Trotz schwieriger Bedingungen im vergangenen Jahr: Viessmann Group baut Marktposition weiter aus

Allendorf (Eder), 29. Februar 2016 – Unter nicht einfachen Marktbedingungen hat die Viessmann Group im Jahr 2015 ihre Marktposition weiter ausbauen können. Der weltweit tätige Hersteller von Heiz-, Industrie- und Kühlsystemen hat seinen Gesamtabsatz um 4,1 Prozent gesteigert, in Deutschland waren es sogar 5,9 Prozent. Unternehmenschef Prof. Dr. Martin Viessmann gab dies beim Jahrespressegespräch am Stammsitz im nordhessischen Allendorf (Eder) bekannt.

Plus bei Umsatz und Mitarbeiterzahl

Auch eine Steigerung des Umsatzes konnte Prof. Viessmann verkünden. Nach 2,18 Milliarden Euro in 2014 stehen für das vergangene Jahr 2,22 Milliarden Euro zu Buche; das entspricht einem Plus von 1,8 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten in der Unternehmensgruppe ist um rund 1,5 Prozent auf 11.600 Mitarbeiter angewachsen. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung betrugen unverändert 4 Prozent vom Umsatz; investiert wurden insgesamt rund 100 Millionen Euro. Schwerpunkte waren der Bau des neuen Forschungs- und Entwicklungszentrums „Technikum“, das im kommenden Jahr in Betrieb genommen wird, die Errichtung neuer Verkaufsniederlassungen sowie Projekte im Rahmen der digitalen
Transformation.

„Sind mit den Zahlen zufrieden“

Vor dem Hintergrund der Marktentwicklung, so Prof. Viessmann, sei man mit den Zahlen zufrieden. Nachdem lange Zeit fast ausschließlich der Ausbau der erneuerbaren Energien in der Stromversorgung im Fokus gestanden habe, sei die Energieeffizienz inzwischen von der Politik zur zweiten Säule der Energiewende erklärt und der Wärmemarkt entsprechend seines immensen Effizienzpotenzials besser adressiert worden. Die längst überfällige Auflösung des Modernisierungsstaus im Heizungsanlagenbestand sei jedoch bisher nicht wirklich in Gang gekommen. Das liege nicht nur an den gesetzten Rahmenbedingungen, sondern auch an den niedrigen Öl- und Gaspreisen.

Uneinheitliche Entwicklung in den Märkten

Der deutsche Heiztechnikmarkt verzeichnete branchenweit 2015 zwar ein Mengenwachstum von 4 Prozent auf 710.000 Wärmeerzeuger, dieses Wachstum bezieht sich jedoch gänzlich auf Gas- und Ölkessel. Biomassekessel verloren 18 Prozent, Wärmepumpen 2 Prozent und thermische Solarsysteme 9 Prozent ihres Marktvolumens. Die übrigen westeuropäischen Märkte wuchsen um 1,6 Prozent auf insgesamt 5,1 Millionen Wärmeerzeuger. Besonders schwierig stellt sich die Marktentwicklung in Teilen Osteuropas dar: Nicht nur in der Ukraine, sondern auch in Russland war der Heizungsmarkt stark rückläufig. Außerhalb Europas war die Entwicklung uneinheitlich. Während der nordamerikanische Markt sich ausgesprochen stabil zeigte, ist die Dynamik in China deutlich zurückgegangen.

Digital Energy Solutions

Im Rahmen des Pressegesprächs stellte Prof. Viessmann auch das Joint Venture „Digital Energy Solutions“ vor, das das Unternehmen kürzlich mit BMW eingegangen ist. „Digital Energy Solutions“ bündelt das Know-how von BMW und Viessmann als Innovationsführer ihrer Branchen. Das Joint Venture unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen dabei, ihre Energieverbräuche in Produktion und Verwaltung digital zu analysieren und transparent zu machen, durch Optimierungen den CO2-Ausstoß zu vermindern und nicht zuletzt Energiekosten zu sparen.

Dies wird erreicht durch intelligentes Lastmanagement, den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energie, die Eigenerzeugung von Energie und auch die Integration von Elektrofahrzeugen in die Fuhrparks. Darüber hinaus gehört das IT-basierte Identifizieren, Schaffen und Vermarkten von Energieflexibilität zum Angebot. Als zentralen Baustein nutzt das Joint Venture ein neu entwickeltes ITSystem zum intelligenten digitalen Management von Energiesystemen.

Digitalisierung im Unternehmen

Auch abseits dieses Joint Ventures sei die Digitalisierung für Viessmann ein zentrales Thema, so der Unternehmenschef. Sie sei die zweite große Herausforderung, mit der man sich neben der Energiewende intensiv beschäftige. Gemeinsam mit den Marktpartnern sei man dabei, die neuen Ansätze aufzugreifen und die Geschäftsmodelle auf Basis der eigenen Kernkompetenz weiterzuentwickeln.

So habe man bereits die Digitalisierung des Unternehmens auf allen Ebenen eingeleitet. Das betreffe zum Einen die Organisation, die nicht nur digital transformiert, sondern auch mit digitalen Talenten verstärkt werde. Darüber hinaus werde das Arbeitsumfeld angepasst, mit dem Ziel größere Agilität und mehr Unternehmertum der Mitarbeiter. Auf diese Weise wolle man den mit der Digitalisierung verbundenen kulturellen Wandel erfolgreich bestehen.

Konnektivität als eine der zentralen Produkteigenschaften

Zum Anderen werde, wie schon auf der Weltleitmesse ISH 2015 in Frankfurt angekündigt, Konnektivität künftig eine der zentralen Produkteigenschaften aller Viessmann Wärmeerzeuger sein. Dazu wird man eine Lösung anbieten, mit der die Marktpartner Heizungsanlagen durch einfache Plug&Play-Installation über WLAN mit dem Internet verbinden können. Der Anlagenbetreiber wird dadurch in die Lage versetzt, Temperaturen oder individuelle Heizzeiten ganz einfach per Smartphone einzustellen. Der Fachhandwerker hat nach vorheriger Freischaltung durch den Anlagenbetreiber die Möglichkeit, die Betriebsparameter des Heizsystems einzusehen und frühzeitig Servicebedarf zu erkennen und Einsätze zu planen. Darüber hinaus bietet ihm Viessmann eine neue Software, die den jeweiligen Status der von ihm betreuten Heizungsanlagen anschaulich visualisiert und ihm den
Zugang zu deren Betriebsdaten gewährt.

„Heizungsprofi.de“

Während früher 80 Prozent der Investitionsentscheidungen für eine neue Heizungsanlage durch die lokalen Fachhandwerker gesteuert wurden, informieren sich die Endverwender mehr und mehr im Internet und erhalten dort in kürzester Zeit attraktiv erscheinende Angebote. Um dem zu begegnen, hat Viessmann zum Jahresbeginn die Internetplattform „Heizungsprofi.de“ eingeführt. Damit nutzt das Unternehmen die große Online-Reichweite ihrer bekannten und starken Marke, um Interessenten zu gewinnen und sie an leistungsfähige Heizungsfachbetriebe vor Ort zu vermitteln. Gleichzeitig generiert ein Heizungsrechner nach Vorgaben des jeweiligen Fachbetriebs ohne Zeitverlust ein konkretes Angebot über für den Anwendungsfall passende und den Anforderungen der Energiewende Rechnung tragende Viessmann Produkte.

„Fortschreitenden Wandel aktiv mitgestalten“

Zusammenfassend resümierte Prof. Dr. Viessmann, dass man den fortschreitenden Wandel in der Branche aktiv mitgestalten und die damit verbundenen Chancen gemeinsam mit den Marktpartnern konsequent nutzen werde.

Einweihung der Power-to-Gas-Anlage

Im Anschluss an das Jahrespressegespräch wurde am Viessmann Unternehmensstammsitz in Allendorf (Eder) die weltweit erste Power-to-Gas-Anlage eingeweiht, die ein biologisches Verfahren zur Methanisierung nutzt. Neben zahlreichen weiteren Ehrengästen aus Politik und Wirtschaft nahm auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier an der Veranstaltung teil.

„Das Unternehmen ist eines der international sichtbaren hessischen Aushängeschilder; es ist ein starkes Stück Hessen“, sagte der Ministerpräsident in seinem Grußwort. Ein Bekenntnis zum Standort sei neben der neuen Power-to-Gas-Anlage auch das geplante Forschungs- und Entwicklungszentrum „Technikum“, in das das Unternehmen 50 Millionen Euro investiere, so Volker Bouffier.

Neues mikrobiologisches Verfahren

Während in anderen Power-to-Gas-Konzepten die Methanisierung auf chemisch-katalytischem Weg erfolgt, hat das Viessmann Gruppenunternehmen MicrobEnergy ein biologisches Verfahren entwickelt, das seit einem Jahr in Allendorf zur Anwendung kommt.

Diese biologische Methanisierung zeichnet sich durch hohe Flexibilität aus und ist damit ideal geeignet, fluktuierende Energie aufzunehmen. Durch die Nutzung vorhandener Biogas- und Klärgasanlagen können die Investitionen für Power-to-Gas deutlich gesenkt werden, da Transformatoren sowie Strom- und Gasnetzanschlüsse oftmals bereits vorhanden sind.