millionen Euro zur Verfügung. 2002 wurden die denkmalgerechte Sanierung und der Ausbau von Kirche und Klausur beschlossen. Erst zwei Jahre später begannen die Sanierungsarbeiten, die innerhalb von 36 Monaten umzusetzen waren. Die Funktion stand bereits lange fest: Die Räumlichkeiten sollten ein Museum beherbergen.

Endlich war ein Ort für die heimatlose archäologische Landesausstellung gefunden, die jetzt im ehemaligen Klausurbereich untergebracht ist. Die ehemalige Kirche bietet heute Platz für kulturelle Veranstaltungen und konkurriert damit auch nicht mit dem romanischen Dom und weiteren bedeutenden Kirchenbauten in unmittelbarer Nähe. Daneben führte die Wiederbelebung der Klosterruine zur Aufwertung eines innerstädtischen Brachlandes. Auch die umliegende Wohnbebauung wurde schließlich in Stand gesetzt.



Projektbeschreibung

Die Arbeit der Architekten wurde begleitet von Denkmalpflegern. Gemeinsam definierten sie eine Haltung, die das Grundgerüst für die Maßnahmen darstellte. Diese denkmalpflegerische Absicht fand sich in der groben Planung wieder, die nur als Richtlinie zu verstehen war; denn erst während des Bauablaufes konnte die Ruine abschnittsweise erfasst werden. Änderungen oder die Erarbeitung von Ausbaustufen waren daher nicht ungewöhnlich. Als Leitfaden orientierten sich die Planer an einer „erzählerischen Denkmalpflege“, die Klosteranlage sollte keinesfalls gänzlich rekonstruiert und Ergänzungen reversibel ausgebildet werden.

Eine Zielvorgabe war es, die Kubatur des mittelalterlichen Bauwerks wieder zu erhalten. Als charakteristisches Element musste dazu das Steildach der Kirche wiederhergestellt werden, ebenso wie die fehlenden Dächer der Klausurgebäude und der Kapelle. Der Kirchturm erhielt eine originalgetreue Turmhaube. Auch bei der Restaurierung der Außenwände orientierte man sich an der ursprünglichen Fassadengliederung. Die Mauerwerkssteine zeigen in ihrer unterschiedlichen Färbung und Beschaffenheit die wechselvolle Geschichte des Klosters und beleben dadurch die Fassade. Baunähte, die den abschnittsweisen Entstehungsprozess der Klosteranlage dokumentieren, verstärken diesen Eindruck.

Im Gegensatz zum vorgefundenen Zustand der Kirche war der ebenerdige und repräsentative Teil des zweigeschossigen Kreuzganges sehr gut erhalten, er besitzt noch das originale Kreuzgratgewölbe. Das nicht gewölbte Obergeschoss war weitgehend zerstört. Die über das sogenannte Rückgrat des Klosters zugängliche Klausur war in ihrer Gliederung nur noch schwer ablesbar. Für die Unterbringung des Museums in diesem Bereich war das von Vorteil. Da die Zwischenwände fehlten, kann die Ausstellung nun separat von der parallelen Erschließungszone besucht werden. Notwendige schwere Brandschutztüren zum Kreuzgang hätten den Museumsrundgang wesentlich beeinträchtigt. Diese durchquert man jetzt lediglich, wenn man über die Treppenhäuser die Geschosse wechselt.

Die ursprüngliche Planung sah vor, die haustechnische Abteilung und die Cafeteria in den Klostergarten zu legen. Damit die historischen Räume nur mit der Funktion der Ausstellung belegt werden, wollte man die technischen Anschlüsse und den Servicebereich auslagern, um den Bestand nicht mit moderner Nutzung zu belasten. Dies konnte wegen der Maßgabe des Föderbescheides, der eine Planung strikt innerhalb der

Umfassungswände vorsah, leider nicht umgesetzt werden. Die Eingangszone schiebt sich jetzt als einfache Stahl-Glas- Konstruktion in den Freibereich zwischen Kirche und Kapelle. Der anthrazitfarbene Stahl, der durchgängig die Erweiterungen charakterisiert, ist auch hier stilbildend. Cafeteria und Toiletten befinden sich gezwungenermaßen in der Kapelle.


Baukonstruktion

Da man auf eine Wiederherstellung des gotischen Kirchengewölbes verzichtete, prägt heute das hölzerne Sprengwerk des Dachstuhls den Kirchenraum. Konstruktiv orientierte man sich am ursprünglichen Kehlbalkendach und ergänzte dieses durch Zugbänder aus Stahl. Da die Arkade zum südlichen Seitenschiff fehlte, komplettierten die Planer die notwendige statische wie raumbildende Komponente. HEB-Profile fangen die aus dem Dach einwirkenden Kräfte ab, das gewohnte Bild der Rundpfeiler erzeugt die nachgebildete Mauerwerksverkleidung der Stahlstützen. Auf die Weiterführung durch Arkaden wurde aber verzichtet, die sichtbaren Stahlstützen bilden heute das Auflager für die Dachkonstruktion. Die Verlagerung der tragenden Ebene nach innen ermöglicht die für die Gotik charakteristische Öffnung der Außenwände mit ihren zahlreichen, hohen und schlanken Maßwerksfenstern. Das gewaltige, um 60 Grad geneigte Dach ist gedämmt, so dass es auch den heutigen energetischen Anforderungen genügt. Der Einbau von Akustikplatten er-möglicht die vielfältige Nutzung der dreischiffigen Halle, bis hin zu Konzertaufführungen.

Zwar zeigte der Kreuzgang noch sein mittelalterliches Gewölbe, die angrenzenden Räume aber waren stark zerstört. Gerade der älteste Teil, der Ostflügel der Klausur mit Kapitelsaal und Dormitorium, war kaum noch erkennbar. Die tragenden Außenmauern wurden wieder aufgebaut und damit das ursprüngliche Tragsystem übernommen. Die Lage der Zwischenwände wurde durch die Andeutung von Mauerwerksverbänden teilweise wieder ablesbar. Stahlsteindecken, lediglich in vorhandene Schlitze eingehängt, ergänzen die fehlenden horizontalen Begrenzungen. Letztendlich ein günstiger Umstand, da in den neuen Decken die Leitungsführung untergebracht werden konnte und der Einbau einer Fußbodenheizung möglich wurde, ohne den Bestand zu belasten. Zwei Stahlbetontürme, die mit Treppe und Aufzug die vertikale Anbindung ermöglichen, besetzen die Nordost- und Südwestecke der Klausur. Die Treppenhäuser heben sich durch den verwendeten Sichtbeton und die Bauwerksfuge eindeutig vom Bestand ab.

Gleichermaßen findet sich dieses Gestaltungsprinzip auch in der Formulierung der Eingangszone wieder. Die Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Stahl und Glas wirkt wie in den Zwischenraum von Kirche und Kapelle eingeschoben. Durch die transparente Ausbildung der Eingangshalle soll dem Besucher die Orientierung erleichtert werden. Das Dach des eingeschossigen Erschließungsbereiches ist aus Trapezblech, es setzt sich vom Bestand durch eine Glasfuge ab.


Interview

mit Architekt Karsten Westphal


Welcher denkmalpflegerische Ansatz liegt Ihrem Entwurf zugrunde?
Ganz einfach: Nur das Notwendigste ist zu tun, auf Dauerhaftigkeit ist zu achten. Und natürlich gilt unser Credo, Konservieren geht vor Restaurieren und Restaurieren geht vor Rekonstruieren. Andererseits erlauben wir uns, eine „epische Denkmalpflege“ einzubringen, das heißt die Geschichte anzuerkennen, Gebrauchs- und Verlaufsspuren nicht zu egalisieren, sondern davon zu erzählen. Das ist eben nicht die klassische Rekonstruktion. Wir wollen kein vermeintlich schöneres Bild vermitteln, sondern auf die Spuren der Geschichte aufmerksam machen, das Bauwerk lesbar machen.

Verfolgten Sie bei der Gestaltung des neuen Eingangsbereiches ein bestimmtes Thema?
Genius Loci – Geist des Ortes! Am Eingangsbereich standen wir räumlich dem Thema der Fuge gegenüber. Der Eingang oder vielmehr Einschlupf für das alte Kloster erfolgte nur durch eine kleine Tür. Wir brauchten eine neue Erschließungssituation, mussten einen Verteiler schaffen. Zudem wollten wir eine städtebauliche Lösung, die den Eingang erkennen lässt. Dieser Bereich sollte geschützt sein und den Verteiler zu Kirche, Cafeteria und Kloster darstellen. Diesem funktionalen Anspruch kamen wir mit einer Stahl-Glas-Konstruktion nach, ganz im Bauhaus-Sinne, die Form folgt der Funktion. Durch eine möglichst transparente Ausbildung der Eingangszone galt es, dem Besucher die Orientierung zu erleichtern. Der Eingangsbereich, als hinzugefügtes Bauteil, ist reversibel und genügt damit unserem Leitgedanken.

Sanierung und Denkmalpflege gehören zu den Schwerpunkten Ihres Büros, was war für Sie das Besondere bei dieser Bauaufgabe?
Das Besondere war, so eine große Ruine wieder funktionsfähig zu organisieren. Die Kosten- und Zeitvorgaben einhalten zu können, das war die nächste Herausforderung an dieser Bauaufgabe – eine unanfechtbare Maßgabe der finanziellen Förderung, die wir erfüllten. Wir bewerteten eine Ruine und gaben eine Schätzung ab. Der Förderbescheid gab uns schließlich vor, mit einer Million Euro weniger auskommen zu müssen, damit war die einkalkulierte Sicherheit gestrichen. Da aber Planungsänderungen ein wesentlicher Bestandteil der Bauphase waren, denn wir befinden uns auf archäologischem Boden, mussten wir immer wieder dynamisch reagieren, um uns im gesetzten Kostenrahmen von 14,1 Millionen zu bewegen. Der bis dato ruinöse innerstädtische Bereich sollte zudem ins Bewusstsein der Menschen gelangen, wir wollten den vernachlässigten Ort wieder in die Stadt bringen.

Welchen Beitrag leistet Ihr Projekt zu den Themen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit?
Das Gebäude ist bauphysikalisch immer noch im Gleichgewicht, da wir behutsam eingegriffen haben. Die neuen Mauerwerkssteine des dicken Schalenmauerwerks sind ebenso diffusionsoffen wie die Originale und auchdie neuen Mehrscheibenfenster sind nicht luftdicht eingebaut. Die Dächer sind jetzt wärmegedämmt, so dass wir insgesamt mit guten Wärmedurchgangskoeffizienten rechnen können. Die Energie, die man dann aber doch noch braucht, bekommen wir über Erdwärme, ergänzt durch Brennwerttechnik. Durch den Erhalt des natürlichen Gleichgewichts sowie den Einsatz moderner Mittel und nachhaltiger Energieversorgung erhalten wir eine gute Energiebilanz. Die Betriebskosten liegen wesentlich unter den kalkulierten Werten und schneiden im Vergleich mit anderen Museumsbauten und neueren Schulgebäuden sehr gut ab.

Das Projekt konnte umgesetzt werden durch EU-Fördermittel sowie Geldern aus Bund, Land und Stadt – hinzu kommen die Anforderungen von Denkmalamt und Museum. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den Beteiligten?
Sieht man einmal von einem anfänglichen Planungsdisput ab, hatten wir das Glück, eine sehr effektive Projektbegleitung zu haben. Als ausgewiesener Verwalter des aus Fördermitteln bestehenden Budgets übernahm das Gebäude- und Liegenschaftsmanagement Brandenburg die Funktion des Bauherrn. Hier trafen wir auf Personen, die das Projekt sehr engagiert begleitet haben. Bei den Vertretern der amtlichen Denkmalpflege hatten wir kongeniale Mitstreiter. Auch die Oberbürgermeisterin der Stadt, ebenfalls vom Baufach, unterstützte uns. Rechtzeitig erkannte die Stadtspitze, dass es sich um eine Aufgabe mit Signalwirkung handelt. Auf ministerieller Ebene, die im Dreimonatsturnus den Bautenstand und die Kostensituation kontrollierten, gab es sachliche Diskussionen mit Regierungsvertretern und immer einen den Aufgaben dienenden Konsens.
 


Presseschau

Web:

– www.maerkischeallgemeine.de
zahlreiche Beiträge in der regionalen Tagespresse
– www.tagesspiegel.de
„50.000 Jahre Brandenburg im Kloster“, Berliner Tagesspiegel, 25.09.2008
– www.haustechnikdialog.de
„Bivalente Heizungsanlage im Paulikloster Brandenburg“, 09.06.2009

Print:

Bauen Wohnen Freizeit
„Turmhaube auf Paulikloster gesetzt“, BWF Regionalausgabe Land Brandenburg, November 2006
 

Technischer Ausbau

Baupflege

Die Klosteranlage muss dauerhaft auf einem bestimmten Temperaturniveau gehalten werden, um das noch feuchte Mauerwerk auszutrocknen. Da das offene Schalenmauerwerk lange Zeit schädlicher Einwirkung von Feuchtigkeit ausgesetzt war, wurde besonders das stark mörtelhaltige Füllmaterial im Zwischenraum nass. Die zur Austrocknung notwendige konstante Wärmezufuhr leistet eine Fußbodenheizung, die bei niedrigen Außentemperaturen von Radiatoren unterstützt wird. Die erzeugte Strahlungswärme garantiert dabei die gleichmäßige Raumerwärmung. Der diffusionsoffene Ziegel und nicht hermetisch dichte Fenster machen die Trocknung des Mauerwerks möglich. Die ausgetretene Feuchtigkeit ist an den Außenwänden durch dunkle Verfärbungen oder weiße Salzausblühungen ablesbar.

Leitungsführung

Untergebracht ist die zentrale Heizungsanlage im alten Gewölbekeller unterhalb des Ostflügels; ein Kellerraum aus Umbaumaßnahmen der Sechzigerjahre hatte sich dafür angeboten. Der Verteiler befindet sich im Spitzdach. Im neu errichteten Dach des Klausurbereiches ist ausreichend Platz, um über ein Ringsystem die gesamte Haustechnik zu verteilen. Die primär für den Ausstellungsbereich notwendige Klima- und Lüftungsanlage ist ebenfalls dort untergebracht. Drei Hauptversorgungsschächte dienen als vertikaler Verteiler, diese laufen durch abgetrennte Raumteile von oben nach unten. Geschossweise wird das Leitungssystem über die neu eingezogenen Decken in der Horizontalen verteilt. Die größeren Querschnitte der Klima- und Lüftungsanlage verlaufen unterhalb der abgehängten Decken. Werden die Heizkörper nicht direkt über Bodenauslässe angeschlossen, sind sie mit sichtbaren Zu- und Ableitungsrohren entlang der Wände verbunden. Auch die Elektroleitungen sind teilweise sichtbar vor der Wand geführt, denn Mauerwerksschlitze entsprächen nicht den Ansprüchen einer Substanz bewahrenden Sanierung. Die sanitären Einrichtungen sind im Treppenhaus der Ostklausur untergebracht sowie in der Kapelle unmittelbar beim Eingangsbereich. Der geringe Bedarf an Warmwasser wird über Durchlauferhitzer gewährleistet.

Heizung

Zwölf Bohrungen bis 100 Meter Tiefe waren für die Sonden nötig, die dem Erdboden Wärme entziehen, so dass natürliche Energie für die Wärmegrundversorgung des 45.600 Kubikmeter großen Gebäudevolumens sorgen kann. Die dafür eingesetzte Fußbodenheizung wird von der Viessmann Sole/Wasser-Wärmepumpe Vitocal 300 mit einer Nennwärmeleistung von 81,2 Kilowatt betrieben. Die Wärme gewinnt man aus dem temperaturstabilen Erdreich und erreicht dadurch konstant hohe Leistungszahlen. Zwei Verdichter liefern, unabhängig von der Außentemperatur, Vorlauftemperaturen bis 35 Grad Celsius. Die komfortable Steuerung der Wärmepumpe erfolgt über eine witterungsabhängige digitale Regelung.

Um den Wärmebedarf der gesamten Klosteranlage auch in Spitzenlastzeiten decken zu können, entschied man sich für ein bivalentes Heizsystem. Das heißt, die Wärmepumpe wird durch einen Viessmann Gas-Brennwertkessel Vitocrossal 300 ergänzt. Der Wärmeerzeuger besitzt eine Nennwärmeleistung von 460 Kilowatt und ist mit einem Gas-Gebläsebrenner ausgestattet. Sein Wirkungsgrad von 98 Prozent zeugt von einer sehr effizienten Wärmeerzeugung. Viessmann garantiert zudem eine schadstoffarme Verbrennung durch niedrige Brennraumbelastung und Durchgangsbrennraum. Dieses System minimiert die Schadstoff-Emissionen.

Autorin: Birgit Rathfelder

> Produktinfos Sole/Wasser-Wärmepumpe Vitocal 300-G
> Produktinfos Gas-Brennwertkessel Vitocrossal 300