Abwärme aus dem Serverraum unterstützt die Regeneration des Eisspeicher-Systems

Wie unterschiedlich die Beweggründe zur Investition in ein regeneratives Energiesystem sein können, macht die Paulinenpflege e.V. in Winnenden deutlich: „Wir sehen es auch als unseren Auftrag, Gottes Schöpfung zu bewahren.“ Das vor mehr als 180 Jahren von einem Pfarrer gegründete Werk ist heute im Bereich der evangelischen Diakonie eine der größten Einrichtungen zur Betreuung von teils mehrfach behinderten Menschen.

Es wäre einfacher gewesen, das neue Unterrichtsgebäude für Gehörlose an die ohnehin unter dem Gelände verlaufende Fernheizung anzuschließen. Doch der Neubau bot die Chance für ein regeneratives Heizsystem.

Paulinenpflege Winnenden e.V.

Die Paulinenpflege Winnenden ist eine evangelische Einrichtung der Jugend- und Behindertenhilfe. Sie wurde 1823 in Winnenden von Pfarrer Friedrich Jakob Heim gegründet. Rechtsform ist der „eingetragene Verein“ mit Sitz in Winnenden

Organisatorisch ist die Einrichtung in neun Bereiche gegliedert, in denen die operative Arbeit stattfindet. Über 1300 Mitarbeiter/innen betreuen und fördern rund 1500 behinderte oder sozial benachteiligte Menschen im Rahmen von über 3500 Maßnahmeplätzen.

Master/Slave-Anordnung der Wärmepumpen Vitocal 350-G und Vitocal 300-G für die Heizung. Eine weitere Vitocal 350-G (rechts) liefert Warmwasser.

Jetzt wird mit Eis geheizt

Nach Planungen des ortsansässigen Ingenieurbüros Funk & Partner wurde die Heizzentrale mit drei Wärmepumpen von Viessmann ausgerüstet. Unter dem Schulhof liegt der 300 m³ große Eisspeicher, aus dem Wärmepumpen im Winter Energie gewinnen und mit einer Temperatur von bis zu 35 °C in die Fußbodenheizung einspeisen. Im Sommer kehrt sich das Prinzip um, indem der Eisspeicher Kälte abgibt und die Räume mit der „natural cooling“-Funktion angenehm temperiert.

Weitere Wärmequellen sind der Serverraum der Paulinenpflege, der 30 kW Abwärme produziert. Auf dem Dach sind Solar-Luftabsorber verlegt, die der Luft Wärme entziehen, diese im Eisspeicher einlagern oder direkt an die Wärmepumpen leiten. Und schließlich steuert auch noch die den Eisspeicher umgebende Erdwärme ihren Teil an Energie bei.

Wärme aus dem Übergang von Wasser zu Eis

Der Eisspeicher verfügt über je einen Entzugs- und Regenerationswärmetauscher. Eine Sole/Wasser-Wärmepumpe entzieht im Eisspeicher die im Wasser enthaltene Energie beim Übergang zu Eis. Der zusätzliche Energiegewinn hierbei entspricht ca. 3000 Liter Heizöl beim Eisspeicher dieser Größe. Um höhere Warmwassertemperaturen zu erzielen, wurden bei der Paulinenpflege eine Vitocal 350-G und eine 300-G im Master/Slave-Betrieb installiert.

Solarabsorber auf dem Dach entziehen Sonne und Luft Wärme und lagern sie im Eisspeicher ein.

Solarabsorber auf dem Dach entziehen Sonne und Luft Wärme und lagern sie im Eisspeicher ein.

Zahlen, Daten, Fakten, Argumente

●  2 x Vitocal 350-G
●  1 x Vitocal 300-G
●  1 x Vitofriocal (300 m³)
●  Gesamtleistung: 100 kW
●  Wärmepumpen mit „natural cooling“-Funktion
●  Abwärme aus dem Serverraum wird genutzt
●  Master/Slave-Betrieb für höhere Warmwassertemperaturen

Bild: Fernüberwachung des gesamten Energiesystems
Fernüberwachung des gesamten Energiesystems

Klimaschonende Heizung

Die Abkehr von fossiler Energie bedingt zwar zunächst eine höhere Investition, macht sich aber durch die Einsparung von Heizöl oder Erdgas bezahlt. Nicht zuletzt arbeitet ein regeneratives Energiesystem äußerst klimaschonend und emissionsfrei.

Ulrich Speidel, technischer Leiter der Paulinenpflege e.V.

Ulrich Speidel, technischer Leiter der Paulinenpflege e.V.

„Unser Vorstand hat sich bewusst für dieses regenerative Energiesystem entschieden. Wir wollen von der Versorgung mit fossilen Brennstoffen unabhängiger werden. In diesem Zuge haben wir auch bereits in einem denkmalgeschützten Gebäude ein Blockheizkraftwerk Vitobloc installiert. Zwar wird es mit Erdgas betrieben, den dabei entstehenden Strom verbrauchen wir aber selbst.“