Haus Pilz in Kaufbeuren



Daten und Fakten

Standort: Regina-Kirchmaier-Str. 11, 87600 Kaufbeuren
Bauherr: Andrea und Martin Pilz, Regina-Kirchmaier-Str. 11, 87600 Kaufbeuren
Architekt: becker architekten, Beethovenstrasse 7, 87 435 Kempten / Allgäu

Baujahr/Zeitraum
Bauzeit: 09.2001 – 10.2002
Planung: ab 01.2001
Baujahr: Fertigstellung 10.2002

Vergabe
Direktauftrag

Weitere Informationen
Grundstücksgröße: 482 m2
Nutzfläche: 183 m² (Wohnfläche) + 26 m2 (Nebennutzfläche)
Rauminhalt: 713 m³
Niedrigenergiestandard 60 KWh/m²h
Kosten: 311.630 Euro

Architekten

becker architekten
Beethovenstrasse 7, 87 435 Kempten / Allgäu
Tel.: 0831-5122000
Fax: 0831-5122001
http://www.becker-architekten.net
E-Mail: info@becker-architekten.net

Tätigkeitsbereiche
Beratung, Denkmalpflege, Energieberatung, Facility Management,Garten- und Landschaftsplanung,Gutachten,Innenraumplanung, Lichtplanung, Messebau, Möbeldesign, ökologisches Bauen, SiGe-Koordination, Stadt- und Regionalplanung, Umbau/Sanierung, Visualisierung, Wettbewerbe

Planungsschwerpunkte
Dienstleistungsbauten, Gesundheitswesen/Sozialeinrichtungen, Hotels, Gaststätten, Touristik, Industriebau, Kulturbauten, Sakralbauten, Schulen/Kindergärten, Sport/Freizeitanlagen, Staatliche/Kommunale Bauten, Wissenschaft/Forschung, Wohnbauten

Bürophilosophie:
> auseinandersetzung mit dem ort, seiner identität, topographie und historie
> konzeptioneller entwurfsansatz im zusammenspiel mit dem bauherrn. nutzer
> funktionale planung unter berücksichtigung der faktoren nachhaltigkeit. energie. ökologie
> ganzheitliche umsetzung. materialisierung zur schaffung einer stimmigen raumatmosphäre

Fachplaner

Tragwerksplanung
Harald Böller
Manzen 22
88161 Lindenberg/Allgäu
Telefon: 08381.941980
Telefax: 08381.941981
boeller-plan@t-online.de

Heizung / Sanitär
(wurde mit der ausführenden Firma projektiert)
Fa. Pelzl Heizungsbau GmbH
Hr. Zaiser
Bärenseestrasse 54
87600 Kaufbeuren
Telefon: 08341.12200
Telefax: 08341.13948

Elektro
(wurde mit der ausführenden Firma projektiert)
Fa. Elektro Zech
Hr. Zech
Eichweg 1
87666 Pforzen
Telefon: 08346.9777
Telefax: 08346.9778
Elektro-zech@t-online.de

Entwurfsaufgabe

Das Einfamilienhaus sollte für eine Familie mit zwei Kindern im Jugendalter auf einem 482 m² großen, nahezu ebenen Grundstück bei hoher Dichte der Umgebungsbebauung im Neubaugebiet „Am Kesselberg“ errichtet werden. Das Raumprogramm sah eine Bebauung vor, die in Unter-, Erd- und Obergeschoss aufgeteilt sein sollte. Im Erdgeschoss waren der Eingangsbereich mit WC, ein Koch- und Essbereich sowie Räume zum Wohnen und Arbeiten vorgesehen. Das Obergeschoss sollte neben Räumen für die Eltern und Kinder auch eine Ankleidezone und zwei Bäder aufweisen. Ein Abstellraum sowie ein Raum für Heizung und Technik sollten das Raumprogramm im Untergeschoss abrunden. Außerdem war es der Wunsch der zukünftigen Bewohner, das gemeinschaftliche Wohnen offen zu formulieren und das individuelle Wohnen eher introvertiert zu gestalten. Damit ergab sich das Erdgeschoss als „Leerraum“ , der zwischen zwei massiven Blöcken des Unter- und Obergeschosses aufgespannt wird, war von Anfang an vorgesehen. Der Bebauungsplan gab eine ziemlich genaue Lage sowie Abmessung von Haus, Garage und Nebenbaukörper vor; ebenso wie die straßenbegleitende Betonmauer, die von der Stadt für das gesamte Baugebiet errichtet wurde.



Projektbeschreibung

Auf einem Hochplateau „Am Kesselberg“, am westlichen Stadtrand von Kaufbeuren entstanden 72 Einfamilienhäuser mit einer modernen Architektursprache. Die geringe Anzahl von Festsetzungen seitens der Baubehörde ermöglichte eine untypische Wohnsiedlung. Für eine markante Gestaltung der Straßenräume sorgt die am Wohnweg begleitende Baulinie und die Festlegung auf zwei Vollgeschosse.
Eine begleitende Betonmauer aus Sichtbeton entlang der Erschließung unterstützt dabei das klar strukturierte Straßenbild. Am Ende einer der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Stichstraßen befindet sich das Haus Pilz von becker architekten. Um das 482 m² große Grundstück des Einfamilienhauses der Familie Pilz einzufassen, sahen die Architekten im Norden des Grundstücks eine Garage und im Süden ein Nebengebäude für Gartengeräte und Fahrräder vor. Beide Gebäude dienen sowohl dem Zugangsbereich des Haupthauses als auch dem Gartenbereich als partieller Sichtschutz. Außerdem begrenzen sie den optisch erweiterten, vierseitig verglasten Innenraum des Erdgeschosses.

Das Einfamilienhaus misst eine Wohnfläche von 183 m² und 26 m² Nebennutzfläche und bietet der Familie mit zwei Kindern im Jugendalter optimalen Raumbedarf auf zwei Ebenen. Ein Abstellraum sowie ein Raum für Heizung und Technik runden das Raumprogramm im Untergeschoss ab. Durch die geringe Gebäudekubatur bot es sich an, das Einfamilienhaus im Niedrigenergiestandard mit 60 KWh/m²h zu errichten. Im Erdgeschoss finden sich neben dem Eingangsbereich, ein offener Koch- und Essbereich, sowie Räume zum Wohnen und Arbeiten. Die unterschiedlichen gemeinschaftlichen Bereiche werden dabei durch eine mäandrierende Wandabwicklung gegliedert und bieten dadurch fließende Übergänge. Dazu trägt auch die Tür zwischen dem Eingangs- und Wohnbereich bei, die sich in beide Richtungen aufpendeln lässt. Die umlaufende Glasfassade im Erdgeschoss sorgt für fließende Übergänge zwischen innen und außen. Im Obergeschoss des Hauses sind die Räume für die Eltern und Kinder nach Süden orientiert. Die Individualräume sind im Gegensatz zu den gemeinschaftlichen offenen Wohnräumen im Erdgeschoss introvertiert. So kann sich jedes Familienmitglied bei Bedarf in seinen eigenen Raum zurückziehen. Wandrücksprünge an der Nordseite der Zimmer bieten integrierten Raum für offene Regale, sowie Platz für Ankleidezonen zur Flurseite. Alle drei Individualräume sind durch einen außen liegenden Freisitz, der von oben und zusätzlich frontal durch Betonlamellen belichtet ist, miteinander verbunden. Auf der Nordseite des Obergeschosses liegen die Sanitärräume. Ursprünglich waren die beiden Sanitärzonen als Glaskuben geplant, die Bauherren entschieden sich aber dafür, die Bereiche nur mit Vorhängen abzugrenzen. Die beiden Bäder werden durch Oberlichter belichtet.

Die Treppenanlage war ebenfalls als Glaskubus geplant, hier kam letztendlich aber eine Holzverkleidung zum Einsatz, die sich bis ins Untergeschoss fortsetzt. Dabei bildet die Holzverkleidung bildet die Wände der Treppe und andererseits das Treppengeländer. Dabei setzt sie sich bis ins teilunterkellerte Untergeschoss fort. Erwähnenswert ist ebenfalls noch die kleine Pointe des Hauses, die direkt auf die Familie Pilz schließen lässt. Im Eingangsbereich überlagern sich in unterschiedlichen Höhen verschieden große sandgestrahlte Betonplatten, die aufgeständert wie „Pilze“ aussehen.


Baukonstruktion

Stahlbetonwände im Untergeschoss bilden die Basis des Wohngebäudes. Eine Bitumendickbeschichtung und eine 100 mm dicke Wärmedämmung aus Styrodur beziehungsweise 50 mm dicke EPS-Platten sowie Filtervlies dämmen das Bauwerk und schützen es vor Feuchtigkeit. Die 22 cm dicke Stahlbetondecke im Untergeschoss wurde mit einer Dampfsperre und einer 20 mm starken Ausgleichsschüttung versehen. Darüber befindet sich eine 80 mm dicke PU-Platte, eine PE-Folie sowie Zementheizestrich für die wohlig warmen Füße im Erdgeschoss. Der 70 mm dicke Estrich wurde geschliffen und gewachst und korrespondiert mit der Decke über dem Erdgeschoss, die eine Untersicht aus Sichtbeton aufweist. Über der 25 cm dicke Stahlbetondecke befindet sich 50 mm Styropor, eine PST-Verbundplatte und PE-Folie sowie 65 mm Heizestrich. Industrieparkett aus dunkel gebeiztem Eichenholz ist im Obergeschoss verlegt. Die Wandscheiben im Erdgeschoss tragen die Lasten des Obergeschosses auf das Untergeschoss ab. Dabei wurde bei Auskragungen sogar mit drei Zentimetern Überhöhung gearbeitet, so dass sich nach dem Ausschalen die auskragenden Elemente so weit senken, dass sie letztendlich horizontal in der waagerechten liegen. Die einläufige gerade Treppe, die sich vom Unter- bis in das Obergeschoss erstreckt, wurde aus Sichtbeton vorgefertigt.

Fassade

Das nach innen und außen „offene Erdgeschoss“ ist umlaufend verglast. Gestaltendes Element der transparenten Fassade ist eine Pfosten-Riegel- Konstruktion, die innen mit Holz und außen mit schwarz beschichteten Aluprofilen geartet ist. Die Außenwände im Obergeschoss bestehen aus Ziegelmauerwerk, das mit 120 mm Polystyrol gedämmt wurde. Hierbei wurde die klassische Steinbreite von 24 cm verwendet. Die Wände sind innen verputzt und außen mit einem Vollwärmeschutz versehen.

Dach

Trotz seiner modernen Architektursprache wurde das Einfamilienhaus mit einem konventionellen, flach geneigten, Satteldach errichtet, wobei jedoch keine Dachziegel oder Metall das Dach eindecken, sondern mehrlagige Bitumenbahnen. Das Dach wurde von außen nach innen weiterhin wie folgt aufgebaut: eine 18 mm dicke Rauhspundschalung aus Fichtenholz sowie eine 80 x 80 mm starke Lattung als Hinterlüftung, eine Dachbahn, nochmals eine 18 mm dicke Rauhspundschalung aus Fichtenholz, 200 mm Wärmedämmung und eine Dampfbremse. Gipskartonplatten verkleiden die Innenräume des Obergeschosses.


Interview

mit becker architekten


Wie interpretieren Sie den Baukörper?

Vereinfachend gesagt, haben wir versucht, den Typus des Vorstadthauses als reduzierten, bündigen Baukörper neu zu interpretieren.

Deshalb auch der graue Anstrich der Fassade?
Ja, genau. Wir wollten das Gebäude als Ruhepol von der umgebenden heterogenen Bebauung absetzen und einen Zusammenhang zu den Sichtbeton- Oberflächen der Nebenbaukörper sowie zu den Umfassungswänden entlang der Grundstücksgrenzen herstellen.

Was gefällt Ihnen selbst an dem Wohngebäude am besten?
Das Raumkonzept im Erdgeschoss. Es bietet mit seinen fließenden Übergängen aber dennoch eigenständigen Räumen eine angenehme Atmosphäre, die Spannung zwischen den Bereichen erzeugt und der Individualität Raum gibt.

Was ist baukonstruktiv besonders am Haus Pilz hervorzuheben?
Die statische Herausforderung im Erdgeschoss. Schließlich steht das gesamte Obergeschoss auf einzelnen tragenden Wandscheiben im Rauminneren. Ansonsten ist das Erdgeschoss umlaufend verglast. Gerade über dem Essbereich war es ein kompliziertes Vorhaben, da die diagonale Auskragung von zirka sieben Meter baukonstruktiv nicht einfach zu lösen war.


Energie- und Ökologiekonzept

Das Einfamilienhaus wurde als Niedrigenergiehaus mit einem Jahresheizwärmebedarf von 60 KWh/m² errichtet. Zudem erhielt es eine kompakte Gebäudeform ohne Vor- und Rücksprünge. Dies spart Wärmedämmung. Obwohl das Verhältnis von Inhalt zu Oberfläche bei einer Kugel ideal wäre, bevorzugt das Wohngefühl unserer Breitengrade eher rechte Winkel und ebene Flächen. Je mehr ein Bauwerk der Form eines Würfels ähnelt, desto weniger Außenwandfläche ist im Vergleich zum umbauten Raum vonnöten. Abweichungen wie etwa eine L-Form wären schon eher ungünstig. Die Wärmedämmungen haben Dämmstärken von 100 bis 200 mm. Dabei wurde Styrodur im Untergeschoss, Polystyrol im Erdgeschoss und Zellulosedämmstoff im Dachgeschoss verwendet. Wärmebrücken wurden dabei gemäß EnEV vermieden.

Dem Niedrigenergiehaus genau angepasst, entsprach der moderne Wärmeerzeuger Vitodens 300. Der Gas-Brennwertkessel verbindet alle Leistungsmerkmale eines großen Heizkessels mit den kompakten Abmessungen eines Wandgerätes. Durch extrem niedrige Schadstoff-Emissionen unterschreitet er sogar die Grenzwerte des Umweltzeichens „Blauer Engel“ und die weltweit schärfsten Anforderungen des Hamburger Klimaschutzprogramms „Heizung + Solar“. Seine senkrecht angeordneten Inox-Crossal-Heizflächen sorgen für hohe Betriebssicherheit und lange Nutzungsdauer.

Zu dem Energiekonzept trägt ebenfalls die hochwertige Verglasung bei. Diese stellt nicht nur eine Frage der Wohnqualität im allgemeinen dar, sondern begünstigt auch den Wärmeeintrag durch die Fenster. Das Erdgeschoss ist umlaufend verglast. Was im Winter positiv genutzt werden kann, kann sich im Sommer als Problem entpuppen: Um das Einfamilienhaus vor Überhitzung durch Sonneneinstrahlung zu schützen, sind die innen liegenden Vorhänge als Sonnenschutz unverzichtbar. Im Obergeschoss sorgt der Freisitz mit Beton-Lammellen für die Verschattung und vermeidet im Sommer eine Aufheizung der Individualräume.

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