Landessportschule Albstadt



Daten und Fakten

Standort: Vogelsangstraße 21, 72461 Albstadt
Bauherr: Württembergischer Landessportbund e.V., Fritz-Walter-Weg 19, 70372 Stuttgart
Architekt: LOG ID, Tübingen
Baujahr/Zeitraum: 2000 - 2002
Baukosten: ca. 1,4 Mio €
Nutzfläche: 934 m²
 

Architekten

Projektarchitekt: LOG ID, Tübingen
Mitarbeiter: Theo Boss, Winfried Klimesch

Fachplaner

Fachplaner Tragwerk
Planungsgesellschaft Dittrich mbH
Dipl.-Ing. Werner Dittrich
Leonrodstrasse 68
80636 München
Tel. 089 / 130 118 0

Fachplaner Haustechnik
Henne + Walter
Ingenieurbüro für technische Gebäudesysteme
Am Heilbrunnen 99
72766 Reutlingen
Tel. 07121 / 2685-0

Fachplaner Solaranlage
T. Schairer GmbH + Co. KG
Elisabethenstraße 11
72461 Albstadt-Tailfingen
Tel. 07432 / 5662

Entwurfsaufgabe

Die Landessportschule in Albstadt-Tailfingen ist die größte der vier Aus- und Fortbildungsstätten für Verbandssportler und (Vereins-)Sportlehrer in Baden-Württemberg. Jährlich bilden sich hier etwa 30.000 Sportler vor allem in Radfahren, mehreren Ballsportarten, Leichtathletik und Schwimmen weiter. Um der Belegung mit bis zu 200 Gästen gleichzeitig gerecht zu werden, wurden neue Büro-, Schulungs- und Arbeitsräume für Seminarleiter geschaffen und der Speisesaal erweitert. Da Albstadt mit rund 1800 Sonnenstunden einer der sonnigsten Orte in Deutschland ist, produziert die Schule schon seit längerem eigenen Solarstrom. Nun kamen an dem neuen Gebäude 50 Quadratmeter modernster Solarkollektoren hinzu, die den Warmwasserbedarf des größten Gästehauses decken.



Projektbeschreibung

Der erste Spatenstich zum Bau der Landessportschule erfolgte 1950. Die Gebäude wurden anschließend in verschiedenen Bauphasen erweitert. Drei große und zwei kleinere Sporthallen, ein Schwimmbad und drei Gästehäuser gruppieren sich um einen zentralen, überdachten Erschließungsweg. Um die Bebauung herum erstreckt sich das nach Süden und Westen abfallende Gelände mit Sportplätzen.

Spielhalle und Rezeption bilden den Auftakt rechts und links des Erschließungsweges. Die Rezeption liegt im Erdgeschoss des Gästehauses „Schwäbische Alb“, das parallel zum Südhang steht. Von hier werden die beiden eingeschossigen, ehemals getrennten Speisesaal- und Hörsaalgebäude bzw. die neuen Büro- und Seminarräume erschlossen. Eine Erweiterung von 4 Metern Tiefe vor den beiden Bauten bildet nun die Verbindung und bietet zwei zusätzliche Räume, die je nach Bedarf dem Speisesaal zuzuschalten oder durch Gruppen nutzbar sind. Auf der Ostseite des Speisesaals entstand 1986 ein achteckiger Anbau, der rasch zu klein und nun durch einen Neubau ersetzt wurde.

Über dem Speisesaalensemble schwebt die Büro- und Seminaretage. Erschlossen wird sie über das Treppenhaus des Gästehauses und eine neue Stahltreppe im Luftraum des nach oben erweiterten, lichtdurchfluteten Atriums. Die Form des Obergeschosses öffnet die Büroräume nach Süden und verleiht den kleinen Arbeitsräumen nach Norden eine konzentrierte Atmosphäre. Unterstützt wird das durch das indirekte Licht, das die weiß gestrichene Fassade des Gästehauses durch die nach unten geneigten Fenster der Büroräume reflektiert.


Baukonstruktion

Tragwerk

Gestalterische Klammer für die An- und Neubauten bildet die Konstruktion in Holzrahmenbauweise. Die Binder der Decken und des gekrümmten Daches sind sichtbar, die Wände innen mit weißen OSB-Platten verkleidet. Die in der Flucht der alten Fassaden zurückgesetzte Seminaretage ruht auf einem Stahlrost. Sie stützt sich in der Westhälfte mit vier kräftigen Betonpfeilern auf die vorhandenen Massivwände. Im Osten überspannt sie den neuen Speisesaal-Pavillon und wird von zwei filigranen A-förmigen Stelzen getragen. Die nach außen gebogene Unterkonstruktion für die Solarkollektoren umfasst im Obergeschoss zugleich den Fluchtbalkon.

Fassade

Die Fassade nach Süden verläuft vor der Tragwerksebene und besteht aus raumhoher Isolier-Festverglasung im Wechsel mit Lüftungsflügeln. Geschlossene Wandelemente sind mit beschichteten, dunkelrot gestrichenen OSB-Platten verkleidet und mit Mineralwolle gedämmt. Die Stirnseiten der Baukörper tragen Aluminium-Wellplatten mit 1,20 m hohen, eingeschnittenen Fensterbändern direkt über dem Fußboden, die selbst im Sitzen einen freien Blick in die Natur erlauben. Davon unterscheidet sich der „frei“ stehende Pavillon des Speisesaals: Er erhielt eine Lochfassade mit liegenden, übereinander angeordneten Fenstern, verkleidet mit verzinkten Gitterrosten, die auf schwarz gestrichene OSB-Platten geschraubt sind.
 


Energie- und Ökologiekonzept

Die Landessportschule beteiligt sich seit langem an energiesparenden Konzepten. Damit unterstreicht man den Anspruch, stets auf dem neuesten Stand zu sein – im sportlichen wie im energetischen Bereich. Beispielsweise werden die Gebäude seit 1985 mit Fernwärme von einem BHKW in der 200 Meter entfernten Langenwand-Schule beheizt. 1999 wurde die viel beachtete Fitnesshalle eingeweiht, die als eine der ersten Sportstätten nach Niedrigenergiestandard ausgeführt wurde und passiv beheizt wird. Auf dem Flachdach der Fitnesshalle stationierte Photovoltaik-Module produzieren Solarstrom für einen Freiburger Betreiber. Der Ertrag wird in der Rezeptionshalle sichtbar für alle Besucher angezeigt, ebenso die Daten des solar erwärmten Wassers. Die Kollektorpaneele vor der Speisesaalerweiterung und der Büroetage waren der Einstieg der Schule in die solare Warmwassererzeugung. Aufgrund der guten Erfahrung mit dem Kollektorsystem sollen die anderen Gästehäuser in Zukunft nach und nach ebenfalls mit thermischen Solaranlagen ausgestattet werden.

Sonnenschutz und Solaranlage

Der Sonnenschutz der Räume besteht aus innen liegenden, vertikal verstellbaren Stores. Bei hoch stehender Sonne wirken zusätzlich die fest stehenden Solarkollektoren als Verschattung, die zugleich den Warmwasserbedarf des Gästehauses „Schwäbische Alb“ decken. Ursprünglich waren zwei Reihen schmalerer Kollektoren geplant, doch wurden die Innenräume dadurch so dunkel, dass der Bauherr die 1061 mm x 2385 mm großen Viessmann Vitosol 100 vorzog. Im Erdgeschoss sind acht, im Obergeschoss zwölf der 45 kg leichten und einfach anzuschließenden Elemente montiert. Die effizienten Flachkollektoren mit insgesamt 50 Quadratmetern Fläche sind in ein Kreislaufsystem eingebunden, das über eine Solarzelle in Gang gesetzt wird, die an den Solarregler Vitosolic 200 angeschlossen ist. Der Datenaustausch erfolgt dabei über den KM-BUS mit der witterungsgeführten Vitotronic Regelung. Die Vitosolic sorgt dafür, dass die mit den Sonnenkollektoren gewonnene Wärme so effektiv wie möglich für die Trink- oder Schwimmbadwasser-Erwärmung oder die Heizungsunterstützung genutzt wird. Vitosolic kommuniziert dabei mit der Kesselkreisregelung und schaltet den Heizkessel ab, sobald ausreichend Sonnenwärme zur Verfügung steht. Das entlastet den Heizkessel und senkt die Heizkosten.

Zwei Heizwasser-Pufferspeicher Vitocell 333 mit integrierter Trinkwassererwärmung nehmen 1500 Liter solar erwärmtes Wasser auf und laden über einen Wärmetauscher den Brauchwasserspeicher Vitocell-L 100 mit 500 Litern Inhalt. Eventueller Nachheizbedarf wird automatisch erkannt und über Umwälzpumpen bedient. Der Brauchwasserspeicher ist an das vorhandene Warmwassersystem mit etwa 2500 Litern Inhalt angeschlossen. Der tägliche Warmwasserbedarf liegt insgesamt bei 4200 Liter.

> Produktinfos Flachkollektor Vitosol
> Produktinfos Heizwasser-Pufferspeicher Vitocell
> Produktinfos Warmwasserspeicher Vitocell-L

Lüftung

In den Räumen entstehende Wärme wird im Erdgeschoss über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung abgeführt. Im Obergeschoss findet natürliche Lüftung über die Fensterflügel, Türen und Lüftungsklappen im Dach statt. Gleichzeitig sorgen Pflanzen in fest eingebauten, mit Edelstahlschienen eingefassten Beeten für eine natürliche Raumklimatisierung und ein angenehmes Feuchtegleichgewicht – eine Idee, die bei den Besuchern durchweg sehr positiv aufgenommen wird.