Haus K. in Erlangen



Daten und Fakten

Standort: Erlangen
Bauherr: privat
Architekt: Markus Gentner . att architekten, Nürnberg
Projektmitarbeiter: Daniel Votteler

Bauzeit: 03/2007 - 06/2008

Grundstücksfläche: 840 m²
überbaute Fläche: 125 m²
Wohnfläche: 175 m²
Nutzfläche: 50 m²
BRI: 800 m³

Architekten

Markus Gentner . att architekten
Bauerngasse 12
90443 Nürnberg
Tel. 0911-27447922
Fax 0911-27447944
mg@att-architekten.de
www.markus-gentner-architekt.de

Bürophilosophie
Eine gegenüber der Umwelt und dem Benutzer verträgliche Planung, mit hohen ethischen Anforderungen. Ablesbarkeit der Konstruktion und Materialehrlichkeit. Wir sind bestrebt, die Elemente eines Gebäudes im Entwurfsprozess so lange zu ordnen und zu reduzieren, bis das System, auch in seiner abgestuften Wertigkeit, erkennbar und ablesbar wird. Einsatz von erneuerbaren, nachwachsenden und umweltverträglichen Baustoffen. Jedes Material - ob Beton, Stahl oder Holz - hat seinen eigenen Ausdruck, den es an seinem Verwendungsort auch zeigen darf. Standardlösungen aus Bequemlichkeit lehnen wir ab.

Fachplaner

Tragwerksplanung
Dr. Kreutz und Partner
Beratende Ingenieure
Hintere Ledergasse 18
90403 Nürnberg
Tel. 0911-2053773
Fax 0911-2053774
nbg@dr-kreutz.de
www.dr-kreutz.de

Freiraumplanung
G[art]en
Dipl.-Ing. (FH) Uwe Thielemann
Landsweilerstraße 94
90469 Nürnberg
Tel. 0911-6707855
Fax 0911-6707751
info@gfl-garten.de
www.gfl-garten.de

Haustechnik
Weidinger Haustechnik GmbH
Erlanger Straße 6
90542 Eckental-Eschenau
Tel. 09126-5432
Fax 09126-90770
info@haustechnik-weidinger.de
www.haustechnik-weidinger.de

Elektrotechnik
Elektro Helmut Heid
Josef-Kolb-Straße 16
91077 Neunkirchen am Brand
Tel. 09134-617
Fax 09134-9142
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www.elektro-heid.com


Entwurfsaufgabe

Der Bauherr ist am Burgberg aufgewachsen und für ihn stand fest: wenn er bauen würde, dann sollte es hier sein. Das war keine schlechte Wahl, denn die Anhöhe nördlich von Erlangen liegt 50 Meter oberhalb des mittelfränkischen Stadtgebietes. Im 15. Jahrhundert wurde dessen Südhang bevorzugt für Obst- und Weinanbau genutzt, 200 Jahre später erholte sich hier das aufkommende Bildungsbürgertum in seinen Gartenanlagen. Auch heute ist die Gegend ein beliebtes Ausflugsziel, besonders zu Pfingsten, wenn an den ehemaligen Felsenkellern, die der Bierlagerung dienten, die Bergkirchweih stattfindet. Die Wohnbebauung etablierte sich aber erst Anfang des 19. Jahrhunderts, als Universitätsprofessoren diesen Standort für ihre Villen wählten. Auch für das Führungspersonal des Siemenskonzerns, der sich nach 1945 in Erlangen etablierte, war der Erlanger Burgberg die erste Adresse. Heute ist die Architektur der Flachdachbauten und Bungalows in die Jahre gekommen, auch fehlt es der Region an jungen Bewohnern. Mit Aussicht auf den Bubenreuther Wald und der Nähe zur Altstadt lässt sich diese Entwicklung nur auf die raren und teuren Grundstücke zurückführen.

Die Suche nach einem Baugrund forderte demnach viel Geduld von den Bauherren. Drei Jahre benötigte das junge Paar, um ein Grundstück zu finden, das ihren Preisvorstellungen entsprach. Sie zögerten mit dem Kauf keine Minute  – weder die steile Hanglage noch die Ausrichtung nach Norden sollten ein Hindernis sein. Das schmale Grundstück mit 840 Quadratmetern durfte nur auf 125 Quadratmetern bebaut werden. Laut Bebauungsplan war im Süden nur ein Vollgeschoss möglich, während talseitig im Norden eine zulässige Traufhöhe von sechs Metern auch zwei Geschosse erlaubte.

Architekt Markus Gentner aus Nürnberg war den Bauherrn über ein bereits realisiertes Bauvorhaben bekannt, und sie vertrauten ihm, eine Lösung für diese schwierige Bauaufgabe zu finden. Markus Gentner verstand es, gerade aus den Zwängen die Besonderheiten des Entwurfs herzuleiten und damit eine außergewöhnliche Architektur zu realisieren.



Projektbeschreibung

Ein Grundstück, das schon als unbebaubar abgestempelt ist, bedarf einer unorthodoxen Lesart. Ein Einfamilienhaus, wie man es üblicherweise gewohnt ist, fand hier keinen Platz. Daher geriet auch Architekt Gentner mit herkömmlicher Entwurfsmanier schnell an seine Grenzen. Erst über das Modell entwickelte er eine Vorstellung über das Machbare: Er knickte, faltete und klappte virtuos, so dass er Himmelsrichtung, Topografie und Höhenentwicklung als Entwurfskriterien nutzten konnte.

Oberhalb des Grundstückes ist die Zufahrt. Eine kleine Stichstraße führt von Süden hinunter zu Haus K und geht westlich des Grundstückes in einen Fußweg über. Die holzverschalte Südseite könnte wegen ihrer Geschlossenheit mit Ausnahme des schmalen Küchenfensters abweisend wirken; doch verbirgt sich hinter der homogenen Eingangsfront unauffällig das breite Garagentor. Zudem ist die Geste, mit der die Holzfront aus ihrem Eternitrahmen nach innen klappt, einladend.

Der Eingang liegt an der Längsseite des fächerförmigen Grundrisses und führt direkt in die offene Küche. Unmittelbar beim Betreten des Hauses erfährt man den offenen Raumeindruck. Die Südterrasse, die sich bis in die Raummitte schiebt, trennt die Küche vom Ess- und Wohnbereich. Die allseitig verglaste Terrasse bringt die Südsonne in den Wohnraum und ermöglicht Durchblicke innerhalb der Eingangsebene. Der Essbereich ist von zwei Seiten belichtet und die vollständig verglaste Nordseite eröffnet eine weite Aussicht in den Wald.

Der private Bereich befindet sich im Geschoss darunter: Eine einläufige Treppe führt vom Eingangsbereich nach unten in das Gartengeschoss, dessen hinterer, südlicher Teil in den Hang eingegraben ist. Hier sind die Kellerräume und auch das Badezimmer mit Sauna untergebracht. Licht fällt von oben in den vorgelagerten Hof und belichtet den Nassbereich indirekt. Gleichzeitig bietet der Innenhof zwischen den Saunagängen einen direkten Zugang ins Freie. Nach Norden schiebt sich das Untergeschoss mit drei weiteren Räumen, dem Schlafzimmer und den beiden Kinderzimmern aus dem Hang und öffnet sich zum Garten.

Der rechte Winkel in den Raumzuschnitten wird konsequent gebrochen, es dominieren spitze und stumpfe Ecken. Korrespondierend mit den unterschiedlichen Raumhöhen definiert diese Spielart den Charakter des Hauses.


Baukonstruktion

Das zweigeschossige Gebäude ist eine Mischkonstruktion. Die Hanglage führte zur Ausbildung eines Sockelgeschosses, welches zum Teil eingegraben ist und daher als Massivbau in Beton ausgeführt wurde. Darüber erhebt sich eine expressive Holzkonstruktion, deren Bausatzprinzip der Holztafelbauweise entspricht. Die einzelnen, selbsttragenden und modular zusammengefügten Holztafeln machen die Form möglich. Den Baukörper änderte der Architekt noch in der Werkhalle der Zimmerei am 1:1 Modell. Nur in der Zunft der Zimmersleute, wie Architekt Gentner betont, fand er auch Partner, die seine räumlichen Visionen nachvollziehen und konstruktiv umsetzen konnten. So verbesserten sie die vorgefertigte Konstruktion so lange, bis sie diese schließlich auf der Baustelle zusammenfügen konnten.

Im Norden ist das Haus zum Garten verglast, im Süden markiert eine vertikale Bretterschalung die eingeschossige Eingangsseite. Eternitplatten, die der schiefen Kontur folgen, rahmen die nussbaumlasierte Holzfront und die raumhoch verglaste Nordseite. Auch an der komplett geschlossenen Ost- und Westseite verkleiden die anthrazitfarbenen und schräg verlegten Fassadenplatten die Holzkonstruktion. Das untere Geschoss ist nur im Süden eingegraben und tritt zum Garten mit seiner grauen Putzfassade hervor. Das Flachdach ist schiefergrau gedeckt und wird bewusst als fünfte Fassade behandelt.

Harmonisch fügen sich die raumhohen Isolierverglasungen in die dunkle Außenhaut ein, weil die Holzrahmen in mattem Anthrazit lackiert sind. Es wird kein Sichtschutz benötigt, da die offene Nordseite nur den Wald gegenüber hat und nach Norden kein Sonnenschutz notwendig ist. Nur vor der Glasfront zur Südterrasse mildern weiße Vorhänge, die entlang einer Deckenschiene laufen, die direkte Sonneneinstrahlung.

Der dunklen Gebäudehülle stehen die lichten Innenräume gegenüber, dominiert durch weiße Wände und Decken sowie dem hellen Holzboden. Die Decke der Eingangsebene zeichnet über ausgebildete Fugen zwischen den Gipskartonplatten den Dachverlauf nach und betont die unterschiedlichen Raumhöhen. Die Wände im oberen Geschoss sind mit weißem Gips verputzt. Im unteren Geschoss dominieren Sichtbetondecken: Nur in den Schlafräumen erhalten die Wände Gipsputz. Auf den Böden ist durchgehend gebürstetes und geöltes Eichenparkett verlegt, mit Ausnahme des Badezimmers: Hier überrascht die grobe Oberfläche von Waschbeton.


Interview

mit Architekt Markus Gentner


Hatten Sie ausreichend Freiraum bei der Planung des Einfamilienhauses?

Bauherren, die unvoreingenommen sind und nicht schon mit einem speziellen Konzept auf einen zukommen brauche ich für einen guten Entwurf. Gleichzeitig bewundere ich diese Auftraggeber für Ihren Mut, sich auf ein so spannendes Experiment einzulassen. Wenn die Bauherren aufgeschlossen sind und ein Projekt mittragen, entsteht auch etwas Schönes. Hier war diese Grundlage gegeben, sodass ich mich langsam an die Aufgabe herantasten, mich auf die Situation einlassen konnte. Dann erst erarbeite ich ein Konzept für das Haus.

Worin lag die Herausforderung bei dieser Bauaufgabe?
Die Herausforderung lag in den Zwängen. Der Bebauungsplan erlaubte nur 125 Quadratmeter zu überbauen. Hinzu kam die Enge des Grundstückes und die steile Nordhanglage, die Erschließung war nur von Süden möglich. Diese Situation führte mich dazu, das Modell zu entwerfen. Damit konnte ich dann ein Raumprogramm entwickeln, weil erst so die möglichen Flächen abzulesen waren.

Welcher konstruktive Ansatz oder welches Materialkonzept zeichnet Ihren Entwurf aus?
Erst wenn der Entwurf steht, überlege ich mir, wie das Gebäude zu konstruieren ist und welche Materialien sich am besten eignen. Hier entschied ich mich für eine Mischkonstruktion, weil das Haus durch seine Hanglage teilweise eingegraben ist. Für das Gartengeschoss war eine massive Konstruktion notwendig. Das obere Geschoss wollte ich in Holzbauweise errichten. Erstens, weil ich Holz als Baustoff gerne verwende. Zweitens, weil sich die gewählte Gebäudeform des Schiefen und Geklappten überhaupt erst mit diesem Material umsetzen ließ.

Und welche Besonderheiten gibt es hinsichtlich des Energiekonzeptes?
In diesem Gebiet hatten wir keinen Anschluss an Erdgas. Folglich musste Energie angefahren werden. Erdöl schied für mich aus ökologischer Sicht aus. Eine Wärmepumpe war hier nicht wirtschaftlich, beziehungsweise hätte ihre Verwendung das Budget gesprengt. Wir haben uns schließlich für eine Pelletheizung entschieden: Nachwachsender Rohstoff, preisgünstig, kohlendioxidneutral. Auch das Obergeschoss ist mit nachwachsenden Rohstoffen gebaut. Wir haben eine Lüftungsanlage und hochwärmegedämmte Wände, das sind die Rahmenbedingungen von unserem Energiekonzept. Hinsichtlich der Nordhanglage sind wir mit der Energiebilanz zufrieden und liegen unter den maximalen Werten der damals geltenden Energieeinsparverordnung.

Extravaganz trifft auf Konventionalität – wie hat sich das Haus in seiner Umgebung behaupten können?
Hier hat uns das Bauamt in Erlangen sehr unterstützt. Die zuständigen Sachbearbeiter haben das Bauvorhaben nicht nur genehmigt, sondern es zusätzlich dem Baukunstbeirat vorgelegt. Da wir in einem attraktiven Wohngebiet am Erlanger Burgberg bauten, wo sowieso jeder Neubau große Aufmerksamkeit auf sich zieht, waren wir mit der positiven Äußerung dieses Gremiums gut gewappnet, um mögliche Gegenstimmen zu neutralisieren. Das Haus wurde aber in seiner Nachbarschaft anstandslos akzeptiert, sieht man einmal von den üblichen Einwänden ab, die das Neue und Andere immer erst einmal als verwerflich abkanzeln.


Presseschau

Web

Wallpaper*: „K House, Erlangen, Germany“; Dezember 2009; www.wallpaper.com

Print

Atrium, Fachzeitschrift für Wohnen, Garten, Architektur und Design: „Sehenswertes aus Erlangen“; Mai/Juni 2010

Energiekonzept

Die Prämisse umweltbewusst zu handeln war für Architekt Gentner maßgebend für das Energiekonzept des Einfamilienhauses. Aufgrund der erhöhten Hanglage des Grundstückes kam eine Versorgung über Erdwärme nicht in Betracht. Die Tiefe der erforderlichen Bohrungen hätte einer sinnvollen Kosten-Nutzen Rechnung nicht standhalten können. Da das Baugebiet über keinen Gasanschluss verfügt, war es nötig die Energie „in jedem Fall anzufahren“, so Gentner. Das fossile Erdöl stand nicht zur Diskussion, die Wahl fiel auf den heimischen Brennstoff Holz. Mit der Entscheidung für diese umweltbewusste, da regenerative Energieform sind die Bauherren nicht den schwankungsabhängigen und tendenziell steigenden Kosten für fossile Energie unterworfen, zudem ist das nachwachsende Material auch noch die kostengünstigste Lösung.

Folglich fand ein Holzpelletkessel Vitoligno 300-P von Viessmann Verwendung. Der Wärmeerzeuger verfügt über eine automatische Pelletzuführung mit elektronischer Zündung und steht damit herkömmlicher Technik, wie man sie von Öl- oder Gasbrennern kennt, in nichts nach. Die zylindrischen Presskörper aus reinem Holz, beispielsweise aus Sägespänen oder Holzmehl, verbrennen sparsam. Die Feinstaubemission liegt dabei deutlich unter den gesetzlich festgelegten Grenzwerten. Ein Wirkungsgrad bis zu 95 Prozent kann erreicht werden. Aber auch bei geringerer Auslastung ist eine effiziente Heizleistung möglich. Der hohe Wirkungsgrad kann dauerhaft garantiert werden, da die Heizflächen automatisch von Ablagerungen gereinigt werden und ein selbsttätig drehender Lamellenrost Rückstände aus der Brennkammer entfernt. Die Holzasche als Verbrennungsprodukt ist biologisch vollständig abbaubar und kann bei Bedarf als Gartendünger verwendet werden. Ein zusätzlicher Pufferspeicher entfällt bei diesem System, da das Wasser in der Konstruktion selbst erwärmt und gespeichert werden kann.

Das Heizwasser versorgt die im Haus durchgängig verlegte Fußbodenheizung. Nur im Bad gibt es einen Konvektor, der einen erhöhten und schnellen Wärmebedarf abdeckt. Als Unterstützung - beziehungsweise als Übergangslösung - dient ein freistehender gusseisener Ofen mit Holzbefeuerung im Wohnraum als zusätzliche Wärmequelle.

Als Brauchwasserspeicher dient der Vitocell 100-V von Viessmann. Der Speicherbehälter aus Stahl ist korrosionsgeschützt und emailliert, wodurch die Trinkwasserqualität gesichert ist. Die innenliegende Heizwendel ermöglicht die schnelle und gleichmäßige Erwärmung des Volumens von 300 Litern Wasser.

Gut zugänglich ist die Heizanlage in einem Kellerraum untergebracht, der sich im eingegrabenen Teil des unteren Geschosses befindet. Hier ist auch ausreichend Platz für die Vorratshaltung der Pellets.

> Produktinfos Pelletkessel
> Produktinfos Warmwasserspeicher Vitocell 100-V

Autorin: Birgit Rathfelder