Schule macht aus der Wärmeerzeugung mit regenerativer Energie ein Unterrichtsthema

Ein Punkt im Energiekonzept für das Realschulzentrum Kloster Rebdorf war außergewöhnlich. Dort stand: „Einbindung der Energiegewinnung in den Schulbetrieb/Umweltbildung“. Wo anders als an einer Schule könnte man den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen auch am besten vermitteln?

Konsequent basiert deshalb das gemeinsam mit Prof. Dr. Ing. Markus Brautsch von der Hochschule Amberg-Weiden entwickelte Konzept auf dem Einsatz von Biomasse.

Diözese Eichstätt

Die Diözese Eichstätt ist Trägerin von sechs staatlich anerkannten Schulen, die vormals in Ordensträgerschaft standen. Damit greift die Diözese eine reiche Tradition kirchlicher Bildungsarbeit auf und entwickelt die ordensgeprägten Leitbilder fort.

Das ehemalige Kloster Rebdorf beherbergt ein Realschulzentrum für Jungen und Mädchen. Bis zu 1600 Schülerinnen und Schüler werden von mehr als 100 Lehrkräften unterrichtet. Das Schulzentrum liegt im Naturpark Altmühltal direkt an der Altmühl.

Hackschnitzelkessel Vitoflex 300-UF mit 720 kW und ein Vitoplex 200 (rechts) mit 1300 kW Leistung

Zentrales Heizhaus versorgt Nahwärmenetz

Seit 2014 ist nun das neue, zentrale Heizhaus in Betrieb und versorgt das Realschulzentrum über ein Nahwärmenetz mit 750 Metern Länge mit Wärme. Die Grundlast von mehr als 85 Prozent liefert ein Biomassekessel Vitoflex 300-UF mit 700 kW Leistung von Viessmann. Für die Spitzenlast sorgt ein Erdgaskessel Vitoplex 200 mit 1300 kW Leistung.

Die Holzhackschnitzel lagern in einem unterirdischen Bunker mit 180 m³ Fassungsvermögen. Die befahrbaren Bunkerdeckel bilden mit dem großzügigen Betriebshof eine harmonische Einheit. Vibrationsgitter sorgen für eine gleichmäßige Befüllung. Der Betreiber legt großen Wert auf einen geringen Wassergehalt der Biomasse von maximal 25 Prozent. Die gleichbleibend gute Qualität sichert einen hohen Wirkungsgrad und verringert den Betriebsaufwand.

Das Energiesystem wurde von Engelhard Haustechnik GmbH in Eichstätt installiert. Das ortsansässige Unternehmen steht somit zur Wartung und für den Service auch kurzfristig zur Verfügung. Für die Planung zeichnete die Ingenieurgesellschaft Frey-Donabauer-Wich mbH aus Gaimersheim verantwortlich.

Die transluzente Fassade der Energiezentrale soll an ein Gewächshaus erinnern.

Die transluzente Fassade der Energiezentrale soll an ein Gewächshaus erinnern.

Freiwilliger Emissionsschutz mit Elektrofilter

Ein besonderes Augenmerk legte der Bauherr auf den Emissionsschutz. Obwohl für diese Anlagengröße nicht vorgeschrieben, hat sich die Diözese Eichstätt freiwillig verpflichtet, eine elektrische Filteranlage für das Rauchgas des Hackgutkessels installieren zu lassen, um damit den maximalen Schutz der Anlieger zu gewährleisten.

Zahlen, Daten, Fakten, Argumente

●  1 x Vitoflex 300-UF, Leistung: 700 kW
●  1 x Vitoplex 200, Leistung: 1300 kW
●  Biomassekessel liefert 85 Prozent Grundlast
●  Freiwilliger Emissionsschutz mit Elektrofilter
●  CO₂-Ausstoß um 72 Prozent gesenkt

Bild: Bei der Anlieferung von Hackschnitzeln wird der Feuchtegehalt gemessen.
Bei der Anlieferung von Hackschnitzelnwird der Feuchtegehalt gemessen.

CO₂-Ausstoß um 72 Prozent gesenkt

Das neue Nahwärmenetz ist nur eine Maßnahme zur Reduzierung von klimaschädlichem CO₂. Ein eigenes Wasserkraftwerk produziert zwei Drittel des benötigten Stroms, und die elektrische Energie aus einer Photovoltaik-Anlage wird ebenfalls selbst verbraucht. Auch diese regenerative und nachhaltige Energiegewinnung wird im Unterricht behandelt.

Werner Hausmann (Dipl. Ing. FH), Diözesan-/Universitätsbauamt Eichstätt

Werner Hausmann (Dipl. Ing. FH), Diözesan-/Universitätsbauamt Eichstätt

„Mit der Entscheidung für ein regeneratives Energiesystem war für uns Voraussetzung, dass der benötigte Brennstoff aus der Region stammt. Wir wollen unnötige Transportwege und eine weitere Umweltbelastung vermeiden. Der Aufbau einer regionalen Wertschöpfungskette stärkt zudem soziale Aspekte. Die Diözese Eichstätt trägt durch die Bewirtschaftung eigener Pfründewälder selbst zur Bereitstellung der benötigten Biomasse bei.“