Neue Energiesysteme liefern 40 Prozent des benötigten Stroms

Das Ökumenische Hainich Klinikum in Mühlhausen (Thüringen) zählt zu den größten psychotherapeutischen Fachkliniken Deutschlands. Rund 70 Gebäude auf dem weitläufigen Gelände müssen zuverlässig mit Energie versorgt werden.

Noch bis 1970 wurde im 1912 erbauten Kesselhaus mit Kohle geheizt. Dann kam die Umstellung auf Erdgas, das aus einem nur wenige Kilometer entfernten Vorkommen stammte. Nach der Wende wurden neue Heißwasserkessel mit insgesamt 18 MW installiert, die bis 2014 im Einsatz waren.

Denkmalgeschützte Park- und Villenanlage des Ökumenischen Hainich Klinikum

Ökumenisches Hainich Klinikum gGmbH

Das Fachkrankenhaus für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie versorgt den Nordwesten Thüringens. Es bietet in seiner denkmalgeschützten Park- und Villenanlage alle modernen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden.

Insgesamt sind ca. 1100 Menschen im Krankenhaus tätig – es ist einer der größten Arbeitgeber in der Region. Mit 700 Betten werden jährlich rund 7000 Patienten akut behandelt. Etwa 90 Heimbewohner haben hier ihre zweite Heimat gefunden, und weitere 100 Patienten sind vom Gericht zur Behandlung eingewiesen worden.

Neubau für die effizientere Lösung

Die notwendige unterbrechungsfreie Versorgung mit Energie war letztlich ausschlaggebend für den Bau eines neuen, besonders schallgeschützten Heizhauses. Er erwies sich als die effizientere und wirtschaftlichere Lösung als eine Zug-um-Zug-Sanierung im denkmalgeschützten Kesselhaus.

Das neugebaute besonders schallgeschützte Heizhaus
Blockheizkraftwerke Vitobloc 200 (links) und vier Heißwasserkessel Vitomax 200-LW im Heizhaus des Ökumenischen Heinich Klinikums

Vorrang für BHKW im neuen Heizhaus

Jetzt stehen in dem geräumigen Neubau zwei Blockheizkraftwerke (BHKWs) Vitobloc 200 EM-140/207 mit je 140 kWel und 207 kWth Leistung und vier Heißwasserkessel Vitomax 200-LW mit je 2,3 MW Leistung und einem Betriebsdruck von 6 bar. Der Heißwasser-Pufferspeicher fasst 22 000 Liter. Die beiden BHKWs haben im laufenden Betrieb Vorrang zur Erzeugung der notwendigen Wärme bei gleichzeitiger Stromproduktion. Der Strom wird vom Hainich Klinikum selbst verbraucht und deckt rund 40 Prozent der benötigten Energie. Erst bei tiefen Temperaturen schalten die Vitomax Kessel zu.

Alle Energiesysteme arbeiten mit Erdgas. Für einen Notfall steht aber zusätzlich ein Flüssiggastank zur Verfügung, dessen Kapazität von 100 m³ für einen zuverlässigen Betrieb von 14 Tagen ausreicht. Die im klinischen Betrieb besonders notwendige Bereitstellung von höchster Warmwasserqualität bewirkt die thermische Desinfektion mit einer Temperatur von 70 °C. Der Vorlauf liegt dann bei 65 °C und kommt völlig ohne chemische Zusätze aus.

Zahlen, Daten, Fakten, Argumente

●  2 x Vitobloc 200 EM-140/207 Gesamtleistung: 280 kWel/414 kWth
●  4 x Vitomax 200-LW Gesamtleistung: 9,2 MW
●  Neues Energiesystem kommt mit halber Leistung gegenüber der Altanlage aus
●  40 Pozent des benötigten Stroms wird selbst erzeugt
●  Flüssiggastank sichert die Versorgung im Notfall

Wärmetauscher Vitotrans 200 entziehen den heißen Abgasen der Vitomax Kessel Wärme und erhöhen die Effizienz.

Planung und Bau mit regionalen Partnern

Die vom Ingenieurbüro Seidel aus Mühlhausen geplante und von Brandt & Co. aus Rodeberg gebaute Anlage basiert ausschließlich auf BHKWs und Heißwasserkesseln von Viessmann. Lediglich die Brenner für die Vitomax Heißwasserkessel stammen von Weishaupt und werden mit einer eigenen Regelung gesteuert. Über ein BACnet ist das komplette Energiesystem in die Gebäudeleittechnik (GLT) eingebunden.

Heiner Seidel (Dipl.-Ing. FH), Planungsbüro Seidel & Co. GmbH

Heiner Seidel (Dipl.-Ing. FH), Planungsbüro Seidel & Co. GmbH

„Leistung und Technik der neuen Energiezentrale sind auf 25 Jahre ausgelegt. Dabei war die stabile und robuste Bauweise der Vitomax Kessel mit ausschlaggebend für die Entscheidung des Bauherrn. Auch das effiziente Gegenstromprinzip des Wärmetauschers für eine hohe Nutzung der eingesetzten Energie sowie die bewährte Partnerschaft von Viessmann und Weishaupt haben überzeugt.“