Haus B. in Wiesloch



Daten und Fakten

Standort: Wiesloch
Bauherr: privat
Architekt: Thomas Fabrinsky, Karlsruhe
Bauzeit: Oktober 2005 – Dezember 2006
Grundstücksfläche: 1.680 qm
Bauvolumen: 1.100 cbm
BGF: 348 qm
Nutzfläche: 296 qm
Wohnfläche: 215 qm

Architekten

Thomas Fabrinsky
Freier Architekt BDA
Hirschstraße 89
76137 Karlsruhe
Tel. 0721-46470913
Fax 0721-46470929
info@fabrinsky.com
www.fabrinsky.com

Büroschwerpunkte:
Neubau, Umbau, Anbau, Sanierung, Bauleitung

Bürophilosophie:
Der Wert guter Architektur liegt in ihrer baulichen und gestalterischen Dauerhaftigkeit. Das Ziel ist es, für einen bestimmten Ort eine klare, eindeutige Architektur zu finden, die durch eine zurückhaltende und moderne Formensprache besticht. Das Spannungsfeld zwischen selbstverständlicher Einfügung und selbstbe­wusster Eigenständigkeit wird hierbei ausgereizt. Ressourcenschonende Techniken, ökologische Materialien und zeitlose Formen sind das daraus resultierende Handwerkszeug. Der Entwurf unterliegt keiner Mode und keiner Richtung, sondern ist die Reaktion auf den spezifischen Ort, für den er entwickelt wurde. Die Reduktion auf das Wesentliche und die angemessene Lösung für die jeweilige Situation steht im Mittelpunkt.

Das ausführliche Gespräch mit Bauherren ist die Grundlage für den Entwurf, die Wünsche der zukünftigen Nutzer werden kontinuierlich in den Entwurfsprozess übersetzt.

Fachplaner

Tragwerksplanung
Ing.-Büro Bruder & Van Den Bergh
Hr. Bruder
Altwingertweg 15
68766 Hockenheim
Tel. 06205-101311
Fax 06205-13195
b-vdb@t-online.de

HLS-Planung und Installation
Friedrich Morsch GmbH & Co. KG
Hr. Menrath, Hr. Gauer
Gutenbergstraße 7
69214 Eppelheim
Tel. 06221-79190
Fax 06221-791928
info@morsch.de
www.morsch.de

Elektroplanung und Installation
Elektro Körner GmbH
Hr. Ertl
Sinsheimer Straße 6
69226 Nußloch
Tel. 06224-10886
Fax 06224-12778
info@elektrokoerner.de
www.elektrokoerner.de

Energieberatung
Klimaschutzagentur Wiesbaden e.V.
Hr. Sabeder
Luisenstraße 23
65185 Wiesbaden
0611-236500
0611-2365020
info@ksa-wiesbaden.org
www.ksa-wiesbaden.org


Entwurfsaufgabe

Die Entwurfsaufgabe, die der Karlsruher Architekt Thomas Fabrinsky von seinen Bauherren bekam, ist schnell umrissen: ein architektonisch anspruchsvolles, repräsentatives Haus für die dreiköpfige Familie mit Einliegerwohnung und Swimmingpool. Die Herausforderung, das Gebäude im KfW-40-Standard zu planen, nahm der Architekt gerne an. Das Grundstück fällt nach Süden hin ab und befindet sich im oberen Bereich eines Wohngebietes in Hanglage mit Blick auf die Gemeinde Baiertal. Beste Voraussetzungen also für eine intensive Sonnennutzung durch Photovoltaik und Solarthermie.



Projektbeschreibung

Den Anforderungen des Bauherren an ein Haus für die dreiköpfige Familie mit einer Einliegerwohnung und diversen Nebenräumen trug der Architekt Rechnung, indem er die Räume auf zwei sich überschneidende Baukörper verteilte. Die beiden Kuben folgen in ihrer Höhenentwicklung der Topographie des Grundstücks. Das äußere Erscheinungsbild wurde dabei sehr unterschiedlich behandelt: Treppe und Zufahrt führen den Besucher des Hauses zum Eingang in dem etwas höher angeordneten und nach hinten versetzten, anthrazitfarbenen Kubus. Er orientiert sich nach Norden und Osten und nimmt die Einliegerwohnung sowie die Nebenräume auf. In Richtung Südwesten vorgelagert befindet sich der weiße, von weitem sichtbare Baukörper, in dem sich im Erdgeschoss die Bereiche für Wohnen, Kochen und Essen, im Obergeschoss die Schlafzimmer befinden.

Die Größen der Fensteröffnungen orientieren sich an den solaren Einträgen: Nach Süden hin öffnen sich im weißen Kubus Wohnzimmer und Elternschlafzimmer mit einer großen Glasfront zum Tal und zur Sonne. Die vertikal verlaufenden Fensterbänder an der Südfassade des zurückgesetzten, anthrazitfarbenen Kubus betonen dessen Höhe und lassen ihn zusätzlich schmaler wirken. Entlang der Westfassade sind die Öffnungen als waagrecht liegende Fensterbänder konzipiert. Hier befinden sich auch die Terrassen und der Pool. Im Norden und Osten wird die Fassade lediglich durch kleine Fensterschlitze und -öffnungen gegliedert.

Im Überschneidungsbereich der beiden Baukörper befindet sich die Erschließungszone, wo ein Oberlichtband die innenliegende Treppe mit Tageslicht flutet. Entlang der nach Osten zugewandten Treppenseite wurden die Nebenräume und der Flur zur Einliegerwohnung angeordnet. Zum Westen hin öffnet sich, durch zwei Stufen abgesenkt, der voll verglaste Koch-Ess-Bereich. Der lichtdurchflutete Wohnbereich ist davon durch zwei weitere Stufen und niedrige Einbaumöbel abgetrennt, um den Blick ins Tal nicht zu stören und die Raumhöhe effektvoll in Szene zu setzen. Im Obergeschoss befinden sich neben drei Schlafzimmern, aus denen bei Bedarf auch vier gemacht werden können, eine große Ankleide mit Ausblick ins Tal, eine Sauna, ein Hauswirtschaftsraum und ein großzügiges Bad. Die platzsparenden Einbaumöbel ermöglichen im gesamten Gebäude eine optimale Raumausnutzung.

Beim Innenausbau beschränkten sich die Architekten auf wenige ausgewählte Materialien: die Innenwände wurden glatt verputzt und weiß gestrichen, Türen und Fensterrahmen sind dagegen schwarz und anthrazitfarben. Die Böden bestehen aus poliertem Estrich, die Treppenstufen aus Sichtbetonfertigteilen.

Auch die Gestaltung des terrassierten Gartens, des Hauszuganges und der -zufahrt zeichnen sich durch eine klare Formensprache und eine reduzierte Materialwahl aus. Garage und Gartenelemente wie Pool, Treppen und Sitzblöcke bestehen aus Sichtbeton, Rasenflächen und -böschungen harmonieren mit den holzbeplankten Terrassen.

Die Einliegerwohnung ist sowohl durch den Haupteingang als auch über den Garten zugänglich. Eine kleine Terrasse verbindet Einlieger- und Hauptwohnung miteinander.


Baukonstruktion

Tragwerk

Die Gründung des Hauses besteht aus Streifenfundamenten im hinteren Hangbereich und einem Plattenfundament im vorderen Grundstücksteil. Die Lage am Hang brachte ein hohes Grundwasseraufkommen mit sich, so dass der Keller als Weiße Wanne ausgebildet werden musste. Damit ließ sich ein dehnfugenund wärmebrückenfreier „warmer Keller“ erstellen.

Die Wände im Erdgeschoss und im Keller bestehen aus statischen Gründen – resultierend aus der Hanglage – aus 20 Zentimeter starkem Stahlbeton, die Wände im Obergeschoss aus 20 Zentimeter Mauerwerk, die nicht tragenden Wände sind in 10 Zentimeter starken Gipsdielen ausgeführt. Um einen möglichst großen, stützenfreien Innenraum zu erreichen, wurden tragende Elemente auf eine treppenbegleitende Stützwand und ein kurzes Wandstück in der Küche reduziert. Die Decken des Gebäudes bestehen aus Stahlbeton, das Dach erhielt eine Kiesschüttung.

Wärmedämmung

Die wichtigste Voraussetzung um ein Haus im KfW-40-Standard errichten zu können, ist in erster Linie eine luftdichte, gut wärmegedämmte Hülle. Beim Haus Berger wird diese über ein 18 Zentimeter starkes Wärmedämmverbundsystem erreicht, das auf die massiven Außenwände aufgebracht wurde. Der U-Wert liegt somit bei 0,18 W/m²K für die Außenwände und bei 0,23/m²K für die erdberührten Kellerwände. Die Dämmung auf dem Flachdach ist 28 Zentimeter dick und erreicht einen U-Wert von 0,24 W/m²K. Auf dem bekiesten Dach sind, von außen unsichtbar, die Solarkollektoren und die Photovoltaik-Anlage montiert. Die Fenster sind mit Dreifachverglasung und so genannter Warmer Kante ausgestattet und haben einen U-Wert von 0,89 W/m²K. Ein Sonnenschutz befindet sich auf der Süd- und Westseite in Form von außenliegenden Jalousien, die unsichtbar in die Fassadenverkleidung integriert sind. Auf einen sommerlichen Wärmeschutznachweis konnte verzichtet werden, da der Fensteranteil unter dreißig Prozent der Gebäudeaußenfläche blieb.

Die Minimierung der Wärmebrücken wurde über durchgängige Luftdichtheit erreicht. Dazu wurden die Durchleitungen durch Außenwände mit Manschetten umlegt und anschließend mit Klebebändern abgedichtet. Fenster und Türen bekamen eine Drei-Ebenen-Abdichtung mit Kompriband, Montageschaum und beidseitigem Klebeband, das durch Abdeckleisten angepresst wird. Die Haustür erhielt dreiseitig eine doppelte Lippendichtung und im Schwellenbereich eine Absenkdichtung. Das Oberlicht liegt auf einem Neoprenstreifen auf dem Aufsetzkranz auf und wird durch sein Eigengewicht und durch Klebung fixiert. Der Aufsetzkranz selbst sitzt auf der Betonattika und ist mit Kompri- und Klebebändern abgedichtet. Rohre und andere Leitungen im Keller wurden auf der Wand verlegt, in den übrigen Geschossen wurden die Kabelstränge sorgfältig eingeputzt. Dosen und Verteiler wurden ebenso wie der Durchbruch für die Solarleitungen ausgespachtelt und anschließend verputzt. Sämtliche Wände in den Wohngeschossen, ebenso die Laibungen von Türen und Fenstern, erhielten einen vollflächigen Verputz vor dem Einbau des Estrichs. Die Kellerwände mussten nicht verputzt werden, da sie als Weiße Wanne ausgeführt sind und keine Dehnfugen enthalten. Nach Abschluss der Bauarbeiten wurde ein Blower-Door-Test durchgeführt. Der Transmissionswärmeverlust liegt bei 0,29 W/m²K und damit knapp unter den 45 Prozent des zulässigen Höchstwertes, den die Definition eines KfW-40-Hauses vorschreibt.


Interview

mit Thomas Fabrinsky


Warum achten Sie bei Ihren Projekten auf ökologisches, umweltverträgliches Bauen? Haben Sie von Anfang an so gebaut?
Weil ich Kinder habe, die auch noch eine lebenswerte Umwelt erleben sollten. Um dies zu erreichen, versuche ich meinen kleinen Teil dazu beizutragen und soweit mir möglich ist, auch ein wenig Vorbild zu sein. Das hat nicht irgendwann angefangen, es war eher ein Entwicklungsprozess, der durch das Architekturstudium entscheidend beeinflusst wurde. Ich möchte aber auch sagen, dass ich in Sachen ökologisches Bauen absolut kein „Guru“ bin. Ich mache das Selbstverständliche. Da gibt es ganz andere Öko-Architekten. Im Übrigen muß man auch sagen, dass das sehr vom Bauherrn abhängt. Es ist schließlich sein Geld und er entscheidet, ob er in Ökologie investiert oder in „goldene Wasserhähne“.

Mit seinen niedrigen Heizwärmebedarf erreicht das Haus beinahe Passivhauswerte. Was würde dazu noch fehlen?
Um Passivhausstandard zu erreichen, wären noch größere Dämmstärken erforderlich gewesen, die Fenster hätten deutlich kleiner ausfallen müssen. Auch die Fassaden hätten für die Nutzung der Solarthermie vorgesehen sein müssen.

Das verfügt über zwei Holzheizungen – einen Pelletofen und einen offenen Kamin, der mit Scheitholz beheizt wird. Verträgt sich der offene Kamin mit dem ökologischen Prinzip, nach dem das Haus gebaut ist?
Der offene Kamin ist in erster Linie Sache des individuellen Wohnkomforts. Natürlich wird er auch in der Übergangszeit als Heizungsersatz verwendet. In Sachen Wirtschaftlichkeit und Ökologie macht der Kamin vermutlich keinen großen Sinn. Wenn man den ökologischen Bogen sehr weit, über das Berechenbare hinaus spannt, gehört das Wohlbefinden, die Behaglichkeit, der direkte Bezug zum Energieträger vielleicht auch in eine ökologische Betrachtung. Ich meine damit, dass derjenige, der das Holz von der Garage ins Haus trägt, den Wert des Holzes und die damit erzeugte Wärme vielleicht besser zu schätzen weiß, als einer, der nur das Heizungsventil aufdreht. Dazu eine kleine Geschichte: Als ich im Sommer mit mehreren Familien im Urlaub war, war ich angeln. Die Forellen, die ich mit ins Ferienhaus brachte, habe ich dann auf der Terrasse geputzt. Viele Kinder standen umher und schauten zu. Ein circa 9 Jahre altes Mädchen fragte mich dann, ob ich aus den Fischen nun Fischstäbchen machen würde!!!

Welches ist Ihr Lieblingsplatz in dem Gebäude und warum?
Der schönste Platz ist für mich der Essplatz, er ist der zentrale Punkt im Haus, von da habe ich viele Blickbeziehungen in andere Raumbereiche und natürlich raus ins Grüne. Wirklich beeindruckend ist die große Wohnraumverglasung ohne Fensterteilung. Der Raum öffnet sich total. Hier hat man das Gefühl, im Freien zu stehen.


Technischer Ausbau

Lüftung

Die Lüftung des Hauses erfolgt mechanisch und kontrolliert mit Wärmerückgewinnung. Die Abluft aus den einzelnen Etagen wird über einen Wärmetauscher geführt und anschließend nach draußen geblasen. Die Restwärme aus der Abluft wird so an die Zuluft abgegeben, die über einen Kamin an der Nordseite des Gebäudes angesaugt wird. Um die Frischluft auf Raumtemperatur zu bringen, wird zusätzlich ein Erdregister eingesetzt. Die mit Sole gefüllten Leitungen wurden im Hang rings um das Haus verlegt. Die vorgewärmte Luft gelangt durch Quelllüftung in die einzelnen Räume. Dazu wurden bereits in die Rohdecken Zuleitungen eingelegt. Für den Heizungsinstallateur bedeutete dies, die Planung und Ausführung drei Monate früher als üblich zu beginnen und sich eng mit dem Rohbauer abzustimmen, um die Leitungen und Auslässe exakt einzumessen und zu verlegen.

Heizung und Warmwasser

Die Strom- und Warmwassergewinnung für das Haus erfolgt fast ausschließlich durch die Nutzung von Sonnenenergie. Den Strombedarf des Hauses decken Photovoltaik-Module mit einer Gesamtfläche von 22 Quadratmetern und 3,7 kWp Leistung, die auf dem Flachdach des weißen Baukörpers untergebracht sind. Die solarthermischen Kollektoren befinden sich auf dem Dach des anthrazitfarbenen Kubus und liefern mit 12,5 Quadratmetern Fläche das Warmwasser für das Gebäude. Der Anteil des solar erwärmten Wassers liegt bei 54 Prozent der Gesamtenergie für das Brauchwasser, darunter auch der Swimmingpool, und bei 10 Prozent für die Heizung. Der Rest wird von der Heizungsanlage gedeckt.

Das erwärmte Wasser wird in einem Schichtenspeicher mit einem Fassungsvermögen von 750 Liter gelagert und bei Bedarf durch den Pelletkessel Viessmann Vitolig 300 nacherwärmt. Der vollautomatische Kessel eignet sich für einen Heizkreis mit Mischer und Trinkwassertemperaturregelung. Er zeichnet sich durch einen feuerungstechnischen Wirkungsgrad von 95 Prozent aus. Dieser wird erreicht durch die Selbstregulierung der Kesselleistung, was zugleich auch für niedrige Abgastemperaturen sorgt. Die optimale Anpassung an den jeweiligen Wärmebedarf ist durch den so genannten modulierenden Betrieb möglich, der durch ein stufenlos geregeltes Saugzuggebläse und exakt dosierte Brennstoff- und Luftmengen erreicht wird. Der Vitolig 300 ist für die Beschickung des integrierten Vorratsbehälters mit einer automatischen Pelletzuführung ausgerüstet, die automatische Zündung mit Heizelementen verläuft leise und energiesparend. Die manuelle Regelung erfolgt durch eine menügeführte Volltextanzeige, die Funktionsüberwachung verläuft automatisch. Auch die Heizflächen reinigen sich automatisch. Damit ist ein dauerhaft hoher Wirkungsgrad garantiert. Der Vitolig 300 benötigt wenig Wartung und Reinigung. Der 232 Liter große Pelletbehälter sorgt für lange, unterbrechungsfreie Betriebszeiten, und die automatische Entaschung der Edelstahl-Brennerschale für nur ein Reinigungsintervall pro Jahr. Das relativ große Gerät lässt sich teilen und so auch durch schmale Zugänge komfortabel transportieren.

Bei der Auswahl der Umwälzpumpe wurde auf besonders sparsamen Verbrauch geachtet, da auch diese Werte in die Berechnung zum KfW-40-Haus einfließen: Statt üblicher 60 bis 90 Watt verbraucht die Pumpe nur 8 Watt. Diese Entscheidung sorgte unter anderem dafür, dass der Heizwärmebedarf für das Haus nicht nur unter 40, sondern bei 22,2 kWh/m²a liegt – nahe dem Passivhauswert von 15 kWh/m²a.

Zum nachhaltigen Gebäudekonzept gehört außerdem eine Zisterne für Regenwasser. Damit wird der Garten bewässert und die Toilettenspülung versorgt. Das restliche Brauchwasser im Haushalt wird über eine Enthärtungsanlage geführt, bevor es entnommen werden kann.

Autor: Claudia Hildner

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