Fertigungshalle der Behr GmbH in Blaichach



Daten und Fakten

Standort: Immenstädterstraße 36, 87544 Blaichach/Allgäu
Bauherr: Fa. Behr GmbH Technische Anlagen
Architekt: becker architekten, Kempten/Allgäu, Entwurf mit Reiner Kliebhan, München
Baujahr/Zeitraum: Entwurfs-Start: 06/2003
Baubeginn: 04/2004
Fertigstellung: 08/2004

Nutzfläche/Gesamtfläche: 986 m²
BRI: 7009 cbm
Grundstück: 2200 qm
Baukosten: 527.350 EUR (veranschlagt, Projekt wurde noch nicht endgültig abgerechnet)

Architekten

becker Architekten
Beethovenstraße 7
87435 Kempten/Allgäu
Tel.: 08 31 / 51 22 00 -0
Tel: 08 31 / 51 22 00 -1
E-Mail: info@becker-architekten.net
www.becker-architekten.net

Tätigkeitsbereiche
Beratung, CAFM-gerechte Planung, Denkmalpflege, Energieberatung, Facility Management, Garten- und Landschaftsplanung, Gutachten, Innenraumplanung, Lichtplanung, Messebau, Möbeldesign, ökologisches Bauen, SiGe-Koordination, Stadt- und Regionalplanung, Umbau/Sanierung, Visualisierung, Webdesign, Wettbewerbe

Planungsschwerpunkte
Dienstleistungsbauten, Gesundheitswesen/Sozialeinrichtungen, Hotels/ Gaststätten/ Touristik, Industriebau, Kulturbauten, Sakralbauten, Schulen/Kindergärten, Sport/Freizeitanlagen, Staatliche/Kommunale Bauten, Wissenschaft/Forschung, Wohnbauten

Bürophilosophie:
> Auseinandersetzung mit dem Ort, seiner Identität, Topographie und Historie
> konzeptioneller Entwurfsansatz im Zusammenspiel mit dem Bauherrn/Nutzer
> funktionale Planung unter Berücksichtigung der Faktoren Nachhaltigkeit, Energie, Ökologie
> ganzheitliche Umsetzung, Materialisierung zur Schaffung einer stimmigen Raumatmosphäre

Fachplaner

Tragwerksplanung
Ingenieurbüro für Tragwerksplanung
Dipl.-Ing. Harald Böller
Auf der Hub 28
88161 Lindenberg/Allgäu
Tel.: 0 83 81 / 94 19 80
Fax: 0 83 81 / 94 19 81
E-Mail: info@boeller-plan.de

Entwurfsaufgabe

Für die neue Fertigungshalle eines Anlagenbauers stand am nördlichen Ortausgang von Blaichach im Allgäu ein ehemaliges Schrottplatzgelände zwischen Bundesstraße und Bahnlinie zur Verfügung. Da das Gelände kontaminiert war, gaben die behördlichen Auflagen vor, das Grundstück vollflächig zu versiegeln. Der Bauherr wünschte sich, in der Fertigungshalle eine helle aber blendfreie Atmosphäre. Die Baukosten sollten außerdem so gering wie möglich gehalten werden.



Projektbeschreibung

Das auf der Fundamentplatte aufgerichtete Stahlskelett mit Trapezblechdach gliedert den Innenraum in Längsrichtung pragmatisch in die raumhohe Fertigungshalle mit Kranbahn und eine schmälere Nebenraumzone mit darüber liegender Galerie. An den Hallenstirnseiten befinden sich Hauptzugangstüren und Zufahrtstor. Die vierseitige Außenhaut aus Polycarbonat – Mehrfachstegplatten reagiert auf unterschiedliche Wetter- und Belichtungsverhältnisse und verleiht dem Gebäude ein opakes, geheimnisvolles Äußeres. Besonders in den Abend- und Nachtstunden fungiert der hinterleuchtete Baukörper in seiner Gesamtheit als Werbe- und Imageträger. Ein geringfügiges optisches Ablösen des quaderförmigen Baukörpers vom Boden verleiht dem ca. 6600 m3 großen Industriebau eine gewisse Leichtigkeit; mit der Reduzierung auf wenige Materialien und einfache baukonstruktive Details entstand ein unverwechselbares Gebäude. Auf der Südseite ist geplant, als zweiten Bauabschnitt ein Kürze einen Bürotrakt zu realisieren. Dieser wird als lamellenverkleideter Holzbau mit großen Hubläden abgelöst vor der Halle stehen und lediglich über einen kurzen Stichflur angedockt; die silbergrau alternde Holzfassade soll dann in eine spannende Wechselbeziehung zur jetzigen Hallenoberfläche treten.


Baukonstruktion

Fundament

Da aufgrund der vormaligen Nutzung des Baugeländes so wenig wie möglich in den Untergrund eingegriffen werden sollte, erfolgte die Ausführung der Gründung als Lastverteilungsplatte mit Randvouten. Das Anheben des inneren Fertigbodenniveaus gegenüber dem Außengelände bietet neben dem geringen Eingriff in den Baugrund einen weiteren Vorteil : Da es sich beim Gelände um ein mögliches Überflutungsgebiet der nahen Iller handelt, ist die Industriehalle mit einer Differenz von rund 60 cm von der Innenoberkante Schrammbord bis zum Außenniveau vor Überschwemmung relativ sicher.

Tragwerk

Beim Tragwerk der 40 x 20 m großen Halle handelt es sich um ein einfaches Skelett im 5 m – Achsraster und zwar sowohl in Längs- als auch in Querrichtung. Die Hallenträger weisen bis zur Zwischenstütze eine maximale Spannweite von 15 m auf. Im Vorfeld wurden die Materialvarianten Holz, Stahlbeton und Stahl untersucht und die zugehörigen Preise angefragt. Letztlich fiel die Wahl auf Stahl als wirtschaftlichsten Baustoff. Die HEB- und HEA-Stahlprofile sind gemäß Statik und Prüfstatik dimensioniert und wurden mit konventionellen Schraubverbindungen montiert.

Fassade

Für die vierseitige Umhüllung des Tragwerks fanden Mehrfachstegplatten aus Polycarbonat mit einem U-Wert von 1,15 W/m2K Verwendung. Die Einzelelemente mit einer Breite von je 50 cm wurden genau in Fassadenhöhe ( ca. 7,70 m)gefertigt und mittels Flach Sogankern je Nut- und Federverbindung alle etwa 1,5 m an den vertikalen IPE 100-Fassaden-Querriegeln befestigt. An Sockel und Traufe ist die Fassadenplatte jeweils in ein thermisch getrenntes Alu- U-Profil eingeklemmt. Im Zufahrtsbereich wünschte sich der Bauherr ein Vordach, das in geöffnetem Zustand beim Be- und Entladen einen Witterungsschutz bietet. Gestalterisch sollte das Tor möglichst unauffällig in die Fassade integriert werden. So entstand das flächenbündig ausgeführte Kipptor mit einer Abmessung von rund 4,5 x 6,0 m. Das Tor wurde in Zusammenarbeit mit der ausführenden Stahlbaufirma als Sonderkonstruktion entwickelt. Das automatische Öffnen und Schließen funktioniert dabei über zwei hydraulische Druckkolben auf der Torinnenseite.


Interview

mit Becker architekten mit Reiner Kliebhan


Wie schwierig war es für Sie als Architekten eine Industriehalle zu entwickeln, die architektonisch anspruchsvoll und zudem kostengünstig herzustellen war?
Die Tätigkeit als Architekt wird immer dann spannend, wenn die Rahmenbedingungen schwierig sind und somit eine Herausforderung darstellen. Es ist jedoch ein weit verbreiteter Irrglaube, dass sich eine gute Gestaltung und eine kostengünstige Herstellung von vorne herein ausschließen. Im Gegenteil: Gerade in der Beschränkung liegt oft die Qualität eines Gebäudes.

Was war aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung an der Planung und Realisierung des Gebäudes?
Die größte Herausforderung war sicher das zur Verfügung stehende Budget mit dem vom Bauherrn vorbehaltlos mitgetragenen gestalterischen Konzept in Einklang zu bringen. Gespannt waren wir auch auf die Reaktion der einheimischen Bevölkerung, die sich durch den Parkplatz des angrenzenden Verbrauchermarktes unmittelbar mit dem Neubau konfrontiert sah. Bislang waren jedoch durchweg positive Stimmen zu hören. Anscheinend findet die zurückhaltende Ausprägung der Fertigungshalle auch beim Bürger Anklang.

In welcher Phase entwickelte sich der Gedanke der Corporate Architecture?
Eigentlich von Beginn an. Die Forderung des Bauherren nach einer hellen, blendfreien Hallenatmosphäre mündete schon im ersten Entwurfskonzept in einem kristallinen Baukörper, der in seiner abstrakten Ausprägung die inneren Betriebsabläufe tagsüber „verhüllt“ und abends in seiner Ganzheit zu einem Leuchtkörper wird, der eine aufwändige Werbeanlage überflüssig macht. Die umschlossene Stahlkonstruktion entspricht übrigens in einem größeren Maßstab den im Inneren gefertigten Anlagen, die jeweils aus einem  „bekleideten“ und „gefüllten“ Stahlgestell bestehen.


Beleuchtungskonzept

Die Arbeits-Beleuchtung an der Hallendecke besteht aus Tecton-Leuchtstoffröhren. Die Stückzahl und die entsprechenden Leuchtmittel wurden gemäß den notwendigen Lux-Vorgaben für Arbeitsstätten berechnet, simuliert und ausgeführt. Neben der Innenbeleuchtung ist eine Fassadenbeleuchtung vorgesehen, die es ermöglicht, unterschiedliche Farben und Farbverläufe auf die Fassade zu projizieren; dabei wird diese über die innere Nut an Sockel und Traufe mit RGB- Licht illuminiert. Im Detail sind dann jeweils drei besondere Leuchtstoffröhren in den Grundtönen rot, grün und blau (RGB) parallel nebeneinander geschaltet. Durch eine spezielle Beleuchtungssteuerung ist es möglich, die drei Farben unterschiedlich zu aktivieren und dadurch eine optische Mischung zu erzeugen. Somit können mit lediglich drei Farben zirka 1,5 Millionen Farbtöne und letztlich jeder gewünschte Farbton hergestellt werden. Zusätzlich ist es unter anderem möglich, Farbverläufe zu generieren oder zeitlich aufeinander abgestimmte Farbsequenzen ablaufen zu lassen.

Heizung/Lüftung

Zur Realisierung der inneren Betriebstemperatur von 19 C° wurde zunächst über eine Betonkernaktivierung des Hallenbodens nachgedacht. Aus Kostengründen entschied sich der Bauherr dann doch für Heizplatten an der Hallendecke, welche die Wärme besonders schnell in das Gebäudevolumen transportieren. Im Hinblick auf die Heiztechnik haben Bauherr und Planer einen hocheffizienten Gas-Brennwertkessel von Viessmann gewählt. Der bodenstehende Heizkessel Vitocrossal 300 ist mit einem Matrix Strahlungsbrenner ausgerüstet. Mit einer Nenn-Wärmeleistung von 142 kW nutzt er aufgrund seiner Konstruktion die Kondensationswärme der Heizgase besonders intensiv aus. Der kompakte Kesselkörper mit großem Wasserinhalt und Inox-Crossal Wärmetauscherflächen aus Edelstahl sorgen für eine effiziente Brennwertnutzung. Der Matrix-Strahlungsbrenner ist besonders geräuscharm und gewährleistet mit 142 kW einen umweltfreundlichen Betrieb mit großem Modulationsbereich. Die Heizleistung wurde dabei so dimensioniert, dass der Brennwertkessel künftig auch die Büroflächen im geplanten Anbau mit Wärme und Warmwasser versorgen kann. Die Oberlichter im Dach sowie das Hallentor an der Kopf- und Einfahrtsseite der Industriehalle sorgen bei Bedarf für die notwendige Durchlüftung des Innenraumes; die Lichtkuppeln sind außerdem als Rauch-Wärme-Abzugsklappen ausgebildet.

Der Vitocrossal 300 ist ein Spitzenprodukt unter den bodenstehenden Heizkesseln. Aufgrund seiner Konstruktion nutzt er die Kondensationswärme seiner Heizgase besonders intensiv aus. Hervorzuheben ist die raumluftunabhängige Betriebsweise bis zu einer Leistung von 66 kW. Damit kann der Vitocrossal 300 innerhalb der wärmegedämmten Gebäudehülle aufgestellt werden. Das bringt in der EnEV-Berechnung besondere Vorteile.

> Produktinfos Gas-Brennwertkessel Vitocrossal