Bürohaus in Korbach



Daten und Fakten

Standort: Medebacher Landstraße 27, 34497 Korbach
Bauherr: Ofra Holding GmbH & Co. KG, Beverungen
Architekt: tagebau architekten + designer, Leipzig

Betrieb: getmore Beratung & Immobilien GmbH & Co. KG, Beverungen
Mieter:  Hessisches Immobilienmanagement, Zentrale Wiesbaden
Nutzer:  Amt für Bodenmanagement Korbach

Projektmitarbeiter: Henning Rambow, Sabine Schneider, Hagen Hippauf

Bauzeit: 03/2008 - 10/2008

Baukosten: ca. 5.500.000 Euro

Grundstücksfläche: 3.960 m²
Grundfläche:
818 m²
Nutzfläche:
2.683 m²
BGF:
4.091 m²
BRI:
14.916 m³

Architekten

tagebau architekten + designer
Kochstraße 64
04275 Leipzig
Tel. 0341-303280
Fax 0341-3032829
info@tagebau.de
www.tagebau.de

Büroschwerpunkte:
tagebau architekten + designer bearbeiten Projekte in fast jeder Größenordnung und Komplexität. Dabei sind wir nicht auf eine Nutzungsform oder einen Bautyp festgelegt, sondern erfreuen uns an der Vielfältigkeit unserer Bauaufgaben. Vom einfachen Einfamilienhaus oder Treppenhausanbau bis hin zu unserer Mitarbeit an dem Milliardenprojekt „whitecity“ in London haben wir bereits verschiedenste Planungen im In- und Ausland erfolgreich durchgeführt. Europas größter Stampflehmbau – die Kulturscheune im sächsischen Börtewitz – zeigt beispielsweise auch das Interesse unseres Büros an der Arbeit mit naturbelassenenen Materialien, das letztlich auch zur Korbacher Cortenstahlfassade geführt hat.

Bürophilosophie:
Wir sehen den Entwurf und die bauliche Umsetzung als einen integrierten Prozess, was sich auch darin widerspiegelt, dass es innerhalb unserer Bürostruktur keine strikt voneinander getrennten Planungs-, Ausschreibungs- oder Bauleitungsabteilungen gibt. Insbesondere die ständig steigenden Anforderungen des Wärmeschutzes und der Haus- und Gebäudeleittechnik machen das integrierte Arbeiten zu einem Muss in der Architekturplanung. Die Arbeit in einem offenen Büro ermöglicht hier einen schnellen Informationsaustausch. Wir untersuchen jedes Projekt unvoreingenommen und offen auf seine Potenziale und Qualitäten. Die Varianz der Bauaufgaben macht uns gegenüber dem „das haben wir schon immer so gemacht“ und dem „das ist technisch nicht möglich“ misstrauisch. Daher sind das Einarbeiten auch in fremde Fachgebiete sowie die Suche nach der besten Lösung bei uns Tagesgeschäft. Wir planen Gebäude, die wir auch selbst gerne nutzen würden – und die man auch ohne Architekturführer versteht, weil sie konsequent aus ihrer Funktion heraus und für ihre Nutzer entwickelt worden sind.

Fachplaner

Modulbausystem
OFRA Generalbau GmbH & Co KG
Industriestraße
37688 Beverungen
Tel. 05273-9090
Fax 05273-90990
info@ofra.de
www.ofra.de

Tragwerksplanung
MLW Ingenieure Leipzig GbR
Ingenieurbüro für Tragwerks- und Bauplanung
Rosa-Luxemburg-Straße 19/21
04103 Leipzig
Tel. 0341-2120590
Fax 0341-2120599
info@mlw-ingenieure.de
www.mlw-ingenieure.de

HLSE-Planung
Büro Andreas Suermann
Düstere-Eichen-Weg 40
37071 Göttingen
Tel. 0551-43770
planungsbuero.suermann@arcor.de
www.planungsbuero-suermann.de

Brandschutzplanung
Ingenieurbüro für Brandschutz Lorenz
Sollingstraße 24
37603 Holzminden
Tel. 05531-990500
Fax 05531-9905020
info@lorenz-brandschutz.de
www.lorenz-brandschutz.de

Landschaftsplanung
ag37 - Eicker Foos Schauf GbR
Garten- & Landschaftsarchitektur
Kopernikusweg 11
75015 Bretten
Tel. 07252-5620840
Fax 07252-5620841
info@ag37.de
www.ag37.de


Entwurfsaufgabe

Im Jahr 2005 beschloss die hessische Landesregierung, die Abteilungen der Kataster- und Flurneuordnung aus den Landratsämtern auszugliedern und in einer Sonderverwaltung neu zu organisieren. In Nordhessen sollten die insgesamt sieben bestehenden Verwaltungsstellen zu einem einzigen „Amt für Bodenmanagement“ mit Hauptstelle in Korbach, einer Außenstelle in Hofgeismar und einer Servicestelle in Kassel zusammengefasst werden. Das Bundesland schrieb den geplanten Neubau in Korbach als PPP-Projekt (Public Private Partnership) europaweit aus. Darunter versteht man eine Form der Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft, bei der private Investoren die Planung, Finanzierung, den Bau und Betrieb der Gebäude übernehmen. Diese vermieten dann die Objekte über einen Zeitraum von 30 Jahren an das Land Hessen, das auf diese Weise 13 Prozent Effizienzgewinne gegenüber einer konventionellen Eigenerbringung realisieren kann.

Partner der Landesregierung wurde bei diesem Pilotprojekt das mittelständische Unternehmen Ofra aus Beverungen, das den Wettbewerb nicht nur wegen seines wirtschaftlichen, auf einer modularen Stahlsystembauweise basierenden Konzepts für sich entscheiden konnte. Besonders überzeugte auch der Entwurf der Leipziger Planer tagebau architekten + designer. Sie sahen einen einfachen, klar strukturierten Riegel vor, der mit seiner rotbraunen Edelrostfassade den farblichen Bezug zur umgebenden Landschaft herstellt. Bezüglich des Raumprogramms bestach vor allem die Umsetzung der Einzelbüros, die sich um eine offene, kommunikative Kombizone gruppieren, in der die zentrale Büroinfrastruktur angeordnet ist. Zudem lag sämtlichen Planungen der Anspruch zugrunde, ein lebenszyklisch ökonomisches Gebäude zu schaffen, das innerhalb seiner Nutzungsdauer mit einem minimalen Wartungs- und Reparaturaufwand auskommt.



Projektbeschreibung

Die Architekten stellten den langgestreckten Baukörper quer zur Straße, um so einerseits eine möglichst kompakte Ausbildung des Gebäudes, andererseits aber auch eine optimale Ausnutzung des Grundstücks zu erreichen. Gleichzeitig übernimmt der Bau damit das Entwurfsthema der kopfständigen Riegel vom benachbarten Finanzamt. Entlang der Ostfassade verläuft eine flache gepflasterte Rampe mit beidseitig angeordneten Stellplätzen, die sowohl die unter dem Gebäude liegende Tiefgarage erschließt, als auch die Zufahrt zur Garagenanlage der Messfahrzeuge des Amts ermöglicht. Diese ist hinter der Nordfassade des Verwaltungsbaus direkt ins Gelände gebaut, ihr Dach ist begrünt. Sämtliche Gebäudefassaden sind mit großflächigen Metallpaneelen aus wetterfestem Stahl bekleidet, die im Laufe der Zeit die natürliche Patina von kontrolliert korrodierendem Stahl annehmen. Im Kontrast dazu stehen die Glaslamellen auf der Ost- und Westseite des Baukörpers, die in den drei Obergeschossen der Verschattung der dahinter liegenden Büros dienen und von weitem wie ein zusammenhängendes großes Fenster wirken. Die wassergrünen Glasflächen machen zusammen mit dem Rotbraun des Stahls den besonderen Charakter des Verwaltungsbaus aus.

Am Kopf des Baukörpers auf der Südseite befindet sich der etwas von der Straßenkante und der Flucht der darüber liegenden Etagen zurückgesetzte, vollflächig verglaste Kundeneingang. Über einen leicht vorgeschobenen Windfang erreicht man die Beratungsplätze entlang der geschwungenen Empfangstheke. Der Gebäudeüberhang ermöglicht eine natürliche Verschattung des Kundenservicebereichs, der als durchgehender Raum mit großen Fensterflächen gestaltet ist und sich durch eine helle, freundliche Atmosphäre auszeichnet. Zusammen mit der Loggia des zweiten Obergeschosses, die herrliche Ausblicke über die hügelige Landschaft Nordhessens bietet, bestimmt der Haupteingang auf der Erdgeschossebene das Gesicht des Verwaltungsbaus zur Straße hin. Aber auch die Fensterbänder der Personal- und Besprechungsräume in den oberen Etagen prägen das Fassadenbild des Kopfbaus. Sein Untergeschoss beherbergt die Technikräume.

Eine vertikale Erschließungszone mit Treppenhaus und Aufzug verbindet den Kopfbau mit dem eigentlichen Büroriegel. Diesen charakterisieren auf allen vier über der Erde liegenden Geschossen große zentrale Kombiflächen, die sämtliche gemeinschaftlich genutzten Einrichtungen wie Drucker, Kopierer, Ablageregister, Teeküchen oder Sitzgelegenheiten aufnehmen. Dadurch ließen sich lange, monotone und vor allem kommunikationslose Büroflure vermeiden. Diese offene Arbeitsatmosphäre trug vielmehr wesentlich dazu bei, dass sich die aus verschiedenen Dienststandorten zusammengelegten Organisationsteile innerhalb kürzester Zeit zu einem großen Team zusammenfinden konnten. Auch die vor dem Einzug vielfach kritisch betrachteten verglasten Trennwände, die eine Sichtverbindung zu den entlang der Fassaden aufgereihten Einzelbüros herstellen, wissen die Mitarbeiter des Amts inzwischen zu schätzen. Der Vorteil der Transparenz und Offenheit überwiegt bei weitem den gefürchteten Verlust an Privatsphäre. Als sichtbares Zeichen hierfür stehen die Bürotüren meistens offen, so dass durch spontane Kommunikation und schnelleren Informationsaustausch eine bessere Zusammenarbeit möglich ist.

Den nördlichen Abschluss des Büroriegels bildet wiederum ein Erschließungsbereich mit Treppe und Fahrstuhl, davor befinden sich die Toilettenanlagen, Um- kleiden, Wasch- und Putz- sowie Lager- und Technikräume. Das Untergeschoss ist zweigeteilt: Während im hinteren Bereich die Tiefgarage angeordnet ist, dient der vordere, direkt an den Kopfbau andockende Teil als Archiv.



Baukonstruktion

Tragwerk

Das Verwaltungsgebäude ist hauptsächlich in der vom Hauseigentümer Ofra entwickelten Stahlmodulbauweise errichtet. Lediglich der vom restlichen Baukörper durch die vertikale Erschließung abgetrennte Kopfbau, der Sanitär- und Erschließungsbereich am Ende des Riegels sowie die Decke über der Parkgarage sind in Stahlbeton-Massivbauweise erstellt. Dadurch ließ sich in den lang gestreckten Bürozonen ein Großteil der Decken- und Wandbauteile im Werk vorfertigen, die Module mussten nur noch auf der Baustelle zusammengefügt und gesichert werden. Das Achsraster der Tragstruktur beträgt 3,60 Meter, das Ausbauraster 1,20 Meter.

Die Gründung der massiven Gebäudeteile erfolgte über eine 40 Zentimeter dicke Stahlbetonbodenplatte auf einer Sauberkeitsschicht von 10 Zentimetern. Über der Abdichtung liegen – je nach Raumanforderung – 55 bis 100 Millimeter Trittschalldämmung aus EPS sowie eine PE-Folie als Abdeckung des etwa 50 bis 65 Millimeter starken Estrichs. Der jeweilige Oberbelag variiert zwischen Betonwerkstein im Dünnbett in den Treppenhäusern, Linoleum in den Archiven und einer einfachen Epoxidharzbeschichtung in allen untergeordneten Räumen des Kellergeschosses. Sämtliche Fußbodenkonstruktionen erreichen einen U-Wert um die 0,22 W/(qmK). Die Stützen der Tiefgarage ruhen auf Einzelfundamenten. Der Boden besteht dort aus einem acht Zentimeter starken Betonverbundpflaster, verlegt auf vier Zentimetern Splitt, darunter befinden sich jeweils 24 Zentimeter dicke Schottertrag- und Frostschutzschichten aus grobem Kies. Über denselben Bodenaufbau verfügt auch die Parkrampe neben dem Gebäude.

Während die Deckenstärken beim Massivbau 25 bis 35 Zentimeter betragen, erreichen die Stahldecken eine durchgängige Systemhöhe von 34 Zentimetern. Sie bestehen aus in Gebäudelängsachse verlaufenden Trapezblechen mit Sickenverfüllungen aus Beton B15, die wiederum auf im Abstand von 62,5 Zentimetern angeordneten, quer liegenden Deckenträgern ruhen. Darunter befinden sich 10 Zentimeter aluminiumkaschierte Mineralfaserdämmung, weitere 16 Zentimeter Höhe benötigt die abgehängte Decke aus Gipskartonplatten. Beide Bausysteme weisen dagegen ähnliche Fußbodenaufbauten auf: Zementestrich in einer Stärke von etwa 65 Millimetern, schwimmend verlegt auf 30 Millimetern EPS-Trittschalldämmung. Dabei erhielten die Büros einen Teppichbelag aus Kugelgarn, die Erschließungs- und Eingangsbereiche einen Betonwerksteinboden, die Sanitärräume weiße Fliesen.

Das Dach tragen beim Stahlbau Binder aus IPE 140, ebenfalls in einem Abstand von 62,5 Zentimetern verlegt. Darauf befinden sich wiederum 10 Zentimeter Mineralfaserdämmung sowie eine zusätzliche Gefälledämmung. 22 Millimeter starke OSB-Platten, abgedichtet mit zwei Lagen Bitumendachbahn, bilden den oberen Abschluss. Beim Massivbau besteht das Dach aus einer 25 Zentimeter dicken Stahlbetondecke, einer Gefälledämmung und ebenfalls zwei Lagen bituminierter Dachbahn. Die Dachkonstruktionen erreichen somit einen U-Wert zwischen 0,16 und 0,20 W/(qmK).

Fassade

Die Gestaltung der Gebäudefassade prägt den Baukörper grundlegend. Während die Architekten den Sockel mit einem mineralischen Wärmedämmverbundsystem einpackten, ließen sie die oberen Geschosse mit Blechkassetten aus Cortenstahl bekleiden. Durch die Ausbildung einer speziellen Rostschicht, die ein unkontrolliertes Weiterrosten verhindert, schützt sich dieses Material sozusagen von selbst. Die massive Wandkonstruktion weist einen U-Wert von 0,31 W/(qmK) auf, der Wert des Systembaus liegt sogar bei 0,20 W/(qmK). Sämtliche Fenster sind aus Aluminium und besitzen einen Wärmedurchgangskoeffizienten von 1,50 W/(qmK). Dort, wo sie nicht durch das markante Glaslamellensystem verschattet werden, verfügen sie über außen liegende Aluminium-Raffstores. Die vertikalen Lamellen aus grün eingefärbtem Sonnenschutzglas bieten besten Sonnenschutz und zugleich gute Durchsicht. Um wartungsintensive Technik zu vermeiden, sind die Elemente starr ausgeführt, jedoch optimal auf die tief stehende Ost- und Westsonne ausgerichtet. Im Zusammenspiel mit einem innen liegenden Blendschutz lässt sich somit eine Überhitzung der Büroräume in den Sommermonaten vermeiden.

Der etwas zurückgesetzte Eingangsbereich ist als transparente Pfosten-Riegel-Konstruktion ausgebildet. Um trotz des minimierten Raumangebots Großzügigkeit zu erzeugen sowie einen optimalen Bewegungsfluss zu gewährleisten, führten die Architekten die Windfangfassade geschwungen aus, die Profile und das Glas sind daher gebogen. Der über den Eingang kragende Teil des Baukörpers sowie die Decke über der Terrasse sind mit 16 Zentimetern Mineralwolle der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 035 gedämmt und mit weißen Faserplatten abgedeckt. Analog zur restlichen Fassade bekleiden die rotbraunen Cortenstahlkassetten auch die inneren Terrassenbrüstungen.

Ausbau

Damit Besucher sich besser zurechtfinden, ist den einzelnen Geschossen jeweils eine bestimmte Farbe zugeordnet, die bereits in den Treppenhäusern als Wandanstrich auftaucht. In den Kombizonen zwischen den Büros nehmen die Polster der Sitzmöbel sowie einige Sichtschutzelemente diese Farben wieder auf. Das Glaswandsystem, das die Büros von dieser zentralen Gemeinschaftszone trennt, ist auf der nach innen gewandten Seite ohne sichtbare Profile ausgeführt, um den Charakter einer durchlaufenden Verglasung zu verstärken. Die Bürotüren ließen die Planer aus Kosten- und Pflegegründen nur in Buchenoptik nachbilden. Die Brandschutztüren der Treppenhäuser sind dagegen aus Aluminium mit Glaspaneelen. Sämtliche Innenwände wurden mit Glasfasertapeten bekleidet und gestrichen.


Interview

mit Architekt Henning Rambow, tagebau architekten + designer


Handelte es sich bei dem Bürohaus in Korbach um Ihr erstes PPP-Projekt? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Ja, es war unser erstes PPP-Projekt. Der Vorteil lag in der ganzheitlichen Betrachtung des Gebäudes. Der Bauherr, die OFRA Generalbau GmbH, musste die Gebäudekosten über einen Zeitraum von 30 Jahren abschätzen. Daher bestand in vielen Fällen die Möglichkeit, hochwertigere Materialien als üblich einzusetzen, da diese eine längere Lebensdauer versprachen. Die Ausschreibung und der gesamte PPP-Prozess wurden darüber hinaus vom Hessischen Immobilienmanagement sehr professionell begleitet.

Welche Vorteile bot die OFRA-Systembauweise Ihnen in der Planungs- und Ausführungsphase?
Die wesentlichen Vorteile lagen in der verkürzten Bauzeit, in der Reduktion der Umweltbelastung durch die Baustelle und der höheren Ausführungsqualität durch die Fertigung unter kontrollierten Bedingungen. Die Bauzeit betrug knapp acht Monate. Das ist mit einer konventionellen Bauweise nicht zu schaffen.

Aus welchen Überlegungen heraus kam der Materialmix aus Cortenstahlpaneelen und Glaslamellen für die Gebäudefassade zustande?
Wir wählten die Cortenstahlkassetten wegen ihrer Eigenschaften als natürlich alterndes und langlebiges Material. Sie verleihen dem Gebäude optisches Gewicht und passen sich farblich gut in die umgebende Landschaft ein. Die Glaslamellen ließen sich als feststehende Lamellen realisieren, da das Gebäude fast genau in einer Nord-Süd-Ausrichtung steht. Ihr Winkel wurde im CAD-Modell simuliert und garantiert eine Verschattung bei allen Sonnenständen. Die Lamellen sind durch- gefärbt und nicht beschichtet. Sie fassen die einzelnen Fenster zu einer Großform zusammen und geben so der Gebäudeansicht eine großzügigere Erscheinung. Darüber hinaus tragen die Spiegelungen der Landschaft und der Nachbargebäude in den Lamellen zur Animation des Bürohauses bei.

Verfolgten Sie beim Bau des Bürohauses in Korbach ein besonderes energetisches Konzept? Mit welchen Mitteln haben Sie es umgesetzt?
Das Amt für Bodenmanagement verfügt über einen guten, weit über der EnEV liegenden Dämmstandard. Die offenen Kombizonen und Glastrennwände reduzieren den Bedarf an künstlicher Beleuchtung. Das Gebäude kann über die Fußbodenheizung auch gekühlt werden. Gleichzeitig lassen sich, anders als bei einer Vollklimatisierung, die Fenster öffnen und das Gebäude somit natürlich belüften. Insgesamt lag der Schwerpunkt auf der Schaffung angenehmer Arbeitsbedingungen mit optimiertem Energieeinsatz und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Wir wollten nicht primär ein energetisches Vorzeigeprojekt schaffen, bei dem alle technischen Register gezogen werden.


Presseschau

Web

- www.baunetz.de Artikel „Rostrot – Bürobau im hessischen Korbach fertig“, 05. März 2009
- www.wlz-fz.de Artikel in der Waldeckischen Landeszeitung/Frankenberger Zeitung „Außen Edelrost, innen Teamarbeit: Amt für Bodenmanagemnet in Korbach eröffnet“, 12. März 2009
- www.ppp-plattform.de

Heizung und Kühlung

Bei der Planung des Verwaltungsgebäudes verfolgten die Architekten kein besonderes Energiekonzept. Trotzdem erreicht der Neubau um etwa 20 bis 25 Prozent bessere Werte als nach EnEV gefordert. Der Jahresprimärenergiebedarf des Bürohauses liegt bei 147 kWh/(qma), der spezifische Transmissionswärmeverlust der Gebäudehülle beträgt rund 0,34 W/(qmK). Das gesamte Gebäude ist – mit Ausnahme der Archivräume im Kellergeschoss – mit einer Fußbodenheizung ausgestattet, die sich im Sommer auch zur Kühlung des Bürohauses heranziehen lässt.

Als Wärmeerzeuger dient ein Viessmann Vitocrossal 200 Typ CM2, ein Gasbrennwertkessel mittlerer Größe, der eine Nennwärmeleistung von 87 bis 311 Kilowatt bietet und im Keller des Gebäudes aufgestellt ist. Er kombiniert die bewährte korrosionsbeständige Inox-Crossal-Heizfläche mit einem MatriX-Strahlungsbrenner. Dieser garantiert innerhalb seines großen Modulationsbereichs einen leisen und ressourcenschonenden Betrieb. Der Vitocrossal 200 ist wahlweise raumluftabhängig und –unabhängig einsetzbar und zeichnet sich durch eine sehr schadstoffarme Verbrennung aus. Der komplette Baukörper ist in ein Gebäudeleittechniksystem eingebunden, über das sich alle technischen Funktionen überwachen und steuern lassen, jeder Raum verfügt jedoch zusätzlich über eine individuell anpassbare Einzelraumregelung. Die Kühlung der Server und Büros erfolgt über zwei redundant betriebene, luftgekühlte Flüssigkeitskühler. Im offen gestalteten Eingangsbereich ist darüber hinaus eine Kleinlöschanlage mit Deckensprinklern installiert, die über das normale Wassernetz gespeist wird.

> Produktinfos Gas-Brennwertkessel Vitocrossal 200

Lüftung und Beleuchtung

Sämtliche entlang der Fassade angeordneten Räume des Verwaltungsbaus lassen sich natürlich belüften. Lediglich die innen liegenden oder geschlossenen Bereiche – insbesondere die Kombizonen in den Bürogeschossen – versorgt eine mechanische Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung mit Frischluft. Ein Frequenzumrichter gewährleistet dabei eine stufenlose Regelung der Ventilatoren. Da diese Bereiche mit abgehängten Decken ausgestattet sind, finden sich hier einfache lineare Einbauleuchten. In den Büros hingegen kamen Pendelleuchten zum Einsatz, die sowohl eine direkte als auch eine indirekte Ausleuchtung der Arbeitsplätze ermöglichen.