Architekturbüro in Gimbsheim



Daten und Fakten

Standort: Bei den Rüsten 11, 67578 Gimbsheim
Bauherr: Dr. Andrea Erbeldinger
Architekt: ea erbeldinger architekten, Gimbsheim
Bauzeit: April – September 2007

Architekten

ea erbeldinger architekten
Stefan Erbeldinger
Bei den Rüsten 11
67578 Gimbsheim
info@erbeldinger.de
www.erbeldinger.de

Projektarchitekt:
Stefan Erbeldinger

Mitarbeiter:
fünf

Büroschwerpunkte:
Energieeffizientes Bauen, Immobilienbewertung, Immobilienmanagement

Bürophilosophie:
„Wie wollt Ihr, ohne einen neuen Weg zu gehen, ihr selber bleiben? Die Zukunft ist unvermeidlich. Wie wollt ihr sie gestalten? Man ist nicht realistisch, indem man keine Idee hat.“ (Max Frisch, „Stiller“)

Fachplaner

Tragwerksplanung
Dipl.-Ing. Daniel Reinig
Bergstraße 11
66125 Dudweiler
Tel. 06897-777574
Fax 06897-777579

Planung und Beratung Haustechnik
Bau.werk
Jens Rieksmeier
Jakob-Blenk-Straße 29
67659 Kaiserslautern
Tel. 06301-300661
Fax 06301-300665
bau.werk@t-online.de

Fassade und Sonnenschutz
Pazen Fenster & Technik GmbH
Günter Pazen
Zum Kirchborn 12
54492 Zeltingen-Rachtig
Tel. 06532-953426
Fax 06532-953677
pazen.technik@web.de


Entwurfsaufgabe

Im Architekturbüro von Stefan Erbeldinger war es über die Jahre eng geworden. Der fünfzig Quadratmeter große Raum, den er bei der Gründung des Büros im Jahr 2002 angemietet hatte, reichte kaum mehr aus: Das Team war von zwei auf sechs Personen angewachsen, und auch Technik, Bücher und Projektordner wollten untergebracht werden. Um die Arbeitsbedingungen der drei Architekten, der Assistentin der Geschäftsführung, des Auszubildenden und des Mitarbeiters des Hausmeisterservices zu verbessern, entschied sich Erbeldinger für einen Neubau und erwarb ein 1.500 Quadratmeter großes Grundstück am westlichen Ortsrand von Gimbsheim. Das Bürogebäude sollte als Passivhaus ausgeführt werden: Der Architekt wollte damit die Chance nutzen, ein Vorzeigeprojekt für zukünftige Bauherren zu schaffen. Ziel war ein kostengünstiges Gebäude, das mit wenig Technik auskommt und dennoch durch seine Energieeffizienz überzeugen kann.

Das für den Neubau auserkorene Mischgebiet „Bei den Rüsten“ war bereits 1978 durch einen Bebauungsplan ausgewiesen worden, die notwendige Infrastruktur fehlte beim Grundstücksankauf jedoch noch. Zusammen mit anderen Bauwilligen trieb Erbeldinger den Prozess voran, so dass sein Büro mit einer Grundfläche von insgesamt etwa 500 Quadratmetern schließlich als erstes Gebäude des Neubaugebiets fertig gestellt werden konnte. Doch auch die noch leeren Flächen der Umgebung beginnen sich langsam zu füllen: In der Nachbarschaft entstehen zwei Kfz-Werkstätten, ein Wohnhaus und ein Weinbaubetrieb mit angeschlossener Vinothek. Erbeldinger will den Verlust des freien Blicks nach Süden mit einer interessant gestalteten Außenanlage kompensieren. Im nördlichen Bereich des Grundstücks soll demnächst eine Garage entstehen, die das Büro gemeinsam mit der benachbarten Vinothek errichtet; zudem sind 200 Quadratmeter östlich des Bürogebäudes für einen zweiten Bauabschnitt reserviert. Auf dieser Fläche soll ab 2010 eine Büroerweiterung oder ein Appartementhaus entstehen.



Projektbeschreibung

Wie ein Hut mit breiter Krempe scheint sich die Hülle auf drei Seiten um die Büroräume zu legen. Ein Gang um das Gebäude vermittelt interessierten Besuchern – noch bevor sie das Büro von Westen her betreten – die skulpturalen Qualitäten des Baus. In Richtung Süden öffnet sich das Gebäude mit seiner verglasten Fassade zur Landschaft und erlaubt Blicke auf die Arbeitsplätze im Inneren: den Büroraum für zwei Personen zur Linken, das Büro des Geschäftsführers zur Rechten und das dazwischen angeordnete Gruppenbüro für vier bis acht Mitarbeiter. Erbeldinger wollte die Bürobereiche flexibel halten, um so die Zahl der Arbeitsplätze ohne Veränderung der Raumaufteilung variieren zu können. Der Bereich lässt sich mit wenig Aufwand – etwa durch die Installation von Glastrennwänden – umbauen, so dass zum Beispiel Büros für je zwei Personen geschaffen werden können. Falls kurzfristig weitere Arbeitsplätze benötigt werden, steht im Untergeschoss zudem ein sechzig Quadratmeter großer Raum als Reservefläche zur Verfügung.

Nach Norden hin schirmt die Hülle das Gebäude zur Alsheimer Straße hin ab; fünf schmale, liegende Fensterformate und ein Seitenzugang rhythmisieren die kompakt wirkende Außenwand. In diesem Bereich sind die Nebenräume wie Teeküche, Toiletten und Serverraum untergebracht. Im Inneren lässt sich die Trennung zwischen Arbeitsbereich und dienender Zone durch den Wechsel des Bodenbelags leicht nachvollziehen: Während in den Bürobereichen dunkles Industrieparkett verlegt wurde, entschied sich der Architekt im Flur sowie in den rückwärtig gelegenen Zonen für matte, anthrazitgraue Fliesen. Die helle Holzbrettschichtdecke steht im Kontrast zu den eher dunklen Böden und betont dadurch die Raumhöhe. Sowohl im Bürobereich als auch in der Nebenzone finden sich Wände in orange und grün, welche die Atmosphäre der Räume prägen und das Farbkonzept abrunden.

Eine leicht über die Landschaft erhobene Terrasse bildet den Übergang vom Innenraum zum Außenbereich. Im Umfeld des Bürogebäudes bauen die neuen Nachbarn bereits fleißig an ihren Häusern, so dass der freie Blick nach Süden nicht mehr lange erhalten bleiben wird. Erbeldinger möchte die Fläche vor den Arbeitsräumen daher demnächst noch landschaftsplanerisch gestalten lassen. Mit der Bepflanzung soll der Freibereich zu den Nachbargrundstücken hin abgeschirmt werden, so dass die Mitarbeiter die Terrasse als offenen Pausenraum nutzen können.


Baukonstruktion

Tragwerk

Der eingeschossige Pavillon besitzt ein massives Untergeschoss: Auf einer Stahlbeton-Bodenplatte ließ der Architekt zweischalige Fertigteilwände montieren, deren Zwischenraum anschließend mit Ortbeton ausgegossen wurde. Die so genannten Doppelwände ermöglichen eine schnelle Bauweise und einen dichten Keller bei relativ geringen Wandstärken. Zudem sind die Oberflächen dieser Fertigteile gleichmäßig strukturiert, so dass abschließend ein einfacher Anstrich der Wände genügt. Eine Stahlbetondecke bildet den Übergang vom Keller zum Erdgeschoss, das als hölzerner Pavillon konstruiert wurde. Vorgefertigte Holztafelelemente bilden die Außenwände des Büros. Zusammen mit den fünf Fassaden- und drei Innenstützen des Erdgeschosses tragen sie über Unterzüge die Dachkonstruktion. Der Unterzug über den Mittelstützen wird von einem Träger mit doppeltem Querschnitt gebildet; über den Fassadenstützen übernehmen zwei Zweifeldträger diese Aufgabe. Die Dachdecke besteht aus circa zwölf Meter langen Brettstapelelementen, die als Zweifeldträger vom Randunterzug über den Mittelunterzug zu den nördlichen Außenwänden spannen. Das Tragwerk ist so ausgelegt, dass es auch die Lasten der Dachauskragung aufnehmen kann. Eine 26 bis 34 Zentimeter starke Gefälledämmung und eine Kunststoff-Dachabdichtungsbahn über der Massivholzdecke aus Brettstapelelementen schützen das Gebäude vor Witterungseinflüssen.

Fassade

Um das Gebäude als Passivhaus verwirklichen zu können, war unter anderem eine ausreichende Dämmschicht nötig: In die fünfzig Zentimeter starken Außenwandelemente integriert findet sich daher eine dreißig Zentimeter breite Ausfachung, die mit Zellulosedämmung ausgeblasen wurde. Die Wandelemente basieren auf einer PN-Dämmständer-Konstruktion, die zum Innenraum hin von OSB-Platten und nach außen von Holzfaserplatten begrenzt wird. Den Raumabschluss nach innen bildet eine Gipsfaserplatte, die äußere Erscheinung prägt eine hinterlüftete Lärchenholz-Schalung.

Die Randbereiche des Daches, der Bodenplatte und der überstehenden Außenwand sind mit durchgefärbten Faserzementplatten verkleidet, so dass eine markante „Krempe“ entsteht, welche die Büroräume einrahmt. In den Dachüberstand ließ Erbeldinger energiesparende LED-Aufbaudownlights integrieren, mit welchen sich die Fassaden bei Dunkelheit inszenieren lassen.

Dreifach verglaste Elemente gewährleisten sowohl auf der Südseite, die als Pfosten-Riegel-Fassade konstruiert wurde, als auch bei den schmalen Fenstern im Norden den Passivhausstandard. Eine besondere Herausforderung war laut Architekt der Umgang mit den großen Formaten der Südfassade, für die eine Neuentwicklung zum Einsatz kam. Das Glas sitzt bei der hier verwendeten Konstruktion in Rahmen aus Fiberglas, die auf den Tragrahmen aus Holz aufgeschraubt wurden. Dadurch sind trotz der Dreifachverglasung sehr schlanke Profile möglich. Das Passivhausinstitut in Darmstadt hat die neuen ENERsign-Fenster (Werte: Ug = 0,6 W/qmK und Uf = 0,73 W/qmK) inzwischen zertifiziert. Als Sonnenschutz dienen auf der verglasten Südseite sowie den Fenstern im Osten und Westen automatisch gesteuerte Jalousien.


Interview

mit Architekt Stefan Erbeldinger


Ihr Bürogebäude ist ein Vorzeigeprojekt in Sachen Energieeffizienz. Wie kam es zu der Entscheidung, das Bürogebäude als Passivhaus auszuführen?

Man kann nicht nur den Bauherren und Auftraggebern vorschwärmen welche Qualitäten ein Passivhaus hat. Die Demonstration am eigenen Gebäude ist überzeugender als alle Berechnungen und Beschreibungen. Am eigenen Bauvorhaben lässt sich darüber hinaus überzeugend darstellen, dass ein Passivhaus heute nur noch unwesentlich teurer sein muss als ein „konventionelles Haus“. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Demonstration, dass ein innovatives Passivhaus auch mit wenig Technik auskommen kann.

Dann lässt sich also einem Bauherrn ein Passivhaus leichter verkaufen, wenn man ihm „live“ die Funktionsweise erklärt?
Ja! Architektur und Bauen sind ein haptisches Erlebnis. Die Auftraggeber wollen sehen und fühlen, was ihnen empfohlen wird. Die „Live-Demonstration“ nimmt ihnen die Angst vor dem Neuen – Vorbehalte können so leichter ausgeräumt werden. Gerade wenn es um Bau- und Energiekosten geht, lassen sich durch das Vorführen der technischen Anlagen und das Ablesen des Stromzählers die sehr trockenen Berechnungsbeispiele und Wirtschaftlichkeitsberechnungen wesentlich leichter vermitteln.

Die Konstruktion des Bürogebäudes besteht weitgehend aus Fertigteilen. War dies vor allem dem dringenden Raumbedarf geschuldet, oder gab es weitere Faktoren, die diese Entscheidung nahe legten?
Wir haben uns bewusst für die Verwendung von Fertigteilen entschieden. Nicht nur, dass die Bauzeit sich wesentlich kürzer gestalten ließ, auch die höhere Qualität der teilweise industriell vorgefertigten Bauteile war ein wichtiger Grund für die gewählte Konstruktions- und Bauweise. Als positiver Nebeneffekt ließ sich durch die Bauzeitverkürzung auch eine deutliche Kosteneinsparung gegenüber der konventionellen Ausführung erreichen. Auch die in der Passivhausplanung wichtige Detailplanung und -ausführung wird durch den Einsatz von Fertigteilen wesentlich erleichtert: Man kann auf bewährte Detailausbildungen zurückgreifen und muss das Rad nicht jedes Mal neu erfinden.

War die energieeffiziente Kombination aus Wärmetauscher, Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, Gastherme und neu entwickelten Fenstern von Anfang an fest eingeplant? Gab es Anpassungen im Planungsprozess?
Natürlich denkt man im Planungsprozess in Alternativen. So war es nicht von vorneherein klar, dass die nun ausgeführte Kombination von Gebäudehülle und Gebäudetechnik für das konkrete Bauvorhaben auch die wirtschaftlichste Lösung darstellte. Ich hatte zusammen mit unserem Haustechnik-Planer verschiedene Varianten diskutiert und auch berechnet, wobei die Qualität der Gebäudehülle und die Materialien und Bauteile, die verwendet werden sollten, sehr früh feststanden. Um für den Entwurf die passende haustechnische Lösung zu finden, verglichen wir Anschaffungskosten wie auch Betriebskosten von Varianten mit Wärmepumpe, Pelletheizung oder Gastherme. Nachdem klar war, dass durch die hohe thermische Qualität der Gebäudehülle und die zu erwartenden internen Lasten nur ein sehr geringer Heizwärmebedarf bestehen würde und dieser durch die Wärmerückgewinnung einer Lüftungsanlage gedeckt werden konnte, mussten wir uns lediglich für eine „Komfortheizung“ entscheiden . Auf Wunsch der Mitarbeiter wählten wir hier eine Fußbodenheizung, die von einer effizienten und kostengünstigen Gas-Brennwerttherme mit Wärme versorgt wird.


Technischer Ausbau

Lüftung

Um mit dem Bürogebäude dem Passivhausstandard gerecht zu werden, war neben einer ausreichenden Dämmung und den dreifachverglasten Fenstern auch eine effiziente Lüftungsanlage nötig. Mit einer Umwälzung von maximal 550 cbm/h sorgt sie für frische und hygienische Luft im Gebäude. Darüber hinaus entzieht die integrierte Wärmerückgewinnungsanlage der Fortluft bei Bedarf über 90 Prozent der Restwärme: Sie wird genutzt, um damit die nachströmende Frischluft vorzuwärmen (siehe Heizung).

Heizung und Kühlung

Heizung und Kühlung des Gebäudes erfolgen in erster Linie über die Lüftungsanlage und einen vorgeschalteten Erdwärmetauscher. Dieser nutzt die Speicherwirkung des Erdreichs: Im Sommer liegt dessen Temperatur unter der Außentemperatur der Luft, so dass diese, wenn sie durch diesen Kanal ins Haus geführt wird, bereits abkühlt. Im Winter hingegen weist das in dieser Tiefe stets frostfreie Erdreich eine höhere Temperatur auf als die Außenluft, so dass diese dort etwas vorgewärmt wird.

Der Erdwärmetauscher – ein etwa 55 Meter langes Polyethylen-Rohr, das sich in einer Tiefe von 1,5 Meter neben dem Gebäude befindet – sorgt damit für eine kostenlose Vorheizung beziehungsweise –kühlung der Außenluft. Eine darüber hinaus gehende Kühlung der Luft im Sommer ist nicht notwendig. Um die Luft im Winter auf die gewünschte Temperatur zu bringen, nutzt das Passivhaus eine weitere energieeffiziente Technik: Die in die Lüftungsanlage integrierte Wärmerückgewinnung, welche den Energieinhalt der Abluft nutzt, um die Zuluft zu erwärmen. Die Restwärme der aus dem Gebäude strömenden Luft kann so zu neunzig Prozent weitergenutzt werden. Zusätzlich ist in dem Gebäude in Teilbereichen eine Fußbodenheizung installiert, welche den Komfort der Mitarbeiter erhöhen soll. Die entsprechenden Heizleitungen sind in einem etwa einen Meter breiten Abschnitt vor den Fenstern installiert. Die Mitarbeiter können die Anlage nach ihren individuellen Bedürfnissen regeln. Mit Wärme versorgt wird die Fußbodenheizung von dem Viessmann Gas-Brennwertkessel Vitodens 300.

> Produktinfos Vitodens 300-W

Photovoltaik

Auf der ganzen Dachfläche sind Photovoltaikelemente mit einer Leistung von 19,4 kWp montiert. Der dort erzeugte Strom wird in das örtliche Netz eingespeist. Da das Passivbürohaus durch die Photovoltaikelemente mehr Energie erzeugt, als es verbraucht, handelt es sich um ein so genanntes Plusenergiehaus.