K-Gebäude der Sto AG



Daten und Fakten

Standort: Stühlingen
Bauherr: Sto AG
Architekt: Michael Wilford & Partners

Baujahr/Zeitraum
Planung: 05/94 bis 07/95
Ausführung: 12/95 bis 05/97
Einweihung: 26.Mai 1997

Vergabe
Direktauftrag

Weitere Informationen
Grundstücksgröße 4.800 m²
Bebaute Fläche 962 m²
Befestigte Fläche 1.450 m²
Parkplätze 24
Schulung 5.356 m³
Ausstellung 1.116 m³
Büro 6.917 m³
Gesamt Bruttorauminhalt (BRI a) 13.389 m³
Schulung 1.313 m²
Ausstellung 193 m²
Büro 2.288 m²
Gesamt Bruttogrundfläche (BGF) 3.794 m²
Gesamt Nettogrundfläche (NGF) 3.002 m²
Bauwerk (KG 300, 400) € 8,0 Mio.
Kosten Erstausstattung € 0,8 Mio.

Auszeichnungen
1999 RIBA Category award for the best commercial building
 

Architekten

Wilford Schupp Architekten GmbH
Neue Brücke 8
70173 Stuttgart
Tel.: 07 11 / 22 55 42 -0
Fax: 07 11 / 22 55 42 -90
E-Mail: office@wilfordschupp.de
www.wilfordschupp.de

Tätigkeitsbereiche
Beratung,Garten- und Landschaftsplanung, Generalplanung, Gutachten, Innenraumplanung, Messebau, Möbeldesign, SiGe-Koordination, Umbau und Sanierung, Wettbewerbe

Planungsschwerpunkte
Wohnbauten, Dienstleistungsbauten, Gesundheitswesen/Sozialeinrichtungen, Hotels/Gaststätten/Touristik, Industriebau, Kulturbauten, Schulen/Kindergärten, Staatliche/Kommunale Bauten, Bauten für Wissenschaft/Forschung

Mitarbeiter
Manuel Schupp, Jürgen Engelhardt, Daphne Kephalidis, Richard Walker, Heike Andrees, Daniel Seibert, Markus Mangold, Irmgard Gassner, Andy Strickland, Karin Ludewig

Bürophilosophie:
Die Architektursprache von Wilford Schupp Architekten beruht auf der Integration von Moderne und Tradition, dem Bezug zwischen der Vielschichtigkeit der Geschichte und der Abstraktion modernen Designs. Die Architekten verstehen ihre Bauten als Unikate mit charakteristischer Zeichenhaftigkeit. Die formale Eigenständigkeit besonderer Funktionen, die innere Logik der Wegführung und räumlichen Anordnung sowie der bewusste Umgang mit Materialien und Farben sind wichtige Aspekte ihrer Arbeit. Entwerfen wird als ein kontinuierlicher, fast handwerklicher Prozess verstanden, in dem aus der Voruntersuchung und Programmentwicklung in Abstimmung mit Bauherren ein Gebäudekonzept entsteht.

Fachplaner

Statik
Ing. Büro Boll & Partner
70180 Stuttgart
Herr Najjar, Herr Zimmermann

Heizung, Lüftung, Sanitär
Jaeger, Mornhinweg & Partner
70567 Stuttgart
Herr Jaeger, Herr Hirth

Elektroplanung
Ing. Büro Werner Schwarz
70597 Stuttgart
Herr Horrer

Brandschutzgutachter
Hosser, Hass & Partner
38106 Braunschweig
Herr Dr. Wesche

Vermessung
Ing. Büro Mandolla
78052 VS-Villingen

GU
Züblin AG
79104 Freiburg
Herr Lanzenberger, Herr Thévenot

Bauphysik
Dr. Schäcke & Bayer
71334 Waiblingen-Hegnach

Prüfstatik
Ing. Gemeinschaft Dietrich + Netzel
70199 Stuttgart
Herr Mack

Entwurfsaufgabe

Im Südschwarzwald am Hauptsitz der Sto AG sollte ein neues Empfangsgebäude entstehen, das mehrere Funktionen in sich vereinigt. Mit dem Gebäude für Marketing und Kommunikation, kurz K-Gebäude genannt, entstand ein Bau, der Büro-, Schulungs- und Versammlungsräume beherbergt. Wilford Schupp Architekten – der britische Architekt Michael Wilford war Schüler und langjähriger Partner des 1992 verstorbenen James Stirling – hatten zuvor bereits einen Masterplan für das gesamte Firmengelände in Stühlingen entwickelt, in dem sie bestehende und zu ergänzende Gebäude auf einer Art Campus gruppierten. Der Plan sah außerdem vor, die unterschiedlich genutzten Baukörper wie etwa Fabrikanlagen, Lagerbauten und einen Verwaltungstrakt durch Grünzüge miteinander zu verbinden. Durch die Verlegung einer Bundesstraße, die vorher das Areal durchquert hatte, gewann man eine zusätzliche Fläche im Zentrum, die heute als grüne Mitte der Erholung dient.

Das architektonische Gesamtkonzept des Unternehmens, das unter dem Motto "Bewusst bauen" steht, sollte durch den Neubau bildhaft dargestellt werden. Das K-Gebäude sollte ein zeichenhaftes Bauwerk werden, das auf vielfältige Weise die Firmenphilosophie verkörpert, ein Symbol mit hohem Wiedererkennungswert.



Projektbeschreibung

Lage

Das Büro- und Kommunikations-Gebäude (K-Gebäude) liegt in den Ausläufern des Südschwarzwalds inmitten bewaldeter Hänge auf einem Plateau, das einen Blick in das idyllische Wutachtal freigibt. Der neue Bau streckt sich dem Tal entgegen und ist aufgrund seiner Prägnanz und des großen Firmenlogos auf dem Dach schon von weitem zu erkennen. Auf die Gesamtanlage bezogen bildet der Solitär einen wirkungsvollen Auftakt; er stellt eine offene, einladende Beziehung zwischen der Sto AG und der Gemeinde her. Mit seiner prägnanten Gestalt wird er zum Symbol für das Unternehmen. Rückwärtig in Richtung der zentralen Grünfläche des Firmengeländes ist das Gebäude von Etage zu Etage nach unten abgestuft, um sich auf diese Weise an die benachbarten niedrigeren Fabrikbauten anzupassen.

Der Bau fügt sich in einen Masterplan, der neue und existierende Gebäude in einen Campus integriert. Mit der Umlegung der Bundesstraße B 314, die das Areal des Unternehmens in zwei Partien trennte, ergab sich die Möglichkeit, das Firmengelände zu vereinigen und neu zu gestalten. Nach der Verlegung der Straße aus dem Werksgelände heraus wurde der neu geschaffene Raum zu einem halbkreisförmigen zentralen Garten in der Mitte des Firmensitzes. Der Bau des neuen Verwaltungsgebäudes bildete als erstes Projekt den Auftakt zur Verwirklichung des Masterplans.

Nutzung

Das K-Gebäude ist eine Komposition aus drei miteinander verbundenen und dennoch eigenständigen Baukörpern. Jedem ist eine der drei Hauptnutzungen zugeordnet, die vertikal gestaffelt sind: Der Sockel beherbergt auf zwei Etagen die Räume für Schulungen von Kunden und Mitarbeitern, hier finden theoretische und praktische Lehrgänge statt. Mittels flexibler Trennwandsysteme können die Tagungsräume je nach Veranstaltungsart in der Größe angepasst werden. Eine Demonstrationswerkstatt ergänzt das Raumprogramm. Darüber erstreckt sich die repräsentative Eingangs- und Ausstellungsebene mit elliptischem Foyer, über dem sich wiederum der Verwaltungstrakt mit Büros der Marketingabteilung in einem eigenständigen Baukörper über vier Ebenen nach oben hin entwickelt. Da dieser weit über die Eingangsebene hinausragt, entsteht dort eine überdeckte Freifläche, die sich bei größeren Empfängen dem Foyerbereich zuschalten und mitnutzen lässt.

Äußere Gestalt

Die verschiedenen Funktionen des Gebäudes werden durch unterschiedliche Materialien zum Ausdruck gebracht. Der massive quadratische Sockel mit den Schulungsräumen bildet die Basis des Ensembles. Wände und Terrasse des quadratischen Ausbildungsbereichs sind mit diagonal angebrachten, dunkelgrauen Basaltsteinplatten verkleidet, deren Fugen farbig ausgefüllt sind. Der Fahrstuhlschacht und der Treppenturm tragen einen leuchtend türkis- und orangefarbenen Putz und leisten durch ihre Auffälligkeit einen Beitrag zur guten Orientierung.

Die Ausstellungsebene mit dem elliptischen Eingangsfoyer präsentiert sich leicht und elegant in blauem, gebogenem Metall und Glas. Sie dient als Hauptverteiler und verbindendes Element innerhalb des dreiteiligen Gesamtkomplexes.

Der dritte und markanteste Baukörper schließlich, ein länglicher Riegel, erhebt sich über dem Foyer auf schwarzen, von der Fassade zurückgesetzten Stützen und vermittelt dadurch eine schwebende, leichte Geste, die auch durch die lang gezogenen Fensterbänder unterstützt wird. Auf vier Ebenen finden Büroräume für die Marketing- und Vertriebsabteilungen sowie Besprechungs- und Archivräume Platz. Die Fassade wurde verputzt und weiß gestrichen. In Form und Gestus erinnert dieser Baukörper an einen Ozeandampfer: Seine abgeschrägte Frontseite streckt sich wie ein Bug dynamisch in die Luft, und auf seiner Rückseite staffeln sich die Geschossebenen schräg ab, wodurch der Eindruck von Schiffsdecks erweckt wird. Die Geländer erinnern an Relings, runde Fenster an Bullaugen, und wie ein Kamin ragt der leuchtend orange gestrichene Treppenturm mittig aus der obersten Ebene heraus.

Innenraum

Durch Öffnungen in den Geschossdecken wird das Innere des schiffartigen Baukörpers als Gesamtvolumen erfahrbar gemacht; die unterschiedlichen Niveaus sind optisch und räumlich miteinander verbunden. Daraus ergeben sich vielfältige Blickbeziehungen und interessante Perspektiven. Mit dieser Art von räumlicher Verbindung zwischen allen Ebenen sollen Interaktion und Gemeinschaftssinn zwischen den Mitarbeitern gefördert werden.

Durch eine bewusst kräftige Farbwahl und die Zuordnung verschiedener Materialien zu den einzelnen Baukörpern entsteht ein aussagekräftiger Bau. Er bietet in seinem Inneren ein großes Spektrum an differenzierten, prägnanten Räumen mit unterschiedlichster Atmosphäre. Dies erleichtert die Orientierung. Die beispielhafte Anwendung verschiedenster Produkte aus der Sto-Palette ist Teil der intelligenten Gesamtstrategie, die dem Gebäudeentwurf zugrunde liegt. Sie macht den Bau fast zu einem dreidimensionalen Produktkatalog. Anhand plakativer Formen und Farben wirkt das K-Gebäude als identitätsbildendes Bauwerk. Es fungiert als Erkennungszeichen und symbolisiert auf vielfältige Weise die Philosophie und die Corporate Identity der Sto AG.
 


Baukonstruktion - Tragwerk

Sockel

Das Gesamtensemble des Gebäude K besteht aus drei eigenständigen Elementen, die jedoch räumlich miteinander verbunden sind. Der Sockelbau wurde in konventioneller Massivbauweise errichtet. Die Wände aus Stahlbeton wurden teilweise mit konischen, schräg verlaufenden Aussparungen versehen, die festverglast sind. Die Guckfenster ermöglichen den Besuchern Einblicke aus dem Flur in den Schulungsbereich. Die schrägen Öffnungen erforderten große Sorgfalt bei der baupraktischen Umsetzung, die von den ausführenden Firmen bei der Schal- und Bewehrungstechnik und beim Nacharbeiten der Oberflächen geleistet werden musste.

Bürotrakt

Die größte Herausforderung für die Tragwerksplaner war durch die Berechnung des oberen, Trapezoiden Baukörpers gegeben, der wie ein Schiffsrumpf über dem lang gestreckten, massiven Sockel thront. Rückwärtig aufliegend, ist die unterste Betonplatte an ihrer Vorderseite auf zwei Stützen aufgelegt, über die sie noch weitere 6m auskragt. Das an einen Dampfer erinnernde Bauwerk scheint also über dem elliptischen Eingangsfoyer zu schweben, das zwischen den Sockelbau und den oberen Büroriegel eingeschoben ist.

Die unterste Bodenebene des Bürotrakts muss die Hauptarbeit bei der Lastabtragung verrichten, indem sie die Lasten aus den gesamten oberen Büroetagen (insgesamt 4 Ebenen) aufnimmt und nach unten weiterleitet. Um dies zu bewerkstelligen, wurde die von den Statikern auch „Tischplatte“ genannte Geschossdecke aus 1,20m dickem Beton gegossen. Dieser wurde zusätzlich mit insgesamt 30 Vorspanngliedern zu 30t versehen.

Die massiven Kerne von Aufzugsschacht und Treppenhaus dienen der Aussteifung des Bürobaukörpers. Weil seine Stirnwand nach außen geneigt ist, entstehen zusätzlich zu den Vertikallasten auch horizontale Kräfte. Diese H-Lasten werden ebenfalls von den massiven Kernen abgetragen. Auch die zickzack- förmige Wand in der Foyerebene wird zur Aufnahme von Horizontalkräften mit herangezogen. Den Bürotrakt einschließlich der Ellipse des Eingangsfoyers dimensionierten die Statiker aus Gründen der Wirtschaftlichkeit anhand eines räumlichen Modells, bei dem alle Bauteile zusammenwirken und Lasten übernehmen. Dadurch konnte man gegenüber einer konventionellen Einzelberechnung der verschiedenen Bauteile erhebliche Mengen an Bewehrungsstahl einsparen.

A-Bock

Die beiden Stützen unter dem scheinbar schwebenden Büroriegel sind jeweils in Form eines A ausgebildet und wurden daher auch als A-Bock bezeichnet. Sie erhalten die horizontale Hauptlast nicht in der Richtung der aus der Form resultierenden größeren Steifigkeit in Gebäudelängsrichtung, da hier bereits der geschlossene Teil der Eingangsellipse die Lasten übernimmt. Die Hauptbelastung erfolgt vielmehr quer zum Gebäude. Die beiden A-Böcke sind daher sowohl an der Spitze als auch an den „Querstrichen“ biegesteif mit Querträgern verbunden. Dadurch bilden sie senkrecht zum „A“ einen zweigeschossigen Rahmen, der die Windlasten quer zum Gebäude aufnimmt. Die Kräfte werden vom oberen Querträger aufgenommen und vom unteren Querträger in die oberste Decke des Sockelbaukörpers abgegeben. Die Stützen selbst sind eine Stahlkonstruktion aus Doppel-T-Profilen. Die Kammern wurden mit Stahlblechen geschlossen und aus Gründen des Brandschutzes mit Beton ausgegossen. Der Anschluss an die Fundamente erfolgt mit Stirnplatten und ausgleichenden Quetsch-Bleiplatten.

Das gesamte Ensemble musste aufgrund der Beschaffenheit des Untergrundes mittels einer Großbohrpfahlgründung fundamentiert werden.
 


Interview

mit Manuel Schupp, Partner im Büro Wilford Schupp Architekten


Wer entwickelte das Farbkonzept?
Das Farbkonzept wurde vom Architekten entwickelt, wobei beim äußeren oberen Baukörper des Bürogebäudes die Corporate-Design Vorgaben von Sto eine Rolle spielten (gelber Balken auf weißem Grund, mit schwarzem Sto- Logo). Wesentlich war, dass Sto als Hersteller von Farben und Putzen die Vorgabe machte, dass dies auch zum Ausdruck kommen sollte. Daher wurden am Gebäude für primäre architektonische Elemente verschiedene in Primärfarben gehaltene Materialien und Farbtöne eingesetzt.Die Umsetzung eines sinnvollen technischen Konzeptes war in der Bearbeitung essentiell. Sowohl was die Frage der Qualität der Arbeitsplätze betrifft als auch bezüglich eines innovativen Gebäudetechnikkonzeptes sollte der Neubau der dvg Maßstäbe setzen. Um dieses zu erreichen, wurden konsequent innovative Ansätze geprüft beziehungsweise entwickelt.

Gab es Vorgaben bezüglich der Materialien?
Ja, es sollten vornehmlich Materialien aus dem Hause Sto verwendet werden.

Enthielt der Masterplan, den Ihr Büro zuvor entwickelt hatte, bereits Vorgaben für das K-Gebäude?
Ja, es sollte an der südöstlichen Ecke des Geländes positioniert sein, um nach Bau der neuen Bundesstraße die Präsenz der Firma im Tal zu erhöhen.

Wie entstand die Idee zur Gestaltung des Baukörpers?
Es ging uns in erster Linie um die Differenzierung der unterschiedlichen Funktionen, die im Gebäude untergebracht werden sollten, und gleichzeitig darum, ein Ausrufezeichen in die Landschaft zu setzen, das Dynamik und Aufbruch signalisiert.

Ab welcher Phase des Entwurfs wurden die Haustechniker beteiligt?
Sie wurden von Anfang an in einem integralen Arbeitsteam mit einbezogen.

Wie verlief die Zusammenarbeit mit den Tragwerksplanern?
Dem Tragwerksplaner fiel in diesem integralen Team eine besondere Rolle zu, weil er über die Verschmelzung von 4 Geometrien in einem Gebäude wesentlich daran beteiligt war, dass es das „kleinste gemeinsame Vielfache“ gab, das ein durchgängiges Tragwerk ermöglichte. Zum anderen mussten die wesentlichen Aspekte zum Ausdruck gebracht, beziehungsweise gelöst werden. So etwa die Abstützung des Hauptbauköpers mit A-Böcken, die vom Architekten gemeinsam mit dem Tragwerksplaner entwickelt wurden.

Wurde die Form durch die Statik beeinflusst?
Die Statik war nicht der Katalysator der Form. Grundsätzliches Anliegen war, einen quadratischen, zweigeschossigen Sockel mit einem ellipsenartigen Foyer und einem geneigten Quader zu kombinieren.


Regenwassernutzung

Im K-Gebäude wurde ein zweites Rohrsystem für die Spülkästen der Toiletten und Urinalspüler vorgesehen. Mit diesem zweiten Rohrsystem und der Platzvorhaltung in der Technikzentrale für eine Druckerhöhung bzw. Pumpanlage ist es möglich, Toiletten und Gartenbewässerung mittels Regenwasser bzw. vorhandenem „Überlaufquellwasser“ einfach umzurüsten. Im Außenbereich wurde zudem eine Zisterne eingebaut, die das Regenwasser  sammelt.

Kühldecken

Das System der Kühldecken bietet viele Vorteile. Im Vergleich zu einer raumlufttechnischen Anlage (RLT-Anlage treten hier weder Zugerscheinungen noch Geräuschbelästigung auf. Wärme wird nach dem Strahlungsprinzip abgeführt und die erforderliche Frischluftmenge je nach Bedarf mechanisch oder natürlich zugeführt. Der Energieverbrauch ist vergleichsweise gering, weil sich ein geschlossener Wasserkreislauf besser zum Transport von Energie eignet als Luft. Weitere Pluspunkte sind die einfache Regelungstechnik, die geringere Einbauhöhe sowie die Möglichkeit der separaten Raumbelüftung. Zudem bleibt die natürliche Speicherfähigkeit des Gebäudes erhalten, weil auf abgehängte Decken verzichtet werden kann.

Die Kühldeckentechnik weist den günstigsten Energiekostenverbrauch aller bekannten Klimasysteme auf. Gegenüber dem variablen Volumenstromsystem der Raumlufttechnik spart man bei der gewählten Kühldecke etwa 20 Prozent an Energiekosten ein. Die Technikzentralen konnten in Folge der geringeren Luftmengen, die aus dem Einbau der Kühldecken resultieren, um etwa 30 Prozent kleiner ausgelegt werden. Ebenso konnten die Querschnitte der Installationsschächte reduziert werden.

Die Regelung der Kühldecken erfolgt durch Variieren des Wasserstromes. Dazu wurden Durchgangsventile mit stetigem Antrieb eingebaut, die in Abhängigkeit von der Raumtemperatur die Durchflussmenge steuern. Die Ventile sind mit einem elektrischen Stellantrieb versehen. Damit der Taupunkt an der Kühldecke nicht unterschritten wird - sich also kein Kondenswasser bildet - muss sichergestellt werden, dass die Kühlwasservorlauftemperatur einen bestimmten Grenzwert nicht unterschreitet.

Warmwasserbereitung

Während bei Verwaltungsbauten der Energiebedarf für die Warmwasserbereitung normalerweise keine große Rolle spielt, weil Kühlung, Belichtung und Lüftung der Arbeitsplätze den Löwenanteil an Energie verschlingen, wurde beim K-Gebäude von einem hohen Warmwasserbedarf ausgegangen, den die Demonstrationswerkstatt erzeugt. Eine Wärmepumpe erhitzt das Wasser. Überschüssiges Warmwasser wird mittels eines im Untergeschoss aufgestellten Speicher-Wassererwärmers vom Typ Rudocell-SWP (heute: Vitocell) auf seiner Temperatur gehalten. Das Gerät von Viessmann besitzt einen Elektro-Heizeinsatz und eine Heizwendel für den Kesselanschluss. Der Elektro-Heizeinsatz übernimmt die Trinkwassererwärmung im Sommer. Damit ist das Gerät für bivalenten Betrieb geeignet; das bedeutet, je nach Klima und Anforderung arbeiten Wärmepumpe und Speicher, bzw. Heizkessel und Speicher zusammen.

> Produktinfos Warmwasserspeicher Vitocell

Wärmepumpe

Zur Kälteversorgung der Lüftungsanlage und Kühldecken sowie Wärmeversorgung der Heizungsanlage bis zu einer Außentemperatur von über + 5°C wurde eine Wärmepumpenanlage (Heiz/Kühlmaschine) eingebaut, bei tieferen Temperaturen schaltet sich eine Niedertemperaturheizung an.

Wärmepumpen nehmen Wärme auf einem niedrigen Temperaturniveau auf und heben sie mithilfe von mechanischer Energie auf ein höheres Niveau. Daher eignen sie sich, um bereits vorhandene Wärme natürlicher Quellen, etwa Außenluft, Erdreich oder Grundwasser zu nutzen. Aber auch zum Kühlen lassen sie sich einsetzen. Bekannteste Anwendung: Kühlschränke. Auch dort fördern sie die Wärme von einem niedrigen Nivea (Innenraum) auf ein höheres Niveau, auf dem sie an die Umgebungsluft abgegeben wird; deshalb erwärmt sich die Kühlschrankrückseite während des Betriebs. Ziel ist hierbei natürlich nicht die Heizung der Luft an der Kühlschrankrückseite, sondern die Kühlung des Innenraumes. Wärmepumpen arbeiten mit einem thermodynamischen Kreisprozess, bei dem ein geeignetes Medium verdichtet und wieder entspannt wird. Je nachdem, welche Seite dieses Kreislaufs man sich zunutze macht, tritt der gewünschte Effekt der Kühlung oder Erwärmung ein.

Beim K-Gebäude erfolgt die gesamte Wärmeversorgung über + 5° C Außentemperatur durch die Wärmepumpenanlage. Dabei handelt es sich um eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe, die ihre Energie der Außenluft entzieht. Die Wärmepumpenanlage ist so dimensioniert, dass sämtliche thermischen Zustände mit der Anlage gefahren werden können: Soll nur gekühlt werden, wird die anfallende Wärme aus dem Haus über einen Zwischenkreisplattentauscher an die Heizkühlmaschine transportiert. Mittels eines Verdichters wird die Wärme aus dem Verdampfer zum Verflüssiger transportiert und dort über den Außenluftwärmetauscher abgegeben.

Der Idealfall tritt ein, wenn gleichzeitig gekühlt und geheizt werden soll. Dies bietet eine gute Möglichkeit, Energiekosten einzusparen. Überschüssige Wärme aus den EDV-Räumen, Schulungs- und Besprechungsräumen wird in der Übergangszeit in die Heizung zur Heizwassererwärmung hinzugeführt.

Je nach Außentemperatur besteht auch die Möglichkeit, mit der Anlage ausschließlich zu heizen. Bei Temperaturen über +5° C wird die natürliche Wärme der Außenluft genutzt und für Heizzwecke von der Wärmepumpe auf das erforderliche Niveau gehoben. Sie wird im Außenluftwärmetauscher aus der Außenluft gewonnen und mittels Heiz/Kühlmaschine an das Heizsystem abgegeben.

Zur Steuerung der Heiz/Kühlmaschine ist eine menügeführte Klein-DDCRegelanlage vorhanden und der Gebäudeleittechnik aufgeschaltet. Die Gebäudeleittechnik optimiert das Energieangebot aus Strom und Gas und sichert somit einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlage. Die Anlage wurde 1996 bereits mit dem umweltverträglichen Kältemittel R134a in Betrieb genommen.

Um auch bei Temperaturen unter + 5°C ein angenehmes Raumklima sicherzustellen, springt, sobald dieser Grenzwert unterschritten wird, eine gasbefeuerte Niedertemperaturheizungsanlage an. Das Gerät vom Typ Viessmann Vitoplex 300 bringt eine Leistung von 170 kW und ist für eine Vorlauftemperatur von 70°C und eine Rücklauftemperatur von 50°C ausgelegt.

> Produktinfos Niedertemperatur-Gas-Heizkessel Vitoplex 300
 

Klimakonzept

Sowohl im Schulungsbereich, in den Besprechungsräumen an der Frontseite des Gebäudes als auch im Foyer wurden Kühldecken eingesetzt. Sie stammen aus der Eigenproduktion der Firma Sto (Verotec) und bestehen unter anderem aus recyceltem Glas. Der restliche Teil des Gebäudes, der im Wesentlichen die Verwaltungsräume umfasst, ist nicht klimatisiert. Die Büros wurden mit massiven Brüstungen und einem effektiven Sonnenschutz versehen, so dass normale Fensterlüftung ausreichen sollte. Der Schulungsbereich wird mittels einer Lüftungsanlage mit Kühlung klimatisiert.

Autor: Sibylle Eck, Christian Schönwetter