Viessmann und Patente - Meilensteine der Heiz- und Kühltechnik

Um technische Lösungen und innovative Ideen erfolgreich am Markt zu etablieren ist der Schutz des geistigen Eigentums durch Patente oftmals unerlässlich. In der über 100-jährigen Geschichte blickt Viessmann auf eine reichhaltige Historie mit zahlreichen Innovationen zurück. Wir können über 1.500 angemeldete Patentfamilien und eingetragenen Gebrauchsmuster verzeichnen. Im Folgenden möchten wir Ihnen eine Auswahl zum Patent angemeldeter Technik vorstellen.


Beginn einer Erfolgsgeschichte - Heizkessel mit unterem Abbrand

Der Erfolg kam und kommt durch Weiterentwicklung und Optimierung von Bestehendem. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Markt für Heiztechnik geprägt von Kohle und gusseisernen Öfen. Johann Viessmann begann 1928 mit dem Bau von Heizkesseln. Nur wenige Jahre später optimierte er die bestehende Technik, indem er Stahlkessel auf den Markt brachte. Durch das sogenannte Lichtbogenhandschweißen ließen sich nun andere Kesselkonstruktionen umsetzen. Jetzt konnten Stahlrohre mit einer Stichflamme zusammengeschweißt werden. Auf diese Weisen konnten die Kessel unter anderem wirtschaftlicher gebaut werden.

Daneben lag der Fokus auf dem sparsamen Heizen. Zu diesem Zweck ließ sich Viessmann 1936 eine bestimmte Technik patentieren: der untere Abbrand mit den hinter dem Brennraum folgenden Sturzzügen. Unterer Abbrand meint, dass die Rauchgase, nicht wie zuvor üblich nach oben, sondern nach unten oder zur Seite geführt werden. Über eine maschinelle Lüftung gelangen die Abgase in eine weitere Kammer, in der sie dann ein weiteres Mal ausbrennen. Anhand dieses Verfahrens wird immer nur die untere Schicht des Brennstoffs verbrannt. Das sorgt für einen guten Ausbrand und eine hohe Verbrennungsgüte.

Abbildung: Patentschrift für Heizkessel mit unterem Abbrand, Patenterteilung bekanntgemacht 1940.
Beginn einer Erfolgsgeschichte - Heizkessel mit unterem Abbrand


1965 - Mehr Komfort bei der Trinkwassererwärmung

Das Bild zeigt den Triola-B auf der Hannover-Messe 1962.

Die Einführung der Stahlkessel ermöglichte einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Heiztechnik - den Heizkessel mit einem eingebauten, korrosionsfestem Brauchwasserbehälter. Das erhöhte nicht nur die Langlebigkeit der Systeme zur Trinkwassererwärmung, sondern sorgte auch für mehr Komfort. Denn durch die patentierte Konstruktion können Heizwärme und Warmwasser von einem Gerät bereitgestellt werden. Zuvor gab es in erster Linie separat aufgestellte Durchlauferhitzer.

Daraus entwickelte sich zwei Jahre später der Parola Heizkessel mit einem Warmwasserspeicher als sogenannter Tiefenspeicher, der unten eingebaut wurde. Der Speicher konnte mithilfe einer Umwälzpumpe schnell und vor allem bedarfsgerecht geladen werden.

Foto: Triola-B auf der Hannover-Messe 1962.


Vitola biferral 1976 zum Patent angemeldet

Die sogenannte biferrale Verbundheizfläche ist wohl einer der bedeutendsten Schritte in der Heiztechnik und auch heute noch von Relevanz. Biferral heißt, die Heizflächen bestehen aus einer Kombination aus Stahl und Guss. Das ermöglicht eine dosierte Wärmeübertragung und letztlich den Einsatz als Tieftemperaturkessel, der ohne untere Temperaturbegrenzung betrieben werden kann. Auf diese Weise konnten Anlagenbesitzer den Heizkessel abschalten und dann wieder kalt starten. Das war zuvor nicht möglich. Mit dieser Technik musste der Heizkessel auch nicht mehr mit konstant hohen Temperaturen von 70 Grad Celsius betrieben werden.

Der Weg in die Ära der Niedertemperatur-Warmwasserheizungen war geebnet. Auch heute kommen diese Verbundheizflächen in den Vitoladens Öl-Brennwertkesseln von Viessmann noch zum Einsatz.

Foto: Biferrale Verbundheizfläche
Das Bild zeigt die moderne biferrale Verbundheizfläche.


ThermProtect: Der Überhitzungsschutz für Flachkollektoren

Das Bild zeigt aktuelle Flachkollektoren mit ThermProtect-Technik.

Ein Kollektor erzeugt immer dann Wärme, wenn die Sonne scheint. In der Regel wird die thermische Energie aber vor allem in den Abend- und frühen Morgenstunden benötigt. Ein Speicher bevorratet die Wärme, solange bis sie benötigt wird. Ist dieser vollständig geladen und wird die Energie im Haushalt nicht abgenommen, kommt es demnach zu langen Stillstandzeiten, sind Überhitzung der Kollektoren und Dampfbildung eine häufige Folge. Um dem entgegenzuwirken und um für eine höhere Lebensdauer sowie mehr Betriebssicherheit zu sorgen, hat Viessmann ThermProtect entwickelt, für das wir 2017 das Patent erhalten haben.

Doch wie funktioniert das Prinzip? Ein Flachkollektor wie die Vitosol Produktgruppe besitzt eine kristalline Absorberbeschichtung. Sie regelt die Energieaufnahme. ThermProtect ist eine Schicht, die darüber aufgetragen wird. Damit ändert sich bei Überschreitung einer bestimmten Grenztemperatur die Kristallstruktur. Die Energieaufnahme schaltet sich ab. Die Kollektoren können so nicht mehr überhitzen.

Foto: Aktuelle Flachkollektoren mit ThermProtect-Technik


Meilenstein der Kühltechnik - TectoDeck MD5

Wärme- und Kältetechnik wachsen immer mehr zusammen. In beiden Bereichen wird das Energieeffizienzpotenzial zunehmend relevanter. Ein zielführendes Patent, welches Viessmann in den vergangenen Jahren diesbezüglich beantragt hat und 2017 erteilt wurde, ist der Luftschleier des TectoDeck MD5. Damit kann die Kühlung der Luft bei geringer Luftgeschwindigkeit bei gleichzeitiger Abdeckung der erforderlichen Wärmeübertragung bereitgestellt werden. Das haben bislang nur groß gebaute Kühlmöbel geschafft, die nicht nur viel Bauraum in Anspruch genommen haben, sondern auch in Anschaffung und Betrieb kostenintensiv waren.

Eine geringe Luftbewegung ist deshalb so wichtig, damit Waren, vor allem wenn sie offen präsentiert werden, nicht austrocknen. Die patentierte Lösung schafft eine geringe Luftgeschwindigkeit, ohne dass die Wärmeübertrager groß gebaut sein müssen. Über zwei Fördereinrichtungen kann die Wärmeübertragung von der Förderleistung des gekühlten Zuluftstroms entkoppelt werden. Auf diese Weise punktet das TectoDeck MD5 durch eine kompakte Bauweise. Gleichzeitig können die Waren bei maximaler Warensichtfläche optimal präsentiert werden.

Foto: Kühlregal TectoDeck MD5
Das Bild zeigt ein Kühlregal TectoDeck MD5.