Wohnhaus in Sinzing-Riegling



Daten und Fakten

Standort: 93161 Sinzing-Riegling
Bauherr: privat
Architekt: Fabi Architekten BDA, Regensburg
Projektmitarbeiter: Nina Fabi, Kristina Binder

Bauzeit: 04/2011 - 10/2011
Baukosten: 350.000 Euro (KG 300/400)

Jahresprimärenergiebedarf: 28 kWh/m²a
Wohnfläche: 165 m²
BRI: 892 m³

Architekten

Fabi Architekten BDA
Glockengasse 10
93047 Regensburg
Tel. 0941-900333
Fax 0941-5865633
mail@fabi-architekten.de
www.fabi-architekten.de

Büroschwerpunkte:
Entwurf und Planung von Hochbauten aller Art, künstlerische Gesamtkonzeptionen, Innenarchitektur bzw. Interieur- und Wellnessplanung, Ausschreibungen und Bauleitung, Wettbewerbe und Planungsgutachten, Energieberatung und -konzepte (zertifiziert nach KfW und dena), Sanierung und Modernisierung, Bauberatung und -begleitung, Gebäudebewertung und -vermittlung

Bürophilosophie:
Unser Büro sieht jedes Projekt als einzigartige Aufgabe und sucht hierfür nach idealen Lösungen. Wie in einer Manufaktur entstehen so nur perfekte Einzelstücke. Unsere Projekte eint eine klare Formensprache und eine Haltung, die den Bezug des Bauens zum jeweiligen Ort als Thema besitzt. So entstehen individuelle Lösungen immer mit Blick auf den menschlichen Maßstab und die städtebauliche oder landschaftliche Einbindung. Dies ist auch der Grund dafür, dass wir nur eine begrenzte Zahl an Projekten bearbeiten, um so eine gleichbleibend hohe Qualität gewährleisten zu können.

Fachplaner

Haustechnik
Reinhold Reinhardt GmbH
Benzstraße 3
93092 Barbing
Tel. 09401-2531
Fax 09401-4773
kontakt@reinhold-reinhardt-gmbh.de
www.reinhold-reinhardt-gmbh.de

Lüftungstechnik
Paul Wärmerückgewinnung
August-Horch-Straße 7
08141 Reinsdorf
Tel. 0375-3035050
Fax 0375-30350555
info@paul-lueftung.de
www.paul-lueftung.net

Elektroinstallation
Elektroinstallationen Robert Schöner
Lerchenstraße 9a
93077 Bad Abbach
Tel. 09405-962170


Entwurfsaufgabe

Die knapp 7.000 Einwohner zählende Gemeinde Sinzing liegt etwa acht Kilometer südwestlich von Regensburg am  linken Ufer der Donau. Sie ist nicht nur wegen ihrer Nähe zur Großstadt mit direkter Anbindung an die Autobahn A3 Nürnberg-Passau beliebt, sondern vor allem wegen ihrer naturnahen Lage mit Blick über die Flusslandschaft. Gerade als Wohnsitz für junge Familien, die sich den Traum vom Eigenheim erfüllen wollen, hat sich der Ort über die vergangenen Jahrzehnte hinweg etabliert.

Für eine dieser Familien entwarfen Fabi Architekten aus Regensburg ein Einfamilienhaus in dem etwas weiter nördlich gelegenen kleinen Ortsteil Riegling. Dabei galt es, trotz eines fest vorgegebenen Kostenrahmens sämtliche Anforderungen und Wünsche der Bauherren hinsichtlich funktionaler, gestalterischer und energetischer Aspekte zu erfüllen. Weitere Entwurfsparameter definierten die ländliche Umgebung und das Hanggrundstück mit Aussicht auf das südliche Stadtgebiet Regensburgs und die Donau.

Entstanden ist ein schlichter zweigeschossiger Baukörper mit rechteckigem Grundriss und flach geneigtem Satteldach, der sich mit einer nahezu vollständig verglasten Giebelfassade und einer vorgelagerten Holzterrasse nach Süden zum Tal hin ausrichtet. Hangseitig ist das Gebäude teilunterkellert. Auf der Ostseite des schmalen, langen Grundstücks platzierten die Architekten einen zweiseitig offenen Carport mit einem angegliederten Raum für Gartengeräte.



Projektbeschreibung

Das Einfamilienhaus wird von Osten über die Gebäudelängsseite erschlossen; hinter der Eingangstür bietet ein  großzügiger Windfang ausreichend Platz für die Garderobe der Bauherren. Eine Schiebetür trennt ihn vom Flur- und Treppenhausbereich, der wiederum die Erdgeschossebene in zwei Zonen gliedert: Während nach Norden die beiden Kinderzimmer und nach Westen das dazugehörige kleine Duschbad angeordnet sind, befindet sich auf der Südseite eine  offene Küche mit Essplatz. Eine abgeschlossene Speisekammer direkt gegenüber dem Windfang komplettiert das Raumangebot auf dieser Etage.

Breite zweiflügelige Fenstertüren holen viel Licht in die Kinderzimmer, zugleich ermöglichen sie einen direkten Zugang zum Garten. Für den besonderen Raumeindruck sorgt die zweigeschossige Pfosten-Riegel-Fassade im Süden, die die gemeinsamen Aufenthaltsbereiche im Inneren mit der Sitzfläche im Außenbereich verbindet und sich bei Bedarf mittels verdeckt angebrachter Aluminiumlamellen verschatten lässt.

Das ebenfalls offen gestaltete Wohnzimmer im Obergeschoss ist über einen Luftraum entlang der Glasfassade mit dem darunter liegenden Koch- und Essbereich räumlich verknüpft. Eine kleine Büroecke lässt sich mit einer Schiebetür vom Wohnraum abtrennen. Nach Westen orientiert sich ein Gästezimmer, nach Norden das Elternschlafzimmer; beide  verfügen über einen direkten Zugang zum Bad in der Nordwestecke des Gebäudes, das mit Wanne, Dusche, Doppelwaschtisch und Toilette voll ausgestattet ist.

Im Keller, der weniger als die Hälfte der Gebäudegrundfläche einnimmt, befinden sich ein Hauswirtschaftsraum, eine Werkstatt sowie ein Raum für die Heiz- und Haustechnik. Das flache Dachgeschoss des Wohnhauses ist nur über eine Dacheinschubtreppe zugänglich.


Baukonstruktion

Bei der Planung des Einfamilienhauses favorisierten Fabi Architekten einfache Formen und Konstruktionen, da sie sich in der Regel am wirtschaftlichsten realisieren lassen. So verzichteten sie auf unnötige Vor- oder Rücksprünge innerhalb der Fassaden und bildeten stattdessen einen klar umrissenen, schlanken Quader als Gebäudegrundvolumen aus, auf den sie ein um 25 Grad geneigtes Satteldach setzten. Die Außenwände des Wohnhauses bestehen aus 365 Millimeter starkem Mauerwerk mit 15 Millimetern Innenputz; nach außen hin ist die Ziegelschale mit einer schlagregendichten, aber diffu- sionsoffenen Folie abgedeckt und mit einer senkrechten Lattung versehen, die – je nach Fassadenseite – entweder eine Verkleidung aus kleinteiligen, horizontal verlegten Brettern oder aus großformatigen, vertikal angebrachten Platten trägt: Während an den Gebäudelängsseiten eine 24 Millimeter starke sägeraue und unbehandelte Verschalung aus heimischer Lärche zum Einsatz kam, sind die Giebelseiten in 10 Millimeter dünne schwarze Faserzementtafeln gehüllt.

Das Dach des Wohnhauses besteht aus einer leichten Konstruktion aus Nagelbindern, die auf dem umlaufenden Ringanker aufliegen. Den unteren Abschluss der Dachebene bzw. der obersten Geschossdecke bilden 15 mm dicke OSB-Platten, die unterseitig mit Gipskarton beplankt sind; darüber brachte man 240 Millimeter Zellulosedämmung ein. Als Dachhaut sahen die Architekten 25 Millimeter Dachschalung, eine Konterlattung und Koppelpfetten in Abmessungen von 60/120 Millimetern vor; diese sind in einem Abstand von 750 Millimetern eingebaut und tragen eine einfache Faserzement-Wellplattendeckung in Naturgrau.

Die Kellerumfassungswände des Wohnhauses bestehen aus 250 Millimetern Stahlbeton mit einer umlaufenden Peri- meterdämmung von 120 Millimetern und ruhen auf einer 300 Millimeter dicken Stahlbetonbodenplatte, die unterseitig in derselben Stärke gedämmt ist.

Sämtliche Innenwände sind gemauert und in der Regel wie die Innenseiten der Außenwände weiß verputzt, lediglich in den Bädern wurden sie zum Teil mit spaltrauen Schieferplatten (Elternbad) bzw. hellgrünen Glasmosaikfliesen (Kinderbad) verkleidet. Als Bodenbelag kam der Schiefer auch im gesamten Erdgeschoss – bis auf die beiden Kinderzimmer – sowie im Elternbad und Kellerflur zum Einsatz. Alle übrigen Bereiche erhielten einen Industrieparkettboden aus geölter Birke. In den drei Kellerräumen ließen die Architekten beschichtete Estriche einbauen. Sämtliche Fußbodenaufbauten sind schwimmend ausgebildet, die Rohdecken über dem Keller- und Erdgeschoss bestehen aus 200 Millimeter starkem Stahlbeton. Die vertikale Erschließung innerhalb des Gebäudes erfolgt über eine Stahlbeton-Fertigteiltreppe mit Holzbelag.


Interview

mit Architekt Stephan Fabi


Das Projekt trägt den Titel „Rurale Collage“. Können Sie kurz erläutern, worauf er zurückzuführen ist bzw.  anspielt? Inwiefern finden sich darin Ihre Entwurfsprinzipien wieder?

Rural bedeutet ländlich. Wir sehen im Leben auf dem Lande – im Gegensatz zum urbanen Wohnen – eine starke  Bindung zu Natur und Landschaft. Mit „Ruraler Collage“ meinen wir das Situieren eines Gebäudes im ländlichen Raum mit Hilfe von modernen Gestaltungselementen, zeitgemäßer Architektursprache und Materialien, die in dem traditionell ländlich und landschaftlich geprägten Umfeld auch wiederzufinden sind. Also weder das Kopieren regionaler Stile, noch das Imitieren „romantischer“ alter Landhäuser, sondern vielmehr das Aufnehmen von haptischen Dingen aus der  unmittelbaren Umgebung. So setzt sich das Gebäude collagenartig aus drei unterschiedlich gestalteten Fassaden  zusammen: den Traufseiten mit ihrer rauen, naturbelassenen Holzschalung, den Giebelseiten mit ihren Verglasungen und der Bekleidung aus Faserzementtafeln sowie dem Dach mit seiner Deckung aus grauer Zementfaserwelle. Solche Collagen finden sich häufig, wenn auch weniger prägnant, in direkter Umgebung bei alten Scheunen oder ursprünglichen Bauernhäusern wieder.

Sie bezeichnen das Wohnhaus selbst als „skandinavisch schlicht“. Fügt es sich gut in seine unmittelbare Umgebung ein?
Durch die eingangs angesprochene Fassadengestaltung zerfällt das Gebäude quasi in seine Einzelteile und wirkt sehr leicht und fragil. Es bildet somit zwar einen starken Kontrast zu den umliegenden neuen Einfamilienhäusern, fügt sich aber sehr harmonisch in das ursprüngliche Landschaftsbild ein. Die Landschaft wird somit auch zum wesentlichen Merkmal der Wohnatmosphäre. Ein Haus im ländlichen Raum muss sich unserer Auffassung nach auch der Natur und nicht unbedingt der umgebenen Bebauung anpassen, wenn diese keine Rücksicht auf den Ort, seine Topographie und die Landschaft nimmt.

Wie kam es zu der Entscheidung für die Beheizung des Gebäudes mit Holzpellets? Welche Vorteile sehen Sie  darin? Welche baulichen und anlagentechnischen Besonderheiten galt es wegen dieses Energieträgers bei der Planung und Ausführung zu berücksichtigen?
Holz ist ein traditioneller Brennstoff in ländlichen Gebieten. Holzpellets sind sozusagen die moderne Weiterentwicklung dieser Tradition. Pellets besitzen einen geringen Primärenergiefaktor und werden sehr energieschonend produziert. Die ausgereifte Technik bietet einen hohen Nutzerkomfort. Für die Lagerung der Pellets musste ein ausreichend großer Raum vorgesehen werden, der von außen einfach befüllt werden kann.

Welche Rolle spielt energieeffizientes, ökologisches und nachhaltiges Bauen generell bei Ihren Projekten?
Diese Aspekte sind in all unseren Arbeiten seit zwanzig Jahren von essentieller Bedeutung. Man muss aber auch  sehen, dass gerade das energieeffiziente Bauen, mit dem Einsatz von komplexen technischen Anlagen, hohe Investitionskosten voraussetzt, die nicht immer für jeden Bauherrn sofort zu leisten sind. In so einem Fall müssen wir dann umso mehr Wert auf ökologische und nachhaltige Baustoffe legen, die in Verbindung mit Konstruktion, Funktion und Gestaltung des Gebäudes kohärent verwendet werden müssen.


Heizung, Warmwasser, Lüftung und Ökologie

Bauherren wie Architekten war die Nutzung von regenerativen Energien zur Gebäudebeheizung ein großes Anliegen. Daher entschieden sie sich für eine Pelletheizanlage, die von einem vollautomatischen Pelletkessel Vitoligno 300-P von Viessmann mit einer Nennwärmeleistung im Bereich zwischen vier und zwölf Kilowatt betrieben wird. Die Pellets  werden in einem Bunker mit einem Fassungsvermögen von etwa acht Kubikmetern gelagert. Dieser ist im Heizraum untergebracht und lässt sich von der Nordseite des Gebäudes befüllen. Die Zuführung zum Pelletkessel erfolgt über eine flexible Schnecke. An den Kessel ist ein Heizwasser-Pufferspeicher Vitocell 340-M von Viessmann mit einem  Gesamtinhalt von 750 Litern angeschlossen, der sowohl das Heizwasser speichert als auch für die Erwärmung des Trinkwassers sorgt.

In sämtlichen Wohnbereichen sind Fußbodenheizungen installiert, die die Wärme an die Räume abgeben; lediglich die Speisekammer ist unbeheizt. Den Koch- und Essbereich im Erdgeschoss versorgt in den Übergangszeiten ein zusätzlicher Holzofen mit behaglicher „Wohlfühlwärme“. Darüber hinaus besitzt das Einfamilienhaus eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Vorkonditionierung und Wärmerückgewinnung sowie eine Regenwasserzisterne, deren Inhalt zur  Gartenbewässerung und für die Toilettenspülung genutzt wird. Gemäß dem ökologischen Gesamtansatz von Bauherren und Architekten sind auch die Außenanlagen naturnah und einfach gestaltet.

Wie lohnenswert eine kompakte, gut gedämmte und abgedichtete Bauweise in Verbindung mit einer umweltfreundlichen, größtenteils regenerativen Gebäudekonditionierung sein kann, beweist der geringe Jahresprimärenergiebedarf des schlichten Wohnhauses: Mit 28 kWh/m²a erreicht es einen sehr guten Wert und konnte daher als KfW-Effizienzhaus 40 entsprechend staatlich gefördert werden.

Autorin: Tanja Fei

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