So ist die aktuelle Versorgungslage – Gibt es Ausblick auf Entspannung?

20. Dezember 2021

Durch die Engpasssituation für viele Materialien am Weltmarkt herrscht derzeit ein Verteilungskampf unter den einzelnen Branchen. Viele Rohstoffe und Bauteile stehen nur in begrenzter Menge zur Verfügung. Dies führt nicht nur zu Lieferverzögerungen, sondern auch zu erhöhten Einkaufspreisen für Hersteller. Dabei spielt der Einkauf eine Schlüsselrolle: “Seitdem sich die Verfügbarkeitssituation zu Beginn des Jahres 2021 stark angespannt hat, sind wir im Einkauf mehr gefordert denn je: Niemals zuvor haben wir so viele neue Lieferanten qualifiziert, so viele Plan-B-Lösungen geschaffen. In der aktuellen Lage ist eine schnelle Reaktionszeit von beiden Seiten – Einkäufer und Lieferant – unabdingbar. Nur durch 24h-Verfügbarkeit schaffen wir es, einen Großteil der benötigten Materialien zu beschaffen und so die Produktion am Laufen zu halten. Diese herausfordernde Zeit hat uns alle noch mehr zusammengeschweißt – Ich bin unglaublich stolz auf mein Team”, so Uwe Storm, Leiter des Einkaufs bei Viessmann.

Materialkosten steigen weiter, Entspannung für zweite Jahreshälfte 2022 erwartet

Die Kosten für knappes, in der Produktion dringend benötigtes Material steigen weiter und die stark verteuerten Einkaufspreise für die Vorprodukte machen den Unternehmen zu schaffen. Beispielsweise stieg der Preis für Stahl in den vergangenen 12 Monaten um ca. 150% an, der Preis für Kupfer erhöhte sich um 50% und der für Kunststoffe um durchschnittlich 40%.

Dazu sagt Hans-Arno Linkenheil, Verantwortlicher für das Supply Chain Management bei Viessmann: “Wir befinden uns bei den Einkaufspreisen für die benötigten Rohstoffe wie Stahl und Kupfer immer noch auf einem Spitzenniveau. Eine Entspannung erwarten wir für die zweite Jahreshälfte 2022. Allerdings mussten wir uns in Hinblick auf die Versorgungssicherheit mit Materialien eindecken.”

Auf dem Weltmarkt sorgen spekulative “Spotkäufe” für Verteuerungen

Ein niedrigeres Preisniveau für Materialien und Baustoffe auf dem umkämpften Weltmarkt sei vorerst nicht in Sicht, selbst wenn es preisliche Rückgänge gäbe, schätzt Linkenheil die Lage ein. Bei Elektronik-Bauteilen werden die Materialkosten durch überteuerte sogenannte “Spotkäufe” bis zu 50-fach belastet. Wie kann das sein?

Traditionell nutzen Produzenten Warentermingeschäfte, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern: Ein Lieferant kann sich langfristig mit dem Händler auf den Preis seiner Waren einigen und hat Planungssicherheit. Heute handeln auch Spekulanten mit diesen Finanzprodukten – sie sind nicht an der Ware interessiert, sondern wollen an Preisschwankungen verdienen. Die gehandelte Menge an z.B. Mikro-Chips oder Kupfer ist so um ein Vielfaches höher als die eigentliche Produktion. Zwischenhändler verknappen das Angebot auf dem Spotmarkt, wenn die Preise spekulationsbedingt gestiegen sind. Dann würde es sich lohnen, einen Teil des Materials vorerst nicht zu verkaufen, sondern zu lagern. Die Folge sind steigende Materialpreise.

Das Geschehen auf den Märkten ist also direkt verbunden mit den Möglichkeiten der Unternehmen, die begehrten Materialien zu kaufen. “Diese Einschätzungen mussten wir in der Planung natürlich berücksichtigen, denn sie bedeuten eine massive Kostensteigerung. Die Materialkosten lagen in diesem Jahr zunächst auf einem guten Niveau und sind dann kontinuierlich gestiegen. Ein umgekehrter Verlauf ist für 2022 leider nicht zu erwarten, weswegen die Durchschnittskosten für das Jahr 2022 selbst bei Entspannung der Lage deutlich über dem Vorjahr liegen”, analysiert Linkenheil.

Klimaschonende Technologie muss bezahlbar bleiben

Dennoch verfolgt Viessmann weiterhin den Grundsatz, dass umweltfreundliche Technologie gerade auch zur Erreichung der Klimaziele bezahlbar bleiben muss. Das Unternehmen steht daher für die Bewältigung des Lieferengpasses und des Preisanstiegs im engen Verbund mit seinen Lieferanten und versucht die Negativ-Effekte so gut wie möglich abzufedern.